Das kleine ABC der Restaurantkunst


In den USA ist es in Restaurants üblich, den Kellnern ein Trinkgeld zu geben. Die leben davon – buchstäblich. Deren Trinkgelder stellen den Hauptteil des Einkommens dar. Der Restaurantbesitzer zahlt meist nur zwischen 2 und 3 Dollar die Stunde, der Rest geht über die Trinkgelder.

Demzufolge kann ein Restaurantbesitzer, der die Trinkgelder seiner Leute einkassiert, auch richtig Probleme mit der Kundschaft bekommen. In Kalifornien sogar noch Probleme mit der Justiz, da fällt das unter Diebstahl. Das Geld gehört nicht dem Restaurantbesitzer sondern dem Kellner, wenn ersterer das einkassiert, klaut er.

So. Und was passiert, wenn ein psychotisches Restaurantbesitzer-Ehepaar, dass sich auf regulärer Basis die Trinkgelder der Bedienungen einkassiert, auf einen 5-Sterne-Koch aus Großbritannien trifft?

Das hier.

Es gibt in den USA so eine Art Kochtrainingscamp. Es gibt ein schlechtes Restaurant, ein 5-Sterne-Koch macht ein Bootcamp aus dem Laden, brüllt die Eigner ordentlich zusammen, die Kellner kriegen auch ihr Fett weg und dann ist alles wieder gut, wenn er weg ist. Der Koch kann kochen, die Kellner kellnern und die Besitzer besitzen.

Für den Zuschauer ist oft schwer, zu unterscheiden ob es sich jetzt um reale (und teilweise ziemlich dumme) Restaurantbesitzer handelt oder um Scripted Reality. Bei dieser Show „Kitchen’s nightmare“ allerdings fiel es mir schwer,  Realität von Fiktion noch zu unterscheiden.

Auf der einen Seite stehen Restaurantbesitzer, die so völlig neben der Spur sind, dass man sich fragen muss, wie die morgens aus der Tür rauskommen, ohne sich schwer zu verletzen. Da werden Fertigprodukte umverpackt (das ist nicht nur hier gegen das Gesetz), das Essen ist so dermaßen schlecht, dass man es nicht glauben kann und keinerlei Hygienevorschriften werden eingehalten.

Gäste werden beschimpft, willkürlich rausgeworfen und bedroht. Die Restaurantbesitzerin klaut den Kellnern das Trinkgeld und steckt sich das selbst in die Tasche.

Und ich stehe hier und denke mir: Das *kann* nicht richtig sein. So unvernünftig ist nicht mal ein Bonobo-Männchen während der Paarungszeit.

Auch der Auftritt auf Facebook, der ebenso von Beschimpfungen nur so wimmelt sagt mir: Das ist aufgemacht.

Aber demgegenüber stehen Bewertungen von Yelp lange bevor die „Kitchen nightmares“-Sendung ausgestrahlt wurde.

2008 war alles gut, die Bewertung, die ich noch gefunden habe, war gut. Dann stand das Restaurant offenbar ein Jahr lang leer. Die ersten Reviews im April 2008 waren echt gut. Doch dann gings los: Abwertungen über Abwertungen. Zwischendurch ein paar so dermaßen hysterische „das ist alles so toll“-Bewertungen, dass klar ist, dass die gekauft sind.

Also haben wir hier tatsächlich ein Restaurant mit einem Problem.

Trotzdem konnte ich mir nicht vorstellen, dass Restaurantbesitzer sich so unglaublich dumm verhalten. Und vor allem vor einer Kamera. Die *wussten* doch, dass das alles gefilmt wird. Aber wenn man sich die alten Reviews ansieht, merkt man: Das hat seit 2008 System. Die haben sich tatsächlich nicht anders verhalten als vorher auch. Vielleicht ein bisschen was draufgesetzt, um dem „Ausländer“ Gordon Ramsay mal zu zeigen, was ne Harke ist.

Und hier muss man mal sagen: Es mag ja sein, das einiges gescriptet ist an der Show. Aber den alten Reviews nach zu urteilen, haben die nicht viel aufgemacht. Die haben nur ein unglaublich schlechtes Restaurant mit einer psychotischen Besitzerin und einem Mafia-Verschnitt-Sugardaddy als Ehemann aufgemacht.

So oder so:

Die Bewertungen und das hilflose Schimpfen dieses Pärchens zu beobachten, ist bis zu einem gewissen Punkt wirklich witzig. Und die Yelp-Bewertungen sind echt stellenweise der Hammer.

Veröffentlicht am 16. Mai 2013, in Amerika. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. Gordon Ramsay? Ist das nicht der Typ, der auch die Show „Hell’s Kitchen“ gemacht hat? Habe ich in meiner Stockholmer Zeit gern geschaut…auch wenn ich mir da nicht so sicher war, was davon gescripted war…

  2. jadmanthrat

    Haha, allein die ersten 5 Minuten…wenn das so weitergeht, du meine Güte!

  3. Oh mein Gott…

  4. Hab ich mir gestern auch bei huffpost angeschaut.

    Mr. Ramsays Show lief doch hier auch schon im Fernsehen, okay auf RTL2 oder Kabel aber immerhin.
    Die deutsche Attrappe dazu ist wohl Onkel Rach der Restauranttesterer.

    Allso ich fand ja die Kellnerin bewundernswert und schnieke.

    „Wir haben nur offen wenn ich da bin“ „Wenn hier wer kocht, dann ich“
    „Ich sag ihr nicht was die bösen Kunden sagen“
    „Die Kleine darf die Kasse nicht bedienen, die muss erst anlernen so in ein paar Monaten“
    „Die kriegt doch Stundenlohn und das ist mein Restaurant“

    „All the haters on the internet“

    Sehr schön dann die weiterführenden Diskussionen und Links auf der huffpost.

    Man kann ruhig schon mal anderthalb Stunden in einem Fast leeren Restaurant warten um Dosenravioli, fast rohe Pizza, nen triefenden Burger und nen zerkochten Burger zu bekommen, you hater!

    Und so viele Leute wie die anstellen das muss doch gut für die Wirtschaft sein.

    Darf man eigentlich weltfremd sagen? Delusions of grandeur?
    Oder auch Geldwäsche und Trophy-Wife?

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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