Die einfache Welt der Kernenergiebefürworter


Kernenergie ist toll. So sauber und die GenIV-Reaktoren sind auch total und voll sicher. Die Technik ist ausgereift und beherrschbar, ja die ist so toll, wir brauchen ganz doll viele neue Kernkraftwerke, damit wir die bösen Kohlekraftwerke, die so viele Menschen durch ihren Dreck umbringen, endlich loswerden.

Wer so ein dummes Zeug erzählt? Na der hier.

Wie immer bei Lobbyisten wird hier Wahrheit und Fiktion miteinander vermischt, bis man sich nur schwer zurechtfindet, gewürzt mit Fachbegriffen, damit auch wirklich der letzte Zweifler einfach schwindelig geredet wird.

Was sind Gen-IV-Reaktoren überhaupt?

Das sind Reaktoren der vierten Generation, also eine Quasi-Neuentwicklung. Hier werden die mal sehr schön aufgedröselt und es wird auch sehr schnell klar: Die Technik ist derzeit noch nicht beherrschbar. Gen-IV-Reaktoren kennen einige von euch als „schnelle Brüter“, die sind Teil dieser Entwicklung.  Leseempfehlung.

Atomkraft hat vor allem einen gigantischen Nachteil. Wer den sehen will, guckt mal kurz hier nach. Nette Liste. Das sind nur die Unfälle ab Stufe 4 aufwärts. Die Stufen 1 -3 sind schon gar nicht aufgeführt.

Atomkraftwerke machen Atommüll. Nuklearia hat jetzt die grandiose Idee, dass das doch alles noch super Brennstoff ist, dass aber die Reaktoren, die dafür benötigt werden, nicht gebaut werden. Weil sie ja als Abfallprodukt dann kein waffenfähiges Plutonium mehr herstellen. Außerdem, wenn man das alles noch ein paarmal spaltet, dann hat man hinterher nur noch kurzzeitig strahlende Dings, die man dann super für ein paar Jährchen in Castoren lagert, bis die ausgestrahlt sind und dann is das Zeuch Blei.

Wärs doch so einfach.

Wir brauchen – eigentlich – eine völlig neue Energiepolitik. Peter Altmaier schreibt ja viel über die Energiewende, aber letztlich ist das keine. Denn die muss eine Abkehr vom bisherigen darstellen.

Wir brauchen hier eigentlich eine zweiseitige Betrachtungsweise.

Energieerzeugung:

Die Zeit der Großkraftwerke ist eigentlich vorbei. Sie sind decken den Bedarf nicht mehr und man kann die Dinger eigentlich nicht schnell genug hinter der Nachfrage herbauen. Also brauchen wir hier neue Konzepte. Eins wäre z.b. dass man die Großkraftwerke als Backup und für Großkunden behält und die Privathaushalte mit Kleinstkraftwerken, die den lokalen Gegebenheiten angepasst werden, beliefert.

Da sind Atomreaktoren das letzte, was man brauchen kann. Sie sind nicht flexibel genug, sie haben Anfahrtszeiten und sie können kurzfristige Spitzen im Strombedarf so nicht decken. Kohlekraftwerke sind aber auch nicht das Gelbe vom Ei.

Die Lösung steckt in den Alternativen Energien. Nur hier ist eigentlich das Heil zu suchen. Sonnenenergie wird da gewonnen, wo viel Sonne ist. In Wüsten zum Beispiel. Windenergie haben wir vor den Küsten genug und dank des Tidenhubs auch genügend Gezeitenkraft. Pumpspeicherkraftwerke können schnell auf Spitzen im Strombedarf reagieren, genau dafür sind die entwickelt worden.

Solarpanels auf den Dächern helfen auch mit, die Grundversorgung zu decken. Lokale Blockheizkraftwerke z.b. können Strom und Wärme nur für eine Stadt liefern. Großkunden wie Industrie, Bahn und wie sie nicht alle heißen können weiterhin von den Konzernen beliefert werden.

Energieverbrauch:

Hier ist massig zu tun. Der Standby-Modus gehört verboten. Mein Receiver z.b. von Unitymedia verbraucht 1 Watt pro Stunde für den Standby-Modus.  Das sind im Jahr, wenn ich mich nicht verrechnet habe, über 8,5 Kilowatt nur für den Standby-Modus von einem dusseligen Kabelreceiver. Und wozu? Weil sich der Receiver (zumindest bei mir) in den Lieferzustand zurücksetzt und erstmal alle Updates neu lädt, wenn ich den Strom wieder einschalte.

Das kann und muss man anders regeln können.

Computer: Nichts gegen Leistungsfähige Grafikkarten, aber müssen die soviel Strom fressen, dass man fast nicht mehr weiß wo man ihn hernehmen soll? Es wird immer mehr Leistung auf die Dinger gepackt, aber auf den Stromverbrauch achtet kaum einer. Scheiß drauf, wird halt ein neues Netzteil geholt.

Das muss sich ändern. Den Entwicklern muss klarwerden, dass der Stromverbrauch einer Sache genauso wichtig ist wie die Sache selbst. Bei Küchengeräten klappt das schon prima. An anderen Stellen noch nicht.

Und DAS können wir alle ändern.

Aber Atomkraft? Die hat abgewirtschaftet. Die kann und darf ihren Platz in künftigen Energiekonzepten nicht haben. Zuwenig beherrschbar, zu risikoreich und vor allem: WENN mal was passiert, dann ist das nicht mal eben ein *römms* wie bei einem Kohlekraftwerk sondern die ganze Sache wird dann sehr unangenehm.

Von daher: Atomkraft? Nein Danke. Es gibt andere Möglichkeiten. Man muss sie nur nutzen.

Veröffentlicht am 9. April 2013, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 21 Kommentare.

  1. Aber nicht nur die Privat-Verbrauchen müssen in die Pflicht genommen werden. Auch das produzierende und verbrauchende Gewerbe muss endlich anfangen, auf Technologien umzusteigen, die energieeffizient sind. In diesem Bereich ist bis heute noch garnichts passiert. Warum auch? Diese Großverbraucher bekommen die Energie verbilligt und vom Bürger per Umlagen subventioniert.

  2. Da stellen sich mir als gelerntem E-Techniker wieder die Zehennägel auf🙂
    Nicht übel nehmen, aber bevor man mit Werten um sich wirft sollte man erst wissen was sie heissen und wie sie zusammen gehören.

    Dein Receiver verbraucht im Standby nicht 1 Watt pro Stunde sondern schlicht 1 Watt, unabhängig von der Zeit. Wenn er dann 1 Stunde so läuft hat er dann 1 Wattstunde (Wh) verbraucht (und die hat er dann als Wärme an die Wohnung abgegeben, so ganz nebenbei).
    Pro Tag sind das dann 24 Wh, und pro Jahr im Schnitt 8766 Wh oder 8,766 kWh.
    Klingt erst mal ganz viel, aber was heisst das? Wenn er 1 Jahr nur im Standby läuft vertraucht er Strom für etwa 2,19 € (bei 0,25€/kWh). Da Du ihn aber auch ab und zu benutzt sinkt der reine Standby-Anteil auf vielleicht 1,50€/Jahr. Da stellt sich die Frage, wieviel wärst Du bereit zu zahlen um die Standbyaufnahme zu verringern? Das soll sich ja auch irgendwie noch rentieren (und 1 Watt Standby ist schon relativ wenig).

    • Was Rechnungen angeht bin ich *immer* auf glattem Eis. Mit Dyskalkulie rechnet es sich ganz schlecht.

      Aber wenn es 1000 solcher Receiver gibt, dann ist der Stromverbrauch entsprechend hoch. Es geht mir weniger Kosten als um den Verbrauch an sichtbar.😉

  3. Puhh schwieriges Thema.
    Alternative Energie sind ja leider immer etwas unzuverlässig und unkonstant. Wolken, Windstille, Ebbe,… und es wird auf einmal Dunkel. Ein „konventionelles“ Kraftwerk hat seinen entsprechenden Kraftstoff und dem ist dann relativ egal ob es draußen grad dunkel oder windstill ist, solange nur ausreichend Kohle/Öl/Gas/Atome/Müll/Wasser da ist.

    Klar sind die Großverbraucher ungerecht, aber ich weiß nicht wo z.B. die metallverarbeitende Industrie groß sparen kann; Alu-Schmelzen fallen mir da ein, die können mit auch mit Gas oder Öl heizen statt mit Strom und einiges Rückgewinnen, aber irgendwie muss ja das Metall heiß gemacht werden, da führt kein Weg dran vorbei.

    Große Verbrenner will auch immer mehr keiner auf den Straßen/Schienen sehen, und alles auf Elektro machen, aber da muss ja auch die Energie wo erkommen und nicht nur dann wenns grade passt.

    In die ganze Nukleardebatte passt dann auch immer das Totschlagsargument: „Wenn wir das nicht machen, machts das Ausland und denen ist noch weniger zu trauen!“

    • Falls du mit „Alu-Schmelzen“ die Betriebe meinst, die das Metall aus dem Erz gewinnen, dann können die den wesentlichen Teil des Prozesses (die Reduktion zum Metall) nicht mit Gas oder Öl machen, weil das ein elektrolytischer Vorgang ist, der nicht anders als mit (entsprechend viel) elektrischem Strom durchgeführt werden kann.
      Wie das Aufschmelzen der Ausgangsstoffe (Aluminiumoxid + Kryolith) funktioniert, ist mir gerade nicht geläufig, aber wenn das elektrisch passiert, hat das vermutlich einen Grund; prinzipiell könnte man aber ggf. thermisch statt elektrisch heizen. Es kann aber auch gut sein, dass sich die Schmelze aufgrund des ohnehin durchgeleiteten Stroms selbst „warm hält“, so dass eine zusätzliche Heizung nur zum Anfahren benötigt wird.

      Bezüglich des Stromverbrauchs: die Aluminiumgewinnung ist nur dort wirtschaftlich zu betreiben, wo billiger Strom verfügbar ist. Wenn die Stromkosten über eine bestimmte Grenze steigen, ist es vorbei. Die Rechnung, die man in diesem Fall aufmachen müsste, wäre die nach der Bilanz von Kosten und Nutzen: Ist die Gewichtseinsparung zB im Fall von Fahrzeugkarosserien verbrauchstechnisch soviel günstiger, dass sich der Aufwand der Aluminiumprodukt lohnt? (P.S. Auch wenn das jetzt danach klingen mag, als würde ich Atomkraftwerke für den „billigen Strom“ befürworten: dem ist beileibe nicht so.)

      • Die „Erzeugung“ an sich ist ja schon energieaufwändig und das Recycling und Weiterverarbeitung ist ja wohl auch nicht grad bei Raumtemperatur zu machen.

        Vor Ort haben wir auch einen Alu-Veredler der so einige Kilotonnen Alu im Jahr verarbeitet.

        Andere Metalle werden wohl meist mitGashochhöfen verarbeitet, aber ich hatte so in Erinnerung das grade die Alu-Werkler ordentliche Elektroverbraucher sind

  4. Der Altmaier, mit dem Rössler zusammen. Die zwei machen doch gerade die Erneuerbaren nachhaltig kaputt. Sogar in einem Tempo das Mutti Merkel es zu schnell ging.

    Ansonsten würde ich dir zustimmen. Bei den Pumpspeichern haben wir allerdings Probleme, da sind die passenden Standorte ausgereizt und du hast nur Speicherzeiten für rund 8 Stunden bei Volllast. Sprich im Sommer für Solar super allerdings nicht für Langzeitspeicher.

    Besser sähe es da mit Gasspeichern aus. Kapazitäten da liegen heute bei rund 70 Tagen und wir haben auch ein Verteil-netz. Außerdem bestehen Technik und Industrie für einen relativ schnellen Ausbau. Man könnte also dort speichern – Thema „Windgas“. Allerdings ist da der Wirkungsgrad niedriger. Bio-gas lässt sich natürlich auch einspeisen.

    Netzspeicher als Batterieausführung gehen auch brauchen aber mehr Ausbau. Bei Windkraft lohnt sich oft schon Speicherkapazitäten von nur 30 Minuten weil die Börsen im 15 Minuten Takt arbeiten und Gaskraftwerke über die zeit auch andrehen können.
    Als Netzspeicher (IMHO) lohnt sich am ehesten der ganze Redox-flow kram weil man nur die Elektrolyt-tanks vergrößern muss. Flüssigmetal Batterien wie die von Ambri ( http://www.technologyreview.com/featuredstory/511081/ambris-better-grid-battery/ ) sind in der Theorie spannend aber da würde ich erst einmal abwarten.

    Privat reichen ein parr KWH als Tagesgangspeicher um min. 60-70% Selbstversorgung (übers Jahr) hinzubekommen für mehr müssen die Kosten der Speicher fallen. Die Amis reden immer davon das die kosten (pro KWH) von knapp 1000$ auf 300$ runter müssen damit sich der Kauf lohnt. Bei unseren Strompreisen ist das wohl eher der Fall.
    Die KFW hat ein Programm zur Finanzierung aufgelegt (siehe TP: http://www.heise.de/tp/blogs/2/153698).

    Und mein Standbymodus heißt Steckerleiste mit Schalter😉

  5. Warum der Schalter bei besagtem Receiver nicht taugt hat Tantchen ja beschrieben: Das Teil vergisst einfach alles, was nicht fest ins ROM eingebrannt ist, sobald der Saft weg ist. Wer denkt sich heutzutage noch so einen Mist aus?

    Das Problem in der Stromerzeugung ist ja weniger die Grundlast, sondern die Schwankungen und Lastspitzen, die aufgefangen werden müssen.
    Das gilt insbesondere für Atomkraftwerke, aber auch für viele der alternativen Energiequellen. Nur dass da dann oft noch das Problem der unregelmäßigen Verfügbarkeit dazukommt, die zusätzlich ausgeglichen werden muss.

    Was Pumpspeicher angeht, stehen noch einige Möglichkeiten – mit verschiedenen Auswirkungen auf die Umwelt – im Raum. Das fängt bei „normalen“ Talsperren an, die von Grundlasterzeugung zur Unterstützung bei Spitzenlast umgerüstet werden könnten (was aber dann auch entsprechende Schwankungen beim Wasserpegel mitbringt).
    Es gibt auch Vorschläge, neue Pumpspeicherkraftwerke in die Gegend zu dengeln, teilweise auch in der Ebene. Wenn die Geländeform den Höhenunterschied nicht hergibt, muss mit dem Aushub für den Talsee ein Berg für das obere Niveau aufgeschüttet werden. Hat also gerade dann einen enormen Landschaftsverbrauch…

    Überhaupt…. – Ich bezweifle arg, dass die „Hobby-Ökos“ begriffen haben, dass auch alternative Energien nicht zum „Umwelt-Nulltarif“ zu haben sind. Statt Schadstoffausstoß bekommt man mehr oder weniger große „Umbauten“ der Landschaft. Also greift auch hier wieder das St.-Florians-Prinzip: „Windräder und Solarpanel-Felder, ja bitte. Aber doch bitte nicht in meiner schönen Aussicht!“ „Wasserkraft, unbedingt – aber doch nicht hier in unserem schönen Tal!“ …

    Auf lange Sicht ist aber auch das sinnvoller, als uns über Atommüll eine Hypothek auf Jahrtausende auf unsere Umwelt aufzunehmen…

    • Solar aufs Feld muss nicht sein wo es genug Dächer gibt. Wen es denn sein muss, kann man die Felder noch als Weide verwenden, in Brandenburg läuft gerade eine Studie. Auf die Art macht man auch was für die Biodiversität. Besser als Mais in Monokultur ist das eh.

      Öhm ich schweife ab. Was ich eigentlich sagen wollte ist das Solar auf eine menge mehr Dächer gehört und dorthin auch vorrangig wenn es Sinn macht. Wenn ich mir anschaue was hier alles an Plattenbauten mit Flachdächern rumsteht die nicht genutzt sind fall ich bald vom glauben ab. Da ist aber auch der Gesetzgeber gefragt der Möglichkeiten schaffen ( über die KFW z.b.) und Druck erzeugen muss.

      Tagebaue (da gibt es sogar entsprechene Halden) haben wir dank der Kohle ja auch genug – da muss nicht viel mehr ausgehoben werden.

      Ich würde auch nicht sagen das es so viele „hobby-ökos“ sind sondern oft auch verkappte „Strom kommt aus der Dose“ sowie „Elekrosmog!“ Nasen und AKW Liebhaber sind die hier Sentiments schüren.

  6. Wieso es Grafikkarten gibt, die so viel verbrauchen? Ganz einfach, weil man die Leistung für Spiel oder aufwendige CAD/3D-Design/etc. braucht. Glaub mir, die Dinger sind schon sehr effektiv: wenn die Leistung nicht gebraucht wird, verbrauchen sie etwas mehr als Onboardgrafikkarten.

    Und: niemand verbietet mir meine Doppel GPU Grafikkarte! Ich will in höchster Auflösung mit allen Details spielen!!!🙂

    Spaß beiseite, dein Ansatz ist total falsch. Nicht bei den Verbrauchern muss man anfangen (ja da muss man auch was tun, keine Frage!) aber bei den Regierungen und der Gier der Menschen. Denn wenn genau so viel in die Forschung von Alternativen Energien wie in die Forschung von Fossilen Energien und Atomkraft gesteckt worden wäre, würden wir heutzutage vermutlich mit 100 % alternativen und erneuerbaren Energien leben. Aber die Lobbyisten haben dermaßen Einfluss in den letzten 50 Jahren genommen, dass mehr als 80% der Förderungen, Subventionen etc. in die Fossile und Atomenergie gehen (http://de.wikipedia.org/wiki/Fossile_Energie#Subventionen). Der Link ist nicht sehr aussagekräftig aber ich finde leider nicht den Text, der die letzten 50 Jahre untersucht hat, wo das Verhältnis sogar noch schlechter ist.

  7. ein anderer Stefan

    Ich habe neulich gehört, dass die Offshore-Windanlagen doch sehr viel schwieriger zu realisieren und daher teurer sind als die auf dem Festland. Das nur am Rande.

    Grundsätzlich muss der Energieverbrauch sinken. Aber auch alles andere muss zusammenpassen, und da hapert es. Neulich hat jemand eine „Abwrackprämie“ für alte Kühlschränke gefordert, um den Energieverbrauch zu senken. Klingt erstmal gut. Aber: die neuen Geräte müssen produziert, die alten verschrottet werden. Das bringt auch Umweltlasten mit sich. Es hilft uns nix, nur auf einen Aspekt zu schauen.

    Was die Energieversorgung angeht, haben die Konzerne ja überhaupt kein Interesse an dezentraler Versorgung, da würde ja ihre Quasi-Monopolstellung flöten gehen. Und nebenbei wird fleißig die Mär von der Gefahr von Versorgungsengpässen weiterverbreitet, um Ängste zu schüren.

  8. Oh Tantchen, da machst Du aber ein Fass auf.
    um nicht (wie so oft) den Vierhufer am geschmückten Ende des Verdauungstraktes mit einem Retimöbel zu versehen, sollte man wirklich (wie in einigen Kommentaren geschrieben) beim Verbrauch beginnen, denn eine Produktion ohne Verbrauch macht nur wenig Sinn (mal abgesehen davon, dass eine Speicherung dieser Energieform – selbst mit Hilfe der potentiellen Energie – recht aufwändig ist und bei Weitem zu Lasten des Winkungsgrades (Nutzen/Kosten) ginge).
    Und dass dabei nicht nur der Privatverbraucher in seinen „vier Wänden“ für einen halbwegs sorgsamen Umgang mit der Elektrizität (wie auch mit den übrigen „Energieträgern“) sorgen muss, sondern auch die Industrie, aber auch die „öffentliche Hand“ (Strassenbeleuchtung etc.), Mittelstand und Handel, sollte nicht ausser Acht gelassen werden.
    Aber noch „ein Wort“ zum Thema Grosskraftwerke .. oder besser gesagt zum Nachteil von „Kleinerzeugern“: Sicherlich ist es richtig, dass Strom am Besten vor Ort „erzeugt“ werden sollte, aber man muss dabei auch berücksichtigen, dass kleine „Erzeuger“ einen kleineren Winkungsgrad haben als große. .. is‘ nun mal so.

  9. Der Wirkungsgrad hängt nicht (primär) von der Größe der Anlage ab, sondern von der verwendeten Technik, bzw. dem verwendeten Energieträger.
    Ein Problem der dezentralen Versorgung, nämlich die Reaktion auf Lastspitzen, lässt sich durch weitverteilte Versorgungsstellen sicher lösen, so man denn den Willen hat, es so zu machen und in dieser Richtung zu entwickeln.
    Ansonsten sollte jeder in seinem Haushalt darauf achten, nicht übermäßig viel Strom zu verbrauchen. Allerdings bin ich der Ansicht, dass man funktionierende Elektrogeräte nicht austauschen sollte, nur weil mehr Strom brauchen als neue; hier sollte man genau nachrechnen, wieviel Energie für die Herstellung des neuen (Austausch-)Gerätes verbraucht würde und ob es nicht doch lohnt, das alte Gerät noch laufen zu lassen, bis ein Austausch unvermeidbar ist (wegen Defekt). Zugleich hätte man auch etwas weniger Müll produziert.😀

    • JointSoft: im Prinzip hättest Du Recht
      ABER: wer will denn die bessere Technik bezahlen? Du? Tantchen? wir alle?
      Deine Betrachtung bezüglich der Weiterverwertung von „Energiefressern“ (dabei ist das „Fresser“ erst einmal zu definieren) ist jedoch m.E. vollkommen korrekt.

  10. Rainer Klute

    Ich könnte hier jetzt einiges schreiben, beispielsweise zu dezentraler Stromerzeugung mit kleinen, modularen Kernreaktoren (Small Modular Reactors, SMR), zur Lastfolgefähigkeit moderner Druckwasserreaktoren oder zum gigantischen Flächenbedarf der klassischen erneuerbaren Energien.

    Ich mache das aber nicht, sondern frage einfach zurück: Was ist denn dein Vorschlag zum Umgang mit den 18.000 Tonnen Uran, Plutonium und minoren Aktiniden aus abgebrannten Brennelementen? Wir (Nuklearia) setzen ja auf Transmutation in Schnellen Reaktoren oder meinetwegen auch in beschleunigergetriebenen Anlagen. Transmutation macht aus langlebigem Atommüll kurzlebigen und verkürzt die nötige Lagerdauer auf ein paar Jahrhunderte. Aber wenn du eine noch bessere Idee hast, dann raus damit!

    • Die Technik der schnellen Reaktoren ist NICHT beherrschbar. Die Kühlmittel sind zu korrosiv oder gefährlich. Die Hitze macht einem Containment aus Stahlbeton innerhalb kürzester Zeit den Garaus- der wird einfach porös.
      Stahlleitungen werden im Fall der Flüssigsalzkühlung schlichtweg ausgewaschen und korrodieren weg.

      Die Liste ist endlos – jedes Kühlmittel, was du da reinpumpst, sei es Gaskühlung, Flüssigsalz oder sonstwas, hat die Nachteile, dass es die Materialien vaporisiert.

      Und „Transmutation“ ist das richtige Wort. Du glaubst echt, du hast den Stein der Weisen gefunden, oder?

      Was man mit den vielen Tonnen Atommüll machen soll? Das einzige, was du aktuell damit machen *kannst*, ist, das zur Sonne zu schießen. Der isses Wurst, die wird von dem bisschen nicht explodieren und die Strahlung tut uns dann nicht weh. Oder, wenn man die Hoffnung hat, dass nochmal was damit anzufangen ist, ab auf den Mond oder in die Umlaufbahn.

      Aber eine Lagerung, da hast du recht, für 300.000 Jahre hier, ist nicht möglich. Die Erde ist lebendig, sie bewegt sich. Es gibt, außer in Grundgestein, keine Möglichkeit einer sicheren Lagerung für diesen Zeitraum. Wie man an der Asse sieht hat man ja noch nicht mal Lagerungsöglichkeiten für 50 Jahre. -.-

      Und genau DARUM muss die Atomkraft auf den Müllhaufen der Geschichte. Schnellstens.

      • Rainer Klute

        Darf ich fragen, woher du dein Wissen über Kerntechnik beziehst?

        Speziell zum Begriff der Transmutation: Der hat nichts (mehr) mit Alchemie zu tun, sondern steht schlicht für die Umwandlung eines chemischen Elements in ein (oder mehrere) andere, wie dies durch radioaktiven Zerfall oder durch Kernreaktionen geschieht. Das sollte dir jeder Physiker bestätigen können. Siehe auch die Erläuterung in der englischen Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Nuclear_transmutation. Aber Vorsicht! Die Seite beginnt mit dem Hinweis „This article may be too technical for most readers to understand.“

        Oder siehe den Vortrag „Transmutation of high-level radioactive waste – Basics, Methods, Perspectives“, Dr. A. R. Junghans, Institut für Strahlenphysik, Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf, https://www.jyu.fi/fysiikka/en/research/accelerator/igisol/erindaworkshop/eri26 – Da geht es übrigens auch um Endlagerung.

        • Mach dir über mein Verständnis mal keine Sorgen. Wenn ich Fragen habe, werde ich schon nachfragen. Im übrigen ist mein Englisch nahezu besser als mein Deutsch. Also insofern: Fühl dich ganz frei, mir Unterlagen auch in hochtechnisiertem Englisch zu schicken. Es gibt schlimmere Dinge im Leben.

          Dr. Junghans ist mir übrigens bekannt und selbst der würde dir widersprechen.

          http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/1466068/

          „Rezept ist schon ein guter Ausdruck, weil der Kuchen ist noch zu backen. Das Rezept besteht darin, dass man mit schnellen Neutronen im Prinzip auch die langlebigen Atomkerne, die jetzt das Atommüllproblem darstellen, umwandeln kann, transmutieren kann, in kurzlebige Radioaktivität. Dafür braucht man natürlich besondere technische Anlagen. Die gibt es noch nicht. Da gibt es nur Vorstufen und Entwicklungsprojekte dazu. Aber mit diesen schnellen Neutronen kann man eben alle schweren Atomkerne spalten.“

          Also komm DU mir nicht mit „die Industrie hat Lösungen in der Schublade“ – die Anlagen gibt es noch nicht, die das können, da ist Forschungsbedarf aus exakt den Gründen notwendig, die ich dir genannt habe.

        • Moment mal, du hast mir jetzt nicht als Quellennachweis ein Powerpoint-Bullshit-Bingo verlinkt? Und du erwartest an der Stelle echt noch, das ich dich ernst nehmen soll? Oo

          Die ganze Technik wird *irgendwann* mal, wenn die Grundlagenforschung durch ist und man überhaupt erstmal raus hat, welche Strahlung welche Transmutation triggert, etwas sein, um die Lagerungszeit von 200.000 Jahre auf 10.000 im ersten Schritt zu verkürzen und dann auf 1000 im nächsten.

          Tausend Jahre. Das sind keine 200.000 – aber es ist immer noch verdammt zuviel um es sicher lagern zu können.

          Vor 1000 Jahren hatten wir das Jahr 1013, überleg dir doch bitte mal die Entwicklung in der Weltgeschichte in diesem vergleichsweise kurzen Zeitraum – und da willst du riskieren, dass strahlende Abfälle doof rumliegen? Selbst für 1000 Jahre (die es aktuell nicht sind, denn die Technik ist, wie selbst Prof. Junghans sagt, derzeit noch nicht mal im Entwicklungsstadium. Man ist hier in der Grundlagenforschung, von fertigen Anlagen kannst du nur träumen).

          • Rainer Klute

            Ach komm, bis gerade hast du nicht gewußt, was Transmutation ist, und jetzt bist du plötzlich Experte in Sachen Kernphysik? Na ja!

            Was den Stand der Entwicklung betrifft, hast du recht, wenn es um beschleunigergetriebene, subkritische Anlagen geht. Da sind wir in der Tat noch im Entwicklungsstadium. Junghans – also der mit dem »Powerpoint-Bullshit-Bingo« – gehört ja selbst zu dieser Fraktion.

            Bei gewöhnlichen Schnellen Reaktoren sieht das besser aus. Nimm den – übrigens kernschmelzfesten – EBR-II, der 30 Jahre lang erfolgreich lief, und an dem man all die Verfahren für den Integral Fast Reactor (IFR) entwickelt hat! Oder nimm den BN-600, der seit über 30 Jahren kommerziell aus dem nur im schnellen Neutronenspektrum spaltbaren Uran-238 Strom erzeugt.

            Und was die kommerzielle Verfügbarkeit angeht, schau mal nach dem Advanced Recycling Center von GE Hitachi Nuclear (GEH): http://wiki.piratenpartei.de/AG_Nuklearia/Integral_Fast_Reactor#Advanced_Recycling_Center! GEH hat aktuell ein Angebot an Großbritannien draußen über die kleine Lösung mit zwei PRISM-Reaktoren. GEH vertraut seiner Lösung so sehr, daß der Bau der Anlage den Kunden nichts kosten soll. Gebühren werden dann fällig für jedes Kilogramm verarbeiteten Plutoniums – und für den daraus gewonnenen klimafreundlichen Strom.

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