Prism und die Medien


Der Journalismus ist die Vierte Gewalt im Staate. Er kontrolliert die anderen drei Gewalten: Judikative, Exekutive und Legislative. So ist zumindest die Theorie und so ist zumindest auch der Anspruch, den die Verlagshäuser geltend machen.

Und immer, wenn mal wieder etwas herauskommt, das beweist, dass es nicht stimmt, kommen genau diese Qualitätsmedien in Erklärungsnot. Und nicht immer gehen die damit gut um.

Die Verschwörungstheoreiker haben es schon immer gewußt: Wir werden von den USA großflächig und grenzenlos abgehört. Stückchenweise kam in der Vergangenheit das Ausmaß der Bespitzelungen ans Licht.

NSA? So ein Quatsch, gibts nicht. Echelon? So ein Quatsch, gibts nicht, ist ne Verschwörungstheorie.

Und am Ende musste man zugeben: War doch keine Theorie. War alles echt.

Die ganzen Überwachungsszenarien gipfelten jetzt in Prism – der Skandal der keiner ist. Denn: Es ist tatsächlich wohl legal, was die NSA dort gemacht hat. Alles abgedeckt durch den Patriot Act.

Obama konnte sich vor die Presse stellen und frank und frei sagen: Jop. Machen wir seit Jahren. Hat einer ein Problem damit? und keiner der anwesenden Journalisten hat kritisch genug nachgefragt, um auch nur eine Schweißperle auf der Stirn anzuzeigen.

Und genau hier versagt der Journalismus als Vierte Instanz. Hüben wie drüben.

Snowden hat die Dokumente der Washington Post zur Verfügung gestellt. Gebrauch hat sie davon keinen gemacht. Warum? Naja, weil…weil…äh..OH LOOK AT THAT CAT!!!!

Jo. Gute Frage. Erst, als er zum Guardian gegangen ist, hat Snowden jemanden gefunden, der sich überhaupt für die Dokumente interessiert hat.

Der kritische Journalismus hat sich zumindest bei der Washington Post verabschiedet. Der Zeitung, die Richard Nixon zu Fall gebracht hat – und die in der Lage gewesen wäre, Barack Obama zu Fall zu bringen, wenn sie es richtig angefangen hat.

Und hier? Hier wird getan, als würden die USA da alleine stehen. Wo sind denn die kritischen Fragen an den Innenminister, warum Deutschland in den NSA-Karten als „orange“ für hohe Überwachung ausgewiesen wird? Wo sind die Recherchen dazu? Wo sind die Artikel, die das überhaupt erst einmal thematisieren?

Gibt es nicht. Oder wenn nur vereinzelt. Und ganz sicher nicht im Mainstream.

Dass die USA Auslandsaufklärung betreiben: Geschenkt, macht jedes Land auch so. Ja, auch Deutschland. Wenn die Medien jetzt so tun, als wäre das eine völlig neue Erkenntnis und die USA wären da furchtbar böse, muss man sagen: Willkommen in der Realität. Natürlich machen die USA aggressive Auslandsaufklärung. Die USA sind auch ein aggressives Land. Bitte das nicht vergessen.

Aber vielleicht sollten diese Medien, die sich gerade darüber furchtbar aufregen, mal den zuständigen EU-Kommissaren erklären, dass man das der US-Regierung ein wenig schwerer machen sollte und die gewünschten Daten nicht aufbereitet frei Haus liefert. Stichwort Fluggastdatenweitergabe.

Und vielleicht sollten die mal ein wenig Druck dahingehend machen, dass unsere eigenen Geheimdienste uns vor dieser Art Schnüffelei mal SCHÜTZEN anstatt selbst noch ne Schippe draufzulegen.

Aber statt dessen: das klassische Grillezirpen im Blätterwald. Tja.

Wer überwacht den Überwacher?

Gute Frage – nächste Frage.

Die Medien sind es auf jeden Fall nicht.

/update

Und unsere Politiker sind hier noch mal ne ganze Ecke ahnungsloser als der Rest.

Veröffentlicht am 13. Juni 2013, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 10 Kommentare.

  1. Ich glaube jemand hat mal gesagt dass Diplomatie auf guter, gegenseitiger Spionage beruht… ehrlich gesagt wurdert mich es kein Stück. Mich würde es nicht wundern wenn so ziemlich jedes Land alle anderen auspioniert oder zumindest versucht. Will nicht sagen dass ich das sonderlich okay finde, aber halt nicht überraschend. *schulterzuck*

    • Jupp. Aber unsere EU *liefert* diese Daten aufbereitet auf Zuruf. Und hier muss endlich mal genug publizistischer Druck aufgebaut werden, damit das aufhört.

    • Also Geheimräte wie zu Wilhelms Zeiten existieren nicht mehr.
      Geheimdienste haben die Aufgabe in FREMDEN Ländern Informationen zu sammeln und auf die Lage im eigenen Land in Relation zu den ausspionierten Ländern auszuwerten.
      Wenn jetzt Geheimdienste das auf die eigenen Bürger ausweiten weil halt die STASI-GeStaPo sich auf ein passendes Gesetz berufen kann ist das aus deren Sicht nur logisch.
      Warum habe ich eigentlich ein DejaVu obwohl kein „H“ im Nick ist *grübel*

  2. Ich verstehe die ganze Aufregung auch nicht wirklich, denn am Beispiel der Datenleitungen in Richtung Pazifik konnte man vor Jahren im TV schon sehen, dass die USA da ’nen Geheimdienst auf die übertragenen Daten ansetzen wollen, vor dem 11.9.2001; wenn ich mich nich irre, laufen da nämlich fast alle transpazifischen Leitungen an einer Stelle zusammen und in dem Gebäude, welches an dieser Stelle steht, wurde eine Etage für eben einen solchen Dienst freigehalten. Es gibt nur einen Grund, so etwas vorzuhalten: Überwachung!
    Dass die Journalisten da nicht nachhaken, überrascht mich nicht. Wenn mit diesen nämlich so umgegangen wird, wie mit Chefs von Firmen, die die Daten ihrer Kunden nicht einfach so rausgeben wollen, droht ihnen nämlich Ungemach in Form längerer Haftstrafen, wegen irgendwelcher bundesgesetzlichen Lapalien.
    Fefe hat da was zusammengestellt: http://blog.fefe.de/?ts=af464804
    Und ich habe auch noch etwas gefunden:
    http://www.lachmeister.de/lustige-witze/george+bush/index.html (ich beziehe mich auf dem ersten Witz)

  3. Naja ob jetzt Obama allumfänglich für ein Programm das sein Vorreiter eingeläutet hat schuldbar sein soll?

    Am PATRIOT ACT zu wackeln ist für Politiker immer kritisch weil TERROR! und das Ding heißt doch schon so patriotisch.

    Schön auch die Aussagen der betroffenen Unternehmen das sie mit sowas nichts zu tun haben und sich immer an Gesetze halten. Ebendiese Gesetze verbieten ihnen aber sich dazu zu äussern ob diese Gesetze angewendet werden.
    Halt ein psychotischer messerschwingender Elefant im Raum den keiner ansprechen will und kann und darf.

  4. Das es keinen echten Journalismus mit echter Recherche und Beweisfindung gibt sieht man in jeder Zeitung oder online wenn der Ticker 1:1 durchgereicht wird, inklusive Rechtschreibfehler und im schlimmsten Falle noch auf die ersten 140 Zeichen gekürzt !
    Das die USA schon immer geschnüffelt haben und zwar bei ALLEN anderen Ländern war schon immer ersichtlich, wenn nun die eigenen Bevölkerung beschnüffelt wird ist das auch nix neues und die dämlichen Superwahljahrsprüche der Politscherzkekse sind einfach nur noch hochnotpeinlich.
    Sollte man bei Politikern wieder einführen die gute alte hotnochpeinliche Befragung, was da dann an Leichen vorkommt *bauklötzestaun*

    • Alle haben ja geahnt, das wohl hinter verborgener Hand geschnüffelt wird, Generalverdacht und so, und dass das immer nur übereifrige Geheimdienst-Leute das tun und das nicht von Rechtsstaaten in „geheime“ Gesetze gegossen wird und derartig großflächig/grobmaschig durchgeführt wird.

      Re. Hochnotpeinliche Befragung und Inquisition und dergleichen.
      Die spanische Inquisition hat sich wenigstens 4 Wochen vorher angekündigt, damit man seine Sachen in Ordnung bringen konnte.

  1. Pingback: Links 2013-06-13 | -=daMax=-

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