Jugendgewalt


Es ist eigentlich in jeder Generation dasselbe. Die Alten beklagen sich über die Respektlosigkeit, die fehlende Bildung und den Verfall der Jugend – und die Jungen finden die Alten doof, weil sie die Jungen nicht verstehen. Der klassische Generationenkonflikt. Und wenn die Jungen zu den Alten gehören, dann geht das ganze wieder von vorne los.

„Zu meiner Zeit hätts das nicht gegeben“ – ein immer wieder gerne gehörter Satz, bei dem einem die Haare zu Berge stehen.

Es gab in der Vergangenheit eine Menge Presseberichte über ausufernde Jugendgewalt. Der Fall in Berlin, der jetzt verhandelt wird, wo eine Gruppe junger Türken einen 20jährigen totgeschlagen hat. Der Fall in Bayern, wo ein Familienvater zu Tode getreten wurde.

Und geradzu stereotyp kommt dann aus irgendeiner Ecke „die Muslime“ oder aus einer anderen „Scheiß Türken“. Und zwar mit einer Vorhersagbarkeit, die inzwischen ermüdet.

Die Fälle stechen heraus und sind tragisch. Da sind Menschen getötet worden, offenbar nur, weil die Täter sich nicht im Griff hatten. Weil sie ihre Wut nicht kontrollieren konnten. Und ich hoffe, ihr könnt jetzt eine Erklärung von einer Rechtfertigung unterscheiden. Zu rechtfertigen gibts da nichts. Aber eine Menge zu erklären.

Ich vergleiche bei solchen Fällen gerne die Systeme in den USA und Deutschland. In Deutschland liegt der Fokus (noch) auf Prävention, in den USA rein auf Repression.

Hätten diese dummen Jungs die Leute in den USA umgebracht, drohte ihnen, je nach Bundesstaat, die Todesstrafe. Aber hilft diese Repressionspolitik dabei, die Gewalt in den Griff zu bekommen?

Ein Blick in die Nachrichten gibt das offensichtliche: Nein.

Gewalt ist auf den Straßen inzwischen so alltäglich, dass nur noch „Spezialfälle“ herausgepickt werden, die aus irgendeinem Grund herausstechen. So wie der Mordfall Trayvon Martin – als Beispiel. Diese Fälle haben noch ein Zusatzmerkmal. Die Alltagsgewalt wird dort allenfalls noch in den Lokalnachrichten thematisiert.

Repression hilft nicht dabei, Menschen von Straftaten abzuhalten. Denn Täter überlegen sich nicht „für 3 Jahre mach ichs, aber bei 5 Jahren bin ich raus“. Die funktionieren so einfach nicht. Hinzu kommt, dass diese Taten nicht geplant waren – es waren Affekthandlungen. Die Täter sind wegen irgendwas geplatzt.

Und hier kommt das deutsche Präventionsprinzip zum Zuge.

Jeder Sozialarbeiter in den Schulen rettet sehr real Leben. Weil die erkennen können, wenn es im Leben von einem Kind anfängt schiefzulaufen. Lehrer sind damit alleine überfordert, die sind keine Erziehungsberechtigten.

Jeder Euro in die Sozialarbeit ist real gespartes Geld, weil es Kinder auf die Spur zurückholt, bevor die endgültig abgleiten. Wenn die erstmal soweit sind wie „Mehmet“ – dann ist es vorbei, dann helfen nur noch Repressionen, die aber das ganze auch nicht besser machen.

Warum wird ein Kind so gewalttätig? Warum drehen manche durch? Das ist die große Frage der Prävention und diese Fragen müssen individuell beantwortet werden, wenn die Maßnahmen wirken sollen.

Ein großes Problem ist sicherlich die Sprachbarriere. Hier sind die Eltern gefragt. Dass die Leute deutsch lernen sollen ist keine Schikane, sondern eine Notwendigkeit. Wer hier lebt muss sich verständigen können und das auch außerhalb seines Kulturkreises. Das ist keine Frage von Verlust der eigenen Kultur – ich beherrsche Englisch fließend in Wort und Schrift, derzeit ist meine überwiegend genutzte Sprache Englisch und trotzdem fühle ich mich immer noch als Deutsche und verliere mein „Deutschsein“ nicht.

Das sagen mir zumindest meine Amerikanischen Freunde🙂

Die Ansätze, in der Grundschule erstmal die Muttersprache zu unterrichten, damit die Kinder ein Gefühl für die eigene Sprache entwickeln bevor sie die Fremdsprache lernen: Weiterführen und ausbauen. Kinder, die die eigene Sprache nicht richtig lernen, lernen keine Fremdsprache richtig.

Und wir müssen aufhören, wir *alle* müssten aufhören, „die Muslime“ oder „die Juden“ für das Elend der Welt verantwortlich zu machen.

Wenn zwei junge Männer eine Bombe in einen Marathon werfen, dann waren das nicht „die Muslime“ sondern zwei Verbrecher.

Wenn eine Gruppe junger Männer einen anderen jungen Mann tötet, dann sind das junge Männer, die zu Verbrechern wurden. Die zu Totschlägern wurden. Es ist völlig uninteressant, welche Religion sie hatten. Es waren junge Männer, die einen anderen jungen Mann getötet haben.

Die Nennung der Religion fördert die Ressentiments. Ich merke dass das funktioniert – an mir selber. Das mediale Dauerfeuer auf „die Muslime“, die „alle Terroristen“ sind – es funktioniert. Ich muss mir selbst immer wieder klarmachen, was für ein unglaublicher Bullshit das ist.

Es sind nicht „die Muslime“ oder „die Juden“ – es sind Individuen. Es sind Individuen, die ein Verbrechen begangen haben.

Und es ist mitnichten so, dass „die Muslime“ Probleme haben, sich „einzugliedern“. Es sind einzelne.

Und Prävention bedeutet, dass man herauskriegen muss, warum. Und dann gegenarbeiten.

Und das es funktioniert, hat Prof. Pfeiffer höchstselbst herausgefunden. Die Jugendkriminalität unter Migranten geht zurück – und die erhöhte Rate ist angesichts der Härten erklärbar.

Na dann – Härten minimieren. Toleranz üben. Dabei aber klare Grenzen setzen.

Sollte nicht so schwer sein, oder?

Veröffentlicht am 13. Mai 2013, in Nachdenkliches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. Äähemmm ….
    Du solltest mal den Text bisschen überarbeiten es gibt mehr als genug „Reinteutsche“ die wegen Totschlags jeden Monat in den Bau wandern.
    Meistens kommen diese Personen, egal ob männlich oder weiblich, aus kaputten Verhältnissen bzw. haben eine Affinität zu Gewalthandlungen (kopiert vom Umfeld).
    Dann wird noch schnell eine Pulle Schnaps heruntergekippt und schon ist man enthemmt und spürt selber den Schmerz nicht mehr.
    Und es nicht der Alkohol der Aggresivität erzeugt das steckt in den jeweiligen Personen, entweder weil sie es von der Familie her nicht besser kennen, ein Minderwertigkeitskomplex vorliegt oder sie einfach den Kumpels von den Hools zeigen wollen das sie’s voll drauf haben.
    Oh da gibt’s dann noch die Problematik Gefühle auszudrücken bzw. sich richtig darzustellen, dann passiert’s schonmal das die Geliebte dann halt mal ein paar vor lauter Liebe in den Bauch geboxt bekommt statt „zu tode geknuddelt“ zu werden😦
    Das sind die häufigsten Ursachen und Sozialarbeiter nützen wenig solange nicht der Mensch und vor allem das Kind (der potentielle Totschläger) im Mittelpunkt der Gesellschaft steht, sondern Status aka Geld für’s iKotz7777 für schlappe 99999999999999999999999999999999…Teuro.
    Wenn nun Politiker nicht auf die Bertelsmannstiftung hören würden, sondern …
    Achja Kompetenzproblem mal wieder *kotz*
    m(

    • Ich hab mich wegen dem Pfeifferschen Artikel jetzt mal auf die Migranten gestürzt.

      Dass es auch deutsche Gewalt gibt, ist davon ja unberührt.

  2. Englisch in Wort und Schrift aber Zeitformen wie ein Gast auf der Tardis.😉

    Gutes writeup liebes Tantchen. Ich sehe leider auch in meiner Familie wie diese breitseiten von Bild & Co haften bleiben.

    Wenn meine Eltern schon wieder über „Mucheln“ reden kann ich nur die Augen verdrehen. Das schlimme ist ja das sie keine persönlich kennen sondern nur durch die Arbeit, mein Vater vom Bau und meine Mutter von der „GEZ“ (schaut net so das Callcenter hier ist einer der wenigen Arbeitgeber).

    Da geht mir jedes mal die Hutschnur hoch und ich muss die zwei erinnern das wir ohne diese Leute nicht mehr in Deutschland auf die reihe bekommen würden. Wenn ich das richtig im Kopf habe werden 1/5 (?) aller Jobs von Menschen Besetzt die einen Migrationshintergrund haben (ich zähl die mit die schon in Generation X hier sind). Das sind oft beschissene Jobs wie Lagerarbeiter, Hilfsarbeiter, Pfleger die weder sozial noch monetär annähernd ausreichend gewürdigt werden. Trotzdem opfern sich diese Menschen auf, Tag für Tag, haben sich vorbildlich integriert und sind oft friedlicher als so mancher Deutsche.

    Was Polizei und Strafen angeht: Mir wäre es lieb wenn eine Migrantenquote im Staatsdienst hätten, die es erlaubt 30% der Streifen jemanden beizustellen der auch die entsprechende Sprache kann und am besten aus dem entsprechenden Kulturkreis kommt (also das bei Zweiteams einer Migrant ist).
    Das nimmt erst mal die „Das sind eh alles Nazis“ Mentalität etwas weg (Die wir ohne das braune Gesocks viel weniger hätten) und baut einen gewissen Cred bei den jugendlichen auf. Aber auch die ältere Generation hat was davon, zum einen ist es viel leichter diesen Menschen dann Sachverhalte darzubringen zum anderen macht es die Aufgabe der Polizisten leichter sich mit den Problemen auseinander zu setzen.

    Bei den straffen würde ich durchaus hingehen und den Leuten saftige Hausnummern an Sozialstunden reindrücken allerdings die Sorte die man auch als Chance nutzen kann. Hilfe bei Volks und Vereinsfesten, Hilfe im Tierheim etc., damit die Kids mit anderen Milieus in Kontakt kommen. Das können auch mal 60 Stunden Deutschkurs dabei sein.
    Vor mir aus kann das soweit gehen das die ihre Abschlüsse nachholen sollen, da kann man durchaus kreativ sein solange es darum geht diesen jungen Menschen ein Chance zu geben und es nicht vorrangig um Rache geht.
    Ausserdem: wer einen Spielplatz baut wird sich höchstwahrscheinlich nicht hinstellen und ihn gleich wieder verwüsten.

    In Übrigen finde ich gut das wir hier keine 3 Strikes reglen dafür aber Tagesätze haben. Die Art der Strafen in manchen Ländern führt ja eher zu übervollen Gefängnissen und Absturz. In Gefängnisse kommt es leider zu oft dazu das eigentlich gute Menschen in die Kriminalität und diverse Gruppen wie Gangs, Nazis. etc. rutschen. Und wenn du in den USA deine 100K strafe drauf hast für sagen wir das kopieren von 3 Songs bist auch am Ende wenn du aus der Mittelschicht kommst den ist gibt keine Sicherung nach unten die man aus Deutschland kennt. Tagessätze sind da ein probates Mittel um strafen auch angemessen zu halten.

  3. Religion als Hauptgrund/-Ursache sollte eigentlich nur klar sein wenn der Glaubensführer Hand-in-Hand mit Entität und allen anderen selbst auf Diebestour geht. Sonst geht das ja eher in Richtung „Der hatte aber auch dunkle Haare und ’ne Hose getragen“.
    Oder halt „Die sind anders und nicht wie wir“.

    Bei welchem Doktor wird denn mitgereist? Eigentlich sollte doch die TARDIS das dolmetschen übernehmen, da hat wohl wieder wer am falschen Schalter gerudert.😉

  4. Chapeau, Tantchen!

    Für mich gibt es da eine Kernaussage:
    „Jeder Sozialarbeiter in den Schulen rettet sehr real Leben. Weil die erkennen können, wenn es im Leben von einem Kind anfängt schiefzulaufen. Lehrer sind damit alleine überfordert, die sind keine Erziehungsberechtigten.“
    Leider ist das so, dass wir immer mehr Sozialarbeiter benötigen. Warum? Weil die „Erziehungsberechtigten“ (sollte es nicht besser „Erziehungsverpflichtete“ heissen?) ihre Aufgaben nicht wahrnehmen und oftmals den Kontakt zu ihren „Erzeugnissen“ verloren haben. Und wenn’s dann doch mal zum Konflikt mit den „Ersatz-Erziehern“ kommt, wird gleich mit dem Kadi gedroht ..!

    Was mich aber zusätzlich erschreckt, ist die Tatsache, dass jegliche – ich sag’s nicht gern, finde aber auf die Schnelle kein anderes Wort – Moral verloren geht: wenn man mal in die Welt unserer Mit-Lebewesen schaut, wird man feststellen, dass es dort meist eine Ethik gibt, die da lautet: Wenn der Gegner (der eigenen „Art“) am Boden liegt und offensichtlich besiegt ist, lässt man von ihm ab
    .. und tritt nicht wieder und wieder zu.
    Haben wir da etwas verlernt oder wurden solche Umgangsformen nur nicht weitergegeben?
    Oder liegt’s doch an den Medien?
    Letzteres ist m.E. zwar auch eine Ursache, aber nur als Auswirkung einer nicht vorhandenen Erziehung in der Familie.

    Es geht hier nicht darum, Migranten zu verurteilen: Tausende davon leben friedlich in unserer ach so gelobten Republik, haben ein gutes Verhältnis zu ihren Mitmenschen, gleich ob Einheimische oder ebenfalls Migranten. Es ist einfach verwerflich, eine Gruppe einfach mal so, vielleicht, weil man sie nicht versteht (und Unverständnis löst Angst und Unbehagen aus), in Bausch und Bogen zu verdammen, allerdings ist das die simpelste Lösung.

    Aber noch eines: Auch die hohe Gerichtsbarkeit hat da m.E. einen gewissen Anteil an der Situation. Durch zu milde Urteile werden falsche Signale gesetzt.
    Nicht falsch verstehen: ich bin kein Verfechter der Todesstrafe oder von mittelalterlichen Strafen, aber es gibt ein Gesetz und das muss eingehalten werden und wenn sich jemand nicht daran hält (aus welchem Grund auch immer!!!), sollte sich der Strafrahmen nicht am unteren Ende der Skala bewegen.
    Ich verwende gern den sarkastischen Spruch: „Er/sie kann doch nichts dafür, weil sie als Kind Spinat essen musste.“.

    liebe Grüße
    Hajo

  5. Fefe und Frank und ihr Gast haben es hier: http://alternativlos.org/29/ auf den Punkt gebracht – es gibt eine Kultur des Egoismus, welche auch hier immer mehr Fuß fasst, fast wie in Amiland und das leider nicht nur bei Bänkern und Konsorten.
    (gut – es geht da primär um was anderes, aber auch diesen Punkt formulieren sie)

  6. ein anderer Stefan

    Der Egoismus, der hier zu Recht beklagt wird, wird doch allenthalben vorgelebt. Egal ob es ergaunerte Doktortitel, massiver Steuerbetrug, Pharmaversuche an wehrlosen Opfern oder gepanschtes Essen ist – es gibt immer mehr Leute, die sich auf Kosten anderer bereichern und einen Vorteil verschaffen und dafür über Leichen gehen. Und da das dann auch durch die Medien verbreitet wird, hat das auch eine Vorbildwirkung.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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