Verdrehte Welt


Derzeit findet in Syrien gerade eine humanitäre Katastrophe statt. Es gibt Schätzungen, nach denen knapp 4 Millionen Menschen unterwegs sind, die nicht mehr in ihrem Zuhause bleiben konnten, weil sie dort riskierten, zwischen die kriegführenden Parteien zu geraten.

Was das bedeutet, kann man gut sehen, wenn man auf Aleppo guckt, dort findet seit Monaten eine Tragödie statt. Und wenn man Amnesty International glauben kann, haben 1,3 Millionen Menschen Syrien bereits verlassen. 1,3 Millionen Menschen, das ist eine deutsche Großstadt, die mit einem Schlag leer wäre.

Die Flüchtlingsströme sind ziemlich klar. Die Welle bekommen vor allem die Anrainerstaaten mit. Türkei, Libanon, Jordanien und der Irak. Das sind alles Länder, die selbst Probleme haben. Die vor allem alleine diese Wellen nicht stemmen können. Es ist eigentlich klar, dass die Flüchtlinge von dort aus weiter transportiert werden müssen. In andere Aufnahmeländer, die Wucht der Welle muss verteilt werden.

Die Türkei hat ihr Limit erreicht – an der Grenze werden Flüchtlinge zurückgeschickt, weil sie die nicht mehr versorgen können. Von der Tatsache mal ganz abgesehen, dass Assad dumm genug ist, den Krieg ins Nachbarland zu tragen, wo eine Autobombe hochgegangen ist.

Deutschland wäre ein Land, das *gut* die Flüchtlinge aufnehmen könnte. Wir sind eins der reichsten Länder in Europa, wir hätten sicherlich kein Problem damit, Flüchtlinge aufzunehmen.

Und wir tun das auch.

Im vergangenen Jahr sind ca. 8.000 Bürgerkriegsflüchtlinge eingereist. Innenminister Friedrich hat jetzt mit bemerkenswerter Schnelligkeit auf die humanitäre Katastrophe reagiert und angekündigt, dass ab Juni weitere 3.000 Flüchtlinge aufgenommen werden sollen. Wenn das gut läuft, werden weitere 2.000 ab Herbst aufgenommen.

Es werden derzeit die Voraussetzungen geprüft, das heißt: Haben die Flüchtlinge, die herkommen wollen, schon Verwandte hier oder sind sie christlichen Glaubens.

Die zuständige EU-Kommissarin hat das deutsche humanitäre Engagement sehr gelobt und prüft jetzt, wie die schwere Bürde von knapp 10.000 – 13.000 Flüchtlingen finanziell abgemildert werden kann.Und ich hab zweimal lesen müssen, um das zu verstehen.In Syrien findet eine humanitäre Katastrophe statt. Millionen Menschen sind auf der Flucht. Männer, Frauen, Kinder und alte Leute gleichermaßen.
Und Deutschland nimmt davon 13.000 ab? Und will sich auch noch eine Kostenerstattung von der EU holen?Wer hilft denn den Ländern, die Hunderttausende aufnehmen? Wo ist das Geld und die Logistik, um die Türkei zu unterstützen, die den Hauptteil der Flüchtlinge auffangen muss und damit sichtlich überfordert ist? Die bereits Blutzoll in Form von Autobomben zahlen musste?13.000 Flüchtlinge, die auch noch auf Glauben und Familienzugehörigkeit gesiebt werden – das ist nichts, um zu feiern, das ist etwas, um sich zu schämen.Das ist Krämerdenken. Keine humanitäre Hilfe.Und das ist einer der Tage, wo ich mich zutiefst schäme, Deutsche zu sein.

Veröffentlicht am 14. Mai 2013, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Ziemlich lächerlich sich für die Menge auch noch Loben zu lassen. Pumpen Milliarden in die blödesten Projekte aber beim Menschlichen werden wir Knauserig.

  2. Syrien ist schon so ein Pulverfass das auch noch nach Norden, Süden und Osten sein Pulver verstreut, der Westen bleibt verschon, da ist erstmal nur Mittelmeer und dann irgendwann Zypern.

    Wie so eine Flüchtlingswelle/Entvölkerung zu handhaben ist kann ich auch nicht sagen. Sowas können die direkten Nachbarn schwer aufnehmen und die indirekten wissen auch nicht wie.

    Da fliehen dann mehrere „Städte“(a la dt. Stadt/Kleinstadt mit 50k) und müssen dann untergebracht und versorgt werden. Die Grenzflüchtlingslager sind meist auch eine Katastrophe, das kennt man ja aus den Krisenherden in Afrika. Die Grenzregionen in der Gegend sind ja auch nicht grade wie das Rheinland infrastrukturmässig auf dem Stand um z.B. jetzt mal schnell 1 Mio Franzosen aufzunehmen.

    Infrastruktur und Logistik und so.

    Da sind die teilweise umkämpften Grenzregionen im mittleren Osten eine ganz andere Nummer.

    Was ebenso bedenklich ist, ist falls mal die DPRK zusammenbricht oder zusammengebrochen wird und dann mehrere Millionen Koreaner nur nach Norden oder Süden können und auch nur die Kleidung auf dem Leib haben und sonst mittellos sind und erzwungermassen nur Bauern sind.

    Politik ist doch doof.

  3. Man könnte ja mal versuchen, denen die sich damit auskennen, größere Unterstützung zukommen zu lassen, materiell und finanziell.
    Hilfsorganisationen gibt’s ja doch n paar und von denen sind ja wohl auch welche in Syrien oder wollen dahin.
    Kommt wahrscheinlich sogar günstiger, als wenn man die Flüchtlinge hierher holt.

  4. Almandor:
    Ist das da der „Puck“ (oder schreibt mans Puk?) in deinem Avatar?

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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