Hartmut Mehdorn


Eins muss man Herrn Mehdorn lassen: Er *ist* ein erfahrener Manager.

Aber ist er auch ein guter? Ein erfolgreicher?

Hartmut Mehdorns Name ist fast untrennbar mit der Bahn verknüpft, die er privatisiert hat. In seine Zeit fiel der Datenskandal der Bahn, als die Gesellschaft Privatdetektive engagierte, die auch noch bis in die letzte Schlafzimmerecke die Leute ausgeschnüffelt haben. Zwecks „Aufdeckung von Korruption“.

Nach wie vor im Raum steht, dass Herr Mehdorn das angeordnet haben soll, zumindest aber davon gewußt. Das sind die „hervorragenden Managementfähigkeiten“ des Herrn Mehdorn?

Die Privatisierung der Bahn ist auch alles andere als erfolgreich verlaufen. Verspätungen, marode Infrastruktur aufgrund von Shareholder Value, im Sommer überhitzte Züge, weil die Klimaanlagen ausfallen, im Winter eisige Züge, weil die Heizung nicht funktioniert. Kinder werden aus den Zügen geworfen, wenn sie keine korrekte Karte vorzeigen können. Unabhängig davon, dass sie dann am Bahnsteig komplett alleine stehen in einem fremden Ort. Dass noch nicht mehr passiert ist als dass das Kind weinend am Bahnsteig steht ist ein reines Wunder.

Das rigorose Kaputtsparen von Infrastruktur und Personal zugunsten von Shareholder Value also – das ist das „Höchstmaß an technischer und wirtschaftlicher Kompetenz“ dass sie für das an die Wand gefahrene Projekt BER finden konnten?

Air Berlin. Eine Airline kurz vor der Pleite. Hartmut Mehdorn hat übernommen und mit Sparen begonnen. Strecken ausgedünnt, Ticketpreise heraufgesetzt, dafür den Komfort heruntergefahren. Personal eingespart, natürlich. Inwieweit die Infrastruktur betroffen war, kann ich nicht sagen

Air Berlin ist davon nicht gesünder geworden. Die Airline steht nach wie vor mit einem Fuß in der Insolvenz, wenn ich das richtig sehe.

Und jetzt der Flughafen Berlin-Brandenburg. Den soll er auf Kurs bringen, im fortgeschrittenen Alter von 70 Jahren. Er soll managen, was nicht zu managen ist. Er soll retten, was nicht mehr zu retten ist.

Anstatt das Aus für den Flughafen zu verkünden, klammert sich Ramsauer an den Namen Mehdorn wie ein Ertrinkender an das rettende Floß.

Ich sage voraus: Das wird nicht funktionieren. Zu verfahren die Kiste, zuviele Eitelkeiten im Spiel. Wenn alle Beteiligten darauf verzichten könnten, zu versuchen, sich das Etikett „ich habs gerettet“ aufs Revers zu heften, dann könnte vielleicht ein kleiner Flughafen draus werden.

Der Großflughafen, der geplant war, wird es sowieso nicht. Bereits jetzt ist klar, dass er die zu erwartenden Menschenmassen nicht wird befördern können. Von kleineren Details wie „wie, wir brauchen ein Flughafenkrankenhaus? Das doch quatsch, das kostet Geld“ mal ganz abgesehen.

 

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Veröffentlicht am 9. März 2013, in alltägliche Katastrophen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 9 Kommentare.

  1. Spannend ist das aber allemal, da sich der Mehdorn ja quasi wegen des nicht fertig werdenden BER selbst verklagt hat. Mal schauen, wie er sich aus der Affäre zieht..

    • turtle of doom

      Mehdorn wird in dieser Sache in den Ausstand treten, heisst es. Er wird mit der Air-Berlin-Klage nichts zu tun haben.

      Aber trotzdem ist ein Konflikt da.

  2. Die haben halt http://www.youtube.com/watch?v=xDBVWwHsx04 gesucht, aber stattdessen den Mehdorn bekommen. Und wenn Mehdorn das macht, was er am „besten“ kann, ist Berlin in Zukunft nicht nur arm, sondern insolvent, aber sexy.

  3. turtle of doom

    BER braucht niemand mit einem grossartigen Namen (Ex-Bahnchef, Ex-Air-Berlin-Chef), sondern Unabhängigkeit von den zwei eigentlichen Chefs, Wowereit und Platzeck.

    Dann würde es genügen, den bisherigen Chef zu behalten, der dafür von einem erfolgreichen Flughafenbetreiber beraten wird…

  4. Es ist wie immer, wenn Politiker die Finger im Spiel haben: es wird teurer, es wird nicht rechtzeitig fertig, es wird mehrfach umgeplant, es wird ein Kompromiss aus Abriss und Bauruine, der Nutzen/Mehrwert steht dahin; Schuld haben, natürlich, die Architekten/Baufirmen/Subunternehmer.
    Warum, zum Henker, können Politiker nicht auf diese „Vorzeigeprojekte“ verzichten und warum kann man sie für so etwas nicht in Regress nehmen?

  5. ..wir reden hier von einem Projekt OHNE BAULEITUNG, die Firmen sollten sich abstimmen.

    Mal ehrlich, so würde ich keine Garage anfangen..

    • comicfreak, welch seltsame Gedanken verbreitest Du da?
      BAULEITUNG ???
      das hat doch – in erster Konsequenz – etwas mit PLANEN (nein, nicht die Teile, mit denen man das Ganze bedecken kann) zu tun,
      was wiederum die Abkehr von der ach so geliebten Praxis TRY AND ERROR (beide Komponenten sind mit einem UND verbunden, denn die Praxis zeigt, dass das Eine die sichere Folge des Anderen ist) wäre
      .. willst Du etwa die Damen und Herren, die sich in den Aufsichtsräten und Vorständen (oder gar in den Parlamenten) mühsam die Ä****e platt drücken, unglücklich machen?
      tztztztz

  6. Dem Ärgernis, dass ein total vermurkstes Projekt „doch noch auferstehen“ soll, wird jetzt dem zugehörigen Batzen Euronen noch ein „ordentliches“ Managergehalt mit entsprechender Abfindungsregelung (unterstell‘ ich einfach mal)- hinterher geworfen werden.
    Aber wir haben’s ja!
    .. und schliesslich geht es doch um unsere Bundeshauptstadt!!!
    …. das schlimmste Provinznest, das wir in unserer ach so gelobten Republik haben.
    Da waren wir mit dem idyllischen Städtchen am Rhein doch weitaus besser dran 😦

    Vor Jahren hatte ich mal den Vorschlag gemacht, einen „Berliner Fenstersturz“ zu veranstalten. „Denen“ kann schliesslich nichts passieren, denn sie fallen ja weich
    .. bei dem Mist, den sie bisher angesammelt haben ..

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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