Homeschooling


Es gibt hier in Deutschland eine wachsende Fraktion, die gerne Homeschooling einführen möchte. Hintergrund ist, dass sie nicht wollen, dass Einflüsse von „außen“ die lieben Kleinen „verderben“. Gott (sic) bewahre, die könnten noch Ideen entwickeln. Oder gar *japps* anfangen, selbst zu denken. Nicht auszudenken, sowas.

Die Idee zu dem Artikel kam mir aus den Kommentaren weiter unten von jemandem, der Homeschooling nicht per se als was böses ansieht. Doch genau das ist es.

Unser Schulsystem ist nicht das beste. Es ist nur in eine Richtung durchlässig, die Lehrer sind zu häufig am falschen Platz und haben den falschen Beruf ergriffen und die Schulgebäude sind größtenteils so marode, dass man sich fragt, ob abreißen und neu bauen nicht günstiger wäre. Hinzu kommt, dass die sozialen Probleme unserer Gesellschaft auch nicht vor dem Schulhof halt machen.

Auch die Curricula sind für einige Gruppen des Teufels. Gleichheit von Mann und Frau? Homosexualität akzeptieren? Sexualerziehung ab der 5. Klasse? Für viele völlig undenkbar. Und die ziehen dann gernen die USA als Beispiel heran, wo Homeschooling ein völlig normaler Weg ist, um seine Kinder zu „bilden“.

Und genau hier ist der Trugschluß. An den Mädels der Westboro Baptist Church kann man das prima sehen. Die sind in eine Bücherei gegangen, sind zum erstenmal mit Wissen konfrontiert worden und mit Ansichten, die NICHT Fred Phelps entsprachen und – intelligent wie sie sind – haben sie die Schlüsse gezogen und sind gegangen.

Homeschooling sorgt dafür, dass die Kinder von Ideen ferngehalten werden, dass sie von Alternativen unberührt aufwachsen und wenn sie dann zum erstenmal mit den Realitäten in Berührung kommen, fällt ihnen die normalerweise völlig auf die Füße.

Wir brauchen hier ein Bildungssystem, dass es wert ist, so genannt zu werden. Die Kohle, die man gerade den Banken in den Arsch schiebt, sollte man besser in Schulen investieren. In Kindergärten und Universitäten. In eine Lehrerausbildung, die NICHT die Duckmäuser durchkommen läßt, sondern diejenigen, die sich um die Kinder kümmern und die den Beruf auch als Berufung sehen.

Wir könnten diese Kohle prima da reinstecken, wo sie gebraucht wird. Nicht, wo die Lobbyorganisationen sie gerne hätten.

Es wird so oft gesagt, dass Investitionen in Bildung eine Investition in die Zukunft ist – und die Tatsachen sehen schrumpfende Ausgaben in genau diesem Bereich.

Die Alternative kann aber nicht Homeschooling sein oder weitere private Schulen in kirchlicher Trägerschaft. Es darf diesen Indoktrinierern nicht erlaubt werden, weiter Kinder von klein auf in Gehorsam zu schulen – wir brauchen Schulen, die den mündigen Bürger erziehen. Und Curricula, die das berücksichtigen.

Aber Homeschooling ist abzulehnen. Homeschooling dient der Indoktrinierung, der einseitigen Bildung und das brauchen wir beileibe nicht. Davon hatten wir schon zuviele Jahrhunderte. Es wird Zeit, dass das endlich aufhört.

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Veröffentlicht am 13. Februar 2013 in Nachdenkliches und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 23 Kommentare.

  1. Homeschooling war dort in Ordnung, wo es den Kindern räumlich nicht möglich war, eine Schule zu besuchen – weil sie hunderte (es reichten damals Dutzende) von Meilen entfernt waren.
    Heute ist das nicht mehr notwendig – selbst im australischen Outback gibt es regulären Schulunterricht. Früher per Funk, heute per Online-Learning via Internet mit Videokonferenzen und all dem.

    Daher gibt es heute keine gute Begründung mehr, warum man das bräuchte. Gut, dass es bei uns nicht erlaubt ist. Vor allem – selbst wenn Eltern versuchen, ihren Kindern Wissen nahezubringen, ohne es zu indokrinieren, es gibt viele Faktoren, die dagegen sprechen:
    – Kaum ein Elternteil hat so umfassendes Wissen in unterschiedlichen Bereichen um die Jugendlichen sachgerecht bis zum Schulabschluss zu bilden.
    – Es fehlt immer eine weitere Perspektive, die nur jemand außerhalb des Familiengeflechts vermitteln kann.
    – Im Grundschulalter mag es von den Inhalten noch gehen, die Kinder zu unterrichten – sicher aber nicht methodisch. Oder hat jedes Elternteil sozusagen qua Elternschaft grundschulpädagogische Kenntnisse?
    – Die Eltern-Kind-Beziehung ist eine besondere. Daher steckt gerade in einem Lehrer-Schüler-Verhältnis, das auf die Eltern-Kind-Beziehung „aufgepfropft“ wird, besonderes Konfliktpotential. Wie oft habe ich während meiner Zeit als Nachhilfelehrer erlebt, dass die Eltern Mathematiker, Ingenieure oder ähnliches waren – dennoch wurde ich als Mathe-Nachhilfe engagiert. Nicht aus Zeitmangel, sondern weil jeder Versuch der familieninternen in einem Konflikt endete – plötzlich war die Sachebene weg und alles mögliche aus der Beziehungsebene kam mit auf den Tisch. Und das soll – gerade in der Pubertät – bei Homeschooling nicht passieren?

    Und zum Schulsystem – ja, es gibt viel Potential zum Verbessern. Vieles kann mit Geld verbessert werden, aber auch durch bessere Auswahl der Lehramtsstudierenden.
    Aber egal, wie viele Mängel wir aufzählen können – sie sind sicher nicht groß genug um ein prinzipielles Homeschooling zu erlauben.

  2. Homeschooling wäre eine Katastrophe. Es ist völlig unmöglich das Eltern auch nur einen signifikanten Teil des Unterrichtsstoffes gut genug kennen um ihn den Kindern beibringen zu können. Völlig unabhängig von Indoktrination. Das würde bedeuten das Kinder niemals besser sein können als ihre Eltern und damit ist doch absehbar wohin das führt.

  3. Besonders, da das „Recht“ auf Homeschooling mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit viel eher ausgenutzt wird, um ganz praktisch Kosten zu sparen.

  4. Hinzu kommt in Deutschland wohl noch, dass so ziemlich alle, die sich in irgendeiner Form gegen die Schulpflicht wenden, entweder saudumm oder hoffnungslos versponnen sind.

  5. Ich glaube tatsächlich, dass es einige Fälle gibt, in denen Homeschooling eine sinnvolle Alternative zum normalen Schulbesuch ist – z.B. bei Kindern mit autistischem Einschlag oder Aufmerksamkeitsproblemen.
    Ich bin über ein Blog gestolpert, bei dem es genau darum geht – eine amerikanische Familie mit einem Sohn mit massiven Problemen in der Schule, der durch Homeschooling die Möglichkeit hat zu lernen. Vorher hat es nicht funktioniert.
    Die Familie macht sich aber auch enorme Gedanken darüber, wie man Kontakt zu Gleichaltrigen herstellt und neben Schulwissen auch das soziale Miteinander lernt.
    Die Methode, dass man seine Kinder der Außenwelt komplett entziehen kann und alleine bestimmt, was sie lernen sollen ist falsch, aberHomeschooling komplett zu verteufeln ist auch nicht richtig.

    • Ich glaube, die meisten Autisten oder auch Asperger würden sich hier nett bedanken, wenn auf einmal „Homeschooling“ auf dem Programm stünde, weil sie eben mit den Emotionen anderer nicht klarkommen.

      Was jetzt die Modediagnose ADHS angeht, dazu hab ich eine sehr fiese Meinung.

      Die Kinder bisschen weniger vor dem Fernseher parken, ein bisschen mehr draußen rumlaufen lassen, austoben, dann klappts auch mit der Konzentration.

      Nicht immer, aber doch meistens. Ritalin ist nicht in allen Fälle notwendig.

      • Ich sagte ja auch nicht, dass es für alle eine Lösung ist (Speziell habe ich nicht von ADHS gesprochen, der Begriff Aufmekrsamkeitssprobleme war absichtlich gewählt) – aber ich kann schon nachvollziehen, dass es eventuell einfacher ist, wenn man das Lernen von Wissen und sozialem Umgang voneinander trennen kann.
        Vielleicht gibt es tatsächlich Kinder für die Inklusion nicht der richtige Weg ist.

      • Die Aussage bzgl. Asperger kann ich bestätigen. *huschundweg*

  6. ein anderer Stefan

    Ich gehe auch davon aus, dass Homeschooling ein Irrweg ist. Auch konfessionell gebundenen Schulen können ein Problem sein, wenn das Kirchliche eine zu große Rolle spielt, was aber nicht zwangsläufig der Fall ist.
    Es wäre für das Schulsystem hier in D sicher vorteilhaft, wenn endlich mal dieser Quatsch mit Real-,Hauptschule und Gymnasium durchlässiger würde. Gesamtschulen funktionieren oft auch sehr gut. Aber um die Schulform werden ja regelrechte Glaubenskriege geführt. Und wenn ich mir die Zustände in Schulen und auch Hochschulen ansehe – das kann echt nicht mehr wahr sein. Verfallene Gebäude, viel zu große Klassen, viel zu wenig Platz, schlechte Ausstattungen, zu wenig Personal (und nicht nur Lehrer – an eine Schule gehören auch Sozialarbeiter, und keineswegs nur an sog. „Brennpunktschulen“. Aber da wird ja grundsätzlich nach dem Prinzip „wieso, es funktioniert doch“ verfahren – nur wie und warum es funktioniert, das will keiner wissen. Und auch Hochschulen haben mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Um das zu verbessern, waren Studiengebühren gedacht – hier wollte der Staat seine Pflicht an die Bürger abwälzen.

  7. Also, wenn man dem Stern Glauben schenken kann (sollte man „dem“ überhaupt etwas schenken?), findet selbst der US-amerikanische Präsident etwas Positives am deutschen Schulsystem ( http://www.stern.de/politik/ausland/rede-zur-lage-der-nation-obama-will-amerika-wieder-zur-nummer-eins-machen-1970475.html ), da muss doch – PISA zum Trotz – etwas an unserem Bildungssystem dran sein.
    @aussichteinsicht: Homeschooling war in unseren Breiten (die Alpenregion ausdrücklich eingenommen) absolut kein Thema (mal abgesehen davon, dass solche neumodischen und z.Tl. blödsinnigen Anglizismen damals nicht denkbar waren), ich erinnere an die Bergbauernkinder (nicht nur bei Heidi :-D), die oftmals täglich (!) einige hundert Meterchen Höhe abwärts gehen und nach der Schule wieder gegen die Schwerkaft 😉 ankämpfen mussten – bi jedem Wetter, Sommers wie Winters – und warum? Es lag auch damals weder an der Zeit noch an mangelnder Bildung (zumindest auf der Stufe, die zu der Zeit „notwendig“ war), nein, es gehörte schon damals einfach zur gesellschaftlichen Entwicklung, sich mit anderen Menschen (in diesem Fall mit Kindern) auseinander zu setzen.
    Hier in unserer ach so offenen Republik ist es absolut inakzeptabel, weltfremde Menschen mit Inzest-ähnlichen Strukturen und daraus resultierenden Ansichten „heranzuzüchten“.
    Ich bin zwar kein Verfechter der Globalisierung aber die Möglichkeit, „über’n Tellerrand“ sehen zu können, gehört m.E. zu den Menschenrechten
    .. im Elfenbeinturm landen einige auch ohne solche Einschränkungen 😦

    • Ähm, ich dachte in den größeren Entfernungen der USA – Ranch A ist viele Meilen von nächstem Dead-End-City entfernt… Und _da_ mag Homeschooling vor 100 Jahren eine gute Variante gewesen sein – nicht umsonst hat die Möglichkeit (zusammen mit laxen Waffengesetzen und anderem) in USA überlebt, bei uns nicht – eben weil es das nie gab.
      Ich kenne aus unseren Breiten aus der Großelterngeneration einige Stories von „jeden Tag Sommer wie Winter zwei Stunden zur Schule gelaufen“ – also einfach. Da wäre niemand auf die Idee gekommen zu fordern, die Kinder selbst unterrichten zu dürfen, davon abgesehen, dass sie es nicht mal gekonnt hätten… 😉

      • ein anderer Stefan

        Das mit dem können ist so ein Thema – inhaltlich können viele Eltern das nicht. Wer das ernsthaft betreiben will, muss vor allem aber auch vieel Zeit haben – Schüler ist ab ca. Klasse 10 auch ein Vollzeitjob. Eine vernünftige Schulbildung kann man einem Kind nicht mal eben nebenbei beibringen, das dauert hierzulande derzeit 9 bis 13 Jahre, und das jeden Werktag. Spätestens bei mehr als einem Kind wirds schwer…

        • Genau – und deshalb gehört die Frau heim hintern Herd, dann kann sie sich in Vollzeit um das Homeschooling der Kinder kümmern und abends noch dem Herrn des Hauses und Ernährer devot dienen….

  8. Es braucht auch nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wer ganz scharf darauf sein muss, Kinder ungestört zuhause zu unterrichten. Esoteriker und Nazis zum Beispiel. Wenn die ihre Kinder nicht zur Schule schicken müssten, hätten die kaum eine Chance, der familieninternen Indoktrinierung zu entkommen. Wenn die Kinder in einem ideologisch verblendeten Elternhaus mit vermutlich entsprechend geprägtem Bekanntenkreis aufwachsen, kommt das sowieso schon einer Gehirnwäsche gleich. Wenn dann noch die „normalen“ Kontakte aus der Schule wegfallen, heißt es Gute Nacht für diese Kinder. Das sollte man auf keinen Fall erlauben!

  9. nun, es wird hier viel geschrieben und diskutiert…

    Tantchen, bleib bitte fair und reiß meine Aussage nicht aus dem Zusammenhang. Dieses „Per se“ habe ich in den Folgeausführungen eingeschränkt. An sich ist „Home Schooling“ keine schlechte Sache – es ist für sich gesehen Neutral. Aber eben die geistige Abschottung – [b]das[/b] ist das Problem.

    Es kommt darauf an, wie die Eltern / Verwandten / Bezugsgruppe auf die Kinder einwirken. Ist es Weltoffen, kann es Kindern mit Einschränkungen sogar helfen. Oft ist aber gerade der Grad zur Kontrolle / Einengung sehr schmal. Wirklich SEHR schmal. Und die Versuchung, Einfluß auf die Gedankenwelt der Sprößlinge zu nehmen, Kopien seiner selbst zu erzeugen, ist sehr verlockend – und dabei meine ich auch gerade das abschirmen vor „falschen Einflüssen“.

    Ich versuchte in meinem Post das Problem mit Home Schooling in der Prägung von diesen „God hates Fags“-Idioten daran fest zu machen, daß eben diese Engel vom „Gründer“ jetzt auf die harte Tour Sozialnormen und Ideen lernen müssen. Und das ist als Erwachsener ungleich schwieriger… Und Leute – glaubt ja nicht, das dieses Phänomen sich nur auf „Home Schooling“ beschränken würde!

    Meine Eltern kamen in den 70ern zum Glauben. In den 70ern und 80ern wurden in „charismatischen Kreisen“ teilweise recht komische Ideen von „Angriffen Satans“ gepflegt. Kultsendungen wie „Das Leben des Brian“ – Hilfe, das durfte man uns gar nicht erst zeigen! Spielzeug – während andere mit Barbie und Co. spielten war das in diesen Kreisen zumindest kritisch beäugt. Meine Geschwister und ich nahmen mal aus Spaß an einem Sonntag einen alten Fernsehr auseinander – (Abendgottesdienst) wir wurden daraufhin von den anderen Kindern im Kindergottesdienst ausgegrenzt. „Was – am Sonntag – wie könnt ihr nur!“

    Nur Beispiele – heute, ich bin in den 30ern, muß ich mir viele Dinge mühsam erwerben, mühsam erarbeiten, weil ich zu geschützt war. Und da war kein „Home Schooling“ schuld… Und es war in deutschen Landen… Auch meine Eltern begreifen nach und nach, was sie uns als Kindern mit ihrer Schutzhaltung eigentlich angetan haben.

    Deswegen, Tantchen, traf ich die Aussage „Home Schooling ist nicht per se falsch“. Es ist neutral, wie jedes Werkzeug „neutral“ ist. Es kommt auf die Anwendung an. Du kannst schließlich auch mit einem Nagel entweder ein Bild an die Wand hängen – oder jemanden an das Kreuz nageln. (Okay okay – Extrem, aber als Illustration)

    Soviel zum Thema…

    • Du hast gerade die besten Beispiele gegen Homeschooling genannt – dieser Grat ist nicht nur sehr dünn, er ist praktisch nicht vorhanden.

      Eltern sind nicht objektiv genug, um entsprechend unterrichten zu können. Sie haben Wünsche und Vorstellungen und die projizieren sie auf die Kinder, ob sie es wollen oder nicht. Und oftmals ist es so, dass ihre Wünsche und Vorstellungen eklatant von dem abweichen, was die Kinder wollen oder auch nur brauchen.

      Siehe deine „beschützte“ Kindheit (ich würde die anders nennen, aber ich glaube, das weißt du schon).

      Homeschooling ist eins der Werkzeuge, die zu einem ganz bestimmten Zweck erschaffen wurden. Und genauso wie eine Waffe per se falsch ist, weil sie nur dazu dient, Menschen zu töten, ist Homeschooling per se falsch, weil der einzige Grund ist, Menschen entsprechend zu indoktrinieren und das zu einem Zeitpunkt, wo sie noch „formbar“ sind.

      Das was du da beschreibst, klingt verdächtig übrigens nach Zeugen Jehovas?

      • nun, du vergleichst es mit waffen. mir kam später der vergleich mit atomkraft. punktuell ist atomkraft eine ganz hilfreiche energiequelle – aber eben nur punktuell. (weltraumfahrt, fern der sonne z.b.) sonst ist atomkraft eigentlich wahnsinn und in diesem kontext kann ich dir, übertragen auf home schooling zustimmen. eltern sind nur in den äußerst seltensten fällen objektiv.

        zeugen – so heftig war meine umgebung nicht… aber es hat für schäden gereicht. mein bruder konnte sich rechtzeitig absetzten und mir dann helfen…

      • Dass Homeschooling per se schlecht ist, glaube ich nicht. Es hat Risiken und Nebenwirkungen (fachliche und pädagogische Qualifikation der unterrichtenden Eltern, Abschottung der Kinder, Einseitigkeit) und lässt sich leicht missbrauchen (Indoktrinierung). Aber es ist an sich ein neutrales Instrument, das unter anderen Umständen (Siedler/Pioniere im Amerika des 19. Jh., in Australien o.ä.) eine wenigstens elementare Schulbildung überhaupt erst ermöglicht hat. Ich bezweifle entschieden, dass es zu dem Zweck geschaffen wurde, Kinder zu indoktrinieren, auch wenn es heutzutage vielfach genau dafür missbraucht wird.

        Es ist trotzdem gut möglich, dass Homeschooling (wie Anke schon ausgeführt hat) in bestimmten konkreten Einzelfällen auch heute noch die beste Lösung oder wenigstens das geringere Übel sein kann. Das ändert natürlich nichts daran, dass eine Freigabe des Homeschooling gerade solchen Leuten in die Hände spielen würde, um deren Kinder man sich sowieso schon Sorgen machen muss.

        • Gnaddrig, aber wie ich schon ausführte, der schmal ist sehr grad zwischen ausnutzen und vorteil. Tantchen hat leider zu sehr recht, daß es eltern eben in 99,9 % der fälle eben NICHT schaffen, diesen grad zu bewältigen, es eben doch zum mißbrauch dieses instrumentes kommt. und damit reiht es sich in unserer heutigen zeit eben doch in die selbe kategorie ein wie die atomkraft ein. Beides ist an sich neutral, aber beides hat eigentlich unübersehbare folgen / gefahrenpotentiale. Und heute gibt es eigentlich kaum noch die notwendigkeit für home schooling in industrieländern – zumal es sogar flächenstaaten wie australien hinbekommen, im outback eine adäquate schulbildung zu gewährleisten – und wenn es „nur“ per sprachfunk ist…

          • Dustchen, wenn ein System eine 99,9%-Chance hat, dass es falsch oder missbräuchlich angewendet wird, dann stimmt das System im Grund nicht. Dann hat das System so eklatante Mängel, dass es quasi keine Möglichkeit gibt, dieses noch vernünftig umzusetzen.

            Du verteidigst grad das Homeschoolingsystem mit Argumenten, die es vernichten 😉

            Gerade im Bildungsbereich ist der Gedanke: „Und wenn nur eine klitzekleine Chance besteht, dass das System funktioniert, sollten wir es austesten“ falsch. Denn die Kinder, die danach unterrichtet wurden, zahlen den Preis dafür. Und dieser ist in aller Regel viel zu hoch.

            Atomkraft ist das gleiche. Ich bin strikt dagegen und warum kann man in Tschernobyl und Fuksuhima sehr gut sehen.

            Und Homeschooling ist auch schlicht nicht notwendig. Inklusion (vernünftig gemacht), Schulen, die sich auf die Bedürfnisse behinderter Kinder spezialisiert haben und wenns denn sein muss auch Bekenntnisschulen. Mehr brauchts nicht.

          • @ Dustbin: Da sind wir eigentlicht einer Meinung. Ein Ding, das vor 150 Jahren gut war und einen wichtigen Beitrag zur Bildung von Kindern geleistet hat, ist heute eben nicht mehr angebracht, weil wir ganz andere Möglichkeiten haben, Kindern Wissen zu vermitteln. Die pädagogische und oft fachliche Nichtqualifikation war im 19. Jh. wohl noch nicht so wichtig, wo es vor allem darum ging, Lesen, Schreiben und die Grundrechenarten zu lehren. Heute ist der Anspruch an die SChulbildung ein ganz anderer, und das ursprünglich mal segensreiche Homeschooling bleibt vom Nutzen praktisch immer hinter allen anderen Möglichkeiten der Schulbildung zurück und ist mit erheblichen Risiken und Nebenwirkungen belastet.

            Darum kann man die Eltern, die ihre Kinder im 19. Jh. zuhause unterrichtet haben, nicht mit den heutigen Verfechtern dieser Unterrichtsmethode in einen Topf werfen. wer heute für Homeschooling kämpft, gehört meistens zu den Leuten, um deren Kinder man sich Sorgen machen sollte.

            Ich wollte nicht das Homeschooling heute verteidigen, sondern nur feststellen, dass das von Anno Dunnemals wegen völlig anderer Rahmenbedingungen eben eine sehr gute Idee war, die heute trotzdem ad acta gelegt gehört. Also: In 99,9% der Fälle Finger weg vom Homeschooling.

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