Lebensschützer


Es ist ja so einfach, sich hinzustellen, Abtreibungen zu verbieten und sich dann zu freuen, dass man ein Leben gerettet hat und ein Gerechter ist.

Die Konsequenzen müssen ja andere tragen.

Und genau hier wirds nämlich ziemlich bigott.

Ich kann nicht hingehen und Frauen die Abtreibung verbieten und im gleichen Atemzug sagen: „Aber wie du das Kind großziehst, ist nicht mein Problem, hättst ja aufpassen können“. Oder alternativ bei einer Vergewaltigung: „Gibs halt hinterher zur Adoption frei.“

Wenn man den Frauen die Abtreibung verbietet, dann geht das nicht, ohne, dass man zumindest in Ansätzen auch die Verantwortung für das ungewollte Leben übernimmt. Denn die Realität ist leider nicht so, dass eine Mutter, die über 9 Monate ein Kind im Leib trägt, dass sie nicht will, die das Kind als Eindringling empfindet, nach der Geburt im Überschwang der Hormone jubelnd das Wunschkind sieht.

Kinder, die so auf die Welt kommen, haben bereits eine Bürde auf den kleinen Schultern, die kaum zu tragen ist. Sie sind nicht gewollt – und ob man es verurteilt oder nicht, die Kinder baden das aus. Zu 100%.

Sind die Mütter noch einigermaßen bei Verstand, geben sie das Kind zur Adoption frei. Nur, dann kommen die nächsten Probleme. Die Adoptionsfamilie muss jetzt nicht zwingend ein Musterbeispiel an Nächstenliebe sein.

Und die Mütter, die sich dann entscheiden, das Kind doch noch zu akzeptieren? Sie hatten Gründe, die für eine Abtreibung sprachen. Desolate finanzielle Situation, Schule, Ausbildung, desolate private Situation, all diese Gründe mögen bei näherer Betrachtung für einen „Lebensschützer“ nicht stichhaltig sein, doch sie sind Realität für die Frau, die das Kind in sich trägt.

Und diese Frauen dann einfach alleine zu lassen, zu glauben, es wäre genug getan, wenn man denn nur das Kind am Leben erhält – was für ein Lebensschutz ist das?

Wenn man schon Abtreibungen verbieten möchte, dann kümmert euch gefälligst auch um die Kinder aus diesen Schwangerschaften. Sorgt dafür, dass sie geliebt werden, gekleidet und gefüttert und ausgebildet, kurz, dass aus ihnen aufrechte Menschen werden.

Und keine Opfer.

Aber soweit denkt von diesen Lebensschützern ja keiner.

Es ist ja auch so viel bequemer, sich mit dem Arsch auf die Bank zu setzen und zu verurteilen. Und man kann sich dann so schön rechtschaffen fühlen.

 

Advertisements

Veröffentlicht am 24. Januar 2013, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 14 Kommentare.

  1. Man muss beides tun, den Frauen eine selbstbestimmte Entscheidung ermöglichen UND den der Abtreibung „entkommenen“ (mir fällt nix Besseres ein) Kindern die Chance bieten, zu aufrechten Menschen zu werden, mit allem was dazu gehört, ich will hier nicht alles aufzählen.

    Die Lebensschützer sollen meinetwegen selbst auf die Durchführung von Abtreibungen verzichten, meinetwegen dürfen sie sich auch bemühen mit legalen Mitteln und ohne andere Menschen zu nötigen, möglichst viele Abtreibungen unnötig zu machen. Aber andere Menschen nötigen oder gar zwingen zu wollen (z.B. durch Drohung mit Arbeitsplatzverlust oder Schlimmeren), gegen ihr eigenes Gewissen zu handeln, ist zig mal unethischer als abzutreiben oder eine Abtreibung zu ermöglichen.

    Wenn die „Lebensschützer“ *ehrlich* und *ohne Vorbehalte oder Zwang* potentielle Mütter (und Väter) in Zwangs- oder Notlagen unterstützen würden und den Kindern für das Leben nach der Geburt ebenso *wirklich selbstlos* gleiche Chancen wie Wunschkindern eröffnen würden, könnten sie vermutlich viel mehr Abtreibungen unnötig machen (ich möchte nicht von „verhindern“ reden, weil das Zwang impliziert) als duch die strunzdummen und bigotten Aktionen, zu denen sie sich jetzt bemüßigt fühlen.

    Wenn sie tatsächlich der naiven Ansicht sind, dass Gott eine Abtreibung als Todsünde bestraft, dann sollen sie bitte die Bestrafung der Sünder auch ihm überlassen und sich nicht als Richter vordrängeln, DAS ist Blasphemie. Ich bin allerdings sicher, dass die Bestrafung nicht stattfinden wird, jedenfalls nicht durch meinen Gott.

  2. Es sind solche Texte wie dieser, die mich dazu bringen, den Kopf schiefzulegen und mich zu wundern.
    Wenn jemand mit meinen Worten nicht einverstanden ist, bitte ich diese Person nachdrücklich darum, auf diesen Kommentar zu antworten. Ich möchte einfach mal ehrlich schreiben, was mir in letzter Zeit durch den Kopf geht und mich interessiert, was andere Leute dazu denken.

    Nur rund 150 Jahre ist es her, dass es üblich war, über ein halbes Dutzend Kinder zu haben, mehr als die Hälfte davon vor deren Erwachsenenalter zu verlieren und selber schon mit 50-70 Jahren an Altersschwäche den Löffel abzugeben. Dann kam die Medizin, Wissenschaft und Bürokratie.
    Und wenn ich mir die Unterschiede so ansehe, frage ich mich wirklich, was denn da los ist. Leben will um jeden Preis beschützt werden. Alte, tattrige Menschen vegetieren in Altenheimen vor sich hin, Komapatienten verbringen den Rest ihrer Lebenszeit an eine Maschine angeschlossen und Kinder sollen um jeden Preis geboren werden.

    George Carlin brachte ein interessantes Extrembeispiel: Wenn ein besoffener Mann um drei Uhr nachts mit seinem Auto in eine Bar donnert, bricht erstmal Panik aus und die Ambulanz wird gerufen, um einen Vollidioten, der nachts besoffen fährt und einen Unfall produziert, zu retten, damit er weiterhin ein Idiot bleiben und noch mehr Unfälle bauen kann; anstatt dass die Gäste in der Bar johlen und tanzen und sich freuen, dass die natürliche Selektion den Genpool wieder ein wenig mehr gesäubert hat.

    Wie gesagt, es ist ein Extrembeispiel, aber die Denkweise dahinter finde ich interessant. Das Leben soll um jeden Preis geschützt werden, obwohl es bereits sieben Milliarden Menschen auf dieser Welt gibt – Der Mehrheit davon geht es bereits jetzt schon dreckig, weil es einfach schon zu viele Menschen sind.
    Ist es so falsch, den Tod normal zu finden und letztendlich die Schultern zu zucken mit dem Kommentar: „Irgendwann erwischt es uns alle“? Ist es so verwerflich, bei manchen Toten erleichtert zu seufzen und sich zu denken: „Zum Glück“ (siehe manche Darwin-Awards)? Ist es so absurd, die Frage „und was, wenn deine besten Freunde oder deine Familie stirbt“ ebenso mit einem sachten Nicken zu beantworten und zu sagen: „Irgendwann erwischt es uns alle, auch die, die ich liebe – das ist nur fair“?

    Ich sage nicht, dass das Trauern verboten werden soll, auf keinen Fall. Die Menschen im 19. Jahrhundert trauerten auch, das kann jeder Friedhof dieser Welt bestätigen. Aber ich zweifle an der Denkweise, dass tod- und leidgeweihte Menschen um jeden Preis weiterleben sollen.

    • Menschen müssen sterben, ob uns das passt, oder nicht.
      Bei meiner Tochter hat es mir und meiner Frau nicht gepasst und doch haben wir, ihre Eltern, – wie wir glauben im Einvernehmen mit ihr – beschlossen, sie gehen zu lassen. Und nicht auf Teufel komm raus und koste es, was es was es wolle, am Leben zu erhalten. Möglich gewesen wäre es.

      Für uns war die Entscheidung richtig, wir haben sie uns auch nicht leicht gemacht; sie ist auch in der Rückschau immer noch richtig gewesen und so sehr wir sie vermissen, wir bedauern die Entscheidung nicht.

      Wir hätten aber auch schon vor der Geburt abbrechen können, zumal recht früh klar war, dass es ein ernstes Problem gibt. Dennoch haben wir beschlossen, es darauf ankommen zu lassen und zu sehen, was geschieht. Und wir bereuen auch diese Entscheidung nicht, auch wenn sie uns Monate des Bangens und kurz darauf Hoffens eingebracht hat.

      Was ich aber trotz oder gerade wegen dieses Erlebnisses niemals tun müssen möchte, ist über Leben und Tod entscheiden zu müssen. Wir hatten für diese Entscheidung bei unserem Kind Wochen, ja, sogar Monate, Zeit. Und ärztliche und psychologische Beratung und Betreuung.

      Im Falle des besoffenen Idioten bleiben keine Wochen Zeit, er hat vielleicht nur Minuten, bis jede Hilfe zu spät kommt. Es besteht keine Möglichkeit der Beratung. Und ganz vielleicht hat der Genpool ja Glück und er wird geläutert. Oder Pech und er hat sich schon fortgepflanzt, dann wäre es darwinistisch gesehen sowieso egal. Den Führerschein (dauerhaft) abnehmen sollte man ihm trotzdem.

      Im Falle des Vergewaltigungsopfers ist das anders, es bleibt Zeit für diese Entscheidung. Und es gibt Beratung und Betreuung. Aber wer will den Schaden für die Mutter bemessen, die nach den Erinnerungen nun auch noch durch die Zeit bis zur Abtreibung entsteht?

      Ich habe gelernt, dass Menschen gar nicht sinnvoll über Leben und Tod entscheiden können, insbesondere bei letzterem wird einem die Entscheidung eigentlich immer abgenommen.
      Leben zu retten halte ich für unausweichlich, denn wer will in den wenigen Minuten entscheiden, ob dieses Leben nicht gerettet werden muss? Aber Leben um jeden Preis zu schützen ist IMHO genauso falsch, wie Retten richtig ist. Nicht nur, weil man es nicht in jedem Falle kann, sondern auch, weil man damit im Zweifelsfalle das Leiden nur vergrößert. Sowohl für die Mutter, als auch für das Kind.

      Langer Rede, kurzer Sinn: Bist Du nicht betroffen, dann halt Dich raus. Das ist meine Einstellung dazu.

    • Dieses Beispiel ist genau der Punkt, der uns, viele jedenfalls oder die meisten(?) gottseidank von, ich sag mal grob voraufklärerischen Zeiten trennt, wohl wissend, dass es das nicht genau trifft, leider noch nicht immer und überall.

      Daran, ob man anhand von Kriterien wie „der besoffene Raser hat es doch überhaupt nicht verdient“ oder „der dämliche Alkoholiker ist selber schuld, der kriegt meine Leber nicht“ und vielen ähnlichen Argumentationen entscheidet, ob ein Leben erhaltens- schützens- oder rettenswert ist, scheidet sich für mich eine humanistische von einer nicht humanistischen Einstellung zum Leben. Und sie scheidet sich ebenfall daran, ob man z.B. eine strafende und gleichzeitig rehabilitierende Strafverfolgung, wie bei uns, oder eine vornehmlich auf Rache ausgerichtete wie z.B. in den USA betreibt. Das muss keinesfalls heißen, dass ich das Handeln eines besoffenen Autofahrers billige oder auch die Tatsache gut finden muss, dass jemand sich die Leber kaputtgesoffen hat. Ob ich das gut finde oder nicht, hat aber nichts damit zu tun, für wie rettenswert oder nicht ich das Leben desjenigen im Vergleich zu anderen halte.

      Es kann im Einzelfall passieren, dass man zu entscheiden hat *welches* Leben man rettet, wenn mehrere gleichermaßen bedroht sind und nicht alle gerettet werden können. *Dann* muss man notgedrungen Kriterien heranziehen diese Entscheidung, die ich nicht treffen müssen möchte, zu treffen. Aber von *vornherein* entscheiden zu wollen, dass bestimmte Leben nicht erhaltenswert sein sollen, verbietet sich für mich.

      Das sollte man im Übrigen nicht mit der Abtreibungproblematik durcheinanderwerfen. Zum einen habe nicht ich als Christ, ein „lebensschützer“ oder ein Arzt über ein werdendes Leben zu entscheiden, das in einer anderen Person heranreift oder heranreifen könnte, sondern zunächst und vor allem mal diese Person selbst. Und damit muss auch diese Person ggf. mit der notwendigen Unterstützung und zwar völlig wertfreier Unterstützung anhand *ihrer* eigenen ethischen Kriterien und unter Berücksichtigung der Gesamtsituation entsprechend bewerten, wobei eben Leben nicht nur die Tatsache des „am Leben seiens“ meinen muss sondern auch das *gesamte* Leben, auch das der potentiell Abtreibenden, umfassen kann und in meinen Augen sollte.

      • Es kann im Einzelfall passieren, dass man zu entscheiden hat *welches* Leben man rettet, wenn mehrere gleichermaßen bedroht sind und nicht alle gerettet werden können. *Dann* muss man notgedrungen Kriterien heranziehen diese Entscheidung, die ich nicht treffen müssen möchte, zu treffen. Aber von *vornherein* entscheiden zu wollen, dass bestimmte Leben nicht erhaltenswert sein sollen, verbietet sich für mich

        Zum Beispiel bei der sogenannten Triage. Wenn du einen Massenunfall mit vielen Verletzten hast, MUSST du sortieren. Und die, die so schwer verletzt sind, dass sie – dem Stress des Augenblicks geschuldet – wahrscheinlich nicht gerettet werden können müssen hinter denen, die mit sofortiger Hilfe gerettet werden können, hintenanstehen.

        Traurig, aber eine vielgeübte Tatsache. Wer wissen will, wie eine Triage im Krieg aussieht, kann ich hierzu nur die Fernsehserie MASH empfehlen. Wenn ein Schwung Verletzte reinkommt und Hawkeye sich die Verletzten anguckt und entscheidet, was passiert – das ist eine Triage.

        Aber im regulären medizinischen Betrieb darf die religiöse Weltanschauung des Arztes keine Rolle spielen. Er hat sich nach dem Patientenwillen zu richten. Alles andere ist schlichtweg gefährlich. Denken wir das Beispiel Köln doch wirklich mal bis ins Extrem durch:

        – Ein Krankenhaus, geführt von den Zeugen Jehovas, verweigert seinen Patienten die rettende Blutkonserve
        – Ein muslimischer Arzt weigert sich, alkoholisierte Patienten zu behandeln, denn der Prophet hat Alkohol verdammt
        – ein jüdischer Arzt weigert sich, einen Patienten zu behandeln, der von nicht koscherer Nahrung krank wurde
        – ein hinduistischer Arzt weigert sich, einen Patienten zu behandeln, weil dieser nicht seiner Kaste angehört
        – ein buddistischer Arzt weigert sich.. hm. Komisch, da fällt mir grad kein Grund ein. Vielleicht, weil Buddhismus eher eine philosophische Grundeinstellung denn eine Religion ist?

        Egal wie man es dreht und wendet: Wenn ein Arzt eine Behandlung verweigert, weil sie seiner Weltanschauung widerspricht, hat er seine Approbation zurückzugeben. Und vor allem seine Kassenzulassung. Im Fokus der Behandlung steht nicht der Mediziner und sein Wohlergehen, sondern der Patient. Und wenn ein Mediziner mir sagt: „Ich bin gläubiger *insert Religion here*, ich kann sie nicht behandeln, weil… *insert random Grund here*“, dann ist das insbesondere bei Notfällen gleich welcher Art nicht mehr mit der Verpflichtung eines Arztes, Schaden von seinem Patienten abzuwehren, vereinbar.

        Und DIE Verpflichtung besteht ungeachtet der Tatsache, ob darauf ein Eid geschworen wird oder nicht.

        • ja, MASH ist mir (als Film, nicht als Serie) noch gut in Erinnerung, und ich habe in meiner Zeit als Bundeswehrsani auch notgedrungen einiges über Triage erhfahren und gelernt. Aber soweit muss man gar nicht gehen, selbst bei einem Massenunfall kann es notwendig sein (zunächst) zu selektieren und dabei ggf. das Risiko einzugehen einem oder mehreren Opfern nicht genauso adequat helfen zu können wie anderen.

          In einer Situation jedoch, wo Hilfe notwendig und auch möglich ist muss in jedem Fall geholfen werden, nicht nur über weltanschauliche und religiöse Grenzen oder Vorbehalte hinweg sondern auch ganz unabhängig davon ohne *irgendeine* Wertung, wie auch immer die begründet sein mag. Und deshalb ist der besoffene Autofahrer im Zweifel eben genauso viel wert wie jedes andere Unfallopfer, es sei denn ich kann nicht beiden (oder allen) helfen, aber auch dann würde ich immer noch eher nach medizinischen Kriterien und Chancen urteilen als nach moralischen, die stehen ganz weit hinten dran.

        • Ich HASSE die Reply-Funktion von WordPress.

          Ja, im Prinzip nichts anderes habe ich ausdrücken wollen.

          Und mit Triage hatte ich (zumindest theoretisch) selbst zu tun, gerade deshalb möchte ich nicht in diese Situation kommen, hätte aber schon klare Kriterien …

        • Lochkartenstanzer

          Also ich habe als (freiwilliger) Rot-Kreuz-Helfer gelernt, daß immer die am schwersten Verletzten zuerst zu versorgen sind. Würde ich auch erstmal so machen, sollte ich je in die Verlegenheit kommen. Allerdings kam ich bisher nie in die Verlegenheit kam, bei Unfällen zu helfen, bei dem ich zwischen mehreren Verletzten entscheiden zu müssen. Es waren immer genug Helfer da, um alle zu versorgen.

          Wie das dann wirklich mal wird, wenn ich eines Tages entscheiden müßte? Ich hoffe, ich komme nie in die Verlegenheit.

  3. Besser, die kümmern sich nicht um die Kinder! Was dann passiert, sieht man ja immer wieder!

  4. Was diese „Lebensretter“ auch oft nicht sehen: Die Schwangerschaft ist für eine Frau auch nicht gerade etwas einfaches zu verkraften. Der gesamte Körper ist da im Ausnahmezustand und für einige kann eine Schwangerschaft ein extremes Risiko für die körperliche und geistige Gesundheit, ja sogar das eigene Leben sein.

    Ich fange gar nicht erst mit Erkrankungen wie Lupus an, die in der Schwangerschaft einen Schub bekommen könnten (habe selbst so einen Fall gesehen, die Frau hatte großes Glück gehabt und bei ihr war es eine gewollte Schwangerschaft unter ständiger ärztlicher Beobachtung), nein, ich rede von „einfachen“ Dingen, die normal vorkommen, aber auch zum Problem für die Frau werden können wie Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabethes, die Tatsache, dass das Immunsystem runter gefahren wird… bis hin zum gefürchteten HELLP-Syndrom, welches das Leben der Mutter bedroht (und meist nur durch beendigung der Schwangerschaft in den Griff zu bekommen ist). Wer auch immer sagt, dass die Schwangerschaft der „natürliche“ Zustand der Frau ist, hat noch nie eine Schwangerschaft mitgemacht oder sich angesehen.
    zu den organischen Sachen kommen oft psyschiche Faktoren… und es gibt Frauen, die eine ungewollte Schwangerschaft in Depressionen und Psychosen treiben können. Nicht für umsonst wurde in den Indikationen für den Abort das psyschiche Wohl der Frau aufgenommen. Es gab schon Suizide, Suizidversuche oder Selbstverstümmelungen aus der Verzweiflung heraus. Oder zurückbleibende schwere Depressionen.

    Aber wie du auch gesagt hast, wenn die Frau das ganze übersteht tragen die Kinder das ganze außerdem noch aus. Entweder weil sie die Mutter ständig an das erinnern, was passiert ist, oder als Pflegekinder. (kann natürlich auch sein, dass alles gut geht, dass die Mutter sich liebevoll um sie kümmert oder die Pflegefamilie wirklich toll ist… aber verlassen kann man sich da nicht drauf.) Und mit so eine Bürge gebohren zu werden muss schwer sein. (nicht zu reden davon, dass die Frau dann meist allein gelassen wird und evt. von ihrem Umfeld noch schräg angesehen wird, weil sie ja ein Kind „ohne Vater“ hat… das kann auch schon sehr belasten)

    diese „Lebensschützer“ machen sich das Leben verdammt einfach, indem sie alles auf ein Problem reduzieren: „Wir verhindern, dass das Kind abgetrieben wird, das macht plus ein Leben“.
    Das ist aber eine Milchmädchen-Rechnung. Denn so funktioniert das nicht. Ob man will oder nicht, das ungewollte Kind hat einfluss auf alle in seinen Umfeld. Was ein Abtreibungsverbot macht, ist nicht mehr Leben. Es macht einfach mehr kaputte Menschen.

  5. Diese Milchmädchenrechnung hat doch die katholische Kirche erst vor kurzem in Brasilien versucht anzubringen.
    Eine 9-jährige wurde von ihrem Stiefvater mit Zwillingen „gesegnet“. Die Schwangerschaft wurde glücklicherweise vorher beendet und die Kirche hat dann erstmal Sie, ihre Mutter und die Ärzte exkommuniziert. Weil waren ja 2 Bonusleben und wenn das Mädchen halt nicht überlebt dann steht auf der Rechnung immer noch +1.
    http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/brasilien-abtreibung-bei-neunjaehriger-mutter-und-aerzte-exkommuniziert/1466230.html

  6. Ich geh da soweit, dass ich sage, eine Frau darf nicht gegen ihren Willen zur Geisel ihres ungeborene Kindes werden. Jede Schwangerschaft ist einerseits ein gewisses Risiko, andererseits ein massiver eingriff in die Intimsphäre und hinter außerdem auch wenn sie gut geht mehr oder weniger bleibende Spuren am Körper der Frau. Eine Frau dazu zu zwingen, ein Kind gegen ihren willen auszutragen, verstößt m.e. gegen die Menschenwürde dieser Frau. Wenn man mit dem schützenswerten leben argumentiert, müsste man auch Menschen verpflichten, für wildfremde einen teil der Leber oder eine Niere zu spenden… Großen unterschied macht das für mich jetzt nicht, beides ist ein eingriff in die körperliche Unversehrtheit, aber normalerweise nicht tödlich… Nur dauert lebendorganspende nicht neun Monate.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: