Neues zur Beschneidung


/update: Lesebefehl für alle interessierten: Das Zirkumpendium

Ich habe Schmerzen. Richtig heftige Kopf- Glieder und Zahnschmerzen? Warum?

Weil ich vor dem ersten Kaffee ne PN auf Twitter bekommen und einen Artikel gelesen habe. Na, wollt ihr auch mal?

Florian Rötzer hat sich medizinisch kundig gemacht, ist per Zufall über eine Studie gestolpert und hat sofort lauthals und sehr offensichtlich ohne weitere Recherche oder auch nur erkennbare Ansätze von Reflexionen verkündet, dass die Veränderung „des Ökosystems“ des Penisses eine Veränderung der Besiedelung mit Bakterien mit sich bringt. Und in Folge – man ahnt es schon – natürlich auch Krebs, HIV-Infektionen, HPV-Infektionen..bla bla bla…. genau. Alles schon millionenfach wiedergekäut.

Herr Rötzer, guter Tipp meinerseits: Wenn sie das nächste mal die Finger da hatten wo Bakterien sind (z.b. an einer Kaffeetasse)  – kein Problem, einfach abschneiden.

Waschen scheint in der TP-Redaktion ja aus der Mode zu sein.

Und der zweite Fall?

Die Berliner Zeitung hat ein Interview mit Herrn Graumann geführt, die einen etwas tieferen Einblick in die Denkweise der Orthodoxen liefert. Und ich gestehe, ich hab an der Stelle fast angefangen zu weinen vor plötzlich einsetzendem Kopfweh.

Ich zitiere aus der Berliner Zeitung:

Manche ultraorthodoxen geschlossenen Gemeinden glauben, nicht von sexuell übertragbaren Krankheiten und Herpes betroffen zu sein, da es bei ihnen keinen vor- oder außerehelichen Sex, keinen Drogenkonsum und keine homosexuellen Praktiken gebe.

Boah, nur das Copy/Paste dieses einen Satzes hat mir grad schon wieder körperliche Schmerzen bereitet… unfassbar diese Dummheit. Das hat mit Religion nix mehr zu tun – das ist pure Dummheit und grenzenloser Leichtsinn.

Veröffentlicht am 17. April 2013, in alltägliche Katastrophen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 14 Kommentare.

  1. turtle of doom

    Ich fühl mich gerade so blutleer.

    Letztes Mal war der Hämoglobinwert noch bei gesunden 16.3 g/dl…

    • Ich kann dich verstehen…es ist zum Verzweifeln. Gerade, wenn du glaubst, du hast nen Schritt vorwärts gemacht, kommt ne Dampflok und haut dich um Jahre zurück😦

      • Tantchen, eben das ist das Licht am Ende des Tunnels.
        aber eigentlich ist mir bei diesem Thema (bei anderen Themen auch, aber bei diesem besonders) mehr als übel und ich merke, dass das soeben eingenommene Mittagessen „eine Rolle rückwärts“ macht.

    • Moment, den Absatz hab ich ja jetzt erst gesehen:

      Bei der Beschneidung wird also nicht nur ein Teil der Vorhaut entfernt, sondern es findet auch eine ökologische Transformation statt, vielleicht vergleichbar mit einer Rodung. Die Beschneidung reduziert die Menge und die Vielfalt der Bakterien in der Eichelfurche unter der Vorhaut. Vor allem finden sich 12 anaerobe Bakterienarten deutlich weniger, die Wissenschaftler sprechen von einer dramatischen Veränderung, während einige aerobe Bakterienarten, vor allem Staphylokokken (S. haemolyticus, S. hominis, S. epidermidis, S. xylosus, S. aureus oder S. epidermidis) etwas häufiger gefunden wurden. Wenn die Vorhaut entfernt wird, gelangt Sauerstoff an den Penis und sinkt die Feuchtigkeit. Der Dezimierung der anaeroben Bakterien sei vermutlich das geringere Risiko für eine AIDS-Infektion zu verdanken, vermuten die Wissenschaftler, da damit insgesamt das Entzündungsrisiko sinkt.

      Also ein Sinken der Bakterienbesiedelung schützt vor der Infektion mit VIREN? Oo

      • turtle of doom

        Nö. Da gibts gar keinen Zusammenhang zwischen Viren und Bakterien. Da schreibt einfach jemand irgendetwas, und hofft, mit der Aufzählung der Bakterien Eindruck zu schaffen.

        Dann ist die Bühne vorbereitet, das Publikum gutgläubig geworden… und tada, das senkt das Risiko einer HIV-Infektion!

        Es ist aber noch nett, dass Staph epidermidis zwei Mal erwähnt ist. Da hat ein Nichtmediziner/Nichtbiologe wohl eine Liste abgetippt und übersehen, dass da etwas schon dasteht…

          • turtle of doom

            Das kann daran liegen, dass man sehr einfach einen Abstrich machen kann von der Eichelschleimhaut (oder was von der „Schleim“-Haut denn noch übrig bleibt).

            Mit unspezifischen Primern kann man die DNA der Bakterien vervielfältigen, und dann kann man zum Beispiel mit fluoreszierenden DNA-Einzelstrangstückchen, die spezifisch an DNA-Sequenzen binden, die Bakterienart bestimmen.

            Alles unkompliziert. Diese Laboruntersuchung ist nicht wirklich teuer.

            Schwieriger zu untersuchen ist: Die Entfernung der Vorhaut führt zu einer Trockenlegung der Eichel. Die Haut verdickt und vernarbt. Und sehr viele Viren brauchen für eine Infektion eine Schleimhaut.

            Aber eben, man kann aus den Daten schon diesen Schluss ziehen. Man weiss: Beschneidung –> leicht (!) geringeres HIV-Ansteckungsrisiko. Beschneidung –> Veränderung der Eichelflora.

            Aber Eichelflora –> geringeres HIV-Ansteckungsrisiko? In dieser Betrachtung ist die Beschneidung an sich ein gewaltiger Störfaktor, wenn ja die Beschneidung regelmässig zu einer veränderten Eichelflora führt. Was ist jetzt am geringeren Ansteckungsrisiko schuld?

            Man sollte in einer Langzeitstudie nicht nur die Beschneidungen und die HIV-Infektionen erfassen, sondern auch die Eichelflora. Und ich fürchte auch dann, dass die Beschneidung der Störfaktor bleiben wird, weil die Beschneidung ja auch über die Verdickung und Vernarbung der Eichelschleimhaut einen Einfluss auf das HIV-Risiko haben kann (und meiner Meinung auch hat).

        • turtle, genau das ist das Problem des weltweiten Webs: jeder kann sich irgendwelche Informationen (ohne auch nur den geringsten Hin-/Beweis irdendeiner Plausibilität) daraus holen und diese (irgendwie per copy-and-paste) zusammenstellen, ohne von Detailwissen belastet zu sein
          Ausbildung (Lehre, Studium etc.) war gestern, heute holen wir uns unser Halbwissen (halb = bestenfalls!) aus dem Netz
          .. von Anderen, die dort das Ergebnis des eigenen Kaffeesatzlesens oder einer „Sitzung“ auf dem stillen Örtchen absondern und als die „neue Bibel“ darstellen.
          Tolle Errungenschaft, denn es erspart noch dazu die mühsame Inbetriebnahme des „Oberstübchens“.

  2. Wie kommt es, dass erwachsene und bestandene Männer so unglaublich viel Angst haben vor etwas, was sie gar nicht sehen können?

    Ich gestehe offen und ehrlich, dass ich jede öffentliche Klotürklinke von innen berühre, ausser sie ist sichtbar verdreckt. Auf Bakterien gebe ich nichts – ich wälze mich einen Viertel bis einen Drittel meiner Lebenszeit im grössten Bakterienhort, den ein Haus haben kann (das Bett). Es macht wortwörtlich keinen Sinn, Angst vor Bakterien zu haben.
    A) Sie sind Legion, denn sie sind viele. Sehr, sehr, SEHR viele. Und sie sind anpassungsfähiger als Menschen, das bedeutet, sie sind wortwörtlich überall, wo Leben überhaupt möglich ist.
    B) Der absolut überwältigende Grossteil von ihnen ist etwa so gefährlich wie Gras. Viele sind sogar äusserst nützlich, beispielsweise die kleinen Helferlein im Darm, die erst dafür sorgen, dass wir die Nährstoffe in unserem Futter verarbeiten können.
    C) Was uns nicht umbringt, macht uns stärker. Was uns nicht umbringt, wird es zwar immer wieder versuchen, aber wenn ich etwas einmal in den Hintern trete, kann ich es wieder tun. Die Menschen, die am Seltensten krank werden, sind die, die am Öftesten mit Schmutz und Unrat in Kontakt kommen (und sich ausgewogen ernähren und viel bewegen, aber in diesem Kontext ist das Nebensache). Das nennt sich „Abhärtung“.

    Von daher: Grow some balls und akzeptiert, dass Bakterien überall sind. Die stärksten Immunsysteme sind die, die am meisten Übung kriegen. Geht also ab und an mal ein Schlammbad nehmen. Ist gesund. Deutlich gesünder als die Vorhaut wegzuschnippseln.

    • turtle of doom

      „Wie kommt es, dass erwachsene und bestandene Männer so unglaublich viel Angst haben vor etwas, was sie gar nicht sehen können?“ – weil die wenigsten erwachsenen und gestandenen Männer auch backterio-logisches Fachwissen besitzen.🙂

      Was tut man mit einem Brötchen, das auf den Boden gefallen ist?

      Jo, natürlich… essen!

      Die allermeisten Mikroorganismen* benötigen eine feuchte Umgebung. Solange der Boden trocken ist, ist er bloss staubig oder schmutzig. Dagegen hilft putzen.

      Aber bakteriologisch gesehen ist der fast steril. Genauso wie die Haltestangen im Bus. Oder Türklinken. Ist die Luft trocken, haben Bakterien und Viren ausserhalb des Körpers sowieso nur noch eine Lebensdauer von wenigen Minuten.

      *: Mal abgesehen von all den Tierchen, die gegen Trockenheit resistent sind. Hepatitis C überlebt mehrere Monate lang in getrocknetem Blut. Noch etwas anderes sind sporenbildende Bakterien (z.B. Clostridium tetani).

    • Lochkartenstanzer

      Das wesentliche ist ein gesundes Mittelmaß zwischen Dreck und Sauberkeit zu finden. zuviel Dreck ist, genauso wie zuviel Sauberkeit, genauso ungesund. Daher soltle man sich schon genauer anschauen, in welchem Schlammbad man sich wälzt.

      Und Bakterien auf der haut haben, sofern es die „richtigen“ sind, eien Schutzfunktion. Die schützen uns vor den „bösen“ Bakterien.

      Dazu empfehle ich auch http://medien.wdr.de/m/1363118718/quarks/wdr_fernsehen_quarks_und_co_20130312.mp4

      da geht es zwar um den Darm und die Bakterien da drin. Aber es wird schon verdeutlicht, wie stark der Mensch von „guten“ Bakterien abhängig ist.

  3. Mehr S. aureus? Und das soll komplett problemlos sein?

    Wofür steht noch mal das SA in den netten „Krankenhauskeimen“ MRSA? Die lecker resistenten.

    Wenn man(n) sein Gemächt jetzt nicht grad über olle Spritzen und offene Wunden zieht, sollte doch waschen für so ziemlich alles ausreichend sein.
    Da wir jetzt nicht grad überall in einer vorsintflutlichen Wildnis oder Slum leben, ist alles doch nur Schönreden.
    Falls dann waschen auch noch als anstößig empfunden wird, weil „untenrum“ und das doch nur zum Kinderzeugen ist und rumspielen und sich damit ernsthaft zu befassen unanständig ist, deutet das doch mal wieder auf ein seltsames Weltbild hin.
    Wie die „Muttis“ die gerne möglichst weit zurückschnippeln lasse, damit ihr Englein auch brav bleiben.

    Genauso verquer dies Haltung „Wir machen solchen Kram nicht, darum passiert was nicht“, „Es gibt Gesetze, darum passiert nichts“.


  4. Was in dem ganzen Palaver ueber die Beschneidung fehlt
    [Hie das Archiv für die ganze Debatte, auch jetzt in der USA,
    http://analytic-comments.blogspot.com/2012/08/the-circumcision-debate-links-and.html ]
    ist die archeologische Dimension. Woher stammt der Brauch der dem der Weiblichen
    Beschneidung/ Verstuemmelung gleicht in dem er die selben Nerven durchschneidet? Weder der Ritus noch der Brauch sind nur in Abrahmistischen Religionen vorzufinden, nur eben das identitaetsstiftenden, aus Trotz einer alter Macht gegenueber.

    http://www.circumcisioncomplex.com/fundamentals/

    http://www.facebook.com/mike.roloff1?ref=name

    Wenn die Beschneidung von 8 Tage alten Knaben identitätsstiftend für Juden und Muslime ist – ja sehr viele Muslime beschneiden ja auch noch die jungen Maedchen, ihr „schwarzer Tag!“

    Warum wird jemand wie Professor Michael Wolffsohn nicht ueber andere Juedischen Ansichten befragt?,
    http://analytic-comments.blogspot.com/2012/10/michael-wolffsohns-foreskin-of-heart.html
    http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article108847257/Die-Vorhaut-des-Herzens.html
    http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/gastkommentar-zur-beschneidungsdebatte-danke-deutschland/7160872.html

    Die Skepsis der Pädiater
    Unausgegoren, katastrophal – die Kritik der Pädiater am Gesetzentwurf zur Beschneidung ist eindeutig. Sie sehen die UN-Kinderrechtskonvention verletzt – und das Gesetz quasi schon zur Verhandlung in Karlsruhe. Aber die Kinderärzte haben einen Kompromissvorschlag.Von Raimund Schmid,,,

    http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gp_specials/beschneidung/article/824592/beschneidung-skepsis-paediater.html

    Die Tabuisierung jeglichen Vergleichs von männlicher mit weiblicher Genitalverstümmelung ist der große Skandal der Debatte. In beiden Fällen wird der empfindsamste und erogenste Teil des menschlichen Körpers amputiert oder schwer beschädigt. In beiden Fällen geht es in erster Linie um die Beschneidung menschlicher Sexualität.

    Zu kritisieren an dem Urteil sei etwa, dass es eine Abwägung der betroffenen Grundrechte – körperliche Integrität nach Artikel 2, Religionsfreiheit nach Artikel 4 und Erziehungsrecht nach Artikel 6 des Grundgesetzes – vermissen lasse, sagte der Jurist, der in diesem Sinne der körperlichen Unversehrtheit die Bedeutung religiöser Früherziehung für die Sozialisation gegenüberstellte.“ Ende des Zitats.

    Niemand – weder die Eltern noch sonst jemand – hat das Recht in die Beschädigung des Körpers eines Kindes einzuwilligen.
    Und niemand – weder ein Arzt noch sonst jemand – hat das Recht eine solche Beschädigung durchzuführen.
    Wer meint hier müssten Grundrechte abgewogen werden, dem mangelt es meines Erachtens nicht nur am Rechtsverständnis.
    http://evidentist.wordpress.com/2012/09/11/beschneidung-ignoranz-und-sexismus/

    Und hie das Archiv für die ganze Debatte, auch jetzt in der USA,
    http://analytic-comments.blogspot.com/2012/08/the-circumcision-debate-links-and.html
    ========================

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