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MOGiS e.V. hat Yehuda Teichtal angezeigt. Weil er seinen Sohn eben nicht nach den Maßgaben des furchtbaren Gesetzes hat beschneiden lassen, sondern nach dem ultraorthodoxen Brauch, der eine Metzitzah b’peh beinhaltet.

Die Metzitzah ist ein Brauch, der für die beschnittenen Jungen hochgefährlich ist. Das Absaugen des Blutes vom Penis des Mohel mit dem Mund ist mitnichten zur „Desinfektion“ gedacht. Der Schluck Wein, den der Mohel dabei im Mund hat, hilft auch nicht weiter.

Allen voran geht es hier um Herpes-Infektionen. Erwachsene haben mal ein Bläschen oder auch zwei, die Durchseuchungsrate ist weltweit mit 70% ziemlich hoch. Herpes ist eine Infektion, die sich fast jeder irgendwann mal holt.

Doch so harmlos Herpes für das trainierte Immunsystem ist, so gefährlich ist es für Säuglinge. Diese haben gegen die Herpesviren noch keine Abwehrkräfte und wenn sie sich über die offene Wunde am Penis dort infizieren sind schwerste Erkrankungen und immense Spätfolgen zu befürchten – Hirnhautentzündung mit Hirnschäden bis hin zum Tod.

Dass das nicht übertrieben ist, sieht man am Fall von 6 Säuglingen in New York, die nach einer solchen Beschneidung (die der Mohel offenbar mit offenen Herpesbläschen am Mund durchgeführt hat) genau diese Krankheit entwickelt haben – zwei von ihnen starben.

Genau diese Art der Beschneidung, die eben durch das Gesetz NICHT gedeckt ist, weil sie gefährlich ist, keinerlei Hygienestandards entspricht, genau diese Beschneidung hat Yehuda Teichtal jetzt durchführen lassen. Hinzu kommt, dass diese Art der Beschneidung häufig noch als „Vorbereitung“ bzw. „Nachsorge“ beinhaltet, dass die Vorhaut, die ja mit der Eichel verwachsen ist, mit dem extra angeschärften Fingernagel (und nicht dem Skalpell) abgekratzt wird. Das ist der für den Säugling eigentlich qualvollere Teil und wird meist unter Ausschluß der Öffentlichkeit durchgeführt.

Yehuda Teichtal, Rabbi einer Chabad-Lubawitsch-Gemeinde, hat hier die Anzeige völlig zu Recht kassiert und beide, Mohel und Rabbi, kassieren hierfür hoffentlich auch ein entsprechendes Urteil.

Tja, und dann gucken wir doch mal auf die Reaktionen.

Die „Achse des Guten“  vom unsäglichen und unerträglichen Henryk M. Broder hat was dazu. Und auch haolam.de hat heute einen Artikel dazu rausgehauen. Kleiner Tipp an Haolam: Nicht die Beschneidung an sich wurde angezeigt, sondern das Ritual der Metzitzah b’peh, da sie, wie bereits gesagt, von dem „Gesetz“ nicht gedeckt wird.

Disclaimer, weil ich weiß, dass genau diese Keule in atemberaubender Geschwindigkeit geschwungen wird:

Mir ist es völlig Hupe, wer woran glaubt. Wenn ich sehe, wie jemand auf der Straße bedrängt wird, dann schreite ich ein und mir ist an der Stelle völlig egal, welche Nationalität, welcher Glaube oder wer dieser Mensch überhaupt ist. Wer bedrängt wird, bekommt Hilfe, und auch sonst mische ich mich in den persönlichen Glauben eines Menschen eher weniger ein. Ich haue aber sehr gerne auf die institutionalisierten Gemeinschaften ein und verteile da großzügig auf alle. Wer meiner Meinung nach Dummes tut, bekommt es gesagt – wenn ich falsch liegen sollte, dann sagen mir meine Kommentatoren das schon.

Davon unabhängig ist aber nach wie vor: Die Beschneidung von Kindern ist ein furchtbares und absolut überholtes Ritual. Sie beruht auf Vorstellungen aus der Steinzeit, sie wird auch nicht mehr als Identitätsstiftend benötigt. Die Menschen, die daran festhalten, sind zu engstirnig und zu festgefahren in ihren Bräuchen um die Empathie zu entwickeln, die es benötigt, um das Leid zu erkennen, was sie verursachen.

Dabei bin ich der felsenfesten Überzeugung, dass diese Eltern ihre Kinder durchaus lieben. Doch auch liebende Eltern machen Fehler. Und ich hoffe wirklich, dass dieses barbarische Ritual endlich irgendwann in der Geschichte begraben wird und ein Ende haben wird.

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Veröffentlicht am 7. April 2013, in Nachdenkliches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 12 Kommentare.

  1. Ich vermute, die Beschneidung unter anderem auf diese Weise wurde genau deshalb vorgenommen, um genau diese Anzeige zu provozieren und um einen Präzedenzfall zu schaffen. Und ich fürchte, man wird damit Erfolg haben, weil niemand mehr die Eier haben wird, hier eine Verurteilung wg. Körperverletzung zu wagen. Man wird sich winden und damit rausreden, dass das ja vermutlich eher irgendwie doch ein Einzelfall ist und hoffentlich einer bleiben wird, und dass es doch soweit von dem was man kürzlich erlaubt hat gar nicht entfernt ist und so weiter. Und wenn das nicht pflichtschuldigst sofort passiert, wird man solange die Antisemitismuskeule schwingen, bis eine „für beide Seiten tragbare“ Lösung, sprich die Duldung dieses Verfahrens, gefunden wurde.

    • Ich fürchte, du hast damit nicht Unrecht. Das waren auch exakt meine Befürchtungen und die Artikel von Broder und Haolam werte ich in dem Zusammenhang ehre als Sperrfeuer. 😦

      • mit dem fingernagel abkratzen der reste? Aua…
        Als Nachsorge einen schluck wein und dann das gute stück des kleinen in den mund nehmen – aua…

        Wenn ich nur an das brennen denke, daß eine kleine und sehr oberflächliche abschürfung an der eichel verursacht (und ich bin, veglichen mit den armen jungs, ein alter sack) – wieviel mehr muß das dem kleinen weh tun!? und dann noch alk drauf – mir wird schlecht, gute nacht…

        PS: glaube hin oder her – das ist und bleibt letzten endes doch private sache – ergo sollten eltern sich bitte zurück halten mit endgültigen aktionen – wobei ich mir im rückblick nicht mal sicher bin, wie „human“ auch nicht-körperliche eingriffe wie erziehung sind…

        • Erziehung ist notwendig. Die Kinder müssen lernen, was gesellschaftlich akzeptabel ist und was nicht. Kinder, die alles durften kennt man auch als Erwachsene. Das sind die Nervbacken, die nix anständiges lernen. Die werden Banker oder BWL-Studenten. 😉

          Aber ein irreversibler Eingriff am Körper des Kindes gehört da sicher nicht zu.

          • ich bezog mich hierbei eher auf die kirchliche prägung meiner kindheit. meine eltern waren Charismatiker, geprägt aus den 70ern und 80ern. und charismatiker konnten damals seltsame gedankengänge an den tag legen – zumindest aus heutiger sicht… deswegen bin ich mir nicht so sicher, wie gravierend auch solch ein „eingriff“ ist…

  2. Lochkartenstanzer

    Ich würde das eher als sexuelle Handlung am Säugling anzeigen. Ein „Blowjob“ hat da nichts verloren.

  3. Oh Mann, tausendfach ja…

  4. ein anderer Stefan

    „Herrlich“ finde ich den Kommentar von Michael Lang, wonach Bahls „besser wüsste als die Betroffen, was gut für sie ist“. Der Betroffene ist in diesem Fall ein Säugling, für den das Ritual sicher nicht „gut“ ist. Betroffen ist hier keineswegs der Rabbiner oder der Mohel, was Lang hier wohl impliziert.
    Zudem könnte man argumentieren, dass in einem Rechtsstaat ein möglicher Gesetzesverstoß (hier: eine schwere Körperverletzung, immerhin eine Straftat an einem Säugling) sogar angezeigt werden muss, wenn man davon erfährt.

    Schön finde ich auch, dass Broder gleich ad hominem geht: weil sich Bahls offenbar auch gegen Internetsperren ausgesprochen hat (was mal so gar nix miteinander zu tun hat) und ihn daher für moralisch nicht interger genug hält, sich gegen Beschneidung zu wenden. Wenn die Argumente ausbleiben, wird halt die Person angegriffen.

    • Schön, dass das jemand bemerkt hat 🙂

      Vor allem die Implikation, die Broder losgelassen hat: Internetsperren waren ja wegen „Kinderpornos“ und die scheint Christian ja toll zu finden, sonst hätte er sich ja nicht gegen sie ausgesprochen.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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