Diskussionsbeitrag


Ich hab grad was spannendes im Postkasten gehabt – vielleicht mal drüber diskutieren? 🙂

Guten Morgen, Tantken. 🙂

Ich hab mich mal hingesetzt und mir so ein paar Gedanken gemacht. Weil ich das in letzter Zeit so gerne tu. Ich dachte, das Endergebnis meiner Gedankenspielerei könnte dich interessieren.

Inzwischen habe ich vergessen, wie ich dazu kam, darüber nachzudenken, aber letztendlich stellte ich eine kleine Theorie auf, die ich den Generationssprung nenne. In der Kurzform glaube ich, dass die Menschen letztendlich nicht ihre Kinder, sondern ihre Enkel erziehen.
Es kommt für die meisten Jugendlichen eine Zeit im Leben, während der man alles weiss, und am Besten noch dazu besser. Da hat man eine Lösung für jedes Problem dieser Welt und Eltern, Lehrer, Politiker und sowieso alles, was über 30 ist, sind verbohrte, alte Leute. Während dieser Zeit ist es egal, was man diesen Jugendlichen sagt und ihnen beibringt, weil sie wissen es ja besser. Je vehementer die Älteren darauf bestehen, desto weniger will es das Kind wahrhaben.
Dann aber kommt die Zeit, wenn die Jungen erwachsen werden und ihre eigenen Kinder kriegen. Und plötzlich haben die ganzen verbohrten, alten Leute doch irgendwie Recht. Aber was früher mal aktuell war, ist es zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich nicht mehr. Deswegen gibt es keinen Grund dafür, den Kindern etwas so vehement beizubringen wie es in ihrer eigenen Kindheit der Fall war. Was also diesen Leuten beigebracht wurde, wird endlich auch angewandt.
Und die neuen Kinder übernehmen das, so natürlich wie ihre Eltern es ihnen beibringen, während sie wiederum alles besser wissen über die aktuellen Themen dieser Welt …

Das klingt nun vielleicht etwas verwirrend. Hier ein paar Beispiele davon, was ich meine.
Thema Weltkriege, Nazis und Drittes Reich. Leute, die in den 20ern geboren wurden, waren während dem zweiten Weltkrieg erwachsen und machten ihre eigenen, persönlichen Erfahrungen. Dann kam die Nachkriegsgeneration und ihr wurde mit allem Nachdruck eingetrichtert, wie böse Monster die Nazis alle waren und dass Hitler der personifizierte Teufel war. Die Kinder der 40er und 50er lernten also akut und bewusst, dass der Nationalsozialismus böse und pfuibäh ist, ohne ihre eigenen Erfahrungen zu machen.
Und dann kommt die Generation danach um die 60er bis 80er herum. Das Wunder von Bern und das Wirtschaftswunder war vorbei, Deutschland zu einem grossen Teil wieder aufgebaut und abgesehen von der DDR gab es nur noch wenige akute Spuren des Kriegs.
Und diese Menschen waren es, die letztendlich die instinktivste und vehementeste Ablehnung gegen den Nationalsozialismus zeigten. Bis heute zieht sich das durch – Nur langsam beginnt ein Stimmungswandel und viele Deutsche beginnen, sich gegen die Nazikeule zu wehren.

Thema Sexualisierung. In den 60ern begann eine Revolution und an vielen Fronten begannen Menschen, gegen Tabuisierung von sexuellen Themen und gegen die Ausgrenzung von „Andersartigen“ zu kämpfen. Und selbstredend waren die Kinder mittendrin und lernten die Einstellung ihrer Lehrer und Eltern.
Und da waren die Meinungen selbstredend extrem geteilt. Viele Menschen sahen eine „Befreiung“ in dieser Revolution, und höchstwahrscheinlich noch mehr sahen darin eine „Verschandelung“ oder den „Untergang der Zivilisation“. Wie ich das sehe, flaute das öffentliche Interesse an diesem Thema in den 80ern langsam wieder etwas ab, bevor es um die Jahrtausendwende bis heute wieder wichtiger wurde.
Heute scheint der wahre „Kampf“ erst zu geschehen. Das sieht man beispielsweise sehr gut an der Zensur von Filmen und Spielen – Gewalt ist üblicherweise nur ein mässiges Problem, wobei nackte Haut, egal in welchem Kontext, die Altersempfehlung sofort und unbedingt auf 16+ oder 18+ anhebt. Andererseits scheint es, dass heute „Andersartigkeit“ umso vehementer verteidigt wird.
Homosexualität wird immer mehr toleriert und gar akzeptiert und das Schlafzimmer wird zunehmend zur Experimentkammer. Selbst Dinge wie S&M schockieren heute nicht mehr ansatzweise so sehr wie früher.

Ich hoffe, ich konnte verständlich ausdrücken, was ich denke und meine.
Heutzutage ist Religion ein Dauerbrenner … Ich frage mich, wie das in den 2050ern/2060ern aussehen wird.

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Veröffentlicht am 11. Februar 2013, in Nachdenkliches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. ..da wird ein Video vom Sonntagsgottesdienst entweder in Sozialkunde oder Geschichte gezeigt, und die staunenden Kinder schätzen dann, dass das sicher so um 1900 rum war, weil später, so ab 1950, gabs sicher schon das Internet ^^

  2. *G* – Zumindest wird es interessant…

  3. Schätze, das kann man alles nicht so linear sehen. Thema Nazis: Gibt es heute hauptsächlich zu dem Zweck, dass sich unzureichend ausgefüllte Leute mal auf der guten Seite wähnen können. Thema (sexuelle) Andersartigkeit: Direkte Folge der Individualisierung – gibt es auch nur dort, wo diese ernstzunehmend stattgefunden hat. Thema Religion: In der heutigen Form klar von weit draußen her (re-)importiert. Fazit: Was die Vorfahren weitergegeben haben, ist nur ein Teil des jeweiligen Zeitgeistes. Aktuelle Einflüsse aus allen möglichen Ecken bilden den größeren Teil davon – Tendenz im Moment noch steigend.

    • Aber bildet nicht das, was man von den „Vorfahren“ an Einstellungen, Werten und Ideen mitbekommen hat, nicht den Ausgangspunkt, von dem man sich beginnt zu bewegen, egal in welche Richtung?

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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