Muttis Wahlkampfhelferlein


Oh Mann. Peer Steinbrück bloggt.

Yay, hat der Mann endlich jemanden gefunden, der das für ihn übernimmt – weil selber bloggen ist ja blöd. Für sowas hat man seine Schergen.

So langsam denke ich mir doch: SO blöd kann doch nich mal Peer Steinbrück sein. Was hat dem Merkel eigentlich versprochen, wenn der den Wahlkampf der SPD versaut? Oder will er Gabriel und Beck nur eins eingießen? Schöne Analyse der Süddeutschen übrigens.Wie auch immer, ich hab mir das Blog mal genauer angeguckt. Geführt wird es als Autorenblog, die im Sinne Peer Steinbrücks bloggen. Begründet wird das von Herrn Steinkühler, dem Konzeptentwickler, wie folgt:

Die Faszination war groß. 2008, als ein gewisser Barack Obama, Rechtsanwalt aus Chicago, sich aufmachte Washington zu erobern. Ein Schwarzer. Ein Demokrat. Eigentlich ein Außenseiter. Die Welt hatte seinen Namen nie gehört.

Dennoch, die Vision, dass dieser verhältnismäßig junge Mann den mächtigsten Staat der Welt regieren könnte, jenen, der durch die terroristischen Angriffe eher nach harter Law an Order-Politik rief, als nach sozialer Fürsorge, Gesundheitsvorsorge und gesellschaftlichem Ausgleich, breitete sich über das Internet aus. Jener Barack Obama startete nicht nur seine eigene Kampagne, er hatte viele Fans und Begleiter, die über viele Monate im Netz mit professionellen Blogs und auf Social Media Kanälen für den Kandidaten warben. Das inzwischen weltweit erfolgreiche Newsportal Huffington Post wurde erst im Wahlkampf 2008 richtig groß und populär. Als Obama im Januar 2009 das Weiße Haus betrat, hatte das Internet ihm den roten Teppich ausgerollt

Das ist richtig – und grottenfalsch.

Barack Obama wurde vor 4 Jahren gewählt, weil die Leute in ihm einen Hoffnungsträger sahen. 2012 wurde er wiedergewählt, OBWOHL er die meisten Hoffnungen enttäuscht hatte – weil Mitt Romney ungefähr so vom Regen unter Umgehung der Traufe direkt in die Scheiße gewesen wäre.

Das Internet hatte da nur einen relativ geringen Anteil, auch wenn der in den USA natürlich signifikant höher ist als hier im verschnarchten Deutschland. Aber zu behaupten, dass „Internet“ hätte Barack Obama den roten Teppich ausgerollt… boah, Netz-Analphabeten machen „Internet“ für einen Netz-Analphabeten.

Eiiiiiiinmal mit Profis. Aber kommt noch besser.

Die deutsche Politik hat (bisher) nicht begriffen, wie es geht. Zwar nutzen nahezu zwei Drittel aller Bundestagsabgeordneten eine Facebook-Seite, ein Viertel der Bundesminister twittert gar täglich, aber die politischen Gestalter unter der Berliner Reichstagskuppel vernachlässigen die direkte Online-Kommunikation mit den Bürgern.

Stimmt nich. Volker Beck ist recht rege und reagiert sogar auf fiese Tweets von mir. Genauso Peter Altmaier, mit dem kann man sogar diskutieren, der antwortet und nimmt einen relativ ernst. Das macht seine Vorschläge nicht schlauer, aber  immerhin 🙂

Wenn man die einzelnen Abgeordneten der Parteien durchguckt: Die twittern alle irgendwo. Entweder deren Büro (unpersönlich) oder sie selbst (sehr viel persönlicher). Man sieht sofort, wer wo wie twittert, bloggt, sich Arbeit macht.

Und genau hier ist das Zauberwort. Gerade bloggen ist Arbeit. Wenns nicht so ein Hobby-Rant-Blog wie meins sein soll, dann ist das massive Arbeit. Ständiges Hirschen nach Themen, aufbereiten, nachrecherchieren (hab ich übrigens gemacht. Soweit ich das sehen kann, ist das peerblog tatsächlich echt. Leider), in einen lesbaren Text gießen, der nicht grad vor Rechtschreibfehlern strotzt und dann das ganze von vorne.

Twitter ist rasend schnell, da am Ball zu bleiben ist ohne Software fast unmöglich. Es sei denn, man nutzt es wie ich: Seite aktualisieren, kurz querlesen, ob Themen dabei sind, die man fürs Blog aufgreifen kann, lesen, nachrecherchieren und posten. Derzeit hole ich meine meisten Themenanregungen tatsächlich von Twitter.

Davon abzugrenzen sind die Autorenblogs. Ein Beispiel für ein sehr gutes Autorenblog ist zum Beispiel Carta. Hier schreiben Fachautoren auf ihrem Gebiet. Die Artikel von Beate Reszat zum Beispiel: Lesen. Die sind nicht immer Mainstream, aber geben verdammt gute Einblicke und sind gut recherchiert.

Vera Bunse – kann verdammt wütend werden, hat einen guten Kopf auf den Schultern und macht ihre Arbeit ohne Wenn und Aber. Peter Piksa hat auch immer nette Artikel dabei, die gut Hintergrundinfos geben.

So *kann* ein Autorenblog aussehen.

Und nun kommen wir zum Peerblog.

Pure Polemik auf der untersten Schiene. Merkel gibt doch alleine aufgrund ihres trutschig-behäbigen Regierungs“stils“ nu wirklich genug Elfmeter vor. Ihre Versuche, Europa an die Leine zu legen, zum Nutz und Frommen Deutschlands und den Wählern gleichzeitig zu verkaufen, dass wir die größten Opfer der Finanzkrise sind: Durchsichtig und man könnts mal so thematisieren, dass die Leute das einerseits verstehen, auch wenn der IQ irgendwo zwischen Toastbrot und Bildzeitung liegt, andererseits aber dabei sachlich bleiben. Allein, hier war der Wunsch der Vater des Gedankens. Jeder „Autor“ der da postet, haut einen Artikel raus, bei dem kanns einem schlecht werden.

Schlecht geschrieben, so polemisch, dass man sich danach gerne mal duschen möchte. Wie zum Beispiel der Artikel über das Fernsehduell. Herr Steinkühler, WTF? Frau Merkel hat, außer im ersten Wahlkampf noch NIE zwei Fernsehduelle gemacht. Die Lektion hatte sie gelernt. Und sie hat auch daraus gelernt, wie Schröder mit Stoiber Schlitten gefahren ist. Das zweite Duell kann die Wahl kosten, dass weiß sie, das will sie vermeiden, also ist das doch ein Nebenkriegsschauplatz. Peer Steinbrück hat doch absolut genug damit zu tun, erstmal das ERSTE Fernsehduell zu überleben, ohne dass er danach aussieht wie ne gerupfte Möwe.
Wie ein Politikblog aussehen kann, macht zum Beispiel schwarzblond von den Piraten vor. Persönliche Artikel, bei denen man ein Gespür für die Person hinter dem Blog bekommt. Artikel, die die eigene Politik erklären und nicht die der anderen schlecht macht. Die die Vorschläge erklären, wie sie dazu gekommen ist, wie die Arbeit stattgefunden hat. Und nebenbei, welche Einkünfte man hat, auch wenn diese Liste eher niedlich wirkt. *g*SO kann man politisch bloggen. Man muss schwarzblond nicht sympathisch finden oder ihr zustimmen – aber man weiß bei ihr, warum sie zu den Schlüssen gekommen ist, die sie gezogen hat. Peerblog? Fehlanzeige. Peerblog – gemacht von Leuten, die ein Medium für sich nutzen wollen, dass sie nur halb verstanden haben. Die glauben, dass die Print-Traditionen 1:1 ins „Netz“ überführt werden können und genauso funktionieren. Kurz gesagt: Das Peerblog ist von Menschen gemacht, die das Leistungsschutzrecht toll finden. 😉

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Veröffentlicht am 4. Februar 2013, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Lochkartenstanzer

    Naja, korrekte links kann sie trotzdem nicht setzen.

    (Und sie ist der gGrund, warum ich den Piraten inzwischen sehr kritisch gegenüberstehe).

    • Ich hab schwarzblond NICHT als Beispiel für eine gute Politikerin genannt, sondern sie weiß, wie man Blogs nutzt. Nicht mehr und nicht weniger.

      Persönlich halte sich sie für zu unbedarft und vor allem viel zu unerfahren, um Politik machen zu können.

      Es hat seine Gründe, dass manche Ämter an ein Mindestalter gekoppelt sind.

  2. Blogs nutzen ist eine Sache; Steinbrücks Blog hätte auch ohne Werbeagentur dahinter sicher einige Tausend Leser bekommen – zwar nicht so viele wie durch die jetzigen Geschehnisse, aber durchaus viele. Nun ist das ganze jedoch ins Gegenteil geschlagen, wie alle Vorhaben des Kanzlerkandidaten und man fragt sich wirklich, wie sehr sich dieser im Wahlkampfjahr 2013 noch selbst demontieren möchte.

    /edit Tante: Der Kommentar war kein Spam, der Link aber schon, ich habs editiert und dann freigeschaltet. 😉

  1. Pingback: Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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