Maskulisten die Zwote


Ich mag Torsten Dewi nicht. Der hat mir echt viel Arbeit gemacht. Und Kopfschmerzen vom Denken. *g*

Ne, Scherz, eigentlich hatte er ja recht mit dem, was er gesagt hat:

„Wenn einer im Vorfeld einer Veranstaltung nur rumzetert und rumproletet“ – ganz genau. Und es wäre angemessen gewesen, das zu belegen. Wenn man an die notwendigen Informationen nicht ran kommt, ist es nicht in Ordnung, sich einfach trotzdem ein Urteil zu erlauben, nur weil es einem ins Konzept passt. Das hat auch mit Journalismus nix zu tun, nur mit einer gewissen Fairness und Distanz. Fehlverhalten zu ahnden ist richtig. Fehlverhalten zu unterstellen und präventiv zu ahnden ist falsch.“

Also bin ich mal zu den Piraten getrappst.

Erstmal find ich ja ziemlich cool dass da wirklich einige von denen hier mitlesen. Und so ab und an hat man auch Kontakte und die hab ich mal ein wenig genutzt.

Vorweg: Ich habe nach wie vor ein Problem mit -isten und -istinnen. Einfach weil das zum Teil Extrempositionen sind, die eher auf Konfrontation ausgelegt sind als auf Verständigung. Und Konfrontationen sind Machtspielchen, womit wir wieder dabei sind, worum es Maskulisten und Feministinnen eigentlich geht: Macht.

Aber in dem Artikel hier ging es um die Piratinnenkon und den Rauswurf eines Teilnehmers, der gefilmt hat.

Und, nachdem ich lange telefoniert habe (ohne Mitschnitt *g* daher leider keinen Quellennachweis), hat sich eigentlich das übliche rauskristallisiert: Beide Seiten haben Schuld. Wie eigentlich immer, wenns kracht.

Es gibt auf diesen Kons ein „Awareness-Team“ – das ist so eine neumodische Umschreibung für eine Gruppe Leute, die sich einen Störer rausfischen und versuchen, zu deeskalieren. Das heißt, die Aufgabe der Gruppe ist: Störer ausfindig machen, Störer nett beiseite nehmen, ihm klarmachen: „Ey, du störst, halt mal bissi die Luft an, jo?“ und dann ist, im besten Fall, alles wieder gut.

Und genau das hat hier nicht funktioniert.

Die Gruppe vom Awareness-Team ist auf den Filmer zugegangen, hat ihn gebeten, das Filmen sein zu lassen. Filmer stand sich plötzlich 6 Leuten gegenüber. Für ihn war das: 6 gegen 1 – dass der in der Situation das Filmen nicht unterläßt hätte jedem klarsein müssen. In so einer Unterzahl brauchst du Beweise, sonst stehst du hinterher ziemlich blöd da.

Also kommt er der Bitte, das Filmen zu unterlassen, nicht nach. Erste Chance zur Deeskalation verpasst. Warum muss man auf einen einzigen Menschen gleich mit der ganzen Gruppe zulaufen? Einer hätte doch auch erstmal gereicht? Vermutung meinerseits: Aufgeheizte Stimmung durch..siehe oben.

Er läßt das Filmen nicht, Awareness-Gruppe wird pissig und bittet ihn zu gehen. An der Stelle, auch wieder völlig legitim, fragt  Filmer, ob die Gruppe überhaupt das Hausrecht hat und warum er gehen soll – und wogegen er verstoßen hat.

Und hier ist der Kardinalfehler passiert: Die Gruppe *hatte* Hausrecht. Einmal kurz erklären: „Jung, komm. Wir machen hier unseren Job, du bist Störer, weil… und hörst nicht auf damit, also musst du gehen – das weißt du so gut wie ich“ – und alles wäre fein und schick gewesen.

Und das ist nicht passiert. Sondern man hat darauf bestanden, dass er geht. Ohne Hausrechtsnachweis. Ich mein, ich kann mich auch in einen  Supermarkt stellen und Leute versuchen, rauszuwerfen – und das erste, was die mich fragen: „Darfst du das überhaupt?“.

Wenn man in so einem „Awareness-Team“ ist, dann darf zweierlei nicht passieren: Das man sich gegenseitig anfeuert und aufstachelt (Gruppendynamik läßt grüßen) und dass man einen Gang-Bang auf nen einzelnen macht. Wenn man diese Mechanismen nicht erkennt und seine Emotionen, wie berechtigt die auch sein mögen, regieren läßt statt einigermaßen neutraler Reflektion („wo hab ich recht und wo hat er recht, ist das noch legitim, was er macht oder ist das schon übergriffig?“), da schießt man sich selbst ins Knie und das gewaltig.

Fehler beim Filmer:

Er hätte wissen müssen, dass die Stimmung da ihm gegenüber nu nicht die beste war.

HAT er es gewußt und ist trotzdem hingegangen: Trollversuch.

Hat er es unterschätzt und wollte halt nur mal gucken, was die machen: Menschlich verständlich, politisch daneben.

Fehler auf der Kon:

Keine Deeskalation wie vorgesehen, sondern ungehinderte Eskalation – die haben genau das gemacht, was ein Awarenessteam eigentlich verhindern sollte. Die sind pissig geworden und haben dann nur noch versucht, sich durchzusetzen. 6 gegen einen (sechs wurde mir berichtet).

Und was steht als Bilanz da?

„Die Piraten mal wieder. Der Chaotenverein kriegt noch nicht mal ne Weiberkon gemanaged.“

Way to go an alle Beteiligten.

Und ja, mich ärgert das gewaltig. Solche Fehler *DÜRFEN* nicht passieren. Scheißegal, wie sich jemand auf der Kon benimmt – das Awareness-Team hat souverän zu bleiben, sonst könnt ihr dieses Team auch gleich knicken und wieder zu Fackeln und Scheiterhaufen greifen.

 

Veröffentlicht am 12. April 2013, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. Ich bin SEHR beeindruckt. Das ist genau die Form von ausgewogener Betrachtungsweise, die ich im Internet erwarte, aber zu selten finde. Respekt!

  2. Um Mal einen guten Comic anzubringen der das Thema „Extrempositionen“ streift: http://www.smbc-comics.com/index.php?db=comics&id=2939#comic

    Ansonsten tolles writeup Tantchen. De-eskalationsteams kennt man ja von diversen cons und das 6:1 dingens scheint echt schlecht gelaufen zu sein.

    Bei unseren Cons hat der Staff immer Badges mit rotem Band (Teilnehmer sind gelb) und auch von Fußballspielen kenne ich das, das es dedizierte und vor allem optisch eindeutig identifizierbare Security gibt. War das bei den Piratinnen nicht der Fall? Als solches müsste das doch schon als Legitimation fürs Hausrecht reichen, gerade wenn es in den Haus/Conregeln drin steht das Anweisungen des Staffs/ der Security folge zu leisten ist.

    • Das Awareness-Team ist keine Security. Auf dem Bundesparteitag sind die auch entsprechend rumgelaufen, auch das scheint in der Tat bei der Kon falsch gelaufen zu sein, das habe ich aber nicht gefragt, auf die Frage bin ich nicht gekommen😉

  3. ein anderer Stefan

    Disclaimer: Ich habe mich jetzt nicht in die Hintergründe vertieft, sondern nur am Rande mitgeschnitten, was da lief.
    Ich finde es allerdings problematisch, wenn eine demokratische Partei einzelne Mitglieder auf Parteiveranstaltungen von vornherein quasi für unerwünscht erklärt. Klar, wenn besagtes Mitglied auf der Veranstaltung Zicken macht, kann man es rauswerfen. Aber a priori?
    Wenn dieses Mitglied den Parteizielen zuwiderhandelt oder die Partei schädigt, gibt es bei „ordentlichen“ Parteien ein Ausschlussverfahren. Wenn er eine Position vertritt, die noch innerhalb des Parteispektrums liegt, und sei sie auch extrem, sollte man mit Sanktionen vorsichtig sein, vor allem, wenn man als *demokratische* Partei wahrgenommen werden will.
    Die Piraten scheinen sich immer mehr in einen -isten oder -istinnen Verein zu verwandeln, jedenfalls ist das meine Wahrnehmung. Wenn das nicht so ist, scheint es aber nicht genug Stimmen zu geben, die das sagen. Damit scheiden sie für mich als politische Alternative aus.

  4. Lochkartenstanzer

    Hier mal eine weitere Betrachtung des Vorfalls, insbesondere mit Augenmerk auf das ausgeübte „Hausrecht“, das es so nicht gibt.

    http://www.danisch.de/blog/2013/04/13/die-piraten-das-hausrecht-und-die-versammlungsfreiheit/

    Achtung! langer Artikel.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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