Blogger, was nun?


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Die Opalkatze mit einer bildschönen Liste von Zeitungen, die das LSR unterstützen und die man daher meiden sollte.

Das Leistungs“schutz“recht ist da.

Gegen jede Vernunft, jeden Rat, jeden Verstand: Es ist da.

Sag noch einer, dass unsere Politiker korrupt sind – die nehmen ja noch nicht mal Vernunft an. Sorry, aber der musste jetzt sein.

Das Anhörungsverfahren hatte viel gemein mit dem Anhörungsverfahren zum Beschneidungsgesetz: Man „hörte“ nur die Menschen an, die sagten, was man selbst hören wollte. Alternative Meinungen, gar Gegenmeinungen waren nicht gern gesehen – und eine einigermaßen ehrlich besetzte Anhörung fand erst sehr kurz vor der Verabschiedung des Gesetzes statt. Da hatte die eigentliche „Meinungsbildung“ bereits stattgefunden.

Und jetzt müssen wir alle mit einem Leistungsschutzrecht leben, dass für die Verleger mit absoluter Sicherheit zum Rohrkrepierer wird. Analoge Geschäftsmodelle funktionieren auch nicht mit gesetzgeberischer Hilfe im digitalen Zeitalter.

Sascha Lobo hat recht gut dargelegt, warum Springer und Burda so auf das Leistungsschutzrecht pochten. Die anderen Verlage haben das schlicht nicht begriffen – und sie werden verschwinden, einverleibt von den beiden „Großen“ oder einfach Pleite gehen in dem „sich selbst regelnden“ Markt. Und die Medien haben sich an der Stelle auch nicht grad mit Ruhm bekleckert.

Der Google-Teil wurde noch eben schnell entschärft und jetzt stellt sich nur noch die Frage: Was genau soll das LSR denn noch bezwecken?

Ganz einfach: Blogger abmahnen. Das Gesetz ist eine versteckte Verlagssubvention. Google zahlt nicht, also hat man das dann rausgenommen, was bleibt, sind die Blogger.

Mal sehen, wann der erste Blogger eine teure Abmahnung im Kasten hat.

Ich wette auf Springer-Presse.

Wer hält dagegen?

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CARTA mit einem Storify über die Bundestagsabstimmung.

Günter Krings. *seufz*

Er hat mit jedem einzelnen Satz bewiesen, dass er genau keine Ahnung hat, wovon er eigentlich redet.

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Veröffentlicht am 1. März 2013, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 16 Kommentare.

  1. Ich nicht. Ich glaub auch nicht das du da gute Quoten bekommen wirst. Sorry.

    • Hallo Opalkatze,

      sosehr die „Alternative“, Blogtexte ohne Links zu verfassen den Blogger (oder Kommentator) vor den teuren Folgen des, ich nenne es mal „Geschäftsmodellschutzgesetzes“ schützen mag, sie läuft dem Sinn und Zweck des World Wide Web – Informationen verknüpft darzustellen – zuwider. Und zwar vollständig.

      Bei gedruckten Zeitungen habe ich das auch nicht, aber wenigstens das presserechtlich vorgeschriebene Impressum, das belegt, wer den Mist auf Papier verbockt hat. Was mir eine gewisse Einschätzbarkeit bezüglich Wahrheitsgehalt und Meinungsinhalt der Artikel erlaubt.
      Bei Blogs, oder schlimmer noch pseudonymisierten Blogs wie diesem hier, habe ich das nicht. Die einzige Chance, Artikel, die nicht pure Meinungsäusserungen oder Kommentare sind, auch nur annähernd auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen zu können, besteht in der Verlinkung von Informationsquellen und seien sie noch so fragwürdig.

      Solche Verlinkungen jetzt mit Hinweis auf das LSR wegzulassen, macht Blogs als Informationsquelle in meinen Augen schlichtweg wertlos.

      Und jetzt, wo ich darüber nachdenke, macht die Sache sogar Sinn, nicht nur im Sinne der Verlagshäuser, die ihr überholtes Geschäftsmodell staatlich subventionieren lassen, sondern auch im Sinne einer unhaltbaren Regierung, die auf diese Weise unabhängige Informationsquellen loswerden kann – Lass ein missliebiges Blog durch ein Verlagshaus abmahnen, es wird verschwinden. Oder nicht mehr verlinken und kann dann über die Argumentationsschiene „Quellenmangel“ als unglaubwürdig diskreditiert werden. Win-win.

      Und wenn wir mal ehrlich sind: Wer mag Axel Springer und Burda schon besonders? Da hat man die beiden richtigen als Sündenböcke für das Gesetz gefunden.

      In diesem Sinne bleibt nur zu hoffen, dass brisante Informationen in Zukunft nicht mehr nur an Zeitungsverlage, sondern auch an Blogs geleakt werden, damit diese dann veröffentlicht und weiterhin verlinkt werden können.

  2. nicht nur, dass ich nicht verlinken werde, ich werde keine dieser Zeitungen mehr in der Printfassung kaufen. Sie sind mir selbst zum Feueranmachen oder zum Po-Putzen zu schlecht

  3. turtle of doom

    Die Hoffnung liegt in Karlsruhe.

  4. Tantchen, wirst du jetzt nochmal alle alten Artikel editieren die dem LSR kamen und das LSR ggf. nicht zu verletzen?

    • Nä. Das Gesetz wurde ja nicht rückwirkend wirksam. Artikel aus früheren Zeiten bleiben also mit Link.

      Aber die Opalkatze hat das völlig recht. Man braucht gerade für Meinungsartikel keine Links. Zumindest nicht Newsseiten.

      Von daher: Schauma ma. 😉

      • Ob das so stimmt? Ich bin kein Jurist, möchte aber folgendes zu bedenken geben:

        Es ist ja nicht der Vorgang des Verlinkens und Veröffentlichens bzw. Zugänglichmachens eines fremden (leistungsrechtsgeschützten) Textes, der die Rechte des Verlags verletzt, sondern der Zustand der so hergestellten Zugänglichkeit. Das heißt, das exklusive Recht des Verlages, den Text zugänglich zu machen, wird solange verletzt, wie der funktionierende Link (z.B. auf einem Blog) besteht oder das Zitat online ist. Im Zweifelsfall ist es einem klagefreudigen Verlag egal, wann Link oder Zitat online gestellt wurden. Es reicht denen, dass sie zum Zeitpunkt des Inkrafttreten des Leistungsschutzgesetzes online waren.

        Das dürfte ähnlich sein wie dieser Fall, wo sich jemand ein Hakenkreuz auf die Stirn tätowiert hatte. Das war nicht damit erledigt, dass der wegen der Benutzung nationalsozialistischer Symbole zu egalwas verurteilt wurde. Jedesmal, wenn er sein Gesicht auf der Straße zeigt, ist das ja ein neuer Verstoß, für den er sich nicht jedesmal das Hakenkreuz neu stechen lässt. Will heißen, das Hakenkreuz auf der Stirn zu haben ist hier das relevante Vergehen, weniger das Hakenkreuzstechenlassen.

        Es sieht mir (wie gesagt Laie, und ich hoffe ich liege mit meiner Einschätzung falsch) nach unruhigen Zeiten aus, auchfür Blogger, die ab sofort keine unter das Leistungsschutzrecht fallenden Texte mehr verlinken oder zitieren. Wir werden sehen.

        • Ähm, nicht der Link ist das Problem, sondern ein mit dem gesetzten Link ohne eingeholte Erlaubnis gebrachtes Zitat oder Textausschnitt, den muss man ja nicht unbedingt bringen.
          Aber wie wär’s wenn die Blogger in Zukunft einfach mal SEHR fleißig bei den Verlagen darum bitten würden von Artikeln, die sie verlinken möchten ein paar Worte zititeren zu dürfen. Also ich meine jetzt wirklich SEHR fleißig 😉
          Also SO fleißig, dass das richtig viel Arbeit wird, das alles zu beantworten …

  5. turtle of doom

    Ich hab darüber nachgedacht, für all diese Links, die wir in Blogs setzen, eine Art DNS aufbauen. Insbesondere für jene Links, die LSR-pflichtige Textausschnitte in der URL haben.

    Der Blogleser hat keine Ahnung, wohin der Link geht, und der Verlag hat keine Ahnung, welcher Blogger gerade seinen Artikel referenziert hat bzw. von welcher Seite her der Blogleser auf seinen Artikel stösst. So können die Verlage klagen wie sie wollen – sie erreichen nichts.

    Es sollte aber schon ausgefeilter sein als tinyurl.com, also nicht dass eine Suchspinne vom Verlag hier entlangkrappelt, alle tinyurl.com-Links zusammenklaubt und testet, wohin sie führen.

  6. @Marquel
    Thomas schreibt durchaus so, dass man den bezogenen Artikel finden kann. Alle anderen Argumente sind in den letzten drei Jahren n-mal wiederholt worden und hier nachzulesen: http://leistungsschutzrecht.info/, http://leistungsschutzrecht.info/argumente

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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