Pjöngjang


Was geht eigentlich gerade in Korea ab?

Pjöngjang droht den USA mit einem Atomangriff? Die Maus den Tiger mit einer dicken Keule?

Kim Jong-Un jetzt komplett durchgeknallt?

Wohl eher nicht.

Man darf zwar die Situation nicht unterschätzen, aber auch nicht überspitzen, wie das gerade in den Medien ganz gut getan wird.

Kim Jong-Un ist ein neuer Herrscher, noch unerprobt. Und mit wenig Hausmacht. Der muss seine eigene Machtbasis festigen, sonst kommt irgendeiner der alten Weggefährten seines Vaters und drückt ihn einfach weg.

Er hat zwar den einen oder anderen entmachtet, aber bislang noch nicht wirkliche Meriten verdient. Und er ist auch vom Alter zu jung, als das gerade die Greise der Armee ihn ernst nehmen könnten.

Also macht er jetzt mediale Muskelspiele. Er droht den USA mit Krieg, erklärt Südkorea den Kriegszustand und zeigt so: Mir ist es ernst, ich kann das.

Warum man das nicht unterschätzen sollte?

Ganz einfach: Solche Muskelspielchen haben immer das Potenzial, dass der Spieler die Kontrolle verliert. Nicht nur, dass die USA voll dagegenhalten und im Grunde genommen sagen: „Komm doch!“, auch Südkorea zeigt sich von der Nordkoreanischen Rhetorik jetzt nun wirklich eher weniger beeindruckt. Die wissen, sie sind stärker und zeigen mehr oder weniger den Stinkefinger.

Die nordkoreanischen Atomraketen können das nordamerikanische Festland nicht erreichen, wohl aber Ziele wie Hawaii oder Guam.

Das heißt, sollte Kim Jong-Un feststellen, dass alles nichts hilft, ist der durchaus in der Lage, den Knopf zu drücken und mal die große Lichtershow zu starten. Und eine Atombombe will, glaub ich, keiner hochgehen sehen.

Warum die Amerikaner gegenhalten, wenn sie doch die Koreaner locker ignorieren können?

Weil die Amerikaner selbst dringend einen Krieg außenpolitischen Gegner brauchen, der auch ein Gegner sein kann, um die Innenpolitik zu beruhigen. Nordkorea als designierter Schurkenstaat kommt da echt genau richtig.

Und so wächst wieder mal zusammen, was zusammen gehört – und am Ende stehen die Bevölkerung mehrerer Staaten wieder mal als Verlierer da.

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Veröffentlicht am 3. April 2013, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. Ich las heute einen Artikel, dessen Autor vermutet, dass Kim Jong-Un darauf setzt, dass weder die Amerikaner, noch die Südkoreaner den ersten Schlag tun werden, so dass er sich als „Sieger“ des verbalen Kräftemessens darstellen und behaupten kann, er hätte erfolgreich einen Angriff „abgewehrt“ – selbst wenn es niemals zu einem gekommen wäre. (http://www.themonkeycage.org/2013/04/02/are-north-korean-moves-irrational/)

  2. ein anderer Stefan

    Ich denke, dass das sehr vielschichtig ist.
    Zum einen muss Kim Jong-Un in der Tat seine Macht im eigenen Lande festigen. Da sind Konflikte mit anderen Ländern ein probates Mittel, um als großer Führer dazustehen und bei der Gelegenheit die alten Seilschaften zu entmachten bzw. das fortzusetzen.
    Zweitens tritt er damit auch China vors Schienbein – das könnte der Versuch sein, sich von dem erdrückenden chinesischen „Bruder“ zu lösen.
    Andererseits wird er nicht so dumm sein, sich auf einen richtigen Krieg einzulassen, der sehr schnell eskalieren könnte – nicht nur die Amerikaner stehen da Gewehr bei Fuß, auch Japan wird es sich nicht bieten lassen, wenn es provoziert wird. Wenn das passieren sollte, ist auch China unweigerlich involviert, da China seinerseits sich eine japanische Intervention auf dem Festland nicht gefallen lassen wird. So oder so: von Nordkorea bliebe nicht viel übrig, wenn es zu einem Krieg käme.
    Ich denke, Nordkoreas ZIel ist es, als eigenständige und gefährliche Macht akzeptiert zu werden – und wenn die Amerikaner mit Militärintervention drohen, ist das Ziel erreicht. Vielleicht gehen sie dann wieder einen Schritt zurück und versuchen so, eine Position der Stärke zu schaffen, aus der heraus sie bei Verhandlungen besser dastehen.

    Ich halte Kim nicht für so dumm oder irre, dass er wirklich glaubt, einen Krieg gewinnen zu können.

  3. Lochkartenstanzer

    Villeicht hofft er ja auch das hier wiederholen zu können: https://www.youtube.com/watch?v=p7L7WLFBYR4

  4. Moin,
    hier dröselt das einer m.E. sehr schon auseinander:
    http://mobil.abendblatt.de/politik/ausland/article115003372/Atomkriegs-Drohung-ist-verkappte-Rueckzugserklaerung.html?cid=Startseite
    Tenor: der will doch nur, dass er endlich mal ernst genommen wird, und einer von den Großen mit ihm spricht.

  5. ich bin ein wenig erschreckt darüber, wie mit dem Thema umgegangenw wird:
    leider misst man bei der Beurteilung des Verhaltens von Um immer mit deutschen Maßstäben und vergisst dabei (oder weiss man’s nicht?) die Mentalität – insbesondere im Konfliktfall – der asiatischen Kultur (ja,, ich weiss, auch da gibt es Unterschiede, aber z.B. das mit dem „Gesicht verlieren“ gilt mehr oder weniger intensiv für alle Nationalitäten ..)

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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