Wie ich mir Wahlkampf wünsche


Es stehen wieder Wahlen an.

Und allenthalben sieht man die Leute mit Verve aufeinander einprügeln.

Und ich habe, ehrlich gesagt, davon wirklich die Nase voll.

Es ist in den letzten Jahren leider modern geworden, Wahlkampf zu machen, indem man den politischen Gegner abwertet und dabei auch durchaus unter die Gürtellinie geht. Vermeintliche oder tatsächliche Verfehlungen werden dabei teils bis zur Unkenntlichkeit überzeichnet, alles damit man sagen kann: „Wählt mich, denn ich bin viel beser als dieser Mensch da.“

Dazu kommen diese unsäglich bescheuerten Handbewegungen, wie man sie von amerikanischen Präsidentschaftskandidaten kennt: Man zeigt mit dem Finger auf einem im Publikum, hebt ihn so hervor und derjenige freut sich so darüber, dass er einen wählt. Und man selbst gibt dann noch klar zu erkennen: Ich sehe die Menschen.

Ich weiß nicht, wie ihr das seht, aber für mich ist das oft der ausgestreckte Mittelfinger – nicht der Zeigefinger.

Trotzdem sehe ich an keiner Stelle, wofür ein Kandidat ist. WoGEGEN er ist, sieht man sehr schnell, es wird ja laut genug getönt. Doch sobald man hinterfragt, wie man denn das „dagegen“ erreichen will: Grillezirpen.

Phrasen statt Antworten.

Brüllen statt Argumente.

Ich sehe ja ein, dass es im Wahlkampf nicht anders geht, dass man bis zu einem gewissen Punkt brüllen muss, weil man in der Kakophonie sonst nicht wahrgenommen wird.

Bis zu einem gewissen Punkt.

Warum muss man immer wie im Kindergarten auf den anderen zeigen und sagen: „Der ist aber viel dööfer als wie ich. Also wählt mich“, anstatt das ganze auf sich selbst zu beziehen? Klar zu sagen, wofür man steht, wofür man kämpft. Wofür man sich engagiert.

Also nicht den politischen Gegner diskreditieren, teilweise höchst unfair, sondern die eigenen Verdienste hervorheben.

Und hier haben wir die Fragen:

Welche Verdienste?

Tja. Das wäre doch mal ein schönes Wahlkampfthema. Die Verdienste der einzelnen Parteien herausarbeiten. Zu welchen Gesetzen sie wie abgestimmt haben.

Aber ich gebe zu, die Micky-Maus-Wahlkampfvariante, die hier gefahren wird, wo Schein mehr ist als Sein, ist natürlich um einiges einfacher.

Veröffentlicht am 22. Mai 2013, in politisches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 9 Kommentare.

  1. Ausgestreckter Mittelfinger… Etwa so?

  2. Analyse der „Verdienste“ der einzelnen Parteien?
    Herausforderung angenommen.

    Jetzt müsste ich nur wissen, ob ich alles, was gemacht wurde als Verdienst anführe und die Zielgruppe dazu ermittle oder ob „nur“ solche Dinge erwähnt werden sollen, die der Allgemeinheit nutz(t)en.
    Und der Zeitrahmen wäre wichtig; soll es seit Bestehen der BRD sein oder seit der „Wiedervereinigung“ oder seit die Grünen dabei sind oder die Linken, als sie noch PDS waren oder wie oder was?

    Ich werde versuchen in den nächsten Wochen mal die Highlights rauszusuchen und in eine übersichtliche verständliche Form zu bringen.

    • Sagen wir, um es einfacher zu machen: Sagen wir seit 2001 – das ist tatsächlich das Jahr des großen Umbruches.

      Zielgruppen kannst du dir aussuchen – kannst auch deine persönlichen Highlights setzen🙂

  3. Es ist halt viel einfacher Sachen bei anderen aufzuzeigen als selber Konzepte für Problemlösungen zu haben a la „Die da *fingerzeig* wollen euer bestes und euch was böses“ „Der böse Euro muss weg“ statt „Dies ist mein Lösungsweg um Dorf/Stadt/Land/Deutschland/Europa aus der Krise zu ziehen. Das wird schwer, aber wir schaffen das! Und das sieht jetzt so aus…“

    BTW: Ist WordPress kaputt? bei mir zeigt das Überschriften-Datum nur „MAI J geschrieben von Tante Jay“ an. Aber mein Kalender hat irgendwie kein „J“ als Datum.

  4. Wahlen??? Sind das nicht die Meeressäuger in Übergröße?😀

    und JoyntSoft: „Analyse der “Verdienste” der einzelnen Parteien?“ Vielleicht sollte man mal in Luxemburg oder Österreich (oder doch lieber in Papua-Neuguina) nachforschen ..
    ach, ich sei ein Materialist? Wie kommt man denn auf so was?

  5. *PRUUUUST*
    *Tastaturtrockenwisch*
    Verdienste der Parteien, wie soll’n das gehen wenn die nicht öffentlich legen was die einzelnen Politikerdingerchen so an Honorare für einzelne Reden nehmen ?
    Oder hab‘ ich da jetzt was eindeutig zweideutig verstanden😛
    Wäre aber mal wirklich interessant zu sehen welche Lobbygruppe welcher Partei am meisten Zucker innen Allerwertesten geblasen hat *Yummy*

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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