Hurra auf das Elternrecht


Derzeit wird ja diskutiert, ob die Strafen für die *weibliche* Genitalverstümmelung (die männliche ist ja nach wie vor per Gesetz erlaubt) verschärft werden sollen.

Allein diese völlige Schizophrenie: Wenn Eltern einen Jungen haben, dürfen sie straflos mit gesetzgeberischem Segen aus jedem denkbaren Grund an den Genitalien ihres Sohnes herumschnitzen. Aber kaum ist das ein Mädchen, gibts Haftstrafen.

Aber wie auch immer: Die Strafen bei der FGM sollen also verschärft werden. Die Strafen sind zu niedrig, aber vor allem: Mädchen, die keine deutsche Staatsangehörigkeit haben sind derzeit völlig ungeschützt, zudem soll der Beschneidungs Verstümmelungstourismus (wohnen in Deutschland, schneiden in der Heimat, Rückkehr mit dem frisch beschnittenen verstümmelten Kind nach Deutschland) unterbunden werden. Die Eltern können sich derzeit darauf verlassen, dass sie in dieser Konstellation ihr Kind problemlos und vor allem folgenlos für sie selbst, beschneiden verstümmeln lassen können.

Das heißt, die FGM soll in den Katalog der Auslandstaten aufgenommen werden. Sehr schön.

Aber hier kommt dann leider auch Volker Kauder ins Spiel.

Der möchte in erster Linie an die Beschneider Täter rankommen, was richtig ist. Die gehören in einen Sack gesteckt und an der nächsten Knastpforte abgeliefert.

Die Eltern möchte er hingegen vom Haken lassen. Weil die ja nur das Beste fürs Kind im Sinn haben und hier fehlgeleitet sind.

Hurra aufs Elternrecht.

Nein, Herr Kauder. Eltern, die hier in Deutschland leben, wissen sehr genau, was Deutsche von Eltern halten, die unbedingt ihre Kinder (Jungen wie Mädchen) dem grausamen Ritual unterziehen wollen. Eltern, die hier in Deutschland leben, können sich nicht auf Unwissenheit berufen. So naiv ist keiner, darum gibt es ja überhaupt erst das Phänomen des Beschneidungs Verstümmelungstourismus.

An dieser Stelle plädiere ich aber für eine verschärfte Aufklärung.

Es darf sich bei dem Thema keiner mehr gegen Bildung wehren, weil er Angst vor der Konsequenz hat, dass ihm sein eigenes Leben womöglich aus den Fugen gerät. Aufklärung für alle Eltern. Jungen oder Mädchen.

Und zwar detailliert über die Funktionsweise der Genitalien unter besonderer Berücksichtigung der Funktionsweise von Vorhaut bzw. Labien. Die Eltern müssen wissen, was sie im Begriff sind, ihren Kindern anzutun. Jungen wie Mädchen.

Und sie müssen darüber aufgeklärt werden, wie sehr das Schmerzempfinden das Bewußtsein der Menschen verändert. Was es in den Menschen auslöst.

Und alle werdenden Eltern (egal ob beschnitten verstümmelt oder nicht) müssen verpflichtend über die Konsequenzen der Beschneidung Genitalverstümmelung aufgeklärt werden, und zwar von einem Arzt und nicht von einem Mohel oder einem Religionslehrer. Die Inhalte müssen strikt festgelegt werden. Ich will hier keinen Arzt das Hohelied der Beschneidung Genitalverstümmelung singen sehen.

Und dann unterschreiben die Eltern verbindlich (!), dass sie den Inhalt des Seminars verstanden haben. Gerne auch in ihrer Muttersprache.

Und wenn sie dann immer noch versuchen, ihre Kinder beschneiden verstümmeln zu lassen, dann gehen die in den Knast. Punkt.

Kommt mir nicht mit Kindeswohl – die Kinder sind schon gestraft genug mit diesen Möchtegerneltern. Die sind dann in einer Pflegefamilie ganz sicher besser aufgehoben.

Veröffentlicht am 14. Juni 2013, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Ich stimme dir in allem zu.

    Aber, zusätzlich ich will darauf hinweisen, dass es sich bei Kindern immer um genitale Verstümmelung handelt. In diesem Bereich ist es m. M. wichtig und zentral zu ideologisieren. Es muss schon bei der Begrifflichkeit klar sein, worum es geht. Wer dazu aufruft, die Genitalien von Kindern zu verstümmeln, weiß sehr gut, dass er den betreffenden Menschen und seine Nachkommen beherrscht. Der Begriff „Beschneidung“ verschleiert diesen Hintergrund zu sehr.

    Genitale Verstümmelung steht dem Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit entgegen. Menschenrechte sind universal und unabhängig vom Alter des Menschen.

    • Du hast recht🙂

      Ich fall ja selbst noch drauf rein – bei Mädchen heißt das „FGM“ – also Female Genital Mutilation. Bei Jungs Beschneidung.

      Dass es eine MGM ist – also eine Male Genital Mutilation – sollte ich mir echt mal angewöhnen.

      Ich hab den Text entsprechend geändert – und holla verändert der sich dadurch.

  2. dem allen widerspricht die praktische Verfolgung:
    Kinder werden ihre Eltern nur in Ausnahmefällen anklagen – wenn ihnen klar wird, daß sie verstümmelt wurden, sind sie keine Kinder mehr,
    Und wie will ich eine ‚Auslandstat‘ verfoigen? Bei Einreise entkleiden lassen? Würde wenigstens die überteuerten Nacktscanner ersparen…
    Die ‚Operateure‘ im Ausland verfolgen? Also Amtsbitte, die abgelegt wird?

    So traurig mich die ganze Angelegenheit macht – und ich bin selbst betroffen durch ärtzliche Entscheidung Ende der 60er Jahre – aber ich nehme es als Trost, meiner Partnerin ein wenig mehr ‚Freude‘ bereiten zu können…. auch wenn ich den Unterschied nicht erahnen kann…

  1. Pingback: Mein Lieblingsblog 2013: Tante Jays Café | -=daMax=-

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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