Das schmutzige Geschäft mit Kindern


Eins vorweg: Wer es sich leisten kann: Bitte etwas an die taz spenden. Das ist ein sehr gutes Beispiel für Aufklärungsjournalismus und das muss gestärkt werden.

Jugendämter sind personell unterbesetzt, das ist inzwischen – dank Austerity und der Pflicht zum Personalkostenabbau – bundesweit so. Dieser Personalkostenabbau geht ja nicht einher mit dem Abbau von Verpflichtungen oder auch nur der Verringerung von Papierkram. Und so greifen viele Jugendämter zum Notnagel „Outsourcen“. Das ist eigentlich nichts anderes, als das das Wohl und Wehe von Kindern und Jugendlichen, deren Lebenssituation mit „schwierig“ nur unzureichend umschrieben ist, in die Hände von gewinnorientierten Firmen gelegt wird.

Denn das Geschäft mit den missbrauchten Kindern geht glänzend, dank § 1631 b BGB.

Ein besonders krasses Beispiel hat die taz gerade aufgedeckt. Es geht um eine GmbH in Brandenburg, die  als Geschäftsmodell die „Erziehung“ von Kindern hat. Was man so Erziehung nennt angesichts der Protokolle, die der taz vorliegen.

Wir reden hier von Kindern, die im Elternhaus physisch und psychisch misshandelt wurden. Die zum Teil schwer missbraucht sind. Die hochtraumatisiert sind und eine Umgebung brauchen, in der sie sich sicher fühlen können.

Und dann kommen sie in ein Heim, wo die Erziehung darin besteht, die Kinder mit Psychopharmaka und unmenschlich grausamer Behandlung endgültig zu brechen. Manche der Psychopharmaka, die vom Hausarzt (!) des Heims verschrieben werden, verändern die Psyche irreversibel bei Jugendlichen und sind daher hier nicht zugelassen.

Weigern sich die Kinder, werden die Medikamente zwangsweise gespritzt. Die Kinder hierfür mit Handklemmen zwangsweise ruhiggestellt. Es wird geschildert, wie Kinder zum Teil über Stunden in Zwangshaltungen fixiert werden die erst gelöst werden, wenn das Kind sich völlig unterwirft.

Das ist Brechen. Kein Erziehen. Und vor allem ist das kein Anti-Aggressionstraining.

Die Kinder haben ein Recht darauf, aggressiv zu sein. Sie haben ein Recht, wütend zu sein über das, was ihnen angetan wurde. Therapie, die den Namen verdient, erkennt das an. Und sie hilft den Kindern, darüber hinwegzukommen und wieder zu leben. Therapie baut den Charakter auf, sie nimmt die rauchenden Trümmer dessen, was der Täter übriggelassen hat und versucht, zumindest wieder eine Holzhütte hinzustellen.

Was dieses Heim, dass laut dem PR-Agenten über keinerlei psychiatrische Qualifikation verfügt, hier tut, ist der fortgesetzte Missbrauch und die fortgesetzte Misshandlung. Jeder „Erzieher“ der dort arbeitet, macht sich mitschuldig.

Wenn es einen Rechtsstaat gibt, werden diese Heime geschlossen, die Foltervorwürfe juristisch geklärt und die Schuldigen und vor allem der Eigentümer erhalten möglichst lange Haftstrafen.

Vielleicht sind es solche Fälle, die den Verantwortlichen mal die Augen öffnen: Dass es eben NICHT darum geht, Personalkosten auf Teufel komm raus einzusparen, dafür bei den Sachkosten eine Schippe draufzulegen und zu hoffen, dass das ganze dann irgendwie schon gut geht.

Es müssen in sich geschlossene Konzepte her. Und das outsourcen von missbrauchten Kindern muss sofort abgestellt werden.

Geld auf die Art zu verdienen, ist moralisch wie strafrechtlich verwerflich. Und ich hoffe, da rollen jetzt ein paar Köpfe.

Veröffentlicht am 15. Juni 2013, in Allgemeines. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. Was willst Du denn, die „Kinder“ sind doch selber dran „Schuld“, hätten sie mal öfters die Seife aufgehoben wenn Papa da drauf steht, der ist wenigstens eine „tragende Stütze der Gesellschaft“ und überhaupt „wer nicht arbeitet soll nicht essen“ !11!!ELF!!!
    Wo kommen wir denn sonst hin wenn die Multimilliardäre keine Kinder mehr ficken dürfen, die sind doch DAS wichtigste in der ganzen Welt !
    Also einfach konsequent ALLE Kinder und ALLE Rentner zum „Duschen“ und wir werden NIE wieder Probleme haben !!11!ELF!!
    Das ist doch ein valides Geschäftsmodell, muß man halt wirklich machen und nicht nur im „zehn Sterne Gourmet“ dumm rumlabern …

    • Missbrauch von Kindern findet überwiegend in der Familie statt. Und das durch alle Gesellschaftsschichten.

      Die Fremdtäter geraten nur stärker in den Fokus, weil die für die Kids lebensgefährlich sind. Ein Täter in der Familie kann das Kind genug unter Druck setzen, dass es den Mund hält. Ein Fremdtäter tötet wahrscheinlich das Kind, damit es nicht mehr aussagen kann.

      Das Geschäftsmodell in dem Fall ist leider:

      Missbrauchtes/Misshandeltes Kind raus aus der Familie nach §1631 b BGB => ab ins Heim => und mit Pech dann so eins.

      Das heißt, die Behörden haben schon Handlungsbedarf gesehen, dass das Kind aus der Familie raus muss, weil es da nicht sicher ist. Aber statt zu helfen, stecken sie es in eins dieser Heime. Und da wird alles nur noch schlimmer gemacht😦

      • Mädel, das ist mir schon klar.
        Was denkst Du will ich wohl wirklich zum Ausdruck bringen ?
        Ich weiß was Mißbrauch bedeutet und das es hierzulande leider „unsittlich“ ist das zuzugeben („über sowas redet man nicht das macht das dann erst real“), vor allem wenn das Geschlecht nicht paßt, denn wir wissen ja alle das es immer nur das „schwache Geschlecht“ ist *kotz*
        Und wenn Du Dich schon darüber aufregst dann schau mal auf die ganzen Kindersklaven weltweit, das ist so gewollt und jeder der damit Profit macht weiß das auch *atombombensmileybrauch*
        Im übrigen hast Du ja selber erkannt das hier traumatisierte Menschen weiter traumatisiert werden => mißbraucht !
        Und das ganze im Namen des Kapitals.
        So und eigentlich wollt ich micht nicht weiter drüber aufregen *grummel*

  2. ein anderer Stefan

    Der Artikel macht einen sprachlos.

    Mich beschlich schon so ein Unbehagen, als in NDS die LKHs verkauft wurden. Der Landesrechnungshof hat das dann auch kritisiert, in erster Linie wegen Geldverschwendung, aber im Nebensatz wird auch die unzureichende Absicherung der Patientenversorgung bemängelt. Wenn das schon der Rechnungshof anhand der Akten erkennt und bemängelt, waren die Regelungen offenbar so schlecht, dass es zum Himmel stinkt.

    Mit der Gesundheit von Menschen ein Geschäft zu machen ist unredlich. Normale Krankenhäuser gehören schon nicht in die Hände von Unternehmen, Landeskrankenhäuser erst recht nicht. Das ist Teil der Daseinsvorsorge und gehört in die öffentliche Hand. (Ja, ich weiß, Pharmafirmen sind viel schlimmer, und da tut auch keiner was. Nein, ich will nicht die niedergelassenen Ärzte abschaffen.)

    Kinder und Jugendliche ohne weiteres solchen Geschäftemachern zu überantworten und dann auf mehrfache Hinweise hin nicht mal nachzusehen ist kriminell. Die beschriebenen Zustände sind unbeschreiblich und gehören in die Mottenkiste des 19. bestenfalls mittleren 20. Jh., die Verantwortlichen bestraft.

    Und der Unfug, staatliche Leistungen zu privatisieren, weil es ja angeblich billiger ist, muss auch endlich aufhören. Private Unternehmen haben natürlich erstmal ihren Gewinn im Blick, das ist ja auch richtig so. Wenn das Ziel aber nicht Gewinn, sondern eine Versorgung der Bürger ist, darf das nicht privat laufen.

    • Aber aber wir wissen doch alle spätestens seit Eschede das PPP das beste ist was passieren kann, keine Kapitalgesellschaft (GmbH oder AG) wird sich ausschließlich auf die Gewinnmaximierung konzentrieren, nein die sorgen dafür das die Aktionäre und Kommanditisten ordentlich bluten und Verluste einfahren um das „Produkt“ so richtig gut hinzubekommen.
      Und vor allem das „Produkt“ Mensch ist doch milliardenhaft weltweit frei verfügbar, da muß man nicht Rücksicht nehmen wo kämen wir denn da auch hin !
      Im übrigen sind solche Zustände in der Altenpflege ebenfalls die Regel auch bei staatlichen Institutionen, woran das wohl liegt *augenroll*

  3. Der Artikel hat mich auch sehr wütend gemacht. Es war vor einigen Jahren schon ein Schock festzustellen, dass heutzutage tatsächlich noch Menschen fixiert werden. Ich erkenne aber an, dass dies manchmal (wenn Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt) nicht anders geht. Vor allem bei schizophrenen Patienten, die manchmal einfach nicht wissen, was sie tun.

    Aber diese Jugendlichen sind keine Schizophrenen. Sie sind traumatisiert. Und vor allem bei sexuellen Missbrauch ist es ab-so-lut kontrainduziert, ein Opfer zu fixieren. Dadurch erlebt der Jugendliche die Machtlosigkeit erneut, die er auch während des Missbrauchs spürte. Und das nennt man dann Retraumatisierung.

    Schwarze Pädagogik wurde über Jahrtausende angewandt, weil sie funktioniert. Zumindest, wenn man jemanden modellieren will, der gehorcht und die Schnauze hält. Aber heute sind wir weiter. Polemisch kann man sagen: Wem Erziehung leicht fällt, der macht was falsch. Und das gilt umso mehr bei „schwierigen“ Kindern.

    Hier müssen erhebliche Ressourcen aufgebaut werden, Fachkräfte müssen ran. Kaum ein normaler Mensch wüsste, wie er mit solchen Kindern umgehen soll (außer halt sie zu schlagen etc.). Ich weiß es auch nicht. Aber gut ausgebildete Kinder- und Jugendpsychologen wissen es. DIE müssen ein Programm ausarbeiten, das jedem Kind die Chance bietet, wieder in ein normales Leben zurück zu finden.

    Eine solche Therapie ist teuer, personalintensiv und dauert. Aber langfristig immer noch günstiger als das, was in diesen Heimen an den Kindern verbrochen wird! Denn die meisten dieser Kinder werden wohl niemals wirklich zu einem produktiven Teil der Gesellschaft werden und belasten die Krankenkasse mit Sicherheit weiterhin noch jahrzehntelang (wegen weiterer Therapie, Antidepressiva etc. pp.). Und da wirtschaftliche Argumente ja in solchen Fällen IMMER besser ziehen (ich sehe die Hilfe für diese Kinder ja als moralische Verpflichtung, aber naja…), sollten sich die Verantwortlichen darüber mal Gedanken machen!

    Was ist nicht verstehe: Angebliche „Weicheier-Projekte“ wie „Wandern und Zelten in Portugal“ etc. (Beispiel erfunden) werden immer niedergeschrien, weil es angeblich so teuer sei. Jetzt hat diese ekelhafte „Firma“ aber laut Artikel ein Budget von fast 400 Euro pro Kind PRO TAG. Ich glaube kaum, dass man bei einer solchen erlebnispädagogischen Tour auf diese Summe kommt. Und der Nutzen ist vermutlich unvergleichbar höher.
    Am Jakobsweg im Norden liegt ein Gefängnis. Dort gab es vor Jahren mal das Resozialisierungsprojekt, Insassen zumindest für einen Tag den Jakobsweg (überwacht) wandern zu lassen. Forciert und aktiv gefördert von Padre Ernesto, Herbergsvater, Pastor und eine Ikone des Jakobsweges. Nach allem, was ich gehört habe, hat das (leider wieder eingestellte) Projekt durchaus Ergebnisse erzielt! Sowas könnte ich mir auch sehr gut für traumatisierte Jugendliche vorstellen. Müsste halt ordentlich betreut werden. Und die Kosten wären minimal!

    Ein Kritikpunkt allerdings am Artikel: An einer Stelle wird sehr feindselig auf die Formulierung „Löschung von Verhalten XY“ Bezug genommen. Das ist allerdings ein Fachterminus aus der Verhaltensforschung. Das mag anrüchig klingen, ist allerdings absolut neutral gemeint und hat nicht mal direkt was mit Strafe zu tun, wobei „Strafe“ natürlich auch weiter gefasst werden muss.
    (Beispiel: Schüler X stört ständig den Unterricht, weil er Aufmerksamkeit will. Lehrer Y ermahnt ihn deswegen jedes Mal, womit der Schüler genau das erreicht, was er will. Der Lehrer entschließt sich eines Tages, die Störungen durch den Schüler zu ignorieren und führt seinen Unterricht normal weiter. Woraufhin der Schüler – ganz ohne Strafe – mit der Zeit aufhört, zu stören. Das unerwünschte Verhalten wurde „gelöscht“.)

    • Mit dem Löschen gebe ich dir recht, was dein Beispiel betrifft. Hier versucht man aber, mit Gewalt zu löschen. Und das ist sowas von daneben, da gibt es keinen Ausdruck mehr für.

      Aber wem sag ich das? Du hast ja recht.🙂

      • Nein hier versucht niemand irgendetwas zu „löschen“ !
        Die „DelinquentInnen“ werden fixiert und sediert damit die ausführenden Hilfskräfte schön billig bleiben können.
        Leider ist es hierzulande usus nicht auf den „gestörten“ Patienten einzugehen und die Ursache zu erkennen und zu behandeln, sondern „uneinsichtige“ Patienten in Schublade „gefährlich weil uneinsichtig“ zu packen um dann mal die große Keule herauszuholen.
        Siehe Mollath der ist aktuell ja in der Presse (warum eigentlich ?) und denke nicht das ist ein „Einzelfall“ wie immer wieder bei allen möglichen „Schweinereien“ argumentiert wird !

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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