Eheliches


Die schönen Nachrichten aus den USA – die haben endlich alle Eheformen gleichgestellt.

Oder, um es präziser zu sagen: Der Defense of Marriage Act aus dem Jahr 1996, der die heterosexuelle Ehe als die einzig „wahre“ Ehe festgeschrieben hat, wurde vom US Supreme Court als Verstoß gegen die Verfassung gewertet. Heirat ist Heirat – und es ist schnurzwurst, wer da wen heiratet.

Damit ist DOMA Geschichte, und eine nette alte 83jährige Dame, die eine Erbschaftssteuer von 363.000 US-Dollar zahlen musste, weil ihre in Kanada geschlossene Ehe mit ihrer Frau in den USA nicht anerkannt wurde, hat gewonnen.

Der Fall hat auch ein Schlaglicht auf die Tragödien geworfen, die sich ereignen, wenn man nicht nur den geliebten Partner verliert, sondern auch noch wirtschaftlich bedroht ist, weil man halt nicht durch die Ehe vor den horrenden Steuerforderungen geschützt ist.

So.

Und als nächste Daily Good News in dem Bereich hätte ich dann gerne: Deutschland erkennt die Ehe als Bekenntnis zwischen zwei Menschen an.

Und hört doch bitte auf, das „Homo-Ehe“ zu nennen. Das ist echt übel abwertend. Ich krieg jedes mal Pickel wenn sich so ne Überschrift lesen muss.

P.S.: Um mal mit einem weiteren Mythos aufzuräumen:

Ja, die Ehe ist ein zutiefst konservatives Konstrukt, dass Homosexuellen verweigert wird, weil sie nicht ins konservative Weltbild passen. Doch bitte: Wir reden hier von Menschen. Die sind progressiv, konservativ und so ziemlich alles an -sivs was man sich so vorstellen kann.

Es sind Menschen. Und manche Menschen haben einen konservativen Lebensentwurf. Und warum sollten sie den nicht verwirklichen können – nur weil sie zufällig für unsere erzkonservativen Sturschädel das falsche Geschlecht lieben.

Veröffentlicht am 27. Juni 2013, in Daily Good News. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. So umfassend und freischaltend ist die Gerichtsentscheidung ja nicht.
    Es gilt erstmal nur das auf der „federal“ also Bundesebene, durch die US-Regierung/Verwaltung nicht mehr diskriminiert werden darf.

    Im föderalen Sumpf der USA kocht dann eh noch jeder Staat sein eigenes Süppchen.
    In den Staaten in denen sie heiraten dürfen, darf die Bundesregierung Paare nicht mehr diskrimieren weil sie keine „richtige Ehe“ sind. Die Bundesstaaten können trotzdem sagen „ihr dürft hier nicht heiraten“, wenn aber geheiratet wurde wo erlaubt, dann gibts auch Rente, Versicherung und Co vom Bund.

    Aber der Supreme Court ist ja diese Woche nicht nur der Heilsbringer, sondern hat auch mal eben den Voting-Rights-Act von ’64 ausgesetzt, der es den Bundesstaaten untersagt Minoritäten, also Schwarze damals und jetzt allen möglichen anderen, an der Ausübung ihres Wahlrechts zu hindern.
    Voter-ID, Lese-Tests, Wahlkreisumstrukturierungen,… die sind da gerne erfinderisch.
    Das ist auch nicht etwas was nur im letzten Jahrtausend nötig war. Seit 2000 musste die Aufsicht 73 mal einschreiten um solche Wählerunterdrückung zu unterbinden.
    Und nur 2 Stunden nach der Entscheidung haben schon die ersten Südstaaten entsprechende Gesetze auf den Weg gebracht, die 1 Tag nach Entscheidungsumsetzung in Kraft treten sollen um das sofort auszunutzen.

    • Doch, es ist tatsächlich so wegweisend. Die haben Prop8 gleich in einem Abwasch mitgekillt.

      Um den Voting-Act gehts mir aktuell auch nicht. Ich warte da noch auf ne Rückmeldung von ein paar Freunden und Bürgerrechtlern, bevor ich was dazu schreibe.

      Es geht hier rein um den DOMA – und um zu verstehen, was das bedeutet:

      Nach dem Voting *wird* jedes Gesetz, dass in den Bundesstaaten die Ehe ausdrücklich auf Hetero-Paare bezieht, vor dem Supreme-Court ne Bauchlandung machen.

      Das heißt: In jedem Bundesstaat, wo die Ehe nicht gleichgestellt ist, werden die Bürgerrechtler diese Regelungen jetzt anfechten. Und sie werden gewinnen.

      Und gerade in Staaten wie Utah (Mormonen) oder Alabama (Rednecks) sind die entsprechend auch grad echt richtig schlecht gelaunt.

  2. versuch es in die konservativen matschbirnen reinzubekommen: es geht um menschen. hatte fefe nicht mal eine studie hervorgezerrt, die kurz besagte: (stark verkürzt!) konservative neigen zu weniger differenziertem denken? (sprich, machen es sich leicht und denken gar nicht)

    bei kriegsbeginn wird dem feind ersteinmal die menschlichkeit genommen. der konservative spricht dem „homo“ ersteinmal seine „nützlichkeit“ in der gesellschaft ab (Verkürzt auf „Er zeugt keine kinder“ / „der ist nicht richtig im kopp“). welcher schaden damit bei den betroffenen mit dieser herabwürdigung geschieht, wird weder wahrgenommen, noch begriffen. (sei es nun aus unvermögen oder absicht)

    ja, ich scheine mir hier meinen früheren aussagen zu widersprechen. auch wenn ich mit meinem (eigenen!) weltbild weder transgender noch homosexuelle verstehe – ES SIND MENSCHEN! sie streiten und vertragen, hassen und lieben sich genauso wie ich! und sind, vielleicht gerade aus ihrem leid des „anders seins“, sogar noch liebevoller und empathischer, sie verstehen mehr von menschsein als ich mit meinem weltbild.

    (Tantchen macht mich gerade darauf aufmerksam: ich verkürze die sache scheinbar auf sexualität – nur greift das ein bißchen zu kurz. ich versuche gerade in meinem konservativ geprägten weltbild eine lücke zu schlagen, um menschen nicht mehr in schubladen zu stecken…)

  3. Dafür schaffen sie den Antidiskriminierungszusatz im Wahlrecht ab m(
    http://blog.fefe.de/?ts=af34f350

  4. Wo wir schon beim VRA sind dann noch gleich eine meiner Lieblingsquelle aus der US-Medienlandschaft, die nicht zu recht (FOX News) oder links (MSNBC,CNN…), für amerikanische Verhältnisse, scheint:
    http://www.thedailyshow.com/watch/tue-june-25-2013/the-supreme-court—the-voting-rights-act

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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