Swaziland


Es war ein ambitioniertes Programm. Das Gesundheitsministerium von Swaziland, den Sozialbehörden und der US-Amerikanischen „Futuresgroup“ wollten, um HIV-Infektionen einzudämmen, die Mehrheit der Männer im Lande beschneiden.

Das ging ziemlich schief. Und jetzt fragt man sich warum.

Och, fragen wir doch mal die Männer selbst:

“First they told me that circumcision will not really protect me against HIV. Then they tell me that I cannot have sex for some weeks or months after circumcision. I told them ‘fusaki’ [get out]!” Eric Dlamini, a 22-year-old law student, told IRIN.

Natürlich kommt der Artikel nicht ohne eine veritable Lüge aus:

Male circumcision has been scientifically proven to reduce a man’s risk of contracting HIV through vaginal intercourse by as much as 60 percent. Follow-up studies have found that the effectiveness of male circumcision in HIV prevention is maintained for several years.

Nope. Die Studie, auf der das basiert, ist „busted„. Sie ist ethisch fragwürdig, rechnerisch falsch (ehrlich Leute, ich mit meiner Dyskalkulie hätte das glaubwürdiger gefälscht) und alles in allem eine Schande für die Wissenschaft.

Sehr schön auch diese Aussage, die das Problem auf den Punkt brachte:

“We have been struggling with HIV for 20 years, and we see programmes come and go. Some are fads… and some are not well thought out. The Swaziland programme came from the outside. The health ministry was willing to go along because there was money there. But it was imposed,” said Thandi Mduli, an HIV testing officer in Manzini.

Da war eine US-Organisation mit einer Agenda: MGM hilft gegen HIV-Infektionen, schneiden wir also allen Männern die Vorhäute ab und Swaziland ist HIV-frei.

Wenn die mal *kurz* ins eigene Land gucken, würden die sehr schnell feststellen, dass eine Beschneidung nicht gegen HIV hilft. Im Gegenteil. Weil Kondome oftmals nicht mehr genutzt werden können, steigen die Infektionen.

Wenn Beschneidung *wirklich* gegen HIV helfen würde, dann hätten die USA nicht so ein großes Problem damit, die sind in manchen Gegenden flächendeckend beschnitten. Das nur mal so am Rande erwähnt.

Was mich an der Stelle echt umhaut, ist die Erwähnung, dass in Kenya fast eine halbe Million Männer beschnitten wurden, um HIV einzudämmen. Ähm, wie bitte?

Und die wundern sich, dass in Kenya jetzt die HIV-Rate explodiert?

„Schatz, ich bin beschnitten, du kriegst von mir kein AIDS“ Oo

Das ist doch Russisch Roulette mit Menschen, die glauben, sie schützen ihre Familie.

DAS ist der Skandal.

Und sehr schön ist der Grund, den diese Experten ausgemacht haben, warum genau jetzt in Swaziland dieses Programm nichts gefruchtet hat. Ich halte es ja mit Herrn Dlamini oben, „keine Wirkung erwiesen, kein Sex über Wochen bis Monate, aber hauptsache, jemand schneidet am Schniepel rum: GET LOST.“

Nö, die machen knallhart einen anderen Grund aus:

Another reason for the rejection of circumcision was not anticipated by ASI promoters: belief in witchcraft, which is widespread in Swaziland.

*facepalm*

Ja, ne is klar. Mit solchen Experten brauchen wir uns ja keine Sorgen mehr zu machen.

Veröffentlicht am 13. Mai 2013, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 9 Kommentare.

  1. autsch…

  2. Huh? hexerei? *Mythologiehut aufsetzt* Ähm da gibt es geschlechtsspezifisches Sachen wie „Koro“ (Fluch des schrumpfenden Penis) das sind aber eher so Paraneua-störung wie „Trackingchips“ oder „Chemtrails“ nur aber Wtf hat das mit HIV/aids zu tun?

    Naja hier und in den USA sind es ja immer die „Schwulen“ die als schuldig an den steigenden zahlen gesehen werden, hat mich tatsächlich überrascht das dass jetzt in Kenya nicht der Fall war.

    Bei HIV helfen nur 3 Dinge: Gummis, Ärzte und Awareness. Dazu gerne noch Pille und (patentfreie &billige!) Medikamente die im Land produziert werden.

    • Pille gegen HiV? das musste mir erklären *g*

      • Die Pille hilft durchaus nicht gegen HIV direkt (außer man schließt die wenigen fällee der Mutter->Kind ansteckung ein) aber sie hilft bei der Emanzipation der Frauen und die kleinere Anzahl der Kinder hilft die familiären Ressourcen besser aufzuteilen sprich Medizin, Essen und Ausbildung.

        Mehr noch die Frauen können, wenn sie noch keine Familie gründen wollen trotzdem Sex haben mit ihren (Ehe-)Männern und ihre Freizeit mit Bildung und ggf. Arbeit füllen z.B. als Doctorinen/Krankenschwestern, Lehrerinnen etc.

        HIV/aids ist ein großes Problem der 3ten Welt und die Pille ist ein Faktor unter vielen der Länder wie Kenia aus dieser Gruppe holen kann und ein Milieu schafft in dem sinnvolle Kampagnen besser greifen und einfacher zugänglich sind.

  3. *facepalm* Was ist nur Mit Leuten die denken dass eine Beschneidung Infektionsrisiken senkt? HIV ist ein Virus in Körperflüssigkeiten wie Blut und Sperma. Nix mit „irgendwas unter der Vorhaut“ (Das ironische ist, dass oftmals die Übertragung beim Sex NICHT durch Viren im Sperma und Vaginalflüssigkeit übertragen wird, sondern direkt von Blut zu Blut… nämlich durch Mikrorisse in Scheide und Penis während des Aktes. Da KÖNNTE man sich fragen was dann logischerweise „gefährlicher“ ist: ein intakter Penis oder einer mit austrocknender (und deswegen defekt-anfälligeren) Eichel… Wieso hat DAS noch niemand untersucht? Ich meine ABGESEHEN von dem dir angesprochenen Zusammenhang „weniger Gefühl -> weniger Bereitschaft zum Kondom -> Höhere Infektionsrate“)

  4. Uiuiui, da musste wohl wieder jemand seine Ideologie durchsetzen.

    Es kommt ja nicht vom bösen Anfassen/Berühren sondern von den Körpersäften.

    Vieleicht war ja auch der Gedanke dabei: „Jetzt ists nicht mehr so schön, dann schnackseln die jetzt nicht mehr so oft“

    So ein vermeintlicher „Freifahrtsschein“ erhöht ja in den meisten Fällen das Risiko, weil ich bin ja jetzt 100% sicher, da kann ich voll aufdrehen.

    Oder hat da ein Pharmakonzern wieder Antiaging-Zutaten und frische Spenderhaut gebraucht?

    • Die können nur die Vorhäute von Säuglingen bzw. sehr kleinen Kindern brauchen. Je älter die sind, umso langsamer wird die Zellteilung und umso weniger gut kann man die brauchen.

  5. Anstatt vorher mal zu überlegen, was passierte, wenn man bestimmte Dinge tut, ist heutzutage wohl nicht mehr „in“.
    Falls es das jemals war – also bei Politikern und so mein‘ ich jetzt.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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