AIDS wurde geheilt


Große Schlagzeile. Es sei erstmalig gelungen, ein Kind von HIV zu heilen. AIDS ist ja die ausgebrochene Form.

Tja *seufz* und wie immer, wenn eine Nachricht zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist sie es auch nicht.

Disclaimer vorweg: Der ERSTE der hier was von „HIV gibts nicht und ist ein großer Betrug der Pharma-Industrie“ schwallt fliegt unwiderruflich auf den Spamfilter. Das meine ich ernst und gilt für *jeden*. Ich hab da wenig Geduld mit diesem Mist.

HIV ist ein Virus. Antibiotika helfen bei Viren nicht, darum ist ja auch die obligatorische Gabe von Antibiotika bei Grippe auch so bescheuert.

So weit, so einsichtig. Also müssen Virenhemmende Mittel her. Und ich weise vorab drauf hin, dass ich nur medizinischer Laie bin.  Wenn ich was grob falsch schreibe, bitte gerne korrigieren.

Es gibt Medikamente, die die Viruslast bis an oder sogar unterhalb der Nachweisgrenze führen können. HIV ist dann nicht geheilt, aber die Leute haben eine verlängerte Überlebenschance und man zögert den Ausbruch der Krankheit, die letztlich zum Tode führt, hinaus, teilweise für Jahrzehnte. Übrigens tötet nicht das Virus, sondern die Immunschwäche sorgt dafür, dass einen dann ein einfacher Schnupfen aus den Latschen haut, weil der zu einer nicht mehr beherrschbaren Lungenentzündung führt. Daher kommt imho auch der Unfug von „HIV AIDS gibts nicht, die Leute sterben an ganz anderen Krankheiten“.

Man muss dafür Medikamente nehmen und zwar nicht wenig, das ist ein ziemlicher Cocktail. Und er hat zum Teil heftige Nebenwirkungen. Aber die Leute leben.

Es gibt bislang keine Medikamente, die das Virus komplett aus dem Körper entfernen. HIV ist ein Retrovirus. Die funktionieren anders, das Immunsystem hat keine Möglichkeit, die zu erkennen. Ich würde die als „Stealth-Viren“ bezeichnen. Und HIV kann inaktive Nester bilden. Die sind nicht nachweisbar, die Viruslast ist dann unterhalb der Nachweisgrenze. ABER das heißt nicht, dass man geheilt ist.

Was ist jetzt bei dem Kind passiert?

Hier hat die Behandlung direkt 30 Stunden nach der Geburt eingesetzt und wurde über mehrere Monate fortgeführt. Die Mutter hat dann, warum auch immer, die Behandlung eingestellt. Und trotzdem ist das Kind unterhalb der Nachweisgrenze.

Und hier muss ich Vermutungen anstellen.

Zwei Möglichkeiten eröffnen sich hier meiner Meinung nach: Entweder, die Behandlunghat so früh eingesetzt, dass das Virus noch nicht „Fuß fassen“ konnte, also noch keine schlafenden Nester gebildet hat und dann kam das alles schnell genug, um das Virus tatsächlich zu entfernen: Gute Sache, man hätte einen Weg gefunden, Kindern das zu ersparen und *möglicheweise* kann man das dann auf Erwachsene übertragen, das heißt, man setzt mit der Behandlung direkt bis maximal 24 Stunden nach der Infektion ein. Lustig ist nur: Zu dem Zeitpunkt weiß das noch keiner, ob er infiziert ist. Das wird oft erst Monate später entdeckt. Und dann wäre es zu spät, würde eine Frühtherapie das wirklich verhindern.

Oder aber das Kind ist unterhalb der Nachweisgrenze und die Viruslast kann jederzeit wieder in die Höhe schießen.

Das wird im Artikel auch so gesagt.

So oder so: Von einer Heilung, wie im Titel suggeriert wird und was auch schön lustig kolportiert wurde, kann nach dem, was dort steht, keine Rede sein.

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Veröffentlicht am 5. März 2013, in Der tägliche Wahnsinn. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 13 Kommentare.

  1. aussichteinsicht

    Ich kann hier auch nur wiedergeben, was heute im Radio dazu gebracht wurde:
    Danach war gar nicht sicher, ob sich das Kind im Mutterleib überhaupt infiziert hatte. Das heißt, toll, wenn man wirklich die HIV-Viren eliminieren konnte, es könnte aber auch sein, dass das Kind Glück hatte und sich nicht schon im Mutterleib infiziert hat.

  2. Freßzellchen

    Das HIV Virus infiziert die T-Helferzellen, also die Zellen die für die Erkennung der Viren und Produktion für passende Antikörper zuständig sind.
    Deswegen zerstört HIV ja auch das Immunsystem, denn ohne die T-Helferzellen keine Antikörper und die Freßzellen verhungern weil sie die Viren und Bakterien nicht in „zusammengeklebten“ Paketen bekommen …
    Außerdem ist nicht klar welcher Test auf HIV genommen worden ist, alles also reine Spekulation.
    Preisfrage wie immer: Cui bono ?

  3. Ich hab den Artikel dazu bei SPON gelesen und auch mir hat sich die Frage gestellt: Wussten die überhaupt, ob es sich infiziert hat? Jedenfalls scheint dieser Satz auf das Gegenteil hinzudeuten:
    „Das kleine Mädchen, das in einem ländlichen Krankenhaus zur Welt gekommen war, wurde daraufhin in die Klinik der University of Mississippi in Jackson verlegt und im Alter von nur 30 Stunden mit drei Standard-HIV-Medikamenten behandelt – noch bevor Labortests die Infektion bestätigt hatten.“
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/forscher-heilen-baby-von-hiv-infektion-a-886656.html

    Das KANN heißen, dass sie sie DANACH nachgewiesen haben, aber es kann auch heißen, dass sie bis heute nur mutmaßen, dass sich das Kleine infiziert hat, es aber nicht wissen. Und ein gesundes Kind zu behandeln ist dann leider schon weitaus weniger bahnbrechend, im Gegenteil…

    „und *möglicheweise* kann man das dann auf Erwachsene übertragen, das heißt, man setzt mit der Behandlung direkt bis maximal 24 Stunden nach der Infektion ein.“

    Ich dachte, das wird heute schon so gemacht?

    • Nein, wird es nicht.

      Du weißt im Regelfall ja nicht, ob derjenige, mit dem du im Bett liegst, HIV positiv ist. Bei One-Night-Stands ist das halt dann jedesmal ein Vabanque-Spiel, wenn das ungeschützt stattfindet. Russisch Roulette sozusagen. Die Frage ist nicht ob man sich ansteckt, sondern wann.

      Und wenn du dich dann testen läßt sind normalerweise mehr als 24 Stunden vergangen. Zumal diese Tests auch eine gewisse Anzahl an Antikörpern brauchen, um anzuschlagen. Die hast du nach 24 Stunden nicht.

      Die meisten lassen sich Monate später testen. Manche auch gar nicht. Die wollen nicht wissen, ob sie HIV positiv sind.

      • Nein, beim normalen Geschlechtsverkehr weißt du das natürlich nicht, man rechnet ja auch nicht unbedingt damit.

        Aber mal angenommen, man schläft mit jemanden und findet aus welchem Grund auch immer ziemlich direkt danach raus, dass dieser Mensch HIV-positiv ist, oder man wird vergewaltigt, oder man kommt aus welchen Grund auch immer mit kontaminierten Blut in Kontakt, weil ein Junkie dich sticht mit seiner Nadel, oder du einem verletzten Kind hilfst, von dem du kurz darauf erfährst, dass es HIV-positiv ist, oder oder oder. Es gibt zahllose Möglichkeiten, wie man sich anstecken und das praktisch sofort wissen kann (gerade auch im ärztlichen Umfeld) – und dafür gibt es bereits nicht 100%ige, aber durchaus hohe Heilungschancen:
        http://de.wikipedia.org/wiki/Postexpositionsprophylaxe#HIV

        Wobei „Heilungschance“ eigentlich falsch ist. Die Prophylaxe verhindert im Grunde, dass man sich überhaupt ansteckt. Und so wie ich das sehe, kann es gut sein, dass bei dem Baby auch nicht mehr passiert ist.

        Wodurch sich die Frage stellt, warum der Fall so spektakulär sein soll. Für mich scheint die Methode, die bei dem Baby angewandt worden ist, nicht viel anders zu sein, aber ich bin ja auch keine Ärztin.

        • Me2 – aber ich finds verwerflich, dass hier mit den Hoffnungen von schwerkranken Menschen gespielt wird 😦

      • Lochkartenstanzer

        > Die wollen nicht wissen, ob sie HIV positiv sind.

        Weil sie es dann abstreiten können, jemanden wissentlich in Gefahr gebracht zu haben. Und sie könnten dann vermutlich auch nicht mehr reinen Gewissens wild durch die Gegend poppen.

    • nach dem was ich im Radio gehört habe war genau das mit „war das Kind je infiziert“ natürlich *die* Frage (die Behandlung ist ja nicht ohne, wäre also evtl. an der Grenze zur Körperverletzung).
      Allerdings wurden laut dem Radiobericht (DLF?) im Blut Reste an HIV-Erbgut gefunden, zumindest Kontakt war also da *und* hat sich bis heute gehalten. Allerdings in so geringem Umfang, dass auch eine halbjährige Behandlungs-„Abstinenz“ keine Vermehrung der Viren verursacht hat. Ob sich da was abgekapselt hat und irgendwann trotzdem wieder hochkommt ist natürlich bisher ungeklärt, aber wenigstens ist die „Heilung“ soweit, dass das Kind halbwegs normal leben kann. Auch schon was.
      Für Erwachsene bringt das Ganze leider anscheinend recht wenig, aber jährlich werden angeblich rund 300.000 Kinder bei der Geburt infiziert, für die wäre das was. Wobei davon die meisten in Afrika sind, und Afrika und HIV bzw. auch nur Zugang zu teuren Medikamenten ist ja ein anderes Problemfeld.

  4. Die Krankheit ist AIDS – der Erreger ist HIV.

    Berichtige das bitte, denn du schreibst an einer Stelle so, dass es aussieht, als sei HIV die Krankheit 😉

    „… Es gibt Medikamente, die die Viruslast bis an oder sogar unterhalb der Nachweisgrenze führen können. HIV ist dann nicht geheilt, aber die Leute haben eine verlängerte Überlebenschance…“

    Und als ich die „Schlagzeile“ sah, dass ein Kind von AIDS geheilt worden sei, hatte ich schon Zweifel, welche sich bestätigten, als ich den Artikel las.

    Amis halt – werfen ne Wasserbombe und meinen, damit sei das UBoot versenkt 😀

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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