Open Letter to Mr. Bill Gates


Dear Mr. Gates,

my name is Kerstin Ludwig. I’m a blogger from Germany and I would like to ask you a few questions about what your foundation is doing in Africa.

First of all: English is not my native language, so please do not judge me based on my style. I know I am making mistakes, and the content of my letter is important.

To me and to a lot of people.

Do I believe for a second that you will get this Email directly? No. I am one voice out of millions and I know that very well.

But I hope that this letter is read by a lot of people and some day you may read it somewhere in that big knowledge pool called the internet.

Mr. Gates, I deeply believe that you really care for people. That you want to help those who are suffering, and that you are one of the few people who do not care about money but about the things you can do with it. The Bill and Melinda Gates Foundation was not founded to save taxes. Your foundation exists to help those who cannot help themselves.

And your engagement is necessary by all means.

Knowing this, I was more than a bit astonished to learn that your foundation is teaching people in Africa that circumcision is THE way to prevent getting HIV, and in order to this you are circumcising men widely in the HIV-stricken countries like Kenya and Zambia. And I was devastated when I read that you spent a huge amount of 50 million dollars to ensure that the men were circumcised.

Didn’t you question this before the Bill and Melinda Gates Foundation launched this program?

I know you were born in a country where circumcision of new-borns is a routine surgery. I know that the United States are one of those countries that are stricken by HIV. I have some very dear friends in Southern US and they need drugs to fight their daily battle against HIV. And I know that they are losing ground. And I appreciate every single useful attempt to save people.

One thing I learned as a young adult in the late 80’s was: The best protection against HIV is using condom. Nothing else.

Why circumcision? Even according to the studies the WHO is referencing, circumcision is reducing the infection risk by 60% – per sexual intercourse, not by month or year.

This means that if a man is having sex with infected partners one hundred times, forty times of them he will get infected. And in a relationship you are probably having sex on a regular basis, meaning that you would be infected anyway in a year’s time. Circumcised or not.

Thus, circumcision is not an effective means of preventing HIV. The numbers tell us that the number of infections will be reduced by 60 percent – but only if every man vowed to have sex only once in his entire life!

Only the condom protects reliably against getting infected.

Adding to that, circumcision is destroying the most sensitive part of the male genital. It is the foreskin that protects the very sensitive glans. Several gay men have told me they are not able to have safe sex anymore with a condom. Because using a condom adds to the loss of sensitivity that occurred after the circumcision.

So, let me state the facts again.

Circumcision reduces the long-term infection risk only marginally.

Only a condom reliably protects against HIV.

And a circumcised penis loses sensitivity, which is exacerbated when using a condom.

Do you see the contradictions? If you have to use a condom anyways – why circumcise?

To me this program is lacking any sense, but I would feel honored if you or somebody of your foundation would be able to explain this to me without using the well known studies (and this includes the Metastudy of 2009) thatare completely busted because of the lack of proper scientific reasearch. These were studies with an agenda, they were not objective and neutral.

Fifty million dollars would be a lot more effective if spent for sexual education and free access to condoms in those devastated countries.

If anybody in the Bill and Melinda Gates Foundation is reading this letter: Please think the decision over. Africa and its people need real help. Not the false help of a circumcision that only save the lifes of a few. Africa needs you at your best.

I am only one voice out of a choir of millions. But maybe, just maybe, you are listening to me.

Sincerely,

Kerstin Ludwig
/update
Big hugs to the Turtle of Doom who kindly proofread the text

Veröffentlicht am 29. Mai 2013, in Nachdenkliches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 26 Kommentare.

  1. Nochmal, damit das auch wirklich jeder Spamfilterbewohner rafft:

    Natürlich glaube ich keine Sekunde, dass Bill Gates das direkt liest oder gar meinem Blog folgt – so doof bin noch nicht mal ich.

    Darum gehts aber auch nicht. Es geht darum, Menschen zu erreichen, ihnen Argumente in die Hand zu geben und vor allem geht es darum, auch öffentlich Dinge, die nicht richtig sind, laut zu sagen.

    Politik der kleinen Schritte. Und dazu muss ICH nicht Hitlers Rede in der Kroll-Oper an den Zentralrat der Juden in Deutschland schicken um ihnen klarzumachen, was sie der Meinung des Absenders nach erwartet, wenn sie nicht aufhören, ihre Kinder zu quälen.

    Nur falls sich ein gewisser Jemand fragt, warum seine zahlreichen Kommentare hier nicht erscheinen.

    Genau deshalb – und weil deine Ausdrucksweise im Mailverkehr mit „beleidigend“ nicht mal annähernd umschrieben war, bist du dauerhaft im Spamfilter. Und wirst da auch bleiben.

    Und weil ich genau weiß, was jetzt kommt:
    Bitte. Tu dir keinen Zwang an. Zeig mich an. Weswegen auch immer.

  2. Oh großartig, die Judenhasser schon da…

    Auch in diesem Fall vertrete ich eine andere Meinung. Ich schaue mal, ob ich morgen dazu kommen, sie auszuformulieren.

    • Der Judenhasser hat nen Freifahrtschein in den Spamfilter bekommen.

      Ich hab die Schnauze von dem Volk so voll das glaubt kein Mensch.

    • Cool, danke dir. Mal in die Quellensammlung reinstopfen.😉
      Und ja, ich hab den Knaben zurückgetrackt bis zur Aryan Brotherhood.

    • Ich finde in solchen Artikeln immer (Ab-)Sätze wie:

      „Although African-Americans comprise 12% of the population, they account for 45% of all new HIV infections nationwide and 65% of all new infections among women,“ Fauci said previously. „A substantial portion of newly infected African-Americans are bisexual and homosexual men.“

      Wenn ich sowas lese kommt bei mir immer die Frage auf warum keiner diese Zahlen und (Vor-)Urteile hinterfragt.

      Grade was Schwule angeht wurde ja Jahrzehnte lang rauf und runter gelaiert: „Aids ist eine Schwullen-seuche“, „Nur Homos bekommen Aids“ etc. Bei Schwarzen sieht das ähnlich aus (viele Jahre war auch der „vergewaltigende Schwarze“ ein beliebtes, in Ermangelung eines besseren Wortes, „Feindbild“).

      Das und die spätere (teilweise auf diesem Bullshit begründete) wunderbare Test- wie Aufklärungskampagnen haben gerade diese Bevölkerungsteile sensibilisiert welche nun in der Statistik führend sind eben weil sie sich regelmäßiger testen lassen. Das ist wie eine Spielart der selbsterfüllenden Prophezeiung weil nur das gezählt werden kann was tatsächlich an Ergebnissen eingeht.

      Das heißt nicht das das Risiko für den weißen hetero kleiner ist oder das er sich im Schnitt weniger STDs holt. Wichtig wäre an sich jeden und wirklich f****** jeden zum testen zu bewegen am besten in dem man die Tests kostenlos anbietet. Gleich bei jeder Blutentnahme und von der Kasse bezahlt.

      Solche „nur Schwarze/Schwule sind bedroht Absätze“ wiegen die Bevölkerung nur in falscher Sicherheit und schüren negative Sentiments. Außerdem bringen sie mich zum kotzen.

      • So recht du hast, soweit es Europa betrifft: Für Afrika gilt das nicht.

        In Afrika ist AIDS/HIV auf dem Durchmarsch. Nicht Vor- DURCHmarsch.

        Es gibt in Afrika die versteckte Tragödie der AIDS-Waisen. Das sind die Kinder, die einen oder beide Elternteile durch AIDS verloren haben. Die Zahl wird inzwischen auf 15 Millionen geschätzt.
        http://www.unicef.de/presse/pm/2006/aids-waisen/

        Es hat wenig mit Rassismus zu tun aber eine Menge mit harter Realität, wenn man jetzt versucht, das einzudämmen. Und Afrika wird nun mal nicht von Weißen bewohnt, die sind dort nun mal in der Minderheit – beißt die Maus keinen Faden ab. Vor diesem Hintergrund musst du die Zahlen sehen, die einen Vergleich Afrikas mit den westlichen Staaten darstellen.

        Kennst du die Geschichten von der Pest im Mittelalter? Wie sie ganze Landstriche verwüstet hat und im Zuge dessen der Aberglaube wuchs und auch die Hexenverbrennungen? Weil ja *irgendeiner* Schuld sein musste an dem ganzen Mist?

        Genauso ist das auch mit HIV. Die Leute infizieren sich und ein infizierter kann eine Menge anderer anstecken. Egal ob Mann oder Frau, es gibt dort ganze Landstriche, die entvölkert sind und andere, die demnächst entvölkert sein werden.

        Und wenn die Bill Gates Stiftung dort jetzt helfen will, diese Tragödie einzudämmen, ist das richtig, aber die Beschneidung ist leider nicht der richtige Weg.

        Die Erfindung eines neuen Kondoms (Danke an Torsten für den Link) hingegen schon.

        • Tantchen natürlich weiß ich, das es in Afrika was anderes ist. Ich bezog mich ja auch auf den CNN-Artickel von Torsten (Ich hoffe ich darf den vornahmen verwenden.) gelinkt hat. Der Artikel bezog sich nämlich gerade auf die Aids/HIV zahlen in den USA wenn ich mich nicht verlesen habe.

          Auch die Zahl der Waisen war mir bekannt. Arte hat zum Aids-tag immer Dokumentationen wo auch diese Schicksale öfter vor kommen und ehrlich da bleibt mir immer das Herz fast stehen wenn ich die sehe.

          Ich frage mich wieviel es eigentlich kosten würde eine Anlage hinzustellen die großindustriel und dediziert AIDS/HIV Medikamente produziert. Vor und Nachsorge müssen stimmen bei der Bekämpfung einer Krankheit, es nützt wenig wenn die Nächste Generation geschützt ist wenn jetzt die Väter und Mütter wegsterben die Einkommen erwirtschaften und Kinder versorgen. Das wäre jedenfalls besser als Beschneidung.

          • Fast nichts, das ist ja das Problem. Auf jeden Fall bei weitem weniger als die Medikamente, die jetzt patentiert sind.

            Ich sehe das echt zwiespältig: Einerseits haben die Pharmafirmen hohe Entwicklungskosten bei diesen Medikamenten und die müssen wieder reinkommen – das sind gewinnorientierte Firmen.

            Ich hätte persönlich genau kein Problem damit, wenn in Afrika die Medis kostenfrei bzw. gegen einen geringen, leistbaren (!!!!) Obolus abgegeben würden und die sich die Gewinne hier reinfahren.

            Aber ich fürchte, da sind wir noch weit von weg.

            • Entwicklungskosten existieren ja nur einmal sind die gedeckt ist ein Medikament minus Fixkosten eine Cashcow. Ich sehe auch nicht das Problem wenn diverse Medikamente quer subventioniert werden.

              Es gibt genug wo man gern was raufpacken kann und bei dem das auch schon getan wird. Für 10 Euro für die du in Deutschland ein 24er Packung Aspirin bekommst gibts im Wal-mart (USA) für das gleiche Geld die „Galone“ (rund 4 Liter) Pillen.

              Viagra kostet auch das 400 fache der Produktionskosten und das Zeug gibt es schon über 10 Jahre mit mehr als genug Abnehmern. Vitamin-preperate, Globuli, Antifaltencreme und Co. dürfen gern 200 EU das Fläschchen kosten.
              Das Problem hier ist das dies private Firmen sind die gewinne maximieren wollen und nicht Leben retten, das ist eher eine „Nebenwirkung“.

              Was es braucht ist eine Verstaatlichungsform für Medikamente die von WTO, WHO und Völkerrecht gedeckt wird mit klaren Kriterien für den Impact einer Krankheit wie z.b. “ an Krankheit X sterben in 10 Jahren 20% der Bevölkerung weg“.

              Oder man macht eine Steuer auf den weniger sinnvollen Kram die einfach zweckgebunden in einen Topf geht solange nicht diverse Medikamente freigegeben werden. Mit dem Geld ermöglicht man dann Staat X eben die Medikamente die gebraucht werden zu besorgen.

  3. Sehr schöner Brief, vielleicht und mit einem Funken Glück stößt er auf Gehör. (Wenn nicht von Bill Gates dann von IRGENDWEM der daraus etwas lernt.)
    Ich finde es nach wie vor erschreckend mit wie wenig Wissen so viele Leute an dieses Thema gehen. Und wie viel Unsinn und Aberglaube rings herum herrscht was letztlich in den meisten Fällen nur die Folge hat, dass alles noch schlimmer wird. Einer unser Professoren ist in einer Hautklinik in Uganda tätig und erzählt ab und zu von dem Alltag dort (Hautmanifestationen sind oft erste Symptome der Infektion, was tragischerweise sehr oft SEHR stigmatisierend ist aber ebenso oft verkannt wird) Und es erschüttert mich jedesmal wenn man von dem Schicksal von 16 oder 14 jährigen Kindern oder jungen Menschen hört, die diese Krankheit haben und in einem Land leben in dem heute mit all dem Projekten die es gibt gerade einmal 10% aller Leute eine Behandlung bekommen die eine Behandlung bräuchten.
    Es ist traurig, erschreckend und tragisch wie in so vielen Ländern mit dem Thema HIV umgegangen wird und wie wenig die Öffentlichkeit darüber weis, trotz Aufklärungsversuche, trotz allem.
    Jemand sehr kluges sagte einmal dass die größte Waffe der Menschen gegen Tod und Chaos das Wissen sei. Ich glaube das trifft in diesem Falle auch zu… das Beste Mittel gegen das HIV-Problem wäre eine RICHTIGE Aufklärung innerhalb der Bevölkerung. Und Tante Jay? Du machst momentan einen besseren Job damit als viele, viele anderen.

    (PS: WTF, was will der Kerl mit von Wegen Bill Gates soll ein Jude sein? Warum denken so viele Leute (oder nur der eine Kerl, ich hab keine Ahnung) dass das a) was schlechtes ist und b) eine relevanz hat und c) WTF? O.o Verstehe einer Leute…)

  4. Ich habe es auch mal verlinkt, auch wenn mein Blog keine große Rechweite hat. Aber Samen muss man streuen, wer weiß, wo und wann sie aufgehen.
    http://histaminer.wordpress.com/2013/05/30/mannliche-genitalverstummelung/

  5. Okay, ich schaue mal, ob ich das knapp zusammen fassen kann, weil ich doch relativ viel zu tun habe heute.

    Die Absicht des Briefes ehrt, aber weder Adressat noch Faktenlage stimmen.

    Bill Gates weiß sehr gut, wie wichtig Kondome sind, gerade in Afrika (siehe CNN-Artikel). Er investiert viel Geld nicht nur in deren Produktion, sondern auch in die Aufklärung. Das tut er aus eigener Kasse, er ist kein Staat, von dem wir das verlangen können. Man muss Microsoft nicht mögen, aber Gates ist ein bewundernswerter Philanthrop, von dem besonders deutsche Reiche, die sehr gerne auf ihrem Geld hocken bleiben, etwas lernen könnten.

    Was ist also das Problem mit Gates? Dass er nicht, wie hier im Beitrag verlangt wird, AUSSCHLIESSLICH auf Kondome setzt, sondern auch auf Beschneidung?

    Selbst Tante Jay gibt zu. „Even according to the studies the WHO is referencing, circumcision is reducing the infection risk by 60% – per sexual intercourse, not by month or year.“

    Es ist schön, wenn man an Kondome als Schutz vor der HIV-Infektion glaubt. Nur nützt alle medizinische Erkenntnis null, wenn die Menschen in den betroffenen Regionen aus verschiedensten Gründen auch nach Beratung keine Kondome verwenden mögen (Ignoranz, Homophobie, falsch verstandene Eitelkeit). Das ist Fakt, das ist kein Szenario. Und es ist in Afrika DAS Problem, was AIDS angeht.

    Was also tun? Weiter sagen „Nur Kondome schützen!“ und es damit gut sein lassen? Die Leute immer und immer wieder aufklären, die nicht zuhören wollen und verteilte Kondome wegwerfen? Oder eben doch zusätzliche Maßnahmen ergreifen, die vielleicht nicht helfen wie Kondome, aber zumindest das Risiko ein wenig verringern, wenn so ein Unbelehrbarer seine neuste Flamme trotz Infektion doch wieder ohne Tüte beschläft?

    Bill Gates geht den Weg der Vernunft. Er gibt nicht nur gute Ratschläge, sondern baut auch vor für den Fall, dass die Adressaten sich nicht drum scheren. In vielen Artikeln von und über Gates, die ich gelesen habe, erscheint er mir als zutiefst humaner Pragmatiker, der eben einen Schritt weiter gedacht hat als die meisten hier. was tun, wenn die Leute sich als beratungsresistent erweisen?

    Und WEIL Bill Gates dreistellige Millionenbeträge in Kondome investiert, in Forschung UND in Aufklärung, halte ich es für verfehlt, ihn mit einem „offenen Brief“ an den Pranger stellen zu wollen, nur weil man sich seine Arbeit nicht genau angesehen hat. Bill Gates muss niemand mehr die Augen öffnen.

    Einen „offenen Brief“ sollte man vielleicht mal an die Männer Afrikas schreiben, ganz besonders an Leute wie Robert Mugabe. Dass internationaler Druck helfen kann, zeigt sehr schön das Beispiel Jacob Zuma (den man wahrlich nicht mögen muss): der südafrikanische Präsident war in Sachen AIDS jahrelang ein totaler Klotzkopf und der größte Bremser des Landes. Mittlerweile treibt er den Kampf gegen AIDS lobenswert voran. Nicht aus Überzeugung, so naiv bin ich nicht – aber weil er einsehen musste, dass er mit seiner archaischen Vorstellung von Männlichkeit und Potenz unter die Räder der Geschichte kommt.

    Ob Beschneidung gleich „Verstümmelung“ ist (ich mache da einen Unterschied zwischen Beschneidung von Säuglingen und der freiwilligen Beschneidung erwachsener Männer) und wie sehr der Einsatz von Gates natürlich von der US-Kultur geprägt ist, die Beschneidung befürwortet, steht auf einem anderen Blatt.

    • Ah ah ah ah ah AHARRRGS, danke du hast meinen Fehler rausgefunden. VERDAMMT. MIST. *Fluch*

      Also: Ich *weiß* das Bill Gates ein Philantrop ist und das ganze aus eigener Kasse managed. Eben darum ist es ja so wichtig, dass das aufhört.
      Nun zu meinem Formulierungsfehler, bei dem ich gerade die Krätze bekomme:

      *ALLE* (und zwar ausnahmslos alle) Studien, die „bewiesen“ haben, dass eine Beschneidung die HIV-Infektion verringert, sind „busted“ wie man so schön sagt. Die erfüllen nicht mal annähernd die Standards an Wissenschaftlichkeit. Die Bill-Gates-Foundation nun beruft sich auf eine Meta-Studie aus 2006, die diese (falschen) Studien ausgewertet hat.

      Inwieweit sind diese Studien nun falsch bzw. unwissenschaftlich?

      Die Hauptstudie, auf die auch die WHO-Empfehlung beruht, war geradezu menschenverachtend. Man ist in einem südafrikanischen Hochrisikogebiet hingegangen, hat willkürlich Männer in Versuchskaninchen eingeteilt und dann die eine Gruppe beschneiden lassen.
      Folgendes Problem ist dabei völlig unter den Tisch gefallen: Während die beschnittenen Männer für einige Zeit (Wochen) nicht wirklich Lust auf Sex hatten, sind die unbeschnittenen Männer lustig zugange gewesen. Das verfälscht das Ergebnis – und zwar profund.

      Hinzu kommt, dass die Studie vorzeitig abgebrochen wurde. Die Männer, die sich in der Studiendauer mit HIV infiziert hatten (und möglicherweise nicht hätten müssen) hat man im Regen stehen lassen, man hatte ja das gewünschte Ergebnis.
      http://www.plosmedicine.org/article/info:doi/10.1371/journal.pmed.0020298

      Die Studie selbst hatte im Ergebnis wohl auch noch einen Wertungsfehler, so dass die *tatsächliche* Minimierung des Risikos bei etwa 2% liegt – und nicht bei 60%. Warum das der WHO nicht aufgefallen ist? Frag mich nicht, ich blick das selbst nicht. Aber mich ärgert dieser Formulierungsfehler gerade so richtig, ich muss das noch umbauen.

      Und dass die Beschneidung nicht hilft, kann Bill Gates in der Tat sehen, wenn er mal kurz ins eigene Land guckt. Die HIV-Rate geht dort durchs Dach. Das ist da inzwischen ein ziemlich übles Problem und es wird nicht besser. Und wie in Afrika trifft es vornehmlich die Ärmsten der Armen, die Leute, die im Bildungssystem unter die Räder gekommen sind und die schlicht die Schutzmaßnahmen nicht kennen.

      Darum ja auch meine Aussage: In Bildung, Aufklärung und *freien* Zugang zu Kondomen ist das Geld viel besser investiert.

      Im übrigen mache auch ich einen Unterschied zwischen der *aufgeklärten* Entscheidung von Erwachsenen und der Zwangsbeschneidung hilfloser Säuglinge. Aber gerade in Kenia sind die Leute eben NICHT aufgeklärt gewesen. Denen wurde vor der Beschneidung nicht gesagt, dass sie trotzdem ein Kondom benötigen. Darum fällt ja in Sambia die Beschneidungszahl gegenüber Kenia so rapide ab: DA wurden die Männer darüber aufgeklärt, dass sie trotz Beschneidung noch ein Kondom brauchen. Und die Antwort war in der Tat auch meine Frage:

      „Wenn ich so oder so ne Tüte brauche: Wozu soll ich dann was von meinem Schniepel abschneiden?“

      Und darauf gibt die Bill Gates-Stiftung keine Antwort.

    • turtle of doom

      Lieber Torsten,

      ich störe mich sehr an deiner Stelle „Selbst Tante Jay gibt zu.“

      Du lässt dich von der Zahl blenden. Wenn ich dir sage, dass irgendeine medizinische Vorsorgeuntersuchung das Risiko einer Krebserkrankung halbieren würde – würdest du ihr zustimmen?

      Oder nach welchen zusätzlichen Daten fragst du?

      Um dir mal zu helfen: Die Brustkrebsvorsorge (jährliches Brust-Röntgen) senkt das Erkrankungsrisiko wirklich um die Hälfte. Richtig geil, wie?

      Aber da Brustkrebs sowieso nur 16% aller Krebserkrankungen ausmacht, und weil in Europa jedes Jahr nur 50 bis 70 Frauen – pro 100’000! – an Brustkrebs erkranken, ist das sehr fraglich. Als Epidemiologe schätze ich, dass anstelle eine jährliche Brustkrebsvorsorgeuntersuchung, die geschätzerweise 200 € kostet, besser zugunsten von Fitnesscenter-Abonnements aufgegeben werden sollten.

      Jetzt zu HIV und Beschneidung. Du hast die entscheidende Stelle ja gar nicht gelesen. Da habe ich diese Stelle sogar noch deutlicher formuliert. Reduziert die Beschneidung das pro-Geschlechtsverkehr-Risiko um 60%, dann ist das Restrisiko immer noch 40%.

      Jetzt bumsen wir einmal: Reduktion ist 60%.

      Wir bumsen zweimal: 0.6 * 0.6 gibt 0.36, also die Beschneidung senkt pro zwei Mal Sex das Risiko nur um 36%.

      Nochmal, die Lust kommt auf: 0.6^3 gibt 0.216. Reduktion um 21.6%.

      Wir kommen so richtig in Fahrt, pro Monat haben wir so 14 Mal Sex: 0.6^14 gibt 0.00078, also die Beschneidung senkt das Ansteckungsrisiko pro Monat um mickrige 0.078%.

      Und wenn wir das ganze Jahr lang gerammelt haben sind wir bei einer Reduktion des HIV-Ansteckungsrisikos bei 5.4 * 10^-36 Prozent angekommen.

      • turtle of doom

        Und in diesen Zahlen ist ja möglicherweise noch nicht einmal berücksichtigt, dass eine *tatsächliche* Reduktion der Ansteckungszahlen bloss durch den Empfindungsverlust und damit am reduzierten sexuellen Verlangen zustandekommt.

        Tante Jay, gib mir mal diese Studien an. Ich zerlege sie.^^

  6. Ich will das hier nicht ausufern lassen, aber selbst WENN ich der Behauptung folge, dass Beschneidung das Infektionsrisiko nicht senkt (nach meinen Recherchen ist der Wissensstand da nicht annähernd so klar wie von dir impliziert), bleibt die Tatsache, dass die Foundation eben kein „entweder/oder“ propagiert, sondern ein „sowohl als auch“. Die fehlende Beratung in einigen Region war, wenn ich das richtig verstanden habe, ein lässlicher Fehler, den auch Bill Gates nicht gut findet. Auch das ist leicht zu recherchieren.

    Bill Gates investiert dreistellige Millionenbeträge in Kondome und Aufklärung. Ihn im einem „offenen Brief“ an den Pranger zu stellen und zum Umdenken aufzufordern, damit er NOCH MEHR investiert, finde ich respektlos und unangemessen. Du sagst einem Mann, der einem Penner zwei Euro in den Hut wirft doch auch nicht, er solle gefälligst fünf geben.

    „“Wenn ich so oder so ne Tüte brauche: Wozu soll ich dann was von meinem Schniepel abschneiden?” – ganz einfach. Weil du vielleicht ein Trottel bist, der in einem Moment hormonvernebelter Geilheit eben doch denkt „geht auch mal ohne“. Und der auch DANN das Risiko, seinen Partner anzustecken oder sich selbst anzustecken, gering halten sollte.

    Man kann gerne über Sinn oder Unsinn der Beschneidung diskutieren – das Engagement von Bill Gates derart einseitig und negativ darzustellen, halte ich für nicht hilfreich. Wenn du schon nicht an die Männer Afrikas schreiben willst – wie wäre es dann mit der Bundesregierung, die seit Jahrzehnten die Selbstverpflichtung, 0,7% des BIP in die Entwicklungshilfe zu stecken, einfach ignoriert?

    Und ja – ich entdecke JEDEN leichtfertig gemachten Fehler🙂

    • Er soll ja nicht *NOCH MEHR* investieren – nur die Beschneidung nicht mehr befördern, weil sie eben nichts bringt.

      Hinzu kommt, dass einige (nicht alle) beschnittene schlichtweg das Kondom verweigern, weil sie dann nix mehr merken. An der Stelle wird die Beschneidung sogar kontraproduktiv.

      Hinter der ganzen Beschneidungsarie steht eigentlich immer noch Dr. Kellogg, der die Beschneidung propagiert hat (ohne Betäubung) um die jungen Männer und Frauen durch den „kurzen Schmerz“ dazu anzuleiten, dass man eben nicht masturbiert.

      Du unterliegst übrigens einem beliebten Trugschluß😉

      Die Verringerung der Infektionsrate betrifft NUR Männer. Frauen haben damit überhaupt nichts zu tun. Ein infizierter Mann überträgt das Virus durch die Samenflüssigkeit, die Beschneidung verringert das Risiko für die Frau um genau 0,0%. Im Gegenteil, es erhöht es teilweise noch, weil: Siehe oben: Man merkt weniger und für manche ist der Gebrauch von Kondomen dann nicht mehr möglich. Darum ja auch Bill Gates Aufruf für „bessere“ Kondome.

      Ein nicht-infizierter Mann holt sich das Virus von infizierten Frauen. Und HIER hilft nur das Kondom plus Aufklärung. Die Beschneidung eben recht wenig. Siehe Davids statistische Rechnerei und auch der gesunde Menschenverstand.

      Nochmal: Wenn die Beschneidung wirklich die HIV-Rate verringert, warum sind die (beschnittenen) USA dann bei den Neu-Infizierungen ungefähr auf afrikanischem Niveau, während sich das unbeschnittene Europa schön auf Dauer-Tief befindet?

      Ja, du hast recht, aber auch in Europa gibt es eine Menge Leute, die schlicht ignorant sind. Die nicht wissen wollen, ob sie HIV-infiziert sind oder nicht. Die in geradezu krimineller Art und Weise mit dem Thema umgehen.
      Nicht umsonst ist es inzwischen strafrechtlich relevant, wenn jemand seine Infizierung verschweigt und damit andere Leute ansteckt. Der Gesetzgeber hat hier Handlungsbedarf gesehen – das ist alleine eine Aussage.

      Diese verbohrten Individuen bekommst du nur über Strafen. Und eben auch, indem AIDS bzw. HIV-Infizierung eben NICHT mehr tabuisiert wird. Aber da krieg ich grad ne gute Idee für einen Artikel. DAVIIIIID.

    • turtle of doom

      Warte.

      300 Millionen für Kondome.

      50 Millionen für Beschneidung.

      Das Verhältnis ist 1:6.

      Wenn pro 6 Leute, die durch Kondome nicht angesteckt werden, weniger als eine Person durch die Beschneidung geschützt wird, lohnt sich der Aufwand für die Beschneidung nicht mehr.

      Man kann sich auch bei dieser Diskussion in Details verlieren. Aber sobald du merkst dass du mit weniger Geld mehr Menschenleben retten kannst, dann SOFORT aufhören und den Plan ändern.

      Auch wenn jede tatsächlich ernst gemeinte Hilfe wirkt – die Menschen möchten wissen, ob vielleicht doch noch mehr Freunde, Mütter, Väter, Kinder und Mitmenschen gerettet werden könnten.

  7. Lassen wir das. Es hat keinen Zweck. Erklärt Bill Gates weiter, wie er SEIN Geld investieren soll. Weil er bestimmt weniger davon versteht als ihr, generell keine Ahnung hat und bestimmt auch die Studien nicht kennt. Ich freue mich über das Gute, das er tut.

    • Man muss bei einer Diskussion ja nicht zwingend am Ende die Position des Diskussionspartners übernehmen.🙂

      Der Austausch ist wichtig, sonst wirds zu einseitig. Und ja, ich sehe das tatsächlich so.🙂

  8. Ich auch. Ich mache mir auf wenigen (praktisch keinen) Blogs die Mühe, nennenswerte Diskussionen zu führen – von meinem eigenen natürlich abgesehen. Hier herrscht ein anderes, erfreuliches Klima.

    • *freu* ich tu auch ne Menge dafür, dass das so bleibt. Inklusive gelegentlichem Bauchpinseln meiner Leser *g*

  9. Ach so, diese kleine Korrektur sei noch erlaubt – sonst sähe es aus, als hätte ich mich mal geirrt😉

    „Du unterliegst übrigens einem beliebten Trugschluß“ – nein. Ich sprach von „dem Partner“, nicht von „der Frau“.

    BANG! :-p

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