Baumgartner III und Ende


Er hats gepackt. Er hats tatsächlich gepackt. Das Trudeln kontrolliert, das wirklich schlimm aussah und er ist sicher am Boden.

Und nun einmal ein paar ehrliche Worte an einige der sogenannten „Kritiker“.

Hams euch ins Hirn geschissen?

Ein Zitat, das mir überliefert wurde:

„Ich hoffe, der verreckt. Der hat Frau und Kinder zurückbleiben, wenn der stirbt. Ich hoffe, der verreckt dran“

Kurzen Gruß an dieser Stelle: Lass dich behandeln. Du kritisierst, dass er im Fehlschlag Frau und Kinder zurückläßt, drückst ihnen ihr Mitgefühl aus und wünschst ihnen dann, dass sie den Vater und den Ehemann verlieren? Wie bekloppt ist das denn?

Dann ein part, auf de sich der Satz mit dem Hirnschiss ausdrücklich nicht bezieht:

Die Aktion hat ~5,5 Mio. Euro gekostet. Das ist Verschwendung.

Gut, wenn man das 1969 gesagt hätte, als Apollo 11 auf dem Mond gelandet wäre – was wäre dann? War das damals auch Verschwendung?

War dieser Mann ein Spinner, der Geld verschwendet hat? Aus der Sicht vieler damals: Ja, denn man konnte sich nicht vorstellen, wozu fliegen können gut sein sollte. Man konnte sich nicht vorstellen, warum man überhaupt fliegen sollte. Man konnte sich keinen Grund vorstellen, vom Boden abzuheben.

Und heute leben wir in einer Welt, wo das Fliegen selbstverständlich ist.

Was ist mit diesem Mann, der sein Leben riskiert hat? War die Mission eine Verschwendung?

Es ist leicht zu sagen, dass es Geldverschwendung war. Man kann sich so leicht moralisch überlegen fühlen.

Aber einem Menschen, nur weil er es wagt, außerhalb der Box zu denken, etwas zu tun, was moralisch nicht einwandfrei ist, den Tod zu wünschen

das ist widerlich.

/p.s. Hase, ich beziehe mich nicht ausdrücklich auf dich 😉

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Veröffentlicht am 14. Oktober 2012, in Grober Unfug. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 21 Kommentare.

  1. Ich wage zu bezweifeln, dass sein Sprung irgendeinen Fortschritt nach sich ziehen wird, zumal da er ja auf bekannte Technologien zurückgegriffen hat.
    Selbstverständlich ist diese Aktion Geldverschwendung gewesen, aber hey, wer’s mag…

    Ich halte im übrigen auch Autorennen für Geldverschwendung oder Motorbootrennen etc.

    Aber wer’s mag…

    • Es geht nicht um neue Technologien.

      Aber:
      Es war der höchste *bemannte* Ballonflug in der Geschichte der Menschheit. Aus den Daten wird sich wohl was gewinnen lassen. Der hat den Jetstream durchquert, ein Gebiet das noch recht wenig erforscht ist. Da ist einiges an Daten angefallen, die gut brauchbar sind.

      Schallgeschwindigkeit ohne dass du einen Metallkäfig drumrum hattest, auch das war neu, auch das wird man brauchen können – ich denke da an einen Notabstieg z.b. bei der ISS oder andere bemannte Raumflüge.

      Der ist körperlich und geistig am Limit gewesen. Man hat gesehen, welche Überwindung ihn das lösen des Sicherheitsgurtes gekostet hat. Und das war verdammt wackelig da oben. Auch das sind Sachen die man aufgezeichnet hat, wie der Körper unter dieser Extrembelastung reagiert.

      Auch daraus lassen sich Erkenntnisse gewinnen, medizinische z.B.

      Unabhängig davon, dass er sich wirklich einen Traum erfüllt hat: Das war definitiv nicht völlig sinnlos.

      • Notabstieg aus der ISS würde wohl zumindest Bremsraketen an den Anzügen bedeuten. Einerseits um die Bahngeschwindigkeit zu reduzieren (Bewegung „über Grund“, die war bei Baumgartner nahe Null – und ein Astronaut der einfach aus der ISS aussteigt würde schön brav weiter um die Erde fliegen :-)) und den Abstieg senkrecht zum Boden zu bremsen.
        Laut Medienberichten war Baumgartner maximal etwa 1300km/h schnell – oder 360 Meter pro Sekunde. Im freien Fall im Vakuum erreichte er das grob gerechnet auf etwa 33km Höhe nach 36 Sekunden und 6,5km Fall. Niedrigste Bahnhöhe der ISS waren etwa 330km, also grob 300km Freifall bis zu der Höhe, an der Felix Maximalgeschwindigkeit hatte. Nur hätte ein Astronatut, der aus der ISS springt, auf dieser Höhe nach etwa 4 Minuten (245s) grob 2450m/s oder grob 8800km/h. Mal eben das siebenfache 🙂
        Also doch eine deutliche technische Herausforderung. Aber natürlich dennoch sinnvoll, drüber nachzudenken. Immerhin ist ja „Überschall in der Stratosphäre“ nun als prinzipiell überlebbar bewiesen. Ob das auch bei „Abbremsen durch die Atmosphäre aus Mach 8“ gilt müsste noch getestet werden 🙂

        • Vielleicht sollte er demnächst mal auf der ISS zu Gast sein und den Heimweg im Alleingang unternehmen 😉

          Eine Art Scooter, der ihn außenbords über Grund genügend abbremst sollte sich machen lassen 😉 Aber bei Mach8 wird’s dann auch schon etwas wärmer beim Abbremsen.

          Der Notabstieg wird wohl noch eine Weile auf sich warten lassen, aber man darf ja mal ein wenig spekulieren.

  2. Da wurden Tonnen/Terabyte an Daten gewonnen wo man sicher noch Jahre dran rumforschen kann, keiner wußte wie der Körper auf die Schallmauer regiert.

    Er wollte es und hat mit Red Bull einen Sponsor gefunden der gesagt hat, hier hast die Kohle dann mach mal, das ist ein Privileg was kaum ein Mensch hat, klar hätte man die Kohle auch sinnvoller anlegen, aber warum?

    Ich beneide ihn, weil er was gemacht hat, was ich niemals machen kann bzw mich trauen würde ( höhenangst ist kagge)

  3. Es werden doch jeden Tag überall auf der Welt so viele Sachen ausprobiert, die keinen Fortschritt bringen, was man aber nur weiß, weil sie eben ausprobiert werden….ich bewundere Leute, die den Mut haben, etwas Besonderes auszuprobieren…

  4. Weder bewundere ich ihn, noch verdamme ich ihn. Ich kann mit diesen Rekorden absolut nix anfangen. Übrigens, waren an seinem Anzug tatsächlich auch die notwendige messtechnische Ausrüstung angebracht um überhaupt etwas daraus ziehen zu können? Mal ganz davon abgesehen, dass man die gleichen Ergebnisse auch auf der Erde hätte simulieren können. Ich bezweifle ernsthaft einen wissenschaftlichen Nutzen. Ich sehe das nur als weiteren Punkt in der Jagd nach immer mehr und wagemutigeren Rekorden.

    • Jepp war es. Jede Sekunde wurde aufgezeichnet.

      Und aufs der Erde hättest du einen freien Fall im Beinahe-Vakuum aufs keinen Fall realitätsnah simulieren können. Oder die Effekte beim Durchbrechen der Schallmauer.

      Das ist – natürlich – Beifang. Aber nützlicher.

      • Freier Fall im Beinahe-Vakuum http://de.wikipedia.org/wiki/Fallturm_Bremen check!
        Die Auswirkungen des Überschall geht genauso gut oder eher schlecht in einem Jet, da er ja in einem Druckanzug war. Da hätte – wissenschaftlich gesehen – doch besser einen Dummy mit Messgeräte voll gestopft und runter geschmissen. Den Anzug schau ich mir jetzt in der Hinsicht nochmal etwas genauer an, ob da mehr dran ist.

        • nur zur Erinnerung: man hat Jahre gebraucht, bis Jets so gebaut werden konnten, dass sie den Durchtritt ins Überschallgebiet überlebt haben und nicht zerbröselt sind. Er hat das in einem simplen Raumanzug ohne Spezialgeometrie des umgebenden Körpers gemacht…
          Gut, da oben hat’s auch nicht sooo viel Luft, die mechanisch hätte einwirken können (sogar die U2 flog damals niedriger), aber dennoch war das ein Risiko. Klar, hätte man prinzipiell auch mit nem Dummy testen können, aber so konnte man von einem Augenzeugen erfahren, wie es sich anfühlt. 🙂

      • Laut dem schematischen Aufbau hier: http://kurier.at/nachrichten/4514417-so-will-baumgartner-in-die-geschichte-eingehen.php#vor ist in dem Anzug außer einer Kamera nur Standardzeug. Es bleibt dabei wissenschaftlich hat das Ganze nichts gebracht.
        Ich möchte hier die emotionale Schiene nicht schlecht reden.
        Objektiv betrachtet hat er nur gezeigt, dass die in anderen Bereichen bereits getestete Technik auch hier funktioniert.

  5. Theorie und Praxis sind 2 paar Schuhe, in der Theorie weiß ich wie ein Ottomotor arbeitet, praktisch würde ich so einen Ottomotor nicht zusammen bauen können. Wenn jemand in der heutigen Zeit sowas macht, kann man zu 99% davon ausgehen das dort alles was man an Daten aufzeichen kann aufgezeichnet wird.

    Für mich war der Sprung das Selbe wie die Mondlandung oder halt der Sprung von Joe Kittinger, der damals nicht weltweit übertragen wurde. Ich freue mich das ich es LIVE miterleben konnte und freue mich noch mehr das er es unbeschadet überstanden hat.
    Der Sprung hat Geschichte geschrieben, sowas passiert nicht alle paar Jahre sondern nur alle paar Jahrzehnte und wenn man überlegt wo die Raumfahrt beim sprung von Joe Kittinger war, wer weiß wo die in 50 Jahren sind. ( wow das könnte ich evtl noch erleben, wird dann aber schon knapp 😀 )

    Wer kann und möchte kann heute abend um 20:15 auf ServusTV ( der Redbullhaussender) mehr Input bekommen, unter anderem auch von seinen Anzugkameras soll es Bilder geben und die dürften der absolute oberhammer sein ( Mach 1,24 WTF)

  6. Zu der Geldverschwendung habe ich einen schönen Kommentar (irgendwo im Netz) gelesen (Übersetzt): „Es gab sinnlosere Dinge, für die weitaus mehr Geld verschwendet wurde – alle Kriege der letzten 100 Jahre z.B.“
    Was die Extremisten betrifft: Nah, sowas hat nicht einmal eine Beleidigung verdient.

    Was Herrn Baumgartner betrifft: RESPECT! Und Glückwunsch zum Erfolg.

  7. advocatus diaboli (aka JoyntSoft)

    Dass Kriege eine Geldverschwendung sind, wird auch nicht jeder sofort unterschreiben, da nichts den technologischen Fortschritt schneller voran bringt, als das Militär, bzw. dessen (vermeintliche) Bedürfnisse 😉

  8. Respekt für den Extremsportler. Es ist müßig, seine Leistung mit anderen Leistungen zu vergleichen, weil nunmal nicht vergleichbar ist, ob ich aus 36km aus einer Kapsel springe oder 200-schlagmichtot km beim Ironman auf Hawaii hinter mich bringe, oder was auch immer. Über Sinn und Unsinn diskutiert man bei solchen Events auch nicht.

    Was mir aber damit wieder mal bewusst geworden ist, wie klein und unbedeutend wir doch sind. 36km, was sind das schon? Ein Katzensprung auf ebener Strecke, eine schon etwas größere Leistung, wenn es senkrecht nach oben geht. Aber auch das ist gerade mal ein Tausendstel des Weges zum Mond; im kosmischen Sinne hat er die Erdkugel quasi nicht verlassen.

    Persönliche Meinung: Nur ein Verrückter springt freiwillig aus einem intakten Fluggerät!

    • 36km klingt nicht nach sooo arg viel, aber er hat das in unter 10 Minuten zurückgelegt. Ich gehe fast jede Wette ein, dass Du das mit deinem Auto nicht hinbekommen wirst 🙂 Schon gar nicht mit Nullgeschwindigkeit am Anfang und fast Null am Ende. (wären so etwa 220km/h Schnitt).
      Klar, ein Flugzeug ist schneller, aber so ziemlich jedes andere Fortbewegungsmittel ist *horizontal* deutlich langsamer. Von vertikal ganz zu schweigen 🙂

  9. „Das Trudeln kontrolliert, das wirklich schlimm aussah und er ist sicher am Boden.“
    Als Laie, der die ganze Sache nicht verfolgt hat: Was wären die Folgen gewesen, hätte er das nicht geschafft?

    • nach dem, was ich gelesen habe: Er wäre wahrscheinlich gestorben.

      Die Fliehkräfte hätten das Blut in den Kopf und die Füsse gedrückt – Bewusstlosigkeit und nachfolgender Tod wäre die Folge gewesen.

      Es ist nicht lange her, da hat ein anderer Springer, der nicht ganz so hoch war, genau das erlebt – er ist zwar lebend am Boden angekommen aber nach kurzem Koma verstorben. Offenbar waren die Hirnschäden zu groß.

    • Schätze, wenn er wild getrudelt wäre, hätte er sich beim Öffnen des Fallschirms in den Leinen verheddern können. Und dann hätte es einen leckeren Pfannkuchen in der Wüste gegeben!

  10. Warum er das gemacht hat? Weil’s geht… und dieses „Das geht? Ich will das machen!“ versteh ich absolut, auch wenn ich nicht verstehe, wie man ausgerechnet auf DIESE Idee kommt… 😉

    Und das mit der Geldverschwendung ist ein selten blödes, realitätsfernes Argument…

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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