An euren Taten sollt ihr gemessen werden


Thomas de Maizière war angetreten, den buntschillernden Haufen an Möchtegernstars, der sich da Truppenverwaltung nennt, zu reformieren und wieder in die Reihe zu bringen. Und wie immer bei Behörden, wenn man nicht gründlichst mit dem Besen durchputzt und alles, was aufmuckt, rigoros in die mittlere Walachei abschiebt (Bundesverwaltung, die können Beamte überall hinversetzen – notfalls auch von Garmisch nach Rügen), geht das schief.

Das lernt unser Verteidigungsminister gerade. Denn was ist denn da eigentlich passiert?

Behörden. Die von einem Politiker angeführt werden, der tatsächlich glaubt, er würde den Laden regieren. Hat noch einer da das Lachen gehört? Behörden, gerade von einer Größe wie die Bundeswehr, werden vor Ort regiert. Von den jeweiligen Behördenleitern.

Aber doch nicht von einem Politiker in Berlin. Da lassen sich die Herren Ortsfürsten nur sehr ungerne, wenn überhaupt reinreden. Und genau das lernt der Herr Verteidigungsminister gerade.

Wie sieht das vor Ort denn aus? Alle 4 Jahre spätestens wird ein neuer Minister vorgestellt, der auch ganz doll viele Ambitionen haben kann – aber dann regelmäßig an der Realität Verwaltung scheitert. DIE Leute sind nämlich immer noch da, wenn der Minister schon längst sein Ruhegehalt genießt, weil er abgewählt wurde oder weil Frau Merkel ihr unerschütterliches Vertrauen ausgesprochen hat.

Das heißt, alle Projekte, die länger als 4 Jahre dauern (das sind bei Großbeschaffungen eine Menge), werden dem Minister höchstens zur Kenntnisnahme oder zum Abnicken gegeben – ENTSCHEIDEN tut der da mal gar nix. Der darf dann aber gerne den Kopf hinhalten für den Mist, den die Verwaltung da verzapft.

Welche Möglichkeiten hätte er gehabt?

Ernsthaft? Nicht viele. Derzeit sieht das für mich so aus, als ob er von der Verwaltung gezielt falsch informiert wurde. Und die Frage stellt sich für mich: Warum?

Das sollte mal die Staatsanwaltschaft, Fachabteilung Korruption, Bundesweit durchchecken. Mit einem Rollkommando und allem, was man so kriegen kann an Leuten.

Thomas de Maizière hatte nach dem Blender v. Guttenberg eigentlich genug damit zu tun, das ganze Desaster vom Umbau der Kriegsdienstarmee zu einer Freiwilligenarmee aufzuräumen. Das alleine hätte schon gereicht, 3 Minister Vollzeit zu beschäftigen.

Dass ihm dann das Desaster mit den Drohnen absolut untergegangen ist: Verständlich.

Aber halt – ganz so einfach darf man ihm das auch nicht machen. Denn für genau sowas hat er hochbezahlte Leute, die filtern und vor allem alleine durch die Menge schon entsprechende Großprojekte im Auge behalten sollten.

Und genau die Ebene hat völlig versagt, was direkt auf Thomas de Maizière zurückzuführen ist, der sich dafür offensichtlich die falschen Leute ausgesucht hat.

Als Fazit bleibt die Erkenntnis, dass die Politik machen kann was sie will – wenn die Verwaltung einen Politiker auflaufen lassen will, tut sie das. Dabei ist die Ebene völlig egal: Städte, Landkreise, Bezirksregierungen, Land, Bund – egal wo, es ist immer dasselbe Prinzip. Politiker Kommen und Gehen, aber der Beamte bleibt. Und tut letztlich, was er will.

So wie hier.

 

Veröffentlicht am 10. Juni 2013, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. Lochkartenstanzer

    Nich unzulässig verallgemeinern. Die einfachen Beamten, d.h. das Fußvolk der Sachbearbeiter kann leider 8oder zum Glück?) nicht immer tun was er will. da gibt es den Wasserkopf, zwischen ganz oben und den unteren Schichten, die das eigentliche sagen haben und entscheiden.

    • Nope. Selbst ein „kleiner“ Beamter hat durchaus die Möglichkeit, seinen Vorgesetzten auflaufen zu lassen.

      Das funktioniert so durch alle Ebenen hindurch, aber in den unteren Ebenen sind die Schäden dadurch geringer.

      • Allerdings kann auch leicht mal umgekehrt ein Schuh draus werden. Siehe die hessischen Finanzbeamten/Steuerfahnder, die sich die falschen „Opfer“ ausgeguckt hatten und jetzt entweder ohne jeden Verantwortungsbereich in irgendwelchen Büros am Ende des Ganges Däumchen drehen oder deren Karriere durch gekaufte und nachgewiesen flasche psychiatrische Gutachten komplett beendet wurde.

        • Jo, natürlich. Das können Vorgesetzte auch jederzeit prima umdrehen.

          Aber das ist eher nicht der Regelfall. Wenn du so eine Nummer als Vorgesetzter durchziehst musst du vorher wissen, ob du das auch längerfristig durchhältst.

  2. Hmm,
    alleine für die Geheimverträge mit Rüstungskonzernen bräuchte man sicherlich tausende Rechtsverdeher, äh Anwälte spezialisiert auf’s Vertragsrecht um die ganzen Hintertüren usw. usf. herauszusuchen.
    Weil wenn man nur die BW nimmt hat’s da schon passendes Geschmäkle:
    1. Neuer Luftransporter funzt net wie sollte
    2. Kampfhubschrauber nur für klassische Panzerabwehr ohne Maschinenkanone gegen „Terroristen“
    3. Truppenpänzerchen totaler Fehlschlag
    4. …
    und nun halt noch die Dröhnchen …
    Das liegt zwar auch am Klüngel aber vor allem der guten Lobbyarbeit, da werden dann alle zufrieden gelabert, abgefüllt und innen Puff geschleppt bis der Vertrag wie vom Konzern gewollt unterschrieben ist.
    Das ist aber bei allen großen Unternehmen so, jeder First-TIER wird von Leuten geleitet die von dem was das Unternehmen eigentlich „produziert“ keine Ahnung haben.
    DILBERT bringt’s immer wieder voll auf den Punkt.
    Achja und bei Beamten kommt noch stärker das Peter-Prinzip zum tragen weil ja automatisch nach Alter und so m(
    Und den Dunning-Kruger-Effekt niemlas unterschätzen, vor allem im Straßenverkehr und so😛
    Es gibt also mehrere Ursachen die sich Gegenseitig verstärken.
    Könnte man jetzt ja einfach mal auf die letzen vier Verteidigungsminister projezieren und schaun wer von was ammeisten hatte *grinsel*

  3. Das ist ja in fast allen Politikkreisen so, ob nun deutscher Verteidigungsminister oder amerikanischer Präsident:
    Denen wird immer versucht vollumfänglich die Schuld an allem was in ihren Resorts passiert unterzuschieben.
    Soldaten benehmen sich in einer Kneipe daneben, der Minister ist Schuld und hätte das verhindern müssen.
    Ein Sesselpupser macht was er will => Der Präsident ist dafür verantwortlich, der muss doch wissen was passiert.

    Viele wollen wohl kein diffuses „Feindbild“, es ist immer der oberste Honcho genau für alles Verantwortlich.
    „Die wissen ja schliesslich genau was überall los ist, z.B. was in Aktenschrank 242976 in Gebäude 978 in der obersten Schublade die vorletzte Akte ist.
    Wie? Warum weiß der das nicht? Das untersteht dem doch!“

    Ich kann mir keinen hochrangigen Politiker vorstellen der genau alles weiß was in seinem Bereich vorgeht. Da wird dazwischen so viel gefiltert und ignoriert/unterdrückt, das geht gar nicht anders. Ein Verteidigungsminister wird z.B. eben nicht über den tagesgenauen Verbrauch einer Kompanie informiert (Klopapier, Diesel, Apfeltörtchen), wie soll der auch all die Informationen aufnehmen können.
    Das wird ihm alles vorsortiert und bleibt in anderen Ebenen hängen.
    Der wird keinen stündlichen umfassenden Bericht zur Drohnenentwicklung auf den Tisch bekommen, den er sich genüsslich durchliest, sondern da steht eine Notiz „Projekt entsprechend Planung“, wenn überhaupt.

    Was mich bei den Amis in ihren Diskussionen nervt ist auch immer der jeweiligen Regierung Schuld an allem zu geben. Ich bin mal der festen Überzeugung das nach einer Wahl nicht die komplette Verwaltung und alle Angestellten entlassen werden und sofort mit gefälligen Leuten aufgefüllt wird. Das mag in China zu jedem Jahreswechsel in Zusammensetzungs-Fabriken/Industrien funktionieren, aber kaum in anderen Bereichen.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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