Morgenstund hat Gold im Mund


Es ist Ostern.

Muss man doch die Heiden bekehren, oder?

Montagmorgen, die Tante liegt im Tiefschlaf.

*DINGDONG*

die grausame Welt in Form der Klingel fragt freundlich an, ob sie stören darf.

NEIN. Darf sie nich.

*DINGDINGDINGDINGDING*

WTF? So klingelt doch nur meine Schwester, wenn sie rein will… mal gucken,w as die um DIE Zeit will?

*lostapps*

*verschlafenguck*

*Tür aufmach* ich kneife die Augen geblendet zusammen. Vor mir steht ein strahlendes ETWAS mit Dutt und schmettert mit fröhlicher Stimme: „GUTEN MORGEN! Ich möchte ihnen das Wort des Herrn nahebringen.“

Ich (nicht ganz wach): „Ey, noch so ein Ding und du kannst dich mit dem Herrn direkt unterhalten. Gu’nacht.“ *RÖMMS* Tür zu.

Die Tante tappst zurück ins Bett, fällt auf selbiges und kuschelt sich selig lächelnd in die warmen knuddeligen Decken. Langsam versinke ich ins Reich der Träume, ich sitze auf meiner eigenen Insel am Sandstrand, lasse mir die Sonne auf den Pelz brennen, die schnuckelige Bedienung bringt mir an meinen Liegestuhl einen leckeren Cocktail (irgendwas mit viel Obst und noch mehr Alkohol), ich nehme das Glas und führe den Strohhalm erwartungsvoll zum Mund als:

*DINGDON*

die Klingel. Das gibts doch nicht. 7:40 Uhr und es klingelt schon wieder? Ach lass gucken, vielleicht ist es der demnächst tote Postbote.

Verdrömmelt tapse ich zur Tür, drücke den Türöffner. Vor mir steht ein etwas abgerissenes Kerlchen, hält mir einen Johanniter-Ausweis unter den Rüssel, selbst mit ohne Brille und schlafverklebten Augen kann ich sehen, dass er das Ding eher schlecht als recht selbst ausgedruckt und laminiert hat. „Ich komme vom Johanniter-Unfalldie…“

Ich gucke ihn an, so sauer, wie es mir derzeit möglich ist und nuschele. „Junge, wenn du nicht augenblicklich Land gewinnst, BRAUCHST du den Johanniter-Unfalldienst.“ *RÖMMS* Tür zu.

Ich nutze die Gelegenheit, taper ins Bad, überlege, ob ich einen kurzen Spiegelcheck machen soll, entscheide mich aber dagegen. Soviel Mut um die Zeit bringe ich nicht auf.

Nachdem ich wieder ins Bett gefallen bin und die nette Bedienung auf meiner Insel gefragt habe, wo ich stehengeblieben bin, bringt sie mir doch tatsächlich einen ratschfrischen Cocktail. Ich will gerade danach greifen als… genau.

*DINGDONG*

Ich höre noch, wie die Bedienung laut lachend meint: „Ich warte dann hier auf dich.“ und mich reißts wieder aus den Träumen raus. Gar nicht mehr so verschlafen, aber jetzt doch stocksauer stampfe ich zur Tür, reiße sie auf und es schalmeien mir die fröhlichen Worte „Der Herr liebt auch dich“ entgegen. Vor meiner Nase taucht ein rotgefärbtes Stück Papier auf, wo ich vage das Wort „Wachtturm“ erkennen kann.

Dampf steigt aus meinen Ohren und kommt aus meiner Nase. Meine Gesichtsfarbe ist inzwischen mehr Purpur als das normale kalkweiß und auch ansonsten mache ich offenbar nicht den fröhlichsten Eindruck. Die lustigen Leute vor der Tür wollen mir offenbar helfen, denn das nächste was ich höre ist: „Gott ist der Trost für alle Menschen, auch für dich. Wir würden gerne mit dir über Gott sprechen.“

Ich weiß nicht, wie das Brotmesser in meine Hand gekommen ist, aber die beiden Typen vor der Tür murmeln noch etwas davon, dass das Gespräch mit Gott noch etwas Zeit hätte und sind schneller weg, als ich blinzeln kann.

*RÖMMS* Tür zu.

Was nu? Pennen is nich. Meiner Insel kann ich fürs erste Auf Wiedersehen sagen. Die Reisebuchung ist abgelaufen, zu wütend bin ich.

Naja, hab ich meine Wut an ein paar Orksen in Moria ausgelassen und bin ein wenig spazierengegangen. Auf dem Weg in die Stadt sind mir ein paar Typen entgegengekommen, die mir irgendwie bekannt vorkamen. Sie haben recht schnell die Straßenseite gewechselt, als sie mich gesehen haben.

Weiß einer von euch, wieso?

 

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Veröffentlicht am 1. April 2013, in alltägliche Katastrophen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 17 Kommentare.

  1. “GUTEN MORGEN! Ich möchte ihnen das Wort des Herrn nahebringen.”

    Antwort meinerseits: „Wir sind der Herr und haben ihn nicht eingeladen!“
    Dumme Fresse fotofieren und Tür zuknallen. Im wahrsten Sinne göttlich…

    😀

  2. Ich bin gerade so froh, in einer norddeutschen Stadt zu leben, in einem jener Viertel, wo dumme Menschen nur genau einmal dumm sind. Danach sind sie in aller Regel direkt erschossen. Zumindest wenn man der gelegentlich auftretenden nächtlichen Geräuschkulisse so trauen kann…

    Sowas wagt hier keiner. Ausserdem ist die Chance zu groß, an einen gläubigen Moslem zu geraten, da lohnt der Aufwand nicht.

  3. aussichteinsicht

    „Ach lass gucken, vielleicht ist es der demnächst tote Postbote.“
    Würde heute ein Briefträger klingeln, würde mich das sehr wundern… 😀

    Aber spätestens bei Nummer 3 wäre es Notwehr… 🙂

  4. Merkwürdige Gegend, in der *außer* den Zeugen zufrüher Stunden noch andere Menschen über Gott reden wollen.

    Und nein, zu *der* Tageszeit würde sich das auch die Wachtürmer hier nicht trauen, schon gar nicht bei mir.

  5. Denen schreckt es vor nix. Vor etlichen Jahren hier im Sprengel:

    (Tür auf, verschlafenes Gesicht lurkt raus) „Mpfrmpf?“
    „Guten Tag-hag! Wir wollen ihnen die frohe Botschaft mitteilen!“
    „Grnk?“ (völlig ungläubiger Blick) „Ähm, ihnen ist aber schon klar das dies ne Dienstwohnung ist? So Schild neben Klingel gelesen und so?“
    „Wir kommen zu jedem!“ (sowas klingt dann irgendwie nach Drohung …)
    „Mag sein, aber auch zur direkten Konkurrenz?“
    (Tür krawummste und die Zeugen sahen sich das Schild neben der Tür mal genauer an. Hups … beim örtlichen Pfaffer versucht zu missionieren ^^)

    • man könnte noch jemanden für die wachturmgesellschaft deutschland angeln… (das wirtschaftsunternehmen hinter den zeugen…) und so früh – das würde hier im ort kein zeuge ohne eine zu kassieren nicht überleben…

  6. Die meisten moderneren Türsprechanlagen haben einen schönen Knopf, mit dem du die Türklingel ausschalten kannst. Gerade am Wochenende hat sich dieses Vorgehen bewährt, da ich aufgrund von Schlafproblemen das Wochenende gerne dazu nutze, den in der Woche fehlenden Schlaf nachzuholen. Da hab ich dann ziemlich wenig Lust auf unnütze Gespräche oder eine Komplettreinigung des Hausflurs, weil Blut aus einer Schlagader fies hoch spritzen kann 😉 Ausserdem gehen mir langsam die Ausreden für die Polizei aus, bei der letzten wurde der Polizist schon etwas misstrauisch: „Ich war gerade beim Kartoffelschälen, als es klingelte, und mit dem Messer in der Hand öffnete ich die Tür. Der Mann mit dem komischen Heft in der Hand, augenscheinlich ein Zeitungsvertreter, ist dann in Selbstmordabsicht in das Schälmesser gerannt…30 Mal.“ *g*

  7. Die Wachtürmer kommen bei uns „leider“ nicht mehr … „schuld“ ist meine Freundin.
    Eigentlich ist meine Freundin zu menschen an der Tür sehr nett, spricht auch ausgiebig mit Versicherungsvertretern, Eismännern und waswaseich (kauft aber nichts ^^) und traut sich auch idr nicht die Leute einfach so wegzuschicken.
    Auch in diesem Fall hat meine Freundin denen aufgemacht, wir sind erst einige Monate vorher in unser jetziges zuhause gezogen.
    Meine Freundin hatte allerdings vorher noch nie Kontakt zu den Zeugen, und wusste da auch bislang noch nicht viel drüber, ausser dass „was man halt so hört“ – wenige Tage vorher haben wir allerdings zusammen den Film „Das leben des Brian“ zusammen geschaut.
    Es kam wie es kommen musste.
    Meine Freundin zeigte sich nicht völlig ablehnend auf den wunsch „über die Bibel“ zu sprechen und die beiden (eine ältere und eine jüngere … immer zu zweit sie sind, ein meister … ich schweife ab) begannen ihr einen Text aus der Bibel vorzulesen … in dem das Wort „Jehova“ sehr häufig vorkam!
    Meine Freundin musste dabei, natürlich, spontan immer wieder an die Szene aus dem Film denken.
    „Sie hat Jehova gesagt“ – „steinigt sie“ – „steinigt ihn“ – ihre Lieblingszene.
    Sie konnte nicht anders, sie musste ein wenig lächeln … danach ein wenig Prusten, zumal die Damen ganz ruhig den Text weiter vorgelesen haben
    Nach der 5. Erwähnung im vorgelesenen Text, hat sie angefangen aus tiefster inbrunst zu lachen … sie hat die Bilder nicht aus dem Kopf bekommen und einen regelrechten Lachflash bekommen … das war nicht böse gemeint, aber die Damen haben das wohl eher auf sich bezogen und waren seit dem nie wieder gesehen xD

    • DAS ist echt niedlich, ich glaub, ich mag deine Freundin *g*

    • Lochkartenstanzer

      Das bringt mich auf die Idee, wie man den Zeugen Jehovas noch begegnen könnte. Sie bitten einfach zu warten, bis man seinen Bart und die Steine holt damit man sie auch ordentlich Steinigen kann. 🙂

      Leider kommen die bei mir nicht mehr vorbei, seit ich sie fast mal zum Islam bekehrt habe. 🙂

  8. liebes Tantchen, es heisst nicht DAS aondern DER Brotmesser (oder kennst Du dieses Bewertungsinstrument des Qualitätsproduktes des Bäckerhandwerks nicht?) 😀
    Liebe Grüße
    Hajo

  9. >> Weiß einer von euch, wieso?

    Denen war die Frau mit dem Schaum vor dem Mund, der Mordlust in den Augen und einem Brotmesser in der Hand nicht ganz geheuer.

  10. Man darf mit den Zeugen alles machen, sie nur nicht in die Wohnung lassen. Als ich noch bei meinen Eltern gewohnt habe, haben auch die Zeugen geklingelt und wollten über Gott sprechen, ich, als interessierter Jugendlicher (17-18), war dem Gespräch nicht abgeneigt bin auf den Flur getreten und die Tür angelehnt. Danach haben die beiden 45 Minuten lang veruscht, mich zu überzeugen. Danach wusste ich, ich bin Agnostiker und die Zeugen sind _nie_ wieder aufgetaucht.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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