Pferdefleisch


Oh Yay, man hat *schudder* PFEEEEEEEEERD im Fertigfutter gefunden. Man stelle sich das vor: PFERDEFLEISCH. Igitt, wie…äh, normal?

Ja, ich habs gelesen. Da waren Medikamentenrückstände drin. Tolle Wurst, mal überlegt, was in dem „gesunden“ Geflügel alles so drin ist? Unsere Resistenzen für Antibiotika kommen nicht von ungefähr. Der Gaul wurde als „Rind“ deklariert und ja, das ist Betrug. Bestraft die Firmen, deckt das Netzwerk auf und gut ist – aber macht doch nicht so einen Skandal draus.

Dieses ganze hysterische „oh, da ist auch ein Fitzelchen Pferdefleisch im DÖNER“ – ja, meine Damen und Herren, im Döner wurde, von der Springerpresse, natürlich, Spuren von Pferdefleisch im Döner gefunden. Was für ein Skandal, die Türken packen die tollen Pferdchen in den Döner. Was für eine Gemeinheit.

Beruhigt euch mal alle wieder. Erinnert euch mal dran, dass man mit Gemüse auch satt werden kann (es muss nicht *jeden* Tag Fleisch auf den Tisch) und vor allem erinnert euch an eins:

Essen gibt es nicht zum Nulltarif. Wer, wie ich auch, darauf angewiesen ist, billig zu kaufen, darf sich nicht wundern, wenn er auch nur billig bekommt. Wenn die Qualität eben nicht gut ist. Weil sie es bei dem Preis nicht sein kann.

Ich kann mir kein „gutes“ Essen im Sinne von qualitativ hochwertigem Fleisch leisten. Das Geld habe ich schlicht nicht. Also weiß ich genau, dass ich eben auch riskiere, minderwertiges Essen zu bekommen. Aber das ist eher kein Problem der Hersteller, sondern ein gesellschaftliches, dass viele Menschen soweit an den Rand drängt, dass sie sich gutes Essen nicht mehr leisten können.

Aber hier jetzt Nebelkerzen zu streuen und durchs Dorf zu laufen, mit hoch erhobenen Händen und zu brüllen „PFERDEFLEISCH! IM ESSEN“. als die Welt in Flammen stünde – dem kann ich nur sagen: Lange keinen rheinischen Sauerbraten mehr gefuttert, was?

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Veröffentlicht am 18. Februar 2013, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 35 Kommentare.

  1. Was man heutzutage als Sauerbraten kriegt, ist ja leider auch fast immer Rind. DAS ist ein Skandal, Rind als Sauerbraten 😉

    In Recklinghausen gibt’s übrigens einen Pferdemetzger mit moderaten Preisen …

  2. Und auch vermeintlich hochwertiges Fleisch ist nicht unbedingt besser:
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/02/18/forscher-finden-katzen-parasiten-in-bio-schweinefleisch/

    Das Leben geht trotzdem weiter, auch wenn noch so sehr auf diesem „Skandal“ rumgeritten wird. Ich stimm dir da zu, Ross und Reiter sollen genannt und verknackt werden, und gut ist, in ein paar Tagen wird eh ein neues Tier durchs Dorf getrieben.

    In diesem Sinne:
    Essen ist pferdtig 😉

    • Jo, die Parasiten. Das ist ja auch so eine Geschichte. Man sollte sich vielleicht klarmachen, dass Parasiten zum Leben dazugehören – und manchmal auch zum Sterben.

      Die Welt ist nun mal so gemacht, dass es Parasiten gibt, die uns töten können. Fuchsbandwurm, Trichinen… und es ist ja auch richtig, dass auf diese Parasiten hin untersucht wird und im Zweifel darf das Fleisch nicht verkauft werden.

      Es hat ja einen Grund, warum Schweinefleisch bei den Muslimen verboten ist, das macht sich heute nur kaum einer klar. Das Fleisch war buchstäblich „unrein“. Viele Schweine waren damals Trichinenverseucht, Schweinefleisch ist nur schwer haltbar zu machen und verdirbt sehr rasch. Der Schweinefleischverzehr zu Mohammeds Zeiten war…nicht wirklich gesund und eine Fleischkontrolle gabs nicht wirklich.

      Aber was ist denn mit den vergangenen Skandalen? Wurmeier im Fisch? Redet da noch einer von? Ist das besser geworden?

      Wenn diese Skandale wenigstens EINMAL nachhaltige Folgen hätten: OK, dann randaliert von mir aus. Aber so? Nä.

    • ah, noch eins: In dem Artikel wird auch noch vor dem Toxoplasmose-Parasiten gewarnt. Och kommt Leute, mehr habts nicht gefunden?

      Toxoplasmose ist hauptsächlich gefährlich, wenn man schwanger ist, aber darum gibts z.b. auch bei Schwangeren eine Toxoplasmoseimpfung. Ansonsten ist die Körpereigene Abwehr sehr gut darauf vorbereitet, sich dagegen zu wehren. 60% der Bevölkerung haben Toxoplasmose-Antikörper.

      Vor allem Katzenhalter haben die.

      Und auch, wenn Toxoplasmose eine Zoonose ist: Die Übertragung erfolgt vor allem durch *rohes* Schweine- und Schaffleisch, wenn das infiziert ist.

      Der Krankheitsverlauf beim Menschen ist im Regelfall eher mild.

      So.
      Wie hoch schätzt man jetzt die chance ein, dass
      1. man infiziertes rohes Fleisch isst?
      2. man dann noch zu den 40% der Bevölkerung gehört, die KEINE Antikörper haben und
      3. man dann zu den 10% gehört, die überhaupt merken, dass sie eine Toxoplasmose haben?

      Und der Abschnitt über Toxoplasmose und Persönlichkeitsveränderungen erscheint mir der Beschreibung nach doch arg an den Haaren herbeigezerrt. „Wir haben was gesucht und evtl. was gefunden was möglicherweise von Belang ist, wenn…“ Oo

      http://de.wikipedia.org/wiki/Toxoplasmose

      Das stinkt nach Fleischindustrie.

  3. Lochkartenstanzer

    Wie sagte jemand so schön:

    Es ist tatsächlich Fleisch in der Fertiglasagne?

  4. Und was meinte heute mein Chef?

    Schön gehört – jetzt ist schon Pferd beim Bäcker entdeckt worden! Nein?
    Musst dir vorstellen – die verkaufen dort ganz öffentlich Stuten!

    kopf->Tisch… 😀

  5. Naja da im essen wird nicht nur Pferdefleisch sein. Im Moment ist es so das Polen alles importiert was in Deutschland nicht mehr auf die Schlachtbank darf. (geht soweit das Tierparks, Gnadenhöfe sprich jene z.b. für Zirkustiere Probleme haben Notschlachtungen als Raubtierfutter zu bekommen).
    Das liegt daran das in Polen ein paar andere Regeln gelten was Fleisch angeht und auch daran das einige Ketten allen voran MC-Donalds und Burgerking grad in den Osten expandieren und einen gewissen Bedarf erzeugen.

    Die Verwerter drüben „nehmen alles was mit der Winde auf den Laster kommt“ hat es mal ein befreundeter Raubtierhalter ausgedrückt. Ganz einfach um es zu Burgern und Hackfleisch weiterzuverarbeiten. Das wird dann sicherlich auch auf die ein oder andere weise (re-)importiert. Gut durchbraten ist da mein Tip.

    Persönlich mache ich mir da keine Illusionen, dafür kaufe ich lieber ein schönes Steak vom lokalen Schlachter oder frage meine Großmutter nach einer Ente, Bioeier vom Stadtgut nehme ich auch gerne. . Sicherlich komme ich dabei teurer als wenn ich in die Gefriertruhe lange aber das ist es mir wert – lieber esse ich nur einmal in der Woche (meistens Samstags) ein Schnitzel bei dem ich ein gutes Gewissen habe. Und selbst bei meinem Alg2 heißt das das ich einen vollen Wagen Gemüse mitnehmen kann da das Fleisch ein kleiner Posten bleibt.

    Im Sommer hab ich persönlich den Vorteil das ich einen Garten hab. Für die 100€ die ich im Jahr Zahle bekomme min. ich das doppelt an Obst und Gemüse wieder raus.

    • Ich wünschte, ich hätt nen Garten. Aber ich hab nur nen Balkon. Der dieses Jahr mit Tomaten und Gurken bepflanzt wird. Und Balkonkästen mit Kräutern kriegt. Die sind nämlich auch ziemlich teuer, wennst die kaufst. 😉

      • Lochkartenstanzer

        Ach auf dem Balkon kann man auch Schäfchen oder Ziegen mästen. Hier im Ort hat jemand Ziegen im dachstuhl gehalten. 🙂

        Einfach nur zweimal täglich Gassi gehen.

        • Hihi ich kannte bisher nur die Talipi im (Groß-)aquarium und Kühlturmkarpfen. Dachhasen waren mir auch geläufig aber Dachschafe?

      • Wenn du genug Licht hast kannst du seitlich von deinen Fenstern oder in die Wohnung versetzt Blumen-ampeln aufhängen. Ich hab 3 Große 2er die als Raumtrenner zu meinem Arbeitsbereich fungieren. Und links an meinem Fenster noch kleine Töpfe in denen ich Kräuter habe. Salbei, Melisse und Camelien (Tee ist eine Kamlie 😉 ) gehen immer. Wenn du eher was für die Ecke brauchst würde ich zu Paprika raten, die laugen den Boden allerdings schnell aus so das man ab und zu mal ein Düngerstäbchen spendieren muss. Dafür ist sind sie Geruchsneutral. Ich werde dieses Jahr Physalis versuchen.

        Pflanzen in der Wohnung sind auch so was gutes. Die helfen bei der Regulation von Feuchtigkeit und je nach Art filtern sie Feinstäube.

    • Lochkartenstanzer

      Apropso Burgerketten: Warum hat da noch niemand PFERD geschrien?

  6. Ich mag Pferd. Erst kann man es reiten und dann Essen. Wer will schon auf einer Kuh reiten.

    Und lecker ists auch noch.

  7. Gemüse hat auch Pestizide, aber dagegen haben wir ja glücklicherweise das Antibiotika im Fleisch. Das richtet es vielleicht….aber danke für diese schöne Meinung. Ja, der Pferdefleischskandal riecht irgendwie nach Sommerlochpanik und dabei haben wir doch erst Februar. Schlimm ist an dieser Superlativierung aber so richtig, dass über diesen Fall nun genauso effektstark und empört berichtet wird, wie bei Flutwellen und Atomexplosionen oder „schlicht“ Kriegen, mit vielen vielen Opfern.

    Es ist verrückt. Die Medien werden irgendwie nicht besser, sondern nur immer lauter.

  8. In Facebook kursiert gerade der Spruch „Geiz ist Gaul“ 😀

    Allerdings mache ich mir Sorgen, welche faulen Früchte die „Kostenoptimierung“ nach dem Schließen dieses Schlupflochs weiter treiben wird.

  9. 100%ACK

    Ich will doch schwer hoffen das hier in den leckeren Pferdewürstchen auch wirklich Pferd drinne ist … und mit dem Antibiotika sowie dem billigen hast du natürlich zu 100% recht.

    Ich möchte schon länger mal ein Pferdegullasch zubereiten, hab mich aber noch nicht so zu 100% dadrann getraut.

    Wir haben hier netterweise direkt auf meinen Arbeitsweg einen entsprechenden Pferdemetzger in relativ guter Qualität

  10. ein anderer Stefan

    Der eigentliche Skandal liegt in den seit Jahren oder Jahrzehnten offenbar ineffektiven Kontrollen. Seit der Grenzöffnung in Europa läßt sich das noch weniger kontrollieren als vorher, aber auch die deutsche Kontrolle ist offenbar nicht in der Lage, alleine dem Gepansche in Deutschland Herr zu werden. Da stellt sich dann Frau Aigner mit einem „Aktionsplan“ vorne hin, und dann wird schon alles gut – lange nicht mehr so gelacht. Ich ziehe daraus den Schluss, dass effektive Kontrollen offenbar nicht gewollt sind – sie kosten Geld, viel Geld, weil ich dafür gut ausgebildetes Personal brauche, und sie könnten die Firmen behindern, wenn sie wirklich effektive MIttel hätten – eine Stillegung der Produktion kostet richtig Geld. Also läßt man das lieber sein, hält ein paar Sonntagsreden und verkauft den Personalabbau bei den Kontrolleuren am besten noch als Bürokratieabbau…

  11. Jetzt hab ich Lust auf Pferdefleisch.

  12. Seltsame Welt: da reisen Menschen um den halben Globus, essen Känguruh, Schlangen, Krokodile, Geflügelfüße, Insekten und Würmer und was sonst nicht unbedingt in unseren Landen so lebt, aber beim Pferd hört das welt“männische“ (heisst nun mal so) Gehabe auf.
    Allerdings würde ich es auch vorziehen, zu erfahren, dass ich gerade Pferd (oder was auch immer) esse
    .. und zwar von der Verpackung oder Restaurant-Speisekarte und nicht von der Zeitung mit den vier Großbuchstaben (oder anderen Druckwerken).
    Ich hatte mal vor Jahren den Vorzug bei einem vorderasiatischen Kunden zum Essen geladen worden zu sein (ist das so korrekt?) und ich habe die Atmosphäre genossen
    beim Essen habe allerdings aus Selbstschutz nicht gefragt: Es war gar gekocht, somit sollte ausgeschlossen sein, dass sich schädliche „Dinge“ in vitalem Zustand darin befand, aber ein seltsames Gefühl war’s doch. Es war allerdings m.E. weitaus weiter vom Dschungelcamp entfernt.
    und: Tantchen, ich würde Dich gern mal zum Essen einladen (es dürfte auch gern deutsche Küche sein:-D ).

    • *g* mir isses hupe, wenns schmeckt, ess ich auch japanisch (darf nur kein Fisch drin sein *g*).

      Vorderasien? Da gibts ne Menge Möglichkeiten:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Vorderasien

      Arabische Küche: *mjam*
      Georgisch: kommt drauf an. *g*
      israelisch: kommt auch drauf an. 🙂
      Türkisch: *MJAM* 🙂
      zypriotische Küche: Auch legger. Wenns kein Fisch ist 😉

      So oder so solltest du da nichts gegessen haben, was hier nicht auch auf dem Tisch war. Das meiste ist dort Rind oder Lamm/Schaf. In Georgien auch schon mal Schweinefleisch, je nachdem wo du bist.

      Und Israel hat so ziemlich die gleiche Küche wie wir auch, Falafel kommen eher aus dem arabischen Raum… wie gesagt, ich glaub nicht, dass da was sonderlich exotisches drin war. Es war nur anders gewürzt und hatte andere Beilagen 🙂

      Was das angeht sind in Europa die Schweden da deutlich…exotischer.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Surstr%C3%B6mming

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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