Wenn ich dich umarme, habe ich keine Angst


Die schönsten Geschichten schreibt ja doch immer noch das Leben.

Wir gucken häufig genug auf Leute mit Behinderung mit einer Mischung aus Faszination und Ablehnung. Bloß nicht zu sehr involviert werden, bloß nicht zu dicht ran – der ist nicht so wie ich.

Und doch, wann immer ich die Gelegenheit hatte, mit den Eltern von gehandicapten Kindern zu sprechen: Tauschen wollten sie nie. Nie. Sie liebten diese Kinder mit einer Tiefe, die ich nie werde verstehen können.

Wann immer ich einen Idioten von einem verschwendeten Leben schwadronieren höre, habe ich den Vermieter meiner Eltern im Kopf: Schwerstbehinderter Sohn, inzwischen ist er Mitte dreißig. Er kann nicht sprechen, kann sich kaum bewegen und doch: Er erkennt Menschen, und er reagiert auf Zuwendung, er freut sich sichtlich darüber. Wenn man mit ihm spricht, versucht er zu folgen und zu antworten und er wird durchaus frustriert, wenn man ihn nicht versteht.

In dem Fall ist sein Vater der Beste: Er begreift instinktiv, was sein Sohn will und liegt nie daneben. Wenn Papa danebensteht, ist der Sohn ruhig, auch wenn er sonst unglaublich fahrig war.

Es sind Vater-Sohn-Gespanne, die die Geschichten in letzter Zeit schreiben. Team Hoyt – oder auch Franco und Andrea.

„Wenn ich dich umarme, habe ich keine Angst“ ist die Geschichte von Vater und Sohn, die genug Therapien hatten und sich einfach auf das Motorrad setzten und duch Amerika gefahren sind. Man sieht den beiden im Trailer an, dass sie glücklich sind. Und doch: Andrea kann keine Gefühle senden, nur empfangen. Er sieht die Worte, doch er kann sie nicht sagen.

Andrea ist Autist.

Die Reise von Vater und Sohn: Ich glaube, das ist ein Buch, dass man durchaus mitnehmen kann.

Nicht nur für eine Sommerlektüre.

Veröffentlicht am 17. Juli 2013, in Daily Good News. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. Danke für den Tip, lese schon fleissig😉 Erinnert mich an „Buntschatten und Fledermäuse“ (auch ein empfehlenswertes Buch)

  2. Moin moin Tantchen🙂
    habe gerade beide Bücher in meine Merkliste verschoben. Und ich denke nach unserem Umzug werde ich auch wieder Zeit haben, mich auf Bücher wie diese konzentrieren zu können. Im Moment gibt es Abends nur ein wenig Fantasy zum Runterkommen. Danke für den / die Tipps

  3. Klingt spannend und interessant. Und ja, ich möchte auch nie tauschen. Ich habe zwei „übliche“ Kinder und eines, das durch eine schwere Krankheit ein bisschen anders ist. Eine Freundin, die auch ein behindertes Kind hat, meinte mal zu mir: „Ich finde es zu kotzen, wenn die Leute mir sagen: >Also, wie du das nur schaffst – iiiiich könnte das nieee!< – was machen die denn, wenn denen auch so etwas passiert? Stecken die ihr Kind ins Heim oder was?"

    Tante Jay, du kannst ein Leben mit so einem Kind von zwei Seiten sehen: die erste Seite ist die, das alles ganz furchtbar und schrecklich ist und wie arm man dran ist, das man so ein Kind hat. – Und du kannst dir überlegen, ob du diese Einstellung tatsächlich für den Rest deines Lebens haben möchtest und so leben willst. Ich glaube, nicht.

    Und du kannst sagen: Ist doof, lässt sich kaum ändern, machen wir das Beste draus! – Und erleben, wie toll die Welt sein kann. Du lernst, dich über Kleinigkeiten zu freuen… und ja, sicher, du wirst auch jede Menge Frust erleben, Traurig sein und so weiter. Aber das hast du auch mit einem "üblichen" Kind, nur aus anderen Gründen.

    Um nichts in der Welt möchte ich alle Erfahrungen, egal ob gut oder nicht so gut, die ich gemacht habe, seit dem Nick seinen Hirntumor hatte, gegen irgendetwas eintauschen. Denn ich habe so unglaublich viel gelernt dadurch – es ist einfach eine Bereicherung mit so einem Kind zu leben und man lernt viele, viele, viele tolle Menschen kennen, die man sonst nie kennen gelernt hätte und hat Chancen, die man sonst auch nie gehabt hätte. Wenn man sie denn nutzt🙂

    • Richtig. Verdammt, es sind Kinder. Sie haben nichts getan, damit es ihnen schlecht geht. Wir können es nicht ändern, aber wir können verdammt noch eins dafür sorgen, dass es ihne nicht noch schlechter geht.

  4. Schwandorfer

    Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass man jede Aufgabe meistern kann, die einem das Leben stellt. Man kann hohe Kräfte mobilisieren, wenn es um den Nachwuchs geht, das sind die Mutter- und Vaterinstinkte, die einen da kämpfen lassen wie eine Löwenmutter/vater! Mir gefällt das Bild dieser starken Tiere, die ihre Jungen gegen äußere Angriffe verteidigen. Wir solten aber auch aufpassen uns nicht zu sehr von unserer Umwelt abzukapseln. Wir finden es ganz wichtig die Freuden des Alltags mit Bekannten zu teilen. Neulich haben Freunden ihm zu seinem Geburtstag mit seinem neuen Fußballzimmer eine Riesenfreude gemacht, denn trotz Handicap ist er ein großer 96-Fan.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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