Daniel Cohn-Bendit


Nun hat er also den Theodor-Heuss-Preis bekommen. Für seine Verdienste in Politik und Gesellschaft.

Gut, eins muss man Dany le rouge lassen: Polarisiert hat er immer.

Aber der eine große schwarze Fleck in seiner Biografie ist sein Buch, wo er sehr explizit und sehr deutlich Bezug auf Kinder genommen hat. Wenn man das, was er in seiner Biographie geschrieben hat, für bare Münze nimmt, hat Daniel Cohn-Bendit in seiner Zeit als Erzieher im Kinderladen Kinder missbraucht.

Er ist seitdem nicht müde geworden, diese Passage als abgrundtiefe Dummheit zu geißeln. Doch reicht das?

Und für mich hat dieser Fall einige Facetten mehr als nur schwarz/weiß.

Thema Missbrauch.

Mal ganz ehrlich: Was unterscheidet einen Daniel Cohn-Bendit eigentlich von einem Klaus Kinski?

Daniel Cohn-Bendit hat Missbrauch offiziell in seiner Biographie zugegeben. Klaus Kinski hat Missbrauch offiziell in seiner Biographie zugegeben.

Klaus Kinski ist der Verbrecher, der „Kinderschänder“ (unglaublich gemeines Wort, nicht das Kind wird geschändet, der Täter schändet sich selbst), Daniel Cohn-Bendit der Theodor-Heuss-Preisträger.

Daniel Cohn-Bendit bekommt die Rückendeckung seiner Parteikollegen. „Der Dany wollte schon immer provozieren und es ist glaubwürdig, dass er dass da auch wollte“.

Doch beide Fälle haben eins gemeinsam: Sie relativieren Missbrauch.

Wenn ein Täter zugibt, missbraucht zu haben und das auch noch öffentlich in einem Buch – wie kann es sein, dass jeder sagt: „Oh der Dany/der Klaus, na so isser halt, immer der Schwerenöter?“

Es brauchte im Fall Klaus Kinski erst die Aussage seiner Tochter Pola, bevor die Gesellschaft bereit war, diesen Mann, der in mehr als nur einer Hinsicht völlig daneben war, zu verdammen. Bis dahin hat man jede seiner Aussagen belächelt mit „der war halt so“.

Und Daniel Cohn-Bendit? Welcher Aussage soll man bei ihm glauben? Der, die sagt, dass er Kinder angefasst hat und sich hat anfassen lassen? Oder der, in der er all das als „Riesenfehler“ und „war nur Provokation“ abtut? Es wird auch immer behauptet, dass die damaligen Kinder Cohn-Bendit entlastet hätten. Ich finde dafür keine Quellen. Nur Behauptungen von Cohn-Bendit selber.

Und das reicht zumindest mir nicht.

Thema Politik

Eine ganz andere Sache ist jedoch das, was die CDU in Hessen gerade abzieht. Das ist Wahlkampf in Reinkultur und zielt nur darauf ab, den derzeitigen hessischen Ministerpräsidenten in ein schlechtes Licht zu rücken.

Und an der Stelle würde ich gerne mal allen Parteien etwas ins Handbuch schreiben.

Macht doch bitte keinen Wahlkampf, indem ihr alle anderen schlecht macht. Sagt lieber, was ihr besser machen wollt und wie. Positiver Wahlkampf statt negativer.

Es ist so leicht, sich über den Gegner lustig zu machen. Aber so schwer, sich selbst als besser darzustellen.

An dieser Stelle breche ich übrigens ausdrücklich eine Lanze für die Piraten. Mir ist von denen noch kein Plakat untergekommen, wo eine andere Partei oder ein anderer Politiker explizit schlecht gemacht wurde. Sondern die Wahlplakate der Piraten waren immer Memes für das, wofür sie kämpfen (wenn sie nicht gerade damit beschäftigt sind, sich selbst zu zerlegen).

Und was hat die CDU in Hessen eigentlich geglaubt, was sie erreichen kann? Zu dem Zeitpunkt, wo sie angefangen haben zu protestieren, war der Zug schon abgefahren. Da stand der Preisträger fest und Kretschmann konnte nicht mehr zurück, ohne seine eigene Reputation massiv zu beschädigen.

Die Kritik an der CDU, hier Wahlkampf auf Kosten von potenziellen Opfern gemacht zu haben, wiegt schwer. Und sie ist berechtigt. Denn bitte was hätte Herr Kretschmann tun sollen? Ich zitiere aus der Stiftungs-Webseite:

Vorstand und Kuratorium der Theodor Heuss Stiftung haben beschlossen, den Politiker und Publizisten Daniel Cohn-Bendit mit dem 48. Theodor Heuss Preis auszuzeichnen

Winfried Kretschmann ist weder im Vorstand noch im Kuratorium vertreten. Dort sind überhaupt keine grünen Politiker vertreten. Sehr wohl aber eine Menge FDP-Politiker, unter anderem die Bundesjustizministerin, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

Das heißt, die CDU macht den Grünen Vorwürfe, dass eine FDP-Stiftung einen Grünen als Preisträger ausgewählt hat.

Nochmal:

Die CDU macht den Grünen Vorwürfe, dass eine FDP-Stiftung einen Grünen-Politiker als Preisträger ausgewählt hat.

Und das soll kein Wahlkampf sein?

Am Ende bleiben wieder einmal die auf der Strecke, die unsere uneingeschränkte Unterstützung verdienen und brauchen: Die Betroffenen von sexuellem Missbrauch.

Wieder einmal läßt man sie aus wahltaktischen Gründen eiskalt über die Klinge springen.

Und ich frage nochmal die Eingangsfrage:

Reicht das alles aus, um die Preisvergabe zu rechtfertigen?

Das möge sich jeder selbst beantworten.

Veröffentlicht am 22. April 2013, in politisches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Mich wundert seit langem warum sich die Grünen nicht von Cohn-Bendit getrennt haben, wobei ich zugeben muss nicht alle Details zu kennen weil es für mich nur ein Randthema war und es nicht mehr 1980 ist. Der Text ist übrigens online (http://frauenfoerderer.bplaced.net/gruene/bendit_basar/der_grosse_basar.pdf).

    Dass mit dem Buch ist irgendwie wie der Fall Sarazin nur mit Ausschlag in eine andere Richtung.

    Pi-news, kreuz-net & die ganze Faschistenschar haben das ja immer als Anlass (verdammte 31 Jahre!) genommen die Grüne Partei als „Kinderficker-partei“ hinzustellen.

    Bei der „Kinderficker-sekte“ ist das ja durchaus berechtigt weil da der Missbrauch nachweislich stattfand und stattfindet aber bei den Grünen?
    Tschuldigung da glaub ich nicht recht dran das da nicht nachgeforscht wurde und die Partei hat sich in den 30 Jahren auch stark geändert. Das ist ja so wie der Piratenpartei 2050 vorzuwerfen das sie ein paar Nazi Uboote hat(te) wovon SPD und CDU ja auch ein Liedchen singen können. Bei der Linken ist es ja „nur“ die SED.

    Das soll jetzt aber keine Verteidigung von Cohn-Bendit sein.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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