Morgens, halb elf in Deutschland


Oder besser gesagt, in dem Kaff hier.
Einkaufen ist angesagt.

Großer Fehler. GANZ großer Fehler. Weia.

Man betritt unschuldig hinter der Sonnenbrille hervorlugend die heiligen Hallen von Feinkost-Albrecht. Kühlschrank leer und Magen auch ist halt nicht so die Spitzenmischung. Und besser jetzt als spä… „VORSICHT“ ertönt es hinter mir und eine Oma mit Rollator rennt schneller an mir vorbei als Usain Bolt auf Crack. Super, fängt gut an. Zwei andere Omis liefern sich einen Rollatorwettlauf am Schnäppchenregal, es gibt heute Badematten.

Klammheimlich schleiche ich mich an den wildgewordenen Rollatoren vorbei, sacke im Vorbeigehen eine Pulle Apfelschorle ein und steuere aufs Brötchenregal zu. Brötchen und Croissants, das ist mein Ziel.

Ich habe die Rechnung ohne Opa Jonas gemacht, der, mit dem Standard-Rollator (nicht das Rennmodell der Omis) vor dem Regal steht, verzweifelt versucht, die Buchstaben auf dem Zettel zu entziffern und den Tränen nahe ist. 50 Jahre Ehe und ein Wrack. Mutti wird doch immer so böse, wenn er die falschen Brötchen mitbringt.

Ich gucke auf den Zettel, stelle fest, dass ich Sütterlin immer noch lesen kann und tüte Opa Jonas die Brötchen ein. Strahlend entschwindet er und da hält mir schon die Oma von eben strahlend eine Brötchentüte unter die Nase. „Das ist aber nett, dass die bei Aldi jetzt jemanden haben, der einem das macht“ – als ich mich weigerte und sagte, ich mache das nur für nette Opis und nicht für gemeingefährliche Rollatorenbedienerinnen, die mir in die Hacken fahren, ist sie wutschnaubend zur nächsten Kollegin gedackelt und hat die eingenordet. Die arme Frau wusste gar nicht wie ihr geschieht.

Ich habe weiter meine Einkäufe gemacht und so ein paar Feststellungen erneut getroffen:

– Nich um halb elf an das Schnäppchenregal trauen. Die sind da bissig. Und dank einer Kukident-Fehlfunktion können die auch auf die Entfernung beißen….

– Um Rollatoren einen Bogen machen, die sind Hacken-Aggressiv und untherapierbar

– Wenn du an der Kasse anstehst und mehr als 0,1 mm Platz zu deinem Vordermann läßt wird unter GARANTIE ein Öhmchen ankommen, sich dazwischen schieben, dich anstrahlen und sagen: „Oh, haben sie sich auch angestellt? Macht es ihnen was aus, wenn ich jetzt hier stehenbleibe, ich hab heute so Knie und Rücken“ – das ganze wäre glaubwürdiger, wenn die nicht agiler wäre als Legolas, wenn er auf ein Pferd aufspringt und sie das vor allem bereits mehrfach bewiesen hätte.

Also: „Ja, das macht mir was aus. Und ich glaube, den Leuten hinter mir auch. Also, wenn sie so nett wären und sich anstellen würden wie alle anderen auch?“

Was sie dann auch, unter Protest, grummeln und „ich hab Rücken und Knie“ auch tat.

Und vor allem nicht unter einem erneuten Angriff auf meine sandalenbewehrten Füße.

AUA.

Veröffentlicht am 18. Juni 2013, in alltägliche Katastrophen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 24 Kommentare.

  1. Das mit dem Legolas hätte ich glaube ich dann laut gesagt. Aber vermutlich hätte sie dann einen auf Jacky Chan gemacht und dich verhauen.

  2. Ja, wenn man einkaufen geht, erlebt man wirklich so einiges skurriles. Ich habe es mir seit kurzem angewöhnt, besonders nett zu den Bediensteten zu sein und ihnen immer einen schönen Tag/Abend/Wochenende zu wünschen mit einem Lächeln. Das entlockt den grimmigen Gesichtern meist auch ein Lächeln und schon fühlt man sich wohler.

    Was die rücksichtslosen Einkäufer angeht, versuche ich passiv zu bleiben und ihnen aus dem Weg zu gehen. Es gibt sie leider nicht nur in Form von alten Omas, sondern in jeder Altersklasse und einige von ihnen sind auf Streit aus.

    • Genau. Freundlich zum Personal sein (Lächeln kostet nix, und „Bitte“ und „Danke“ sind auch so Wunderworte) und neutral (bis heimlich amüsiert) die Mit-Kunden tolerieren. Ich bin nicht alleine!

  3. „Das hat es zu meiner Zeit nicht gegeben!“, hilft da gelegentlich.
    „Ich hab‘ nich‘ nur Rücken, sondern auch Kopf *kreisch*“, unterstützt durch Zuckungen, wirkt noch besser.
    Wenn’s gar nich‘ anners geht, werd‘ ich auch mal so laut, dass mich alle im Laden anwesenden Personen, mit oder ohne Hörgerät, klar verstehen können.
    😀

  4. „Und dank einer Kukident-Fehlfunktion können die auch auf die Entfernung beißen….“
    *ROFLMAO*
    YMMD😉
    Ich weiß schon warum ich entweder nachmittags oder kurz vor Toresschluss einkaufe, schön leer, wird gerade nachgeräumt und man kann sich in aller Ruhe aussuchen ob man nun die Käsebrötchen nimmt oder doch lieber ein frische Baquette😉
    Den größten Fehler begeht man immer einen Tag vor Feiertagen, da ist es egal welche Uhrzeit, Du bekommst Deine Latschen nicht nur mit Rollatoren abgefahren, nö alles was rumrennt trifft Dich ohne Rücksicht auf Verluste, von den „lieben Mitmenschen“ die nur eine Packung Zigaretten kaufen wollen, deswegen erstmal drei Kassiererinnen anmachen bis die Lade aufgeht nur um dann mit Karte zu bezahlen und die Nummer vergessen zu haben … *grummel*
    Dschungelcamp ist Pillepalle dagegen😀

  5. Wohne ich in der falschen Ecke Deutschlands? Einkaufen als Kriegszüge gegen mit Rollatoren bewaffnete Veteranen sind mir bislang völlig entgangen.

  6. Ich erlebe das immer wieder, dass ältere Menschen glauben, nur weil sie alt sind, dürfen sie sich alles erlauben. Erst letzte Woche passiert: Sitze im Bus ganz vorne. Bus ist fast leer. Steigt eine Oma ein mit Gehstock. Kommt direkt zu mir und verlangt, dass ich ihr den Platz überlassen soll (kein Bitte, kein netter Tonfall!).

    Erstens ist mein Sitz höher, so dass sie sich sowieso schwer tun wird, die Stufe rauf zu steigen und sich reinzusetzen und zweitens sind fast alle Sitzplätze frei (auch die, die speziell für ältere Menschen gekennzeichnet sind).

    Der Oma hat wohl nicht gefallen, dass ich eine nette Aussicht in Fahrtrichtung habe und dort genug Platz, um meinen Rucksack neben mir zu stellen sowie das Notebook auf dem Schoß sich genau richtig ausgeht (geht sonst nirgendwo in dem Bus, da entweder zu wenig Abstand oder man hat keine Stütze vorne da anderer Sitz gegenüber ist).

    Tja, ich habe ihr gesagt, dass der ganze Bus leer ist und sie soll sich einen anderen Sitz aussuchen. Darauf hat sie sich aufgeregt und angefangen herumzuschreien. Ich habe ihr daraufhin gesagt, sie soll mich in Ruhe lassen, Kopfhörer aufgesetzt, und sie ignoriert. Sie hat sich wohl noch beim Busfahrer beschwert (der natürlich alles mitgekriegt hat, wenn alles einen halben Meter schräg hinter ihm passiert) aber der hat nur auf die anderen Sitze gedeutet.

    Und wenn der ganze Bus voll wäre, so wie sie sich aufgeführt hat, hätte ich ihr meinen Platz nie gegeben.

    • Ich fahre selten Bus, ist vielleicht auch besser so. Bei sowas hab ich echt Anger Issues.:-/

      • Wieso ist doch spaßig auf einmal durch die tausend Kiderchen im Bus zu landen der überhaupt nicht angesteuert werden sollte.
        Mir schon mehrmals passiert und dann an der nächsten Haltestelle einen auf Sancho Panza machen müssen oder wie hieß der mit den Windmühlen ?
        Auch schön wenn ein Rollifahrer dem ihm zu gewährenden Stehplatz mit Sicherheitsgurt in Anspruch nehmen will da aber ein vollgepacktes „Mumchen“ steht und partout die zehnmilliarden Einkauftüten nicht einen Meter wegschieben will😦
        Aber dann sich beschweren wenn der Rolli an der Austiegsstelle im Weg steht, klar was auch sonst m(

  7. Tantchen, „alle“ reden von Mobilität im Alter und Du mäkelst daran rum
    .. schäm‘ Dich!😀

  8. Ich wurde mal zusammen gestaucht, weil ich mich erdreistet hatte, an einem Morgen zur Blutspende zu gehen. An besagtem Morgen war ein Spezial-Arzt anwesend, um die Alten vor der Spende nochmals durchzuchecken. Ich benötigte seine Dienste nicht, also kam ich eher an die Zapfsäule, als so ein älterer Herr. Und noch während die nette Dame die Nadel in meinen Arm rammte, hat sich dieser Knacker lauthals über mich beschwert. Dabei standen noch 2 weitere Vampire bereit!
    In solchen Momenten weiss ich ehrlich nicht mehr, was ich sagen soll…

  9. Das hat mich schon vor Dekaden in der Schulzeit genervt. Die ach so armen, alten, von schwersten Krankheiten gebeutelten Rentner, die einen weltrekordverdächtigen 100m Sprint hinlegen, um noch in den rappelvollen Schulbus zu kommen und dann unter Zuhilfenahme der Gehhilfen, Verweis auf Alter, wer weiß welche Gebrechen und unflätigsten Gekeifes Sitzplatzansprüche geltend machen wollten. Das hat glücklicherweise ein Ende gefunden, als man hier in Busse nur noch vorne einsteigen durfte, da wurden sie direkt vom Fahrer darauf hingewiesen, dass es sich um SCHÜLERbusse handelt und sie doch bitte den regulären Bus nehmen sollen. Beim Einkaufen hab ich mir den Spruch an der Kasse „Aber NATÜRLICH hab ich nichts dagegen, wenn sie sich vordrängeln, in ihrem Alter hat man ja nicht mehr so viel Zeit…“, natürlich mit einem freundlichen Lächeln und einer entsprechenden, einladenden Geste…, angewöhnt. Sorgt bei den Angesprochenen zumeist für Verwirrung, bis sich die Erkenntnis einstellt, WAS ich ihnen da gerade gesagt habe.

  10. ein anderer Stefan

    ODer die militanten Rentner, die schon morgens um halb acht vorm Supermarkt stehen und loskeifen, wenn nicht um punkt acht aufgemacht wird. Mannomann – was kann der Supermarkt für senile Bettflucht?

  11. Senile Bettflucht. Finde ich gut.

  12. Erinnert mich an einen anderen Artikel von dir: EIN HAB ICH NOCH.
    Ist vom 7. März. Nur das Jahr weiss ich nicht mehr, fand ich aber ebenso lustig.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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