Liberales Zickentum


Wenn man sich gerade so die Stellungnahmen der FDP zum Fall Brüderle anguckt, fragt man sich wirklich, wo die alle ihren gesunden Menschenverstand gelass…achso, FDP. Noja.

Aber wenn man mal genau hinguckt, sieht man ein paar feine Taktiken gerade laufen. Und Brüderle hängt in den Netzen drin und weiß nicht mehr wie rauskommen.

Genauso wie mein Kollege eins weiß Brüderle sehr offensichtlich nicht, was er falsch gemacht hat. Soviel halte ich ihm zugute. Denn die Verhaltensweisen gegen Journalistinnen scheinen ja offensichtlich normal zu sein.

Aber derzeit muss man mal genau hingucken, wer sich wie äußert. Und vor allem – wer nicht. Und das ist derzeit richtig spannend.

Die FDP ist nach wie vor im Umfragetief. Hätten die nicht die Stimmen von der CDU abgeschöpft, hätten die sich mit den Piraten unter „ferner liefen“ gekloppt. Nach der Wahl hat Rösler in einem ziemlich cleveren Schachzug seinen Rücktritt angeboten und wollte Brüderle ans Steuer lassen. Und der hat gekniffen. Seine Drohgebärden, seine Arroganz im Vorfeld: Verpufft, als es ernst wurde.

Rösler ist jetzt in einer recht bequemen Position. Wenn die nächste Wahl verloren geht, kann er auf Brüderle zeigen und sagen: „Ich wollt ja Platz machen, aber der wollte ja nicht übernehmen“. Wenn die Wahl gewonnen wird, wars sein Verdienst.

Die FDP hat derzeit eine ziemliche Lagerbildung: Christian Lindner, Dirk Niebel und Wolfgang Kubicki auf der einen Seite, Rösler auf der anderen, nach wie vor ziemlich isoliert und in der Mitte steht der angefressene Westerwelle und hofft, dass er den Fall so drehen kann, dass die Solidarität dann auch für ihn gilt.

Wenn man jetzt mal genau guckt, wer Brüderle verteidigt, sieht man diese Lagerbildung sehr genau. Wolfgang Kubicki zickt rum und will keine weiblichen Journalisten mehr empfangen. Dirk Niebel findet das gezicke genauso toll und glaubt, er kann die Journalistin einfach so abstrafen, indem er Termine absagt. Und der NRW-Landesverband hat heute offiziell Rainer Brüderle den Rücken gestärkt. Der Landesverband von Christian Lindner.

Brüderle selbst hält – klugerweise – gerade den Mund und hofft wohl, dass die Empörung wieder abebbt.

Alle Verteidiger von Brüderle reden sich hier gerade gründlich um Kopf und Kragen. Wolfgang Kubicki drückt sich auf eine Art und Weise aus, die ihm vor 20 Jahren noch mal gepflegt den Rücktritt eingebracht hätte. Auch jetzt ist das Echo eher moderat, was ihm entgegenschlägt.  Dirk Niebel steht dabei mit dem Rücken zur Wand, er war der einzige auf dem Dreikönigstreffen, der offen die Ablösung von Philipp Rösler gefordert hatte.

Und Philipp Rösler? Wo bleibt die Stimme von Philipp Rösler in all dem Getöse?

Philipp Rösler schweigt. Und er tut gut daran. Was soll er denn auch verteidigen? Das Recht eines Politikers, eine weibliche Journalistin auf derart unprofessionelle Art und Weise angegangen zu haben? Sie auf den Körper zu reduzieren, nur weil sie ein anderes Geschlecht hat?

Hätte Guido Westerwelle *JE* einen männlichen Journalisten so angegraben, was wetten wir, dass der inzwischen wegen Belästigung verurteilt worden wäre?

Denn er wird *möglicherweise* die Ernte einfahren können, wenn sich die Kubickis, die Niebels und die Brüderles endgültig selbst ans Messer geliefert haben. Sie sind Auslaufmodelle, die mit offensichtlich kaputtem Auspuff noch mal richtig Lärm rauslassen bevor sie auf dem Schrottplatz entsorgt werden.

Und die Koalition? Die Schwarz-Gelbe Koalition unter Merkel? Nun, um zu wissen, was da abläuft, braucht man nur mal die potenzielle Merkel-Nachfolgerin Ursula von der Leyen genauer angucken, die sich sehr deutlich geäußert hat.

Und genau darum das Schweigen von Rösler. Die Worte von Ursula von der Leyen – sie sind bei ihm angekommen, aber nicht bei den Brüllaffen der FDP, die offenbar einerseits völlig ihre eigene Bedeutung überschätzen und die Macht von Merkel und Co. unterschätzen. Und das sind Frauen.

Was glauben Niebel, Kubicki und Lindner eigentlich zu gewinnen? Nicht, dass die Merkel in irgendeiner Form Rückgrat hätte, aber bislang hat sie noch jeden entsorgt, der von der natürlichen männlichen Überlegenheit überzeugt war. Darum gibts ja in der CDU auch nur noch angepaßte Schoßhündchen, die von Merkels Leckerlis profitieren. Seehofer mag ja nach außen noch den dicken Max markieren, aber ist euch mal aufgefallen, dass seinen markigen Worten nur selten Taten folgten?

Und auch Philipp Rösler weiß genau, dass er sich besser nicht gegen Merkel stellt, wenn Schwarz-Gelb im Bund (gesetzt, die kommen noch über die 5%-Hürde) noch eine Chance haben soll. Mehrheitsbeschaffer kann sich Merkel auch woanders holen, notfalls holt sie sich die SPD wieder ins Boot.

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Veröffentlicht am 28. Januar 2013, in politisches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. „weiß Brüderle sehr offensichtlich nicht, was er falsch gemacht hat“

    Der Kollege kann nicht ganz doof sein, diese Vermutung geht imho zum Mond. Der FDP bleiben vor der großen Wahl jetzt noch zwei Möglichkeiten: Solche Dinge aussitzen oder eine klare, rechtsliberale Position beziehen – notfalls unter Inkaufnahme einer verärgerten Angie. Wir kennen die Besetzung, also wird aller Voraussicht nach ausgesessen.

    • Angie KÖNNEN die nicht verärgern, die sind eh am wackeln, wenn die sauer wird, schubst die. 😉

      Jepp, wird ausgesessen. Und ich wart mal, wann und wie Philipp Rösler sich äußert.

  2. ein anderer Stefan

    Rösler wäre schön blöd, dazu jetzt irgendwas zu sagen, da kann er nur verlieren. Nebenbei profitiert auch die CDU davon, weil Schavans Plagiatsvorwurf erstmal aus den Nachrichten verschwindet, aber auch die SPD, weil Steinbrücks Fettnäpfe im Moment keinen mehr interessieren.
    Natürlich war das vom Stern bewusst jetzt lanciert, weil es im Moment großen Schaden anrichtet. Brüderle sagt erstmal nichts, weil ihn das nur weiter beschädigen würde.

    Was ich an der Geschichte ärgerlich finde: Offenbar gehört diese „Anmache“ zum üblichen Gebaren unter Politikern – das geht mal gar nicht. Und wenn ich mich recht erinnere, hat Seehofer eine uneheliche Tochter, die offenbar während der Ehe gezeugt wurde. Ein bisschen Doppelmoral gefällig? In Bayern den katholischen Ehemann geben, weil sich das so gehört, und in Berlin fremdvögeln und Kinder zeugen? Da sind mir Schröder und FIscher lieber, die stehen wenigstens dazu, wenn eine Ehe nicht mehr geht und lassen sich scheiden. Mal ganz davon abgesehen, dass ich es auch nicht toll finde, wenn ein Politiker privat offenbar so wankelmütig ist, dass er vier Ehen hinter sich bringt – spricht nicht für seine Fähigkeit, Konflikte einvernehmlich zu lösen oder zu einer getroffenen Entscheidung zu stehen. Nun sind das alles keine Heiligen, das ist mir auch klar, aber ein bisschen mehr Standhaftigkeit, Aufrichtigkeit und so etwas altmodisches wie Ehrgefühl hätte ich dann schon gerne. Wenn eine Beziehung kaputt ist, soll man sie beenden. Aber nur weil ein hübscherer, jüngerer Rock vor einem herspringt, gleich hinterher zu steigen, finde ich nicht ok.

  3. Gute Frage, was hat Brüderle eigentlich falsch gemacht? Führen wir uns mal die Situation vor Augen:

    Da ist eine Journalistin, die sich für Pressekonferenzen und sonstige öffentliche Gelegenheiten wohl zu fein ist und deshalb Herrn Brüderle gegen Mitternacht an der Hotelbar anlabert. Zwischenergebnis 1: Die Journalistin hat die eher vertrauliche, private Athmosphäre des Gesprächs herbeigeführt.

    Die Dame fragt Brüderle, wie man denn in seinem Alter noch … was auch immer er gerade für ein Amt übernommen hatte. (Mal Frage an die Emanzen da draußen: Wie würdet ihr reagieren, wenn ein junger knackiger 25jähriger Journalist Angie fragen würde, ob sie denn in ihrem greisen Alter wirklich nochmal 4 Jahre Füh…äh….Bundeskanzler spielen will! Den würdet ihr an der nächsten Laterne an seinen Eiern aufhängen!)

    Wie dem auch sei: Das war also die zweite Unverschämtheit der Journalistin.

    Und irgendwann im halb-privaten, halb-beruflichen Gespräch kommt dann das Thema auf die Dirndln. Und Brüderle macht dann eine Bemerkung, die nebenbei gesagt, in Bayern ein schlichtes Kompliment wäre. Nun frage ich mich natürlich, wie Brüderle die Oberweite der Dame abschätzen konnte. Meine Vermutung: Sie ist da nicht im Nonnenkostüm an der Bar angetanzt, sondern hat genau das gezeigt, was man als nicht-sexistischer Mann heutzutage wohl nichtmal ansehen, geschweige denn drüber reden darf.

    Warum ziehen sich Frauen hübsch an? Warum tragen sie tiefe Ausschnitte, hochhackige Schuhe und verschiedenfarbige Kriegsbemalung im Gesicht, von der teuren Frisur, kreiert von Jacques, mal ganz zu schweigen?

    Auch wenn es eine bittere Erkenntnis ist, aber die Schminke dient doch tatsächlich nicht dazu, den Intellekt zu steigern! Frauen dürfen alles dafür tun, Männer durch ihr Auftreten zu reizen. Sie machen sich selber zum Anschauungsobjekt. Und als wäre das nicht genug, ist ER dann der böse Sexist.

    Das ganze ist eine hochgradig lächerliche Kampagne.

    Und indem Brüderle den Schwachsinn ignoriert, tut er das einzig richtige.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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