Wie krich ich eigentlich AIDS?


Wo wir da unten gerade schon so die schöne Diskussion hatten (ich mag es mit Torsten Dewi zu diskutieren, hart, fair und vor allem sachlich, man muss ja nicht zwingend zu einer Einigung kommen🙂 ): AIDS ist für die meisten immer noch ein Tabuthema.

Wer sich die „Sex-Seuche“ holt, ist potentiell unanständig, hat in erster Linie wohl promiskuitiv gelebt und ist per se ein unheimlicher, schmieriger Mensch. Weil anständige Menschen, die monogam in heterosexuellen Beziehungen leben hätten doch NIE AIDS bekommen.

Ach, wenns doch so leicht wäre.

Der Übertragungsweg ist einfach: Eine HIV-Infektion überträgt sich nicht wie eine Grippe. Es ist schon der ziemlich massive Austausch von Körperflüssigkeiten notwendig. Also Blut und Schleimhautflüssigkeiten.

Klingt eklig? ist aber schon gar nicht so. Rekapituliert doch mal euren letzten Sex, wenns so weit zurückreicht.😉

Das heißt: Kondome schützen. Zumindest, was den Teil „Sex“ angeht.

Was jetzt Bluttransfusionen angeht, naturgemäß eher nicht. Hier bleibt jedem nur, sich auf die Zuverlässigkeit der Blutbanken zu verlassen, die keine ungetesteten Konserven rausgeben. Dass das nicht immer funktioniert, hat sich in der Vergangenheit leider häufiger gezeigt.

Man kann sich also HIV über Transfusionen oder über Sexkontakte einfangen. Und selbst wenn man einen One-Night-Stand hatte – so what? Die Haltung „Selbst schuld, hättste nicht..“ ist hier völlig unangemessen.

HIV-Infizierte tragen eine doppelte Last, vor allem im Berufsleben. Sie müssen einerseits ihre Infektion verheimlichen, was insbesondere mit den Läsionen nicht wirklich einfach ist und sie müssen gleichzeitig einen Haufen Medikamente schlucken, die die Viruslast in Schach halten sollen.

Und immer die Angst, dass jemand rauskriegt, was los ist. Und dass man dann den Job verliert. Weil die Leute inzwischen so eine gigantische Angst vor HIV haben, dass sie unbewußt oder auch sehr bewußt Infizierte ausgrenzen.

Wir wissen es doch besser, oder?

Hinzu kommen all diejenigen, die nicht wissen wollen, ob sie infiziert sind oder nicht. Die einfach ignorieren, dass sie möglicherweise eine Infektion haben. Und dass sie riskieren, ihre Partner anzustecken und die Seuche so weiter auszubreiten.

Dahinter stecken oft massive Ängste: Wenn die Umgebung das mitbekommt, wie wird sie reagieren? Und natürlich ein Gutteil Vogel-Strauß-Politik.

Das ist in Europa und in Deutschland exakt genauso wie in Uganda, Südafrika und Kenia.

Darum: Wenn jemand HIV-infiziert ist – grenzt ihn nicht aus. Man kann ihn berühren, man kann ihn umarmen, man kann vor allem gefahrlos mit ihm (oder ihr) zusammenarbeiten. Lediglich im Fall von Erster Hilfe muss man vorsichtig sein. Denn wenn man eine blutende Wunde versorgt und selbst Wunden an der Hand ist ein Infektionsrisiko da.

Aber ansonsten kann man mit HIV-Infizierten und mit AIDS-Kranken genauso umgehen wie mit jedem anderen auch. Und: Keine Ausgrenzung ist ein echtes Plus in der Eindämmung der Krankheit. Wenn man nicht mehr fürchten muss, alles zu verlieren, was man sich aufgebaut hat (oder in einigen afrikanischen Ländern sogar befürchten muss, getötet zu werden), dann ist man vielleicht auch eher bereit, sich selbst testen zu lassen.

Also:

Keine Angst vor HIV. Selbstschutz: Ja. Aber mit Augenmaß. Und dazu reichen Kondome und ein paar Handschuhe.

Disclaimer: Wie bei allen medizinischen Themen lasse ich mich gerne hier eines besseren belehren, falls ich hier was falsch oder unrichtig wiedergegeben habe.

Was ich hier NICHT hören möchte sind VTs, wonach es das HIV-Virus gar nicht gibt und es nur eine Erfindung der Pharmaindustrie ist um ganz viele doll teure Medikamente verkaufen zu können.

Veröffentlicht am 30. Mai 2013, in Nachdenkliches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Tja HIV ist und bleibt halt ein Tabu-Thema wegen den „Erzkonservativen“ *göbel*
    Was den Infektionsweg angeht gibt’s die Theorie das sich das HIV Virus in Trägern wie Affen ohne Ausbruch verbreitet und wenn dann die Affen ohne verkohlt worden zu sein verspeißt werden sich der Mensch darüber infiziert.
    Die Übertragung zwischen Menschen läuft über direkten Austausch von infizierten Körperflüssigkeiten, da kann es auch schon reichen wenn jemand der infiziert ist Zahnfleischbluten hat und via Zungenkuß geknutscht wird !
    Da das Virus T-Zellen als Wirtszellen nimmt ist vor allem im Blut am meisten vorhanden.
    Vollen Schutz bietet nur keinerlei Viren selbst aufzunehmen, ob via Schleimhaut oder offener Verletzung bleibt sich gleich.
    Bei Schleimhäuten ist das Risiko geringer aber nicht null !
    Und da es beim guten alten Zipfel eini Zipfel aussi ordentlich zur Sache geht werden dort i.d.R. Schleimhäute und Vorhäute (so sie noch da sind) verletzt durch Mikrorisse die weder bluten noch weh tun, sonst wär’s ja auch nicht das zweitschönste auf der Welt neben „Volksmusik“😛
    Gummis schützen im übrigen auch hervorragend vor ungewollter Schwangerschaft, Syphylis, Tripper, Gonokokken, Streptokokken und was sonst noch so im Safte vor sich hin gedeiht😛
    Und ich denke mal eher das nicht unter der unbeschnittenen Vorhaut am meisten von den kleinen Kerlchen zu finden sind, sondern da wo es immer schön warm und ordentlich feucht ist *lapalomapfeif*
    Der mußte jetzt sein *grins*
    Aber selbst wenn man direkt in Kontakt mit verseuchtem Blut gekommen ist muß es nicht zwangsläufig zu einer Infektion kommen.
    Kontrollieren sollte man das aber in jedem Fall mit aktuellen Schnelltests die gibt’s im Gesundheitsamt bei Verdacht auch (mal) umsonst😉
    Also wer ungestörten Spaß haben will einfach im pösen Netz eine Familienpackung Gummis ordern und erstmal am Besenstiel üben wie man das Teil draufbekommt und wenn’s „gelaufen“ oder gar „gespritzt“ ist immer an der Peniswurzel festhalten, sonst isses erstens Makulatur und zweitens peinlich beim Frauenarzt sich das Ding rausfummeln zu lassen …
    Wie ging noch mal der Witz vom Malermeister:
    „Ich hab gehört Du hast einen ehemaligen Frauenarzt als Gesellen genommen ?“
    „Ja stimmt und ?“
    „Kann der denn überhaupt malern ?“
    „Tja nun der hat halt einen Tick aber wenn ich die Tür zumache und ihn durchs Schlüsselloch arbeiten lasse wird’s immer perfekt !“
    *ROFL*

  2. Kleine historische Anmerkung aus dem Vorlesungssaal zum Thema HIV-Infizierte.
    Es gibt bestimmte Krankheiten, bei denen die betroffenen Menschen zu wenig Blutplättchen (Thrombozyten) bilden. Kausal behandeln kann man diese Krankheit nicht oder sehr selten (ist meist ein Gendefekt). Um sie vor der Verblutung zu schützen brauchen sie regelmäßig Thrombozyten-Infusionen. Stell es dir wie Blutkonserven vor, nur halt keine roten Blutkörperchen sondern die Blutplättchen. Für eine Konserve davon braucht es aber bis zu 200 „normale“ Blutspenden.
    Heißt also, die betroffenen bekommen ein „Mischblutprodukt“ also Bestandteile aus dem Blut vieler Leute.
    Und wir haben im Westdeutschland kaum Menschen ältere Menschen die eine solche Erkrankung haben. Warum? Weil es zu Zeiten in denen man die Blutkonserven noch nicht auf HIV überprüfen konnte den Leuten „verseuchtes Blut“ gegeben wurde. Ein einziger positiver Spender (man bedenke, vor 40 Jahren gab es noch keine antivirale Therapie) hatte damals ausgereicht um das gesamte Mischblut mit HIV zu verseuchen. Als „Ursache“ wurde damals wohl festgestellt, dass in den USA HIV-infizierte Blut spendeten um sich etwas Geld damit zu verdienen. Und dieses Blut wurde damals in die ganze westliche Welt verschickt, gerade wenn es um so etwas wie Thrombozyten-Konzentrate ging wo sehr viel Spenderblut benötigt wurde. So kam es bis Westdeutschland. In Ostdeutschland dagegen wurde häufig Blut aus den ehemaligen Ostblockstaaten transfundiert, wo das VIrus wohl noch nicht so weit vorgedrungen war…
    Diese ganze Sache galt als einer der tragischten Geschichten im Zusammenhang mit Bluttransfusionen. Und war einer der Gründe warum der HIV-Test für Blutkonserven so vorrangetrieben wurde.
    Und ist auch ein Beweis dafür, dass man nicht „ekligen Sex“ haben muss um HIV zu bekommen…

    • Danke, die Thrombozytensache hatte ich ganz vergessen. Meine Eltern sind künstliche Bluter – beide. Marcumar. Insofern habe ich ne ganz gute Idee davon, was Thrombozyten sind.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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