Fingerspitzengefühl Ehrensache


Nur weil ich ein Problem mit militanten Feministinnen hab, heißt das noch lange nicht, dass ich die Probleme nicht sehe.

Die #Aufschrei-Debatte ist ja wunderbar im Sande verlaufen. Die FDP konnte ein paar markige Sprüche ihrer „Alpha-Männchen“ raushauen, die noch um einiges unterirdischer waren als die Sprüche von Brüderle, die Journalistin, die das ganze angefangen hat, ist wunderbar ausgegrenzt und alle könnten doch zufrieden sein, oder?

Tja, liebe Herren, ganz so ist das nicht.

In den USA kocht diese Debatte auch schon länger knapp unterhalb der Sichtlinie. Ab und an brodelt mal ein außerordentlich widerliches Exemplar an die Oberfläche, aber ansonsten sind die alltäglichen Sexismen durchaus nichts, was irgendwer groß an die Glocke hängen würde. Der Stress alleine bleibt jedoch.

„Said to Lady Journos“ – eine tumblr-Sammlung von verbalen Übergriffen gegenüber Journalistinnen. Wie immer muss man gewichten, nicht alle Beleidigungen dort sind auch welche, manche sind wirklich witzig, wie derjenige, der angeboten hat, sollte die Journalistin je einen Granatsplitter in den Hintern erhalten, würde er ihn GERNE entfernen (ich hab sofort an das Wortspiel „pain in the ass“ gedacht und hätte ihm das gepflegt in den Rachen zurückgestopft), aber in der Gesamtschau geben sie ein erschütterndes Bild ab.

Und es gibt – natürlich – auch Hinweise, wie Frau sich zu verhalten hat, wenn sie Ziel solcher Übergriffe wird. Aber warum eigentlich?

Warum müssen sich Frauen dem schlechten Benehmen und der Respektlosigkeit anderer anpassen und nicht umgekehrt?

Ich hab mir mal ein paar Gedanken dazu gemacht und möchte diesmal den in Frage kommenden Herren eigentlich nur zwei Regeln ins Stammbuch schreiben, die einfach zu befolgen sind. Schafft sogar ein Dreijähriger.

1. Respekt:

Es gibt einen alten Grundsatz, den mir meine Großmutter beigebracht hat: Behandle jeden so, wie du selbst behandelt werden willst. Dies angenommen muss man bei einigen Männern wirklich einen beunruhigenden Hang zur Selbstverletzung unterstellen.

Mann, wenn du willst, dass man dich respektierst, dann respektiere die Frau, die vor dir steht. Es ist dabei völlig egal, in welcher Rolle sie vor dir steht, denn vor dir steht ein Mensch und wenn du ihn despektierlich behandelst zeigst du damit eigentlich nur deine eigenen Unzulänglichkeiten und offenbarst deine eigenen Fehler. Nicht ihre.

2. Im Zweifel: Nein.

Wenn du dir in einer Sache nicht sicher bist, ob du sie sagen sollst: Tu es nicht.

Als Vorgesetzter mit Untergebenen zu flirten und ihnen Avancen zu machen, bringt sie in beschissene Situationen. Gehen sie drauf ein, sind sie im Zweifel ins Knie geschossen. Gehen sie nicht drauf ein, bist DU in Verlegenheit gebracht, weil du deine Grenzen überschritten hast und sie sind ebenfalls ins besagte Knie geschossen.

Also: Im Zweifel: NICHT tun. NICHT sagen. Füße stillhalten.

Das heißt nicht, dass man sich nicht freundschaftlich unterhalten kann. Aber der Grat ist schmal wo aus dieser freundschaftlichen Unterhaltung ein Übergriff wird und es ist die tägliche Aufgabe eines jeden von uns, diese individuellen Grenzen zu erkennen und zu respektieren.

Es schaffen Millionen von Menschen jeden Tag. Also warum nicht auch du? Der du dich jetzt gerade vielleicht angesprochen fühlst?

Es ist eigentlich ganz einfach:

Respektiere und du wirst respektiert werden.

Und wo das nicht funktioniert kann es sein, dass du nicht das Problem bist.

Und was gar nicht geht: Frauen, die einem nicht in den Kram passen oder die eine abweichende Meinung vertreten, mit Vergewaltigung bedrohen.

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Veröffentlicht am 28. Februar 2013, in Nachdenkliches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. ein anderer Stefan

    Respekt vor anderen scheint kaum noch gefragt zu sein, aber dazu muss man sich auch selber respektieren, sonst kann es nichts werden. Ein gutes Beispiel sind die ganzen unsäglichen Fernsehshows, in denen die Teilnehmer alles machen und sich alles gefallen lassen – sie haben jeden Respekt vor sich selber verloren und werden auch von anderen nicht mehr respektiert. Egal, ob das das Dschungelcamp, Superstar oder Topmodel ist – die Kandidaten lassen sich bereitwillig mit der Karotte vor der Nase vorführen und lassen dabei noch die Widerwärtigkeiten eines Dieter Bohlen oder einer Heidi Klum über sich ergehen. Ich finde insbesondere diesen Topmodel-Mist im höchsten Maße sexistisch – da werden Frauen nur noch aufs Äußere reduziert – „Persönlichkeit ist wichtig für ein Model“ – nee, is klar. Und je weniger über Bohlen gesagt wird, desto besser. Die Medien machen es vor, und es wird bereitwillig konsumiert.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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