Über U-Boote


Es ist ja nicht nur Jörg Rupp (der ja nach wie vor glaubt, Snowden wär ein U-Boot). Es sind ja inzwischen auch erheblich mehr Leute, die glauben, Edward Snowden wäre von der US-Regierung vorgeschickt worden, um Prism und Tempora bewußt zu veröffentlichen – damit wir alle die Schere im Kopf haben, die mehr Daten gewinnen, whatever.

*seufz* Jau.

Man könnte ja jetzt argumentieren, dass das eine bewußte Entscheidung der US-Regierung ist, um die Regierungen der Welt danach zu erpressen, dass sie dem „American Way of Life“ folgen. Das würde bedeuten:

1. die NSA schickt einen ihrer Männer mit einem Haufen Festplatten los, das Daten über die beiden großen Schnüffelprogramme unserer Zeit hat

2. der leakt dann brav von Hongkong aus alles via Glenn Greenwald an den Guardian und von dort aus an alle anderen Medien

3. die amerikanische Regierung macht dann Panik an der Oberfläche und setzt alle möglichen Regierungen unter Druck, damit sie Snowden ausliefern. Gleichzeitig annullieren sie seinen Reisepass. Die Regierungen widerstehen und schütten Häme über die amerikanische Regierung aus, das ist von ihr aber beabsichtigt. Warum, seht ihr gleich

4. Snowden wird dann mit einem Pass versorgt, den ihm Julian Assange via ecuadorianische Botschaft besorgt hat, Snowden grinst sich eins, dass er Assange involvieren konnte und seine Situation in der Botschaft unhaltbar machte.

5. Snowden sitzt im Transitbereich Scheremetjewo und plaudert lieb mit dem FSB. Nebenbei leakt er eine Menge weiterer Daten, unter anderem die Tatsache, dass die Regierungen der Welt ebenfalls großflächig abgehört werden. Medien auch. Die Regierungen werden sogar qualitativ hochwertiger abgehört: Während wir im Grundrauschen untergehen und die Algorithmen „nur“ Abweichungen von der Norm feststellen, sind die Regierungen ziemlich verschnupft, weil Gespräche gezielt abgehört wurden, um z.b. die Verhandlungsbasis der Amerikaner zu verbessern oder auch um Wirtschaftsspionage zu betreiben.

6. Die Regierungen empören sich und die Amerikaner erklären an der Stelle jedem einzelnen Politiker unter Vorzeigen des kleinen Kompromatköfferchens, das sie angelegt haben, dass die sich nicht so anstellen sollen.

7. die Weltherrschaft der Amerikaner ist komplett. Snowden sitzt in Scheremetjewo bis Gras über die Sache gewachsen ist, kommt dann reumütig nach Hause zurück, wird unterwegs nicht abgeschossen und zu Hause vor ein faires Gericht gestellt, dass ihn dann freispricht. Mit den so verdienten Millionen kann er sich dann gepflegt zur Ruhe setzen.

An der Stelle sei gesagt: Vieles davon ist sicherlich richtig. Aber:

Selbst wenn das Szenario korrekt sein sollte – was würde sich ändern? Was würde sich an der Faktenlage, dass wir nicht nur abgehört, sondern systematisch durchsucht werden, dass wir in einer Welt leben, wo Stasibeamte einen Orgasmus nach dem nächsten bekommen hätten – was würde sich an den Tatsachen ändern?

Abgesehen davon, dass der Plot da oben selbst in einem drittklassigen Krimi nicht wirklich eine Chance hätte, verfilmt zu werden?

Die Amerikaner sind auf Jahre hinaus diskreditiert. Denen wird keiner mehr glauben. Und vertrauen wird denen auch keiner mehr. Die freundliche Maske des Verbündeten wurde abgerissen und darunter erschien die Fratze einer modernen Beamtenautokratie, die von gewählten demokratischen Strukturen nicht mehr kontrolliert werden kann.

Und das sollen die bewußt gemacht haben? Damit sie die europäischen Regierungen in die Tasche stecken können? Die hatten die doch schon lange im Enddarm – da brauchten die doch keine Taschenregierungen mehr. Die Amerikaner haben gerufen, die EU folgte.

Fluggastdaten, Bankdaten – alles haben sie bekommen. Und das war nur das offizielle Zeug.

Nein, selbst mit der Räuberpistole da oben würde sich an den Konsequenzen nichts ändern. Aber auch gar nichts.

Aber der diplomatische Flurschaden ist enorm – nicht nur in Europa, sondern weltweit. Denn jetzt haben die Amerikaner auch noch das letzte bisschen moralischer Überlegenheit, dass sie „Schurkenstaaten“ wie Nordkorea oder dem Iran gegenüber ausspielten, verloren.

Und wenn ich mir die Reaktionen aus Washington so ansehe: Den Preis wollten die eigentlich nicht bezahlen.

Veröffentlicht am 3. Juli 2013, in Amerika. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 15 Kommentare.

  1. Bingo Bingo!!
    Den „Preis“ können „sie“ auch nicht bezahlen, Gesichtsverlust ist unbezahlbar, Asiaten könnten dazu einiges erzählen …

    Die eigentliche Ablenkung vom Gesichtsverlust mehr hin zum Bild des Sonnenlandes USA, das „alles im Griff hat und alles „steuert“, ist soetwas wie die Ruppsche PseudoVerschwörungstheorie der Verschwörer der HORCH und GUCK – Fraktion, der nun der Speichel aus dem Maul tropfte und jetzt irgendjemand das gebrauchte Gesabbere wegwischen muß, Jörg Rupp dabei?
    Mit dem Gesicht verschwindet meist auch die Sicht, die freie, z.B. auf sich selber, bei Rupp wie bei H&G-Fraktionen

  2. ach Lusru, was bedeutet Gesichtsverlust, wenn eben dieses normalerweise in einem Kleidungsstück verschwindet. welches als Beinkleid bezeichnet wird?

    • hajo, auf diplomatischer Ebene eine Menge. Die Amerikaner sind auf einem öffentlichen Platz mit heruntergelassener Hose erwischt worden.

      Das *kann* keine Psy-OP sein – so doof sind die nicht.

      Das einzige, was ich in Ansätzen für möglich halte ist, dass die Bürokratie auf die Art und Weise Obama zu Fall bringen will.
      Aber selbst dann wären die anders vorgegangen.

      • Die Amis machen mir, unabhängig von der Bespitzelungssache, nicht den Eindruck, als gäben sie auch nur einen feuchten Schiss auf ihr Ansehen in der Welt, denn wer die Welt beherrscht/beherrschen will, braucht sich dem Votum der Beherrschten nicht zu stellen.
        Allerdings wäre die Geschichte wie du sie schreibst, selbst für die Amis ’ne Spur zu fett.
        😀

  3. Also große Proteststürme scheints bei den Amis an sich nicht zu geben.
    Überwacht werden alle, Snowden ist ein Verräter, 1-2 Comedians machen nen Witz unter der Hand und alles was Ausland ist interessiert eh nicht.
    Business as usual.
    Land of the free, home of the brave.

    • aussichteinsicht

      Genau, den Durchschnitts-Ami interessiert es nicht, weil es ja das Ausland betrifft und nicht GEGEN sie gerichtet ist. Holla, die Waldfee, wäre es anders rum…

  4. Cui bono ?
    Was ist denn heutzutage der triftigste Grund eine komplette Bespitzelung durchzuführen, Angst vor einem Atomkrieg ?
    Einerseits stimmt’s das nun den USA ein rauheres Lüftchen entgegenweht, andererseits wurde erst die Präsidentenmaschine von Bolivien zur Landung „gezwungen“ !
    Ein Schelm …
    Man stelle sich mal vor wenn die Airforce#1 der USA zur Landung „gezwungen“ würde !!11!!ELF!!
    Und während nun „catch me if you can !“ in der Glotze life aufgeführt wird, reiben sich die Verantwortlichen für die Weltwirtschaftskrise die Hände und schnupfen sich gegenseitig den Zucker aus’m Arsch, achnee das war ja Salz wegen zuviel Tequila und so m(

  5. Lochkartenstanzer

    Sofern Sie aber jetzt oder später gezielt „falsche“ Informationen leaken wollen, wäre das aber die richtige Vorgehensweise. Dann müssen sie nicht so plumpt Massenvernichtungswaffen wie im Irak vorgaukeln.

    • Rechtfertigt so etwas wirklich den immensen und irreparablen Vertrauensverlust weltweit?

      • Lochkartenstanzer

        Beim Schachspiel opfert man manchmal auch die Dame, die eigentlich die stärkste Figur ist, um das Spiel zu gewinnen. Udn es wuerden auch schon wissentlich ganze Armeen geopfert um einen Krieg zu gewinnen.

        Außerdem Gesichtsverlust ist nur für denjenigen schmerzhaft, dem das auch etwas bedeutet. Manche Leute scheißen da einfach drauf.

  6. @JoyntSoft | 3. Juli 2013 um 14:26
    „Die Amis machen mir, unabhängig von der Bespitzelungssache, nicht den Eindruck, als gäben sie auch nur einen feuchten Schiss auf ihr Ansehen in der Welt, denn wer die Welt beherrscht/beherrschen will, braucht sich dem Votum der Beherrschten nicht zu stellen.“

    Du beantwortestr dich hier selber: Wer meint, er sollte die Welt beherrschen, kann NIEMALS den „Eindruck, als gäben sie auch nur einen feuchten Schiss auf ihr Ansehen in der Welt“ hinterlassen, erswt recht nicht, wenn in der runtergelassenen Hose bereits diese Welt aus Versteckte (Gemächt) blicken konnte, der muß so tun, als gäbe es Schlimmeres.
    Was ja auch stimmt: Die Hose könnte auch unbrauchbar werden oder ganz abhanden kommen, soll schon vorgekommen sein …

  7. muß richtig heißen:
    „… bereits diese Welt auf’s Versteckte …“

  8. Tantchen, du bist doch irgendwo im Wahlkreis von dem Wiefelspütz zuhause, kannste dem mal auf die Mütze geben bitte? „Ich kann nicht erkennen, dass der Mann politisch verfolgt wird“ meint er laut Spiegel (http://ml.spiegel.de/article.do?id=909122).

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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