Wunderheiler


Wunderheilung wird von mir ja übersetzt mit: Man wundert sich, wenns heilt. Gleiches gilt für Wunderheiler. Wenn DIE mal Erfolge vorzuweisen haben, dann meist, weil sie unglaubliches Glück hatten – oder besser gesagt, ihre Patienten.

Sehr geil kann sowas werden, wenns um die Neue Germanische Medizin geht. Da gibts einen, der quasi jede Woche Leukämie hat und dann mittels einer NGM-Psychotherapie wieder geheilt wird. Das sind dann die Spaßfaktoren, wenn man auf eine gewisse Art schrägen Humors steht.

Schlimmer sind aber selbsternannte Aufklärer wie zum Beispiel mein Freund Payoli, der hier durchaus Hausverbot hat (brauchst nicht versuchen zu posten, sollte ein Kommentar durchgehen kannst du sicher sein, dass der innerhalb kürzester Zeit gelöscht wird. Du bekommst hier sicherlich keine Gelegenheit mehr, deinen Müll zu verbreiten).

Morbus Crohn zum Beispiel soll nach Payoli mit einer einfachen Ernährungsumstellung „heilbar“ sein. Was bullshit ist. Es kann eine Zeit der Beschwerdefreiheit kommen und ja, eine Umstellung der Ernärung und Verzicht auf bestimmte Lebensmittel ist naheliegend, aber *heilen* kann man Morbus Crohn damit nicht. Das ist vornehmlich eine Autoimmunerkrankung und die kann man beim besten Willen nicht durch eine Ernärungsumstellung und positives Denken heilen. Das gleiche gilt für Colitis ulcerosa.
Nur weil eine Erkrankung im Darm stattfindet, muss das noch lange nicht heißen, dass sie auch dort entsteht, oder dass Ernährungsprobleme die Ursache sein können. Sie sind möglicherweise Teil des Symptoms, aber auf keinen Fall die ultimative Lösung.Schlimmer: Durch die Predigt, man muss sich nur richtig ernähren, dann heilt das von alleine aus, kann man durchaus die Leute von Arztbesuchen abhalten. Was auch Payolis Ziel ist, schließlich sind die Ärzte die Sklaven der geldgierigen Pharmamafia. Solchen Leuten kann man das Wasser nur abgraben, indem man sie als das entlarvt, was sie sind:Täuscher, Trickser, Menschen, die Versprechungen machen, die sie nicht halten können. Die zum Teil („Dr.“ Hamer z.b.) noch nicht mal ihre eigene Medizin schlucken, weil sie genau wissen, wie gefährlich die ist.Glaubt keinem, der euch weismachen will, dass er die ultimative Wahrheit erfunden hat.Krebs ist NICHT durch Psychotherapie oder Ernährungsumstellung heilbar. Autoimmunerkrankungen ebenso nicht. Mit „Hausverstand“ kann man die Zusammenhänge im Körper, das komplizierte Zusammenspiel von Ursache und Wirkung nicht auseinanderhalten.Und vor allem: KEINER ist selbst schuld am Krebs, weil er sich falsch ernährt hat.Die Aussage ist übrigens an widerwärtiger Perfidie nicht zu überbieten.

Veröffentlicht am 5. April 2013, in alltägliche Katastrophen, ärgerlich, Doof. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 11 Kommentare.

  1. turtle of doom

    „Solchen Leuten kann man das Wasser nur abgraben, indem man sie als das entlarvt, was sie sind:Täuscher, Trickser, Menschen, die Versprechungen machen, die sie nicht halten können.“

    Das ist leider auch nicht möglich. Solche „Heiler“ erwarten genau diese Reaktion – und stellen dich als eine medizingläubige PR-Agentin dar, die natüüürlich auf dem kompletten Irrweg sind.

    Du dienst den „Heilern“ nur als Kuriositätenkabinett. Du hast selber deine körperliche Leidensgeschichte, und du lehnst es ab, Herrn Payoli zuzuhören. Da Korrelation = Kausalität *hust*…

  2. Vorsicht – ich sehe Medizin und Gesundheit als sehr zweischneidiges und grenzwertiges Thema – vor allem individuell. Solange ich zu meinem Arzt gehe und er bei Grippe, geschweige einem schlichtem Schnupfen die Schultern zuckt, weil er nichts machen kann außer Hausmittelchen, Ruhe und warm halten, solange kann ich der ‚klassischen‘ Medizin nur mechanische Erfolge attestieren – die aber zugegebenermaßen immer besser werden.
    Vorteil der Homöopathie ist die ganzheitliche Betrachtung – und nicht nur das erkrankte Teil.
    Wenn ich denke, daß meine Oma wegen Magenschleinhautentzündung fast operiert worden wäre – heute nimmt man Antibiotika gegen die verursachenden Viren. Meine Frau wurde noch wegen Gebärmutterhalskrebs operiert – inzwischen gibt es eine Impfung gegen HP-Viren.
    Trotzdem habe ich per Homöopathie erlebt, wie ein Husten von einer Sekunde zur nächsten abklang – und einiges mehr.
    Was ich sagen will: was hilft, gewinnt – und das mag sehr individuell sein.
    Homöopathie ist ja auch etwas, was von den Nazis vorangetrieben wurde um eine Alternative zur vom Gegner beherrschten Medizin zu bieten….

    • Au das tut weh Antibiotika gegen Viren! *tilt* Antibiotika wirken gerade nicht (oder fast nicht) gegen Viren. Die Wirken gegen Bakterien. Für Viren brauchst du sehr dedizierte Mittel oder ein Impfung.

      Das ist ja schon im Namen Bio heißt „leben“ im Altgriechischen. Viren allerdings sind bloße DNA teile in einer Proteinhülle und erfüllen als solches nicht die allgemeine definition von „leben“. Da kannst du nicht „töten“.

      Um Viren zu bekämpfen musst du z.b. Stoffe verwenden die sich an die Proteinhülle anhängen die dem Immunsystem zeigen das der Virus überhaupt da ist (so ähnlich wirken auch Impfungen) oder welche die die Andockmöglichkeiten des Viruses blockieren. Letztere Variante macht Tamiflue als „Neuraminidase-Hemmer“.

    • Schlichter Schnupfen: Man fühlt sich beschissen, aber man kann halt nur die Symptome bekämpfen. Kopfweh, Halsweh, dafür gibts Sachen, den Rest kuriert man aus. Es ist etwas vermessen, von der Medizin zu erwarten, dass man eine Pille nimmt und nach 24 Stunden ist der Infekt ausgestanden. Das *sollte* auch nicht so sein, denn genau diese Erkrankungen trainieren auch das Immunsystem. Und ohne training sehen wir alle ziemlich alt aus.

      Ich seh das jedesmal bei meinen Kumpels aus den USA. Wenn die mal nach Deutschland kommen, sind die erstmal ein paar Tage todkrank. Weil die nämlich da drüben einen derartigen Desinfektionsfimmel haben (das Wasser aus der Leitung riecht nach Schwimmbad, soviel Chlor ist da drin), dass die hier, mit den ganzen Erregern konfrontiert, erstmal auf der Nase liegen.

      Homöopathie – jede, aber auch JEDE Studie, die halbwegs wissenschaftlichen Anforderungen genügt hat und die man nicht innerhalb von 20 Sekunden auseinandergenommen hat (selbst als Nichtmathematiker) hat festgestellt: Außer dem Placeboeffekt hat sich da nichts getan.

      Das heißt: Globuli gegen ernsthafte Erkrankungen oder Tropfen „hochpotenzierter“ homöopathischer Mittelchen helfen genauso wie ein Schluck Milch gegen Gastritis. Wobei Milch noch eher hilft, denn die Milch setzt die Säureproduktion im Magen runter, was eine Linderung der Schmerzen bedeutet.

      Du hast ja das beste Beispiel für den Placeboeffekt schon genannt: Du hast einen Husten, der nervt, stört, ist quälend. Du bekommst ein Mittel von dem man dir sagt, es hilft. Du schluckst es, entspannst dich, weißt, es wird dir gleich geholfen – und das sorgt auch dafür, dass deine Bronchien sich entspannen und nicht mehr so verkrampfen und gereizt reagieren. Blockade aufgehoben. YAY. Kein Husten mehr.

      Placeboeffekt.
      Das ist ein sehr wirksamer Effekt, den man nicht unterschätzen sollte, aber bei absolut ernsthaften Erkrankungen kannst du den in die Tonne treten.

      Heliobacter pyloris ist übrigens in der Tat ein Bakterium und wird daher mit Antibiotika gut erreicht. Man muss aber vorher eine Magenspiegelung machen um festzustellen, ob wirklich Heliobacter der Auslöser der Magenschleimhautentzündung bzw. des Magengeschwürs ist. Es gibt auch viele andere Gründe (Stress z.b.), die die Magensäure dauerhaft überschießen lassen. Und HIER hat Payoli ausnahmsweise recht: Wenns KEIN Heliobacter ist, dann kann eine Ernährungsumstellung (zum Beispiel auf leicht verdauliche Kost, was übrigens kein rohes Gemüse ist, das ist, je nachdem, verdammt schwer verdaulich) wirklich hilfreich sein. Aber *heilen* kann man das mit Ernährungsumstellung nicht.

  3. Die Wirksamkeit der homöopathischen Mittel ist im besten Falle eine Plazebowirkung, da sich in den meisten „Arzneimittel“-Fläschen (homöopathischer Mittel) nur Wasser oder Alkohol befindet (je nach Verschüttelmedium).
    Mag sein, dass die Zuwendung zum Patienten da viel mithilft, die „Medikamente“ jedenfalls tun es nicht.

    Dann ein kleiner Fehler in deiner Betrachtung: „… heute nimmt man Antibiotika gegen die verursachenden Viren“ ist mit Sicherheit ein Versehen, denn gegen Viren helfen Antibiotika nicht; Antibiotika helfen gegen Bakterien (sofern dies nicht dagegen immun sind).

    Was die CED anbelangt: eine Ernährungsumstellung kann im besten Falle, wie auch bei einer Gastritis, die im Übrigen nicht nur durch Bakterien verursacht werden kann, die Symptome lindern.

    Und da bis heute noch nicht klar ist, wie eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf körpereigene Zellen entsteht, ist auch noch nicht klar, wie man sie heilen kann.

    Ich bin allerdings auch der sogenannten klassischen Medizin gegenüber skeptisch eingestellt, insbesondere was die medikamentöse Therapie anbetrifft.

    In diesem Sinne: Gute Besserung!
    😀

  4. Natürlich hat Homöopathie eine Wirkung, aber keine die sich nicht in irgendeiner Form durch den Placeboeffekt erklären ließe. Selbst ein Hustenreiz kann sofort abklingen, wenn der Patient davon überzeugt ist, dass ein Präparat, welches er/sie genommen hat, ihm helfen wird. Zur Magenschleimhautentzündung, ich vermute mal, dass du du eine Infektion mit zum Beispiel Heliobacter meintest, da Antibiotika nicht gegen Viren helfen.

  5. „Da gibts einen, der quasi jede Woche Leukämie hat und dann mittels einer NGM-Psychotherapie wieder geheilt wird.“
    Tantchen, wusstest Du noch nicht, dass Leukämie, wie auch viele andere Krankheiten, lediglich Einbildung sind ..😉
    Du solltest allerdings nicht jeden (m/w), der einer wie auch immer gearteten „Naturheilkunde“ anhängt, gleich in Bausch und Bogen verdammen, denn eines hat auch die konventionelle Medizin noch nicht gefunden: warum schlagen bei einigen (zugegeben wenigen) Menschen Zuwendung und Mitgefühl besser an als die teuersten Medikamente?
    Nein, das gehört nicht in die Placebo-Diskussion, ist aber der Grund für den Erfolg alternativer Therapeuten.

    • Doch, genau da gehört das rein.

      Wir sind inzwischen eine Gesellschaft, in der sehr viele Menschen sehr einsam sind. (Allein ist übrigens nicht das gleiche wie einsam). Die Menschen sind aber nun mal so geartet, dass sie eher Rudeltiere sind. Sie brauchen Ansprache, eine Plattform, Freunde. Und ab und an auch mal einen Knuddler, sonst werden sie einsam.

      Und Einsamkeit macht krank. Das hat die konventionelle Medizin sehr wohl erkannt. Die Grenze ist nur sehr schmal, wo das eine beginnt oder eine ernsthafte Krankheit dahintersteckt.
      Und der Hausarzt wird sich im Zweifel eher für den Körper entscheiden als den Geist. Den Hausarzt vom alten Schlag, der seine Pappenheimer genau kennt und sich dann auch mal eine Stunde Zeit nimmt und mit dem Patienten quatscht – die Spezies stirbt leider aus.

      Du kannst das ganze immer wieder mal im Bestatterweblog nachlesen. Genau das schimmert immer wieder mal durch und wird thematisiert.

      Aber: Der ganze Bereich Psychosomatischer Erkrankungen gehört in den Bereich „Dir fehlt Ansprache und Beknuddelung“.

      • Psychosomatisch ist nicht immer „Dir fehlt Beknuddelung“ (ich nehm da auch gern mal ne Dosis von) sondern hängt auch oft mit tiefer gehenden psychologischen Erkrankungen zusammen die der Hausarzt nicht sieht. Angststörungen schlagen iirc. stärker auf den Magen.

        Das Problem ist auch das es zwar noch halbwegs genügend Hausärzte gibt – ich musste nur 3 abklappern bis einer mich als „Stammgast“ aufnahm – dafür dedizierte Psychologen und Therapeuten dünn gesäht sind zumindest hier im Osten. In meiner Stadt kommen auf 60k Einwohner + 20k Dörfler in der Umgebung genau ein Psychologe/Psychiater. Das nächste wäre Großschweidnitz (rund 30km) aber da muss man sich einweisen (lassen).

        • ein anderer Stefan

          Heph: Görlitz?
          Selbst hier in DD ist es problematisch, Fachärzte zu finden. Klar, es gibt welche – Terminwartezeiten von bis zu einem Jahr sind nichts ungewöhnliches. Ansonsten bleibt die Uniklinik. Wie es hier mit Psychologen/Psychatern aussieht, möchte ich glaube ich nicht ausprobieren…
          Zum Thema: Es gibt Naturheilmittel, die wirksam sind und auch Eingang in die Schulmedizin finden. (Aspirin ist ja lang bewährt…)
          Aber Homöopathie, die Heilwirkung der Steine oder so was? Bleib mir fort. Bei leichten Erkrankungen mag der Placebo-Effekt noch helfen, aber bei schwerwiegenden Erkrankungen bleibt nichts als die Schulmedizin. Und wenn es so brutale Krankheiten wie Krebs sind, hat die Therapie auch oft brutale Folgen. Wenn z.B. Krebs mit ein paar Kräutern heilbar wäre, wäre das wohl längst bekannt, Krebs ist ja keine moderne Krankheit. (In alten Kirchenbüchern wird dann als Todesursache oft Auszehrung verzeichnet.)

          • Jap😉

            Ich zieh ja in meinem Garten auch Kräuter die ich als Hausmittel verwende allerdings hab ich mich informiert was drin ist und was die Schulmedizin dazu sagt😉

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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