Springer schafft sich ab


Der eine oder andere wird es vielleicht mitbekommen haben: Die Axel Springer AG hat sich von einem ziemlich großen Teil ihres Printjournalismus getrennt.

Man kann zu dem Verlag, bzw. ehemaligen Verlag stehen wie man will, aber er hat die Medienlandschaft geprägt. Zuletzt hat der Springer-Verlag gegen jede Vernunft zusammen mit Burda noch das Leistungsschutzrecht durchgedrückt.

Was bleibt eigentlich noch von Springer übrig?

Mit Journalismus hat Axel Springer sein Geld schon lange nicht mehr verdient. Es war Product Placement und gezielte Werbeartikel, die versteckt im redaktionellen Teil als „journalistische“ Artikel eingepflegt wurden. Es waren die „Volks“-Produkte, die Axel Springer Geld reingebracht haben.

Und es waren die Aktivitäten außerhalb des Journalismus, die Geld reingebracht haben.

Das wäre zu verschmerzen gewesen, wenn die verbliebenen Journalisten wenigstens noch ihre Arbeit gemacht hätten. Doch auch das ist ein Teil von Axel Springer: Werbeblatt für Politiker, wahlweise aber auch  Plattform, um Politiker gezielt zu beschädigen.

Die Bildzeitung als Königsmacher. So sieht sie sich und mit der Aura schmückt sie sich.

Jürgen Trittin, Christian Wulff, Horst Seehofer, Kuschel-Philip Rösler, sie alle wissen das und sie alle haben ihre Erfahrungen gemacht. Manche positiv, doch auch die positive Berichterstattung hat ihren Preis.

Zeitungen wie das Hamburger Abendblatt, mit dem der Springer-Konzern einst begann, haben nicht mehr genug Geld reingebracht. Und in bester BWL-Manier wird um jeden Preis abgestoßen, was kein Geld mehr bringt. Koste es, was es wolle.

Und so hat Axel Springer dem Verlagshaus Funke, das bereits die WAZ so ausgedünnt hat, dass auch hier investigativer Journalismus, wie er an so vielen Orten dringend notwendig wäre, nicht mehr möglich ist, Geld geliehen, damit dieses das Paket aus Lokalzeitungen und Filetstücken wie Hörzu kaufen konnte.

Der Rechnung nach soll sich das in 10 Jahren offenbar amortisiert haben. Vielleicht 15, wenn man die Zinsen mitrechnet. Und ich frage mich gerade, ob ICH wirklich diejenige bin, die nicht rechnen kann.

– Hörzu ist eine Fernsehzeitung. Das Fernsehen wird aber im täglichen Medienmix immer unwichtiger. Die früher so einfache Regel: „Abends Fernsehen“ und nachmittags das Kinderprogramm zählt nicht mehr. Die Leute merken, dass sie sich äußern können und tun das auch. Im Internet. NUR Fernsehen, das sind die wenigsten, die das noch machen. Selbst die Generation 60+, also die meiner Eltern, stellt fest, dass man doch gar nicht nur irgendwo in der Ecke auf den Tod warten muss. Sondern dass man durchaus noch via Internet partizipieren kann.

Die Jungen, die nachgeboren werden, wachsen viel eher mit Facebook und Co. auf als mit dem Fernseher. Das Fernsehen ist eine antiquierte, eindimensionale Technik, die nur in eine Richtung sendet. Für bestimmte Dinge mag das gut sein, aber ich sehe das Fernsehen auf mittlere Sicht auf dem absteigenden Ast.

Und Wetten, dass….? ist der Sargnagel.

Eine Fernsehzeitung zu kaufen ist ungefähr so wie Eulen nach Athen tragen. Tut man nicht, ist bescheuert. Was will man denn? Die meisten holen sich das aktuelle TV-Programm, wenn sie es denn brauchen, eh aus dem Internet. Man markiert sich seine Sendungen und guckt die dann. Oder nimmt die auf und guckt später.

– Lokalzeitungen

Sind dank der Funkeschen Taktik, Lokalredaktionen zu schließen, inzwischen auch für den Arsch. Früher gabs den Lokalreporter, der seine Pappenheimer kannte. Und der auch wußte, wo er seine Infos herbekommt. Der war überall mit drin und kannte die Menschen im Dorf.

Und heute? Da gibts noch eine „Lokal“redaktion in der nächsten Kreisstadt, wenn man Glück hat. Oft ist auch die bereits geschlossen und die Lokalnachrichten werden von den Landesstudios bedient. Die „Lokal“-Artikel sind nicht mehr recherchiert, das geht bei der Personaldecke nicht mehr. Ergo gibt es nur noch vorgefertigte Nachrichten. Pressemitteilungen die in Artikelform geschrieben wurden, zum Beispiel. Ich habe selbst solche werbenden Presse“mitteilungen“ schon aufgesetzt und sie wurden 1:1 übernommen.

Es gibt keinen kritischen Lokaljournalismus mehr. Und entsprechend sehen die Leute auch nicht wirklich ein, für ein Lokalblatt, dass zu überwiegenden Teilen nur noch aus Werbung besteht, noch einen Cent zu zahlen. Sie *kennen* die Skandale in ihrem Heimatstädtchen, doch sie finden sie nicht mehr in den Lokalnachrichten wieder.

Zum Teil wird das für das Ruhrgebiet aufgefangen durch die Ruhrbarone. In anderen Gegenden gibt es vielleicht ähnliche Projekte. Doch flächendeckende Recherche sieht deutlich anders aus.

Die Journalisten, die jetzt zur Verlagsgruppe Funke wechseln müssen, fürchten zu Recht um ihren Job. Denn auch eine zweite Sache tut dieses „Verlags“haus mit seinen ehemaligen Angestellten: Sie werden rausgeworfen aus der Festanstellung und dann als „freie Journalisten“ geführt.

Das bedeutet für viele schlichtweg den Kampf ums tägliche Brot. Texte am Fließband schreiben, um genug Zeilen zusammenzubekommen, die man dann verkaufen kann. Recherche ist, von einigen wenigen wie Jens Weinreich oder auch die CARTA-Journalisten und nicht zuletzt Torsten Dewi einmal abgesehen, nicht mehr zu erwarten.

Es wird viel von prekären Arbeitsverhältnissen gesprochen, doch wir vergessen zu oft die Journalisten. Denn unter anderem von deren Fähigkeiten zur Recherche hängt auch unsere Demokratie ab.

Und durch Verlagshäuser wie Axel Springer und Funke, die auch noch die Frechheit haben, ein Leistungsschutzrecht FÜR SICH (und nicht seine Journalisten) zu reklamieren, ist diese inzwischen in ernster Gefahr. Sie bringen die Journalisten in eine Situation, wo sie nicht mehr recherchieren können. Sie „kaufen“ die Texte für einen Appel und ein Ei ab, die meisten müssen strampeln, um existierten zu können. Irgendwer hat mir mal den Begriff „Worthure“ übermittelt: Man verkauft sich für den Text, den man verkauft.

Was wir brauchen, ist ein LSR für Journalisten. Nicht für Verlagshäuser. Und die Existenzberechtigung von Funke und Axel Springer steht noch zu beweisen.

Doch zumindest Axel Springer hat heute den ersten Schritt in Richtung Bedeutungslosigkeit getan.

Man kann nur sagen: Weiter so.

Dem Journalismus (nicht dem Verlagswesen) kann das nur guttun.

Veröffentlicht am 25. Juli 2013, in Medienschelte. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. Will mal als monatelanger stiller Mitleser meinen kleinen Streuselkuchen draufwerfen🙂.

    Die Hörzu war in den 1960ern bis in die 1980ger hinein in meiner Familie und im Bekanntenkreis DIE Standard-Fernsehzeitung. Die lag so ziemlich auf jedem Tisch. Dann kamen die Billig-Blättchen wie „Auf einen Blick“ und „die 2“ und wie sie alle hießen, und plötzlich war die Hörzu zu teuer.

    Heute im Zeitalter der Satelliten und Digitalkabelsender braucht imho kein Mensch mehr eine Fernseh-Zeitung. Und so ziemlich jeder Sender hat den „Electronic Program Guide“ (EPG), der einem die nächsten Sendungen des Kanals inklusive Beschreibung liefert.

    Ich befürchte also mal, dass Funke die alte Cashcow „Hörzu“ noch eine Weile melken wird, indem sie sie ausdünnen. Wenn dann der letzte Tropfen rausgepresst ist, wird das Blatt wohl eingestampft werden.

    Sanfte Grüße

    • Thörchen❤🙂

    • kleiner_Geist

      Früher in meiner Kindheit habe ich die Hörzu wegen ihrem Humor und ihrer Rätselecke (Schach!!) geliebt. Heute habe ich weder eine Fernseh noch eine Tageszeitung, warum auch?

      • Eben. Die Zeiten sind vorbei.

      • Oh ja, und die Bildersuche. Die hat mich jedesmal fast um den Verstand gebracht. Und der Fernseh-Igel Mecki.
        Die hatten mal ’nen Comic mit lauter Fernseh-Stars wie Kulenkampff als Sherlock Holmes und Martin Jente als Watson, Karl-Heinz Köpcke (wer kennt den noch??) als „Tarzan“. Hat meine Mutti damals ausgeschnitten und gesammelt, leider beim letzten Umzug verloren gegangen…😦
        Mann, das 20. Jh. war echt besser …😉

  2. Die Springer versuchen ja doch ihr müde Mark im Netz zu verdienen, aber bei Bildé Plûsè (nicht das die Markenrechter hier her hoppsen) gibts ja auch nur irrelevantes Tralala wie schon so einige Kritiker/Tester festgestellt haben,

    Was kurzfristig keine Kohle macht wird in der (Kommunal)Politik ja auch abgespeckt.

    Ich denk mal auch durch Kreiszusammenlegungen und entsprechend auch die Relokalisierung von Redaktionen sinkt ja auch der Anspruch, Früher hatte jedes Städtchen seine eigene Zeitung und jetzt gibts nur noch Regionalblätter mit 1-3 Seiten Lokalteil und Oma Friede interessierts nun mal kaum was in der 50 km entfernten Kreisstadt so abgeht.

    Wirtschaftlich scheint es sich ja nicht zu lohnen investigativ tätig zu sein, da dauert es zu lange was aufs Papier zu bringen und nachher vergrätzt man sich die Werbekunden.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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