Stramm rechts


Rechtsradikalismus ist – anders als viele glauben – kein rein deutsches Phänomen. Stramm „konservativ“ wird man immer dann, wenn es an die eigenen Töpfe geht. Wenn man sich bedroht fühlt. Und wenn man mit gesellschaftlichen Situationen überfordert ist.

Das konnte man nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland aus dem Lehrbuch beobachten. Deutschland musste ruinöse Reparationszahlungen an die Siegermächte zahlen und die Zahlungen waren auch dazu gedacht, ruinös zu sein. Denn Deutschland sollte sich nie wieder bewaffnen können.

Jeder, der im Geschichtsunterricht nicht völlig geschlafen hat, weiß, wie es weiterging. Die Verelendung der Massen. Die Wirtschaftskrise 1929, die Arbeitsplätze vernichtete und ganze Industrielandschaften verdorren ließ. Die Weimarer Republik, die zu schwach war, um sich richtig etablieren zu können.

Meine Großmutter konnte noch Geschichten davon erzählen, dass man damals mit dem Waschkorb am Zahltag zum Bäcker gerannt ist, damit man das Geld noch fix gegen Lebensmittel eintauschen konnte, bevor es nichts mehr wert war. Mein Vater hat noch Inflationsgeld gerahmt an der Wand hängen.

Die Menschen waren mit der Situation völlig überfordert. Und suchten nach einem Schuldigen, der für ihr Elend verantwortlich war. Adolf Hitler und die NSDAP gab ihnen den Schuldigen. Natürlich war „der Jude“ nicht der jüdische Nachbar, mit dem man so lange befreundet war…wobei…vielleicht doch? Und für eine kurze Zeit war alles gut. Man fragte nicht nach, wo denn die Nachbarn geblieben sind. Der Staat hatte sie abgeholt, das wird schon seine Richtigkeit gehabt haben. Und überhaupt: Mach den Mund auf und du bist selbst im Gefängnis.

Am Ende dieser Entwicklung standen Millionen von Toten auf allen Seiten. Zerstörte Länder, zerstörte Leben.

Faschismus zerstört. Zuerst die Freiheit, dann die Menschen.

Aber die Entwicklung, wie eine Gesellschaft sich zum Faschismus entwickelt, die kennt man. Das ist gut erforscht.

Ein anderes Land, eine andere Zeit.

Ein Land, dass lange Zeit von einer korrupten Elite regiert wurde. Das irgendwie funktionierte. Dass sich mit Hilfe von Banken in den Euro geschummelt hatte.

Griechenland.

Ein Land, in dem sich die Bevölkerung drastischen Umwälzungen ausgesetzt sieht. Wo die Regierung behaupten kann, dass „das Land auf einem guten Weg ist“ – und die Menschen zurückgelassen werden. Es mag ja sein, dass die Sparziele erreicht werden.

Aber das werden sie um den Preis eines zerstörten Landes und einer zerstörten Gesellschaft.

In diesem Klima gedeiht Rassimus und blüht der Faschismus. Denn er bietet einfache Antworten auf komplizierte Fragen.

Es ist die Morgendämmerung für die Partei „Golden Dawn“. Und wie weit die Radikalisierung in der griechischen Gesellschaft vorangeschritten ist, sieht man an diesem Film hier.

Wir alle sind gefragt, diese Entwicklung zu verhindern.

Vor allem müssen wir aber in erster Linie aufhören, die Griechen kollektiv als „Versager“ zu betiteln. Ein wenig hier zuhören, ist ein Anfang.

Griechenland ist nicht alleine schuld an der Finanzkrise. Die griechische Bevölkerung ist nicht „selbst schuld“ an ihrem Elend, weil sie immer wieder die falsche Partei gewählt haben. Wer sowas behauptet, handelt fahrlässig.

 

 

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Veröffentlicht am 11. Mai 2013, in politisches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. Den Antisemitismus gab’s schon im Mittelalter, die Begründung für damals ist ganz einfach die Bauern mußten sich Kredite nehmen wegen Dürren u.ä. dann kam noch eine Dürre und die Geldverleier haben alles genommen ohne Rücksicht auf Verluste, so wie die Bankster heute halt auch.
    Nur waren damals die meisten Geldverleier eben Juden, wegen Tradition usw. usf.
    Und dann hat’s den Bauern halt irgendwann gereicht und findige „Politiker“ haben das ausgenutzt und so kam der erste Judenrausschmiss zustande.
    Es gibt nur zwei Institutionen die es wenigen erlauben die Masse zu kontrollieren das sind Religion und Nationalismus.
    Sobald Du ein „wir“ Gefühl prägen kannst drehen alle am Rad, egal wie bescheuert das ist.
    Geh mal in ein Fußballspiel und schau Dir die Reaktionen an, da findest Du vom Müllentleerer über Bankster bis zum Prof. Prof. Prof. Dr. Dr. Dr. von und zu Besserwiß alles und alle drehen am Rad wenn ein Tor fällt, egal auf welcher Seite m(
    Der mündige = wissende = hinterfragende EINZELNE Mensch ist intelligent und hinterfragt das Gegebene, eine Masse von Menschen egal wie gut die Ausbildung ist rennt einfach dem Leithammel hinterher, ist leider so m(
    Aber Menschen die die Medien hinterfragen und auch wissen wie man der Propaganda entgehen kann um mehrere Ansichten zum Thema zu erlangen und sich selber objektiv ein Bild zu machen fallen auf Populisten nicht herein.
    Womit wir wieder beim Thema Kompetenz wären, die wird nämlich dem „Ottonormal“ in einer plutokratischen Gesellschaft nicht gewährt, weil das eben die „Herrschenden“ gefährdet.
    Das haben schon viele vor jahrhunderten niedergeschrieben und ist immer noch gültig.
    So und nun hab‘ ich wieder schlechte Laune wegen den Tatsachen in dieser NICHTDEMOKRATIE *kotz*

    • Stopp Stopp Stopp STOPP
      Das Geldverleiherargument kommt aus einer ganz ganz miesen Ecke – ernsthaft jetzt.

      Zunächst mal: Damals gab es keine Kredite auf das Saatgut wie es heute ist. Das ist eine recht neue Erfindung. Damals hat der Bauer genug Korn zurückbehalten, das er als Saatgut nutzen konnte. Darum waren Dürren oder auch Wetterphänomene wie die kleine Eiszeit im Mittelalter so katastrophal.

      es gab einen Grund, warum die Geldverleiher nahezu ausschließlich jüdisch waren: Das Judenregal.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Juden_im_Mittelalter
      Das war ein staatliches Schutzgeld, was zu zahlen war, das wurde vom Kaiser oft auch verpfändet. Die Gelder, die da flossen waren enorm – und nicht mit Handwerk oder Landwirtschaft zu erwirtschaften.

      Der Kaiser hat übrigens auch dann immer mal wieder das Recht verkauft „die Juden“ rauszuwerfen. Da ist tatsächlich jemand hingegangen, hat an den Kaiser ein bisschen Geld bezahlt und durfte danach zu Hause ein Pogrom veranstalten.

      Hinzu kommt, dass es Christen nach kanonischem Recht verboten war, Geld gegen Zinsen zu verleihen. Juden hatten diese Einschränkung nicht.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Juden_im_Mittelalter

      Und zuguterletzt – hier bin ich aber zugegebenermaßen am rumtapsen: Soweit ich weiß, waren Juden alle anderen Formen des Gelderwerbs wie Handwerk und Landwirtschaft verboten. Grundbesitz durften sie nur in den dafür ausgewiesenen Vierteln erwerben – Stichwort „Judengasse“, die Straßen haben eine Geschichte.

      Es blieb ihnen keine andere Möglichkeit, als mit Geldverleih und Münzhandel ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

  2. Jupp die Christen durften nicht mit Geld spielen weil JC ja die Münzonkels aus dem Tempel geworfen hatte.
    Oder sowas in der Art.

    Mittelalter ist ja auch ein nicht allzukleiner europäischer Zeitraum.

    Es galt halt öfters: Die sind anders und deswegen Schuld am Wetter und das die Magd mich nicht magt.

    Gestern kaum auch so was SpiegelTV oder ähnliches, das es bei so einigen Russen auch einen Rechtsruck gibt und dann unsere braunen Genossen da rüber tanzen um denen was vom Pferd zu erzählen.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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