Anstößige Kunst


Eine Sache, die immer und immer wieder vor allem sehr konservative Gläubige betrifft, ist das Urteil über Kunst. Wenn es gegen den Gott geht, verstehen die meisten Religionen keinen Spaß mehr.

Extrem fallen dabei immer und immer wieder die konservativen Muslime auf. Die Geschichten der Mohammed Karikaturen sind bekannt. Ein Zeichner lebt seit Jahren unter Polizeischutz. Salman Rushdies lebt seit Jahrzehnten unter einem Todesurteil, gefällt von einem fanatischen Mullah im Iran.

Und jetzt, deutlich harmloser: Die Uni Essen-Duisburg.

Habibi.

Eine Graphic Novel von Craig Thompson.

Bilder aus der Novelle wurden in den Räumen der Uni Duisburg-Essen aufgehängt und – natürlich – fanden sich auch gleich muslimische Studenten, die die Bilder kritisierten.

Das ist gut, denn Kunst lebt vom Streit. Vom Streit über die Deutung und vom Streit über die Ausführung. Sie entwickelt sich nicht weiter, wenn alle sich einig sind. Kunst soll auch verstören.

Bis hierhin ist auch alles gut. Studenten, die sich über diese Bilder ärgern, die darüber streiten: Ziel erreicht. Vielleicht sogar eine Reflexion über die eigene Gesellschaft, in der man lebt und die vielleicht nicht so perfekt ist wie man sie gerne hätte, die aber auch Vorteile hat. Das eröffnet die Chance, für *beide* Seiten ein besseres Verständnis zu entwickeln, das kann Missverständnisse und Vorurteile abbauen.

Aber man muss das auch zulassen. Denn sonst ist das kein Streit sondern pure Rechthaberei.

Streit ist ein Meinungsaustausch. Gerne härter. Aber wenn eine Seite sich hinstellt, die Arme über der Brust verschränkt, mit dem Fuß aufstampt und sagt: „Das ist so.“ dann hat sie verloren. Punkt. An der Stelle gibt es keine Argumente mehr sondern nur noch: „Ich will das nicht.“ – und damit kann man nicht streiten.

Und genau das ist in der Uni geschehen. Eine Studentin geht hin und reißt eins der Bilder, die sie als anstößig empfindet, ab. Andere werden offenbar mit der Schere zurechtgeschnitten, bis sie in das eigene Weltbild passen.

Und die Universität? Die hat sich das offenbar gefallen lassen. Das abgehängte Bild wurde nicht wieder aufgehängt. Es läuft lediglich ein Schadensersatzverfahren gegen die Studentin, die Bilder zerstört hat.

Und hier wird der Streit zum Dogma und baut Vorurteile auf.

Welche Reaktion die Richtige gewesen wäre?

Sofortiges Aufhängen aller Bilder. Die zerschnittenen und zerstörten Bilder werden in einer speziellen Sektion untergebracht. Ein Sicherheitsdienst sorgt dafür, dass die Studenten da nicht nochmal die Bilder runterreißen, notfalls kommt die Polizei.

Wer rummault, rummeckert oder vor allem: Droht, der fliegt sofort.

Und die Schuldigen, die die Bilder zerstört haben, weil sie es nicht aushalten, dass sie nicht ins eigene Weltbild passen, wären sofort und unwiderruflich exmatrikuliert worden.

Diese Leute wollen keine Bildung. Die wollen nur Wissen erwerben, das sie dann nutzen können, um ihre eigene kleine, enge Weltsicht der nächsten Generation aufstempeln zu können. Wir haben von diesen Menschen bereits zuviele als das wir es uns leisten können, auch nur einen einzigen mehr zu unterstützen.

Und da ist mir das scheißegal, welches Label die Religion hat: Hier wird Religion benutzt, um eine eigene Agenda und eigene Moralvorstellungen durchzubringen. Und das darf man niemandem erlauben.

Egal welches Label die Religion hat.

Veröffentlicht am 29. Juni 2013, in Religöser Wahn. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 15 Kommentare.

  1. also Tantchen, das bin ich ja gar nicht von Dir gewohnt: „.. nahm eine Studentin das Poster von der Wand und überreichte es den verdutzten Mitarbeiter*innen der Universitätsbibliothek ..“ ist der O-Ton bei den Ruhrbaronen, während bei Dir das Poster heruntergerissen wird. Von Zerschneiden eines Posters lese ich in dem verlinkten Artikel nichts.
    Nicht falsch verstehen: ich finde jedwede Art der Zensur (diese Aktion war auch eine Art von Zensur) „braune Masse“, aber Stimmungsmache dieser Art geht überhaupt nicht.

    • im Artikel der akduell steht, man hätte auch die anderen Poster „zurechtgeschnitten“.

      • sorry simop, aber wenn man Links auf Links von Links auch noch lesen wolle, müsste man schon etwas mehr Zeit haben, als der gemeine Werktätige so zur Verfügung hat (ich will damit jedoch niemandem auf den „Schlips“ treten, also bitte den Sinn sehen und nicht die Worte allein).
        Es gibt jedoch bei den Ruhrbaronen eine Kernaussage, der ich mich voll-umfänglich anschließen kann:
        „Alles was ich verlange, sei es von Christen, Hindus, Naturreligiösen, Moslems oder Atheisten, ist, dass sie Menschenrechte und Meinungsfreiheit respektieren. Und da hat Lucas Recht: Auch Atheisten, Agnostiker und Konfessionslose haben Rechte und Gefühle. “
        Allerdings stehen Menschenrechte und Meinungsfreiheit manchmal diametral gegenüber. Da muß halt das zum Tragen kommen, das man „zu meiner Zeit“ Fingerspitzengefühl und gesunder Menschenverstand genannt hat. Leider ist heutzutage eher der Elefant im Porzellanladen en vogue.

        • Ich lese auch nicht immer den Link im Link😉 … dazu komme ich nur am Wochenende – oder wenn ich im Büro verzweifelt versuche zu prokrastinieren…

          Und da ist mir der Satz mit dem zugeschnittenen Poster halt aufgefallen, eben weil ich so was so unglaublich finde. Was kommt als nächstes? Verbrennung ungenehmer Bücher aus der Uni Bib? Oder zumindest das Entfernen nicht genehmer Seiten?

          • oh simop, Du Quell neuer Ideen, den Begriff „prokastrinieren“ für „Unbequemes eben mal nach hinten zu befördern“ zu verwenden, muss ich mir merken, nein, in meinen Wortschatz aufnehmen
            prokastrinieren .. prokastrinieren .. prokastrinieren .. prokastrinieren .. 😀
            Tantchen, wäre das nicht auch etwas für Dich?

            Ich muss zu meiner Entschuldigung schreiben: ich bin kein humanistisch Gebildeter😉

    • hajo, es gibt Dinge, auf die ich nicht verlinken *kann* weil die mir von jemandem gesagt werden, der gerne unerkannt bleiben würde.

      • Tantchen, ich wollte Dir nichts Unlauteres unterstellen .. Dir nicht!😉.
        Es ist nur gefährlich, sich hinter solchen Erklärungen verstecken zu müssen.

        • Ich verstecke mich nicht dahinter – ich gebe nur nicht preis, wer mir was in meinen Postkasten steckt.😉

  2. Tja wenn man sicher gehen will einfach ALLE Fanatiker und „Besserwissies“ ins „Paradies“ schicken, da warten doch schon die goilen Weibsbilder, gelle *lapalomapfeif*
    Achja das gilt für ALLE nicht nur Religioten !

  3. Muss ich mir merken – gefällt mir nicht, also schiebe ich religiöse Gründe vor und zerstöre es…

  1. Pingback: Gedanken zum Postersturm | Aussicht mit Einsichten

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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