Papa Ratzi


Tjo, eine Menge Zeug ist über den Rücktritt geschrieben worden und eine Menge wurde hineingeheimnist. Kann ich doch auch mal mitmachen, oder? Oder anders ausgedrückt: Der Artikel spiegelt ausschließlich meine Meinung, gestützt auf frei zugängliche Veröffentlichungen wider und ist eine schöne Verschwörungstheorie. Ja, ich glaube, der Disclaimer ist diesmal notwendig.

Es gibt Stimmen, die den Rücktritt von Ratzinger für seinen Versuch halten, die Kirche in die Moderne zu führen. Es wird recht transzendent ausgeführt, dass dadurch, dass er „gekündigt“ hat, klar wird, dass er Mensch auf dem Papstthron ist und durch die Weigerung „im Dienst zu sterben“ wie es seine Vorgänger gemacht haben, „öffentlich zu leiden“ wie es insbesondere sein unmittelbarer Vorgänger tat, dessen öffentliches Sterben geradezu zelebriert wurde, zeigt, dass er mit den Traditionen brechen wollte.

Ratzinger. Ausgerechnet.

Die gesundheitlichen Probleme sind nicht völlig vorgeschoben. Und um dieses sexuell frustrierte Irrenhaus, dass sich da Vatikanstadt nennt, regieren zu können – nein, den Versuch zu machen, diesen Stadtstaat regieren zu können, muss man im Vollbesitz der geistigen und körperlichen Kräfte sein. Und Papst Benedikt ist das sehr offensichtlich nicht mehr.

Johannes Paul II. war das über lange Zeit nicht und Benedikt musste das ausbaden, weil die ganzen Kurienvertreter zu lange gewohnt waren, ihre Interessen wie selbstverständlich so durchzusetzen wie es ihnen gefiel. Johannes Paul konnte ihnen nicht mehr viel entgegensetzen, es ist ein offenes Geheimnis, dass nicht mehr der Papst Vatikanstadt regierte. Der pflegebedürftige alte Mann konnte das nicht mehr.

Die Intrigantenküche Vatikanstadt ist geradezu legendär. Und die Frage stellt sich, ob sich der Vatikan es noch länger leisten kann, diese freidrehenden Intriganten ungehindert wirken zu lassen, denen die „Außenwelt“ am Arsch vorbeigeht, solange ihr Teller gefüllt und ihr Bett gewärmt ist – gerne auch mal mit kleinen Kindern, weil der Papst als Herrscher über dieses kleine Universum entweder Dement wurde oder an Alzheimer oder Parkinson erkrankt ist. Insofern ist der Rücktritt von Papst Benedikt folgerichtig. Der Vatikan braucht eine starke Hand. Die ist er nicht und die war er nie. Ein Rücktritt *kann* hier tatsächlich die Rettung für das im Innern verrottete Gebilde katholische Kirche sein.

Hinzu kommen aber einige fast unbeachtete „Kleinigkeiten“ die für sich zusammen kein so gutes Bild ergeben.

Diese ganze Vatikleaks-Geschichte plus der Amnestie für den verurteilten Kammerherrn stinkt. Entweder, der hat wirklich im Interesse Papst Benedikts (und evtl. sogar mit dessen Wissen) gehandelt, dann kam die Amnestie, weil Benedikt ihn schützen wollte. Damit hätte sich Benedikt aber offen gegen die kriminellen Kräfte im Vatikan gestellt ohne sie gleichzeitig zu entmachten. Und der Rücktritt von ihm wäre eine Notbremse, bevor er „vorzeitig“ nach „plötzlicher, kurzer Krankheit“ verstirbt. Er wäre nicht der erste. Und er wäre auch ganz sicher nicht der letzte.

Wenn das stimmt, bekommt sein Rückzug in das Kloster in Vatikanstadt etwas von einer Kerkerhaft. Die Ausrede, dass es „anders nicht ginge“, weil ihnen das Haus in Pentling nicht mehr gehöre halte ich für eine Ausrede. Es gibt sicherlich noch andere Häuser, in die der ehemalige Papst Benedikt ziehen könnte. Und an Geld, diese Häuser auch kaufen zu können oder zu mieten, sollte es nicht mangeln. Gibts vielleicht eine goldene Monstranz weniger.

Allein, damit wäre er aus dem „geschützten“ Bereich Vatikanstadt, wo alles kontrolliert werden kann, „draußen“ in der Welt und vor allem eins: Greifbar. Für Journalisten zum Beispiel.

So müssen sie an der Klosterpforte um Einlass bitten und die wird ihnen nicht gewährt, wenn sie nicht lupenrein sind im Sinne des Vatikan.

Oder aber der Herr Kammerherr hatte noch ein paar Akten in der Hinterhand, hat auf eigene Rechnung gearbeitet und in den Akten stehen Dinge drin, die geeignet sind, der katholischen Kirche richtig Feuer unterm Hintern zu machen. Das würde auch die Amnestie erklären – und den Rücktritt von Ratzinger. Denn bitte vergesst nicht: Als die untersuchten Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen stattfanden, war Georg Ratzinger dort Domkapellmeister. Und München-Freising wurde lang von einem Josef Kardinal Ratzinger geleitet. Und zwar auch zur Zeit, als die Missbrauchsfälle dort stattfanden.

München-Freising hat untersucht und die schriftlichen Untersuchungsergebnisse mit Hinweise auf „Datenschutz“ in einen Tresor gesperrt. Zugriff: 2 Personen. Es gibt insgesamt jetzt 3 Leute, die genau wissen, was sich dort abgespielt hat: Reinhard Kardinal Marx, sein Personalchef und die beauftragte Anwältin, die der Schweigepflicht unterliegt.

Bitte vergesst auch nicht das gescheiterte Forschungsprojekt des KFN mit der deutschen Bischofskonferenz. Torpediert wurde das genau von zwei Diözesen: München-Freising und Regensburg.

All das zeigt ziemlich deutlich auf genau zwei Personen.

Und wie gehts jetzt weiter? Was kommt jetzt?

Ich persönlich vermute, dass der Nachfolger jemand wird, der den Pius-Brüdern nahesteht. Die katholische Kirche würde ihre rückwärtsgewandte, mit „erzkonservativ“ nur unzureichend umschriebene Politik damit fortsetzen – und sich selbst weiter in Richtung Bedeutungslosigkeit katapultieren. Zumindest, was die westlichen Länder angeht. Der Kollateralschaden, den sie hier angerichtet hat, ist hoch genug, sie hat ihre Glaubwürdigkeit fast komplett verspielt, was auch die massenhaften Kirchenaustritte widerspiegeln.

Das schützt nicht Afrika, Asien und Südamerika vor den Drohungen der katholischen Kirche. Kondome werden nach wie vor verbannt sein, weil sie ja die Entstehung von Leben verhindern. Dass sie aber bereits bestehendes Leben schützen – geschenkt. Wer Kondome nutzt, ist verteufelt. Auch werden weiterhin Kinder, die unfreiwillig durch eine Vergewaltigung geschwängert werden, exkommuniziert, wenn sie das Kind abtreiben. Diese Länder sind tief gläubig, ein Leben dort ohne Katholizismus nicht vorstellbar.

Dort wird die Kirche weiter stark sein und weiter Menschen verurteilen und vernichten, nur weil sie nicht ein Leben leben, was diese Verbrecher im langen Gewand für ein „gottgefälliges Leben“ halten.

Sie wollen Leben schützen – und vernichten es doch Tag für Tag.

Und alleine aus dem Grund ist die katholische Kirche in ihrer jetzigen Form nicht wert, gerettet zu werden. Also hoffen wir bitte auf einen Pius-Bruder auf dem Papstthron.

Was besseres könnte aktuell nicht passieren, um den Brüdern hier im Western den Boden endgültig zu entziehen.

 

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Veröffentlicht am 13. Februar 2013 in Nachdenkliches und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. Diese ganze Vertuschungsgeschichte der armen gediegenen Herren, die von diesen frivolen Kindern immer verführt werden und dann wenn diese haltlosen Gerüchte rauskommen erst mal zur Besserung nach Afrika und Südamerika geschickt werden um Missionsschulen zu betreuen.

    Für die Kurie war doch eh klar das Benedikt nur ein Zwischenpapst wird, bei der Wahl damals hatte er ja bereits ein hohes Alter. Reformer sind ja meist etwas jünger und mit Ende 70 war der ja schon fast sicher nur noch stiller Kirchgänger.

    Strenge Gläubigkeit ist ja immer der leichtere Weg, „Ich muss mir keine Gedanken machen, das hat ja der da oben gemacht und seine Vertreter sagen mir den Rest.“

  2. ein anderer Stefan

    Naja, das mit dem Kloster im Vatikan kann ich sogar verstehen – wenn der wieder nach Bayern zöge, hätte er keine ruhige Minute mehr. Und in ein „normales“ Altenheim kann man ihn ja auch schlecht stecken. Er ist einer der prominentesten Menschen der Welt, wage ich mal zu behaupten.
    Reformer waren weder er noch JP II. Und da alle wahlberechtigten Kardinäle von den beiden ernannt wurden, kann man sich ohne weiteres ausrechnen, dass die überwiegend auch konservativ sind. Auf eine Reform innerhalb der katholischen Kirche werden wir noch lange warten.

  3. Auch wenn die Theorien viel nachdenkenswertes haben, in dem Fall denke ich hat es was damit zu tun, das ein Machtmensch wie Ratzinger gar keine Lust hat als zunehmend schwächer werdender Spielball zwischen den verschiedenen Strippenziehern im Vatikan hin und her verschlissen zu werden. Er ist inzwischen ein alter Mann und beleibe kein gesunder Mann mehr und weiß, das nur ein kraftvoller Papst eine Chance hat wirklich Macht auszuüben. Der will auf seine uralten Tage keine Marionette werden und wirft mit seinem Rücktritt zugleich eine für das Papsttum wichtige Frage auf: Muß es wirklich bis zum ableben sein?
    Und was Reformen in der alleine-seeligmachenden angeht … nun ja, die sind die katholische Kirche, die ändern ihre Meinung nicht ständig. Wenn sich irgendwas bewährt hat (so nach drei, vier Jahrhunderten), dann überlegt man mal, es mit aufzunehmen. Ansonsten sollte man immer mal bedenken: Jungfräuliche Geburt und Höllenstrafe sind noch immer katholisches Dogma. In dem Sinne kann der nächste große Umbruch sein, das bei Religionszugehörigkeit in ein paar Jahren neben den üblichen Verdächtigen das FSM steht … 🙂

  4. So schön die Verschwörungstheorie auch ist hat sie doch einen Nachteil: den enormen Vorlauf. Ratzi hat schon vor Jahren gesagt, dass er vor dem letzten Konklave gebetet habe, es nicht werden zu müssen und es dann eben auf sich genommen habe (was ihm zuzutrauen ist, immerhin hat er die erste Berufung in die Glaubenskongregation auch abgelehnt und wollte schon lange aus diesem (relativ zum Papstamt stressarmen) Amt zurücktreten) und erst letztes Jahr(?) hat er laut darüber nachgedacht, dass ein Rücktritt möglich wäre. Gut, er ist lange genug „oben geblieben“ im Vatikan, dass ihm so langfristige Strippenziehereien zuzutrauen wären, aber…

    Irgendein „Kloster im Nirgendwo“ (evtl. mit Schweigegelübde) hätte sich sicher auch finden lassen – gerade im Haifischbecken Vatikan würde ich nicht notwendigerweise mit der Unmöglichkeit der Verbreitung divergierender Ansichten des Ex-Papstes rechnen.

    Am Geld *könnte* es ihm als Ex-Papst (prinzipiell) durchaus mangeln: als Papst bekommt man kein Gehalt (da ist er wie ein König – es „gehört“ einem (=dem Amt) ja alles) und die Sache mit Rente ist bisher auch ungeklärt. Wieviel er in den Jahren vorher angesammelt hat ist mir natürlich unbekannt, aber zu so ’nen‘ „Ehrensold“ wie bei Wulffilein wirds wohl nicht reichen.

    Kurz: gut möglich, dass er sich von vornherein als „Übergangspapst“ gesehen hat, der nach dem (durchaus charismatischen“ Woytila erstmal für Abstand zu sorgen und es einem „echten“ Nachfolger leicht zu machen hat. Der Rücktrittszeitpunkt passt da auch: Weihnachten gemerkt, dass es nimmer geht, Ostern darf der Nachfolger groß prunken (und er hat den Stress nicht mehr) — und gleichzeitig genug Vorlauf, dass das Konklave sauber vorbereitet werden kann (15 Tage nach Tod oder Rücktritt, er hat 17 draufgelegt weil er erst am 28. geht).

    Wie gesagt: er hat sich lange genug oben gehalten, dass ihm prinzipiell alles zuzutrauen ist, aber… mal sehen was kommt.

    Das mit den Kondomen ist – theologisch gesehen – ein Ablenkungsmanöver. Da es Sex ja nur innerhalb der Ehe geben „darf“ ist ungeschützter Sex ja (rein von der Ansteckungsgefahr mit AIDS und Co her) ja „unproblematisch“. Damit ist aus rein katholisch-theologischer Sicht die Kondombenutzung immer Verhinderung von neuem Leben und (fast) nie Schutz von Leben.
    Dass die Realität anders aussieht (es reicht ja schon ein „untreuer Ehemann“ (um das Klischee zu bedienen), um das Konstrukt in Wanken zu bringen) ist hierbei ein anderes Thema. Und möglicherweise kommt auch genau aus dieser Richtung langsam eine Lockerung – beispielsweise „bei Sex außerhalb der fruchtbaren Zeit *und* wenn Anlass zum untreueverdacht besteht“ oder so.
    Auch hier: mal sehen.

  5. Wurde da nicht gestern auch von einem der möglichen Kandidaten berichtet?
    Ein relativ junger,unter 65 oder so, Kardinal von Ghana (Peter Turkson) was ja schon mal interessant ist, ein möglicher schwarzer Papst aber dann auch gleich ein Hardliner sondergleichen.

    http://www.huffingtonpost.com/2013/02/13/peter-turkson-cardinal-pope-successor-kill-the-gays-bill_n_2677261.html

    Der nicht gerade für die freie Lebensgestaltung steht.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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