Schavan


Ehrlich gesagt, ich blick das nicht mehr durch.

Der eine sagt kein Plagiat, der andere erkennt auf Plagiat, wieder andere beschuldigen sich gegenseitig der unsauberen Arbeit und jeder haut auf jeden eine.

Streng wissenschaftlich natürlich.

Ich persönlich tendiere eher dazu, Schavan zu glauben.

Ich halte es einfach für unfair, an eine 30 Jahre alte Doktorarbeit die heutigen Maßstäbe oder Recherchemöglichkeiten zugrunde zu legen.

Und laut mehrerer Stimmen ist das passiert. Nur – ist es das wirklich?

Irgendwer von “meinen“ Studierten (wollte ich schon immer mal schreiben *g*) dabei, der mir das ganze mal erklären kann?

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Veröffentlicht am 22. Januar 2013, in Grober Unfug. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. Ich neige auch eher dazu, Schavan nicht mit den anderen Fällen zu vergleichen. Betrugsabsicht würde ich jedenfalls nicht unterstellen. Das Problem der vor-internet-zeit war m.E. (aus eigener Erfahrung) nicht so sehr die Recherche an sich, die war zwr verglichen mit heute extrem mühsam, weil man sich jede Woche und ggf. zu Beginn einer Arbeit auch etliche Jahrgänge rückwärts durch ein mehrere 100 Seiten starkes auf Dünndruckpapier gedrucktes Heftchen namens Current Contents anhand von Stichwortlisten wühlen musste (ok, irgendwann gab’s das auch auf Diskette mit rudimentärem Suchprogramm). Zumindest in den naturwissenschaften waren die Standards die Art und Weise betreffend, wie zitiert wurde, einfach noch nicht einheitlich, das hat die ein oder andere Unsicherheit mit sich gebracht. Außerdem kommt es immer wieder vor, dass man – unbewusst – vermeintlich selbst erdachte Formulierungen verwendet, die man anderenorts mal gelesen hat. Das zu überprüfen ist heutzutage tatsächlich um etliches einfacher, denn damals ® musste man sich erstens mal darüber bewusst werden, dass eine Formulierung tatsächlich schon mal so verwendet wurde, und außerdem diese Stelle auch noch finden, was das größere Problem war, denn die Texte lagen gedruckt und nicht in elektronischer Form vor.

    Aber trotz allem, ich denke schon, dass sie an der ein oder anderen Stelle sauberer hätte arbeiten können, auch wenn sie nicht absichtlich plagiiert haben mag. Ob das ein Grund ist, ihr den Dorktorgrad zu entziehen, bezweifle ich allerdings, mit dem Vorbehalt, dass ich natürlich weder die Arbeit gelesen noch einen Überblick über Art und Umfang der inkrimierten Stellen habe.

    • turtle of doom

      Ich sehe deine Argumentation zwiespältig. Wenn ein Mord vor 37 Jahren begangen wurde – Verjährung dahingestellt – wird trotzdem weiter ermittelt, und auch mit den heutigen Methoden. Um es einfach geklärt zu haben, und den Angehörigen zu sagen, was da passiert ist (http://de.wikipedia.org/wiki/Mordfall_Seewen als Beispiel).

      Wer sich heute auf einen Doktortitel beruft und nur dank ihm zu einem besser bezahlten Job gekommen ist, sollte auch die heutigen Massstäbe daran anlegen müssen. Damals hatte man in bestimmten Wissenschaften nicht sehr sauber gearbeitet, man hatte Doktortitel an „verdiente“ Leute vergeben, aber nun mal wird heute von allen Menschen ständige Weiterbildung gefordert, so sicher auch von Frau Schavan.

      So darf man sich nicht auf ein Zeugnis, ein Diplom oder einen Doktortitel berufen (und beruhen), wenn der 20 Jahre alt ist – oder mehr.

      Auch hat das heutige Publikum, die Bild-Leser, die Tagesschau-Gucker, grösstenteils keine Ahnung, was sich für eine Doktorarbeit gehört und was nicht. Wer Frau Schavan verteidigt, erweist den heutigen Doktoranden einen Bärendienst. Wenn sie ehrlich wäre, würde sie anerkennen, dass sie da in einer Zwickmühle drin ist.

      • Das ist alles schön und gut, nur kann ich heute keinen Grad aberkennen, der nach damaligen Maßstäben gerechtfertigt vergeben wurde. Dieser Bestandsschutz gilt in jeder Rechtsbeziehung. Der Vergleich mit dem Mord hinkt. Wenn eine Tat zum Zeitpunkt ihrer Begehung nicht strafbar war, wird sie auch heute nicht verfolgt. Es geht im Fall von Schavan *nicht* um die Ermittlungsmethoden, es geht darum, ob das, was in der Verganenheit passierte, *damals* skorrekt gewesen wäre oder nicht.

        Ich verteidige auch nicht das Vorgehen von Frau Schavan, sofern es sich nach den *damaligen* Maßstäben als unwissenschaftlich herausstellen sollte, dann wäre die Aberkennung des Grades gerechtfertig, allerdings geht es nicht an, eine Arbeit, die nach den Maßstäben zur Zeit ihrer Erstehung einwandfrei war, nachträglich als untauglich zu beurteilen.

        Und das Argument der Fortbildung hinkt ebenfalls. Fortbildung ist selbstverständlich möglich und sinnvoll, hat aber nichts mit dem Inhalt und der Form einer abgegebenen Dissertation zu tun, da man nachträglich an dieser nichts ändern kann.

        Wenn man mit diesen Maßstäben messen und dieser Argumentation folgen will, müssten je nach Alter derselben 50-100% der Dissertationen nachträglich als untauglich bewertet werden. Schaut man sich z.B. Dissertationen, auch in den Naturwissenschaften, aus den 50er und 60er Jahren an, würde die allermeisten heutigen Ansprüchen an Originalität und Form, insbesondere der Zitierweise nicht mehr genügen. Die Grade, die aufgrund dieser Arbeiten vergeben wurden, müssten dann konsequenterweise samt und sonders aberkannt werden. Das kann man nicht ernsthaft fordern.

        Ich kann nicht heute einem Unfallopfer den Schadensersatz wieder aberkennen, weil es zum Zeitpunkt des Unfalls keinen Sicherheitsgurt angelegt hatte, wofür zum damaligen Zeitpunkt keine Pflicht bestand, oder gar dass es die Gurte in der heutigen Form damals noch nicht gab.

        • Und was den Bärendienst an den heutigen Doktoranden betrifft: Den erweist man nicht dadurch, dass man alte Disserntationen nach den zu Zeit ihrer Entstehung gültigen Maßstäben beurteilt sondern allenfalls dadurch, dass man aktuelle Dissrtationen nicht nach den heute gültigen Maßstäben sorgfältig beurteilt. Wenn allein diese Aufgabe verantwortungvoll erfüllt würde wäre viel gewonnen. Nebenbei sollte man allerdings den heutigen Doktoranden den aktullen Stand, was Anspruch an Form und Inhalt einer Doktorarbeit betrifft, *rechtzeitig* nahebringen. Auch ein Doktovater oder eine Doktormutter steht da in einer Verantwortung, die vielfach nicht wahrgenommen wird oder werden kann, da in manchen Arbeitsgruppen Doktores am Fließband produziert werden, sodass eine ordentliche Betreuung gar nicht stattfinden kann.

          Das muss niemanden davon abhalten auch in alten Dissertationen zu stochern, wo der *begründete* Verdacht besthet, dass es sich um Doktorgrade handelt, die aus Gefälligkiet vergeben wurden. Aber man muss immer die *Maßstäbe*, nicht die Methoden(!), anwenden, die zur Zeit der Enstehung gültig waren.

  2. Ich sehe es so ähnlich wie Karl. Ich erinnere mich gerade an meine Diplomarbeit, noch mühselig auf der Schreibmaschine mit 2 Durchschlägen getippt. Da hat man vorher Bücher gelesen und seinen eigenen Text zusammengestellt – da ist im Nachhinein nicht mehr überprüfbar gewesen, ob mal ein Satz zufällig so formuliert wurde wie im gelesenen Text.

    Für mich wäre immer entscheidend das Ergebnis der wissenschaftlichen Arbeit – ist dabei eine neue Erkenntnis herausgekommen?

  3. Auch ich stimme Karl vollständig zu. Mir geht es selbst so, dass ich zum Beispiel einen Artikel excerpiere, und dabei vielleicht die eine oder andere Redewendung oder sogar einen halben Satz mehr oder weniger übernehme.
    Seit Guttenberg markiere ich mir diese Sätze direkt im Excerpt. In älteren Fragmente ist das nicht so – ich muss daher irgendwann nochmal alle Formulierungen, die evtl. nicht nach meiner Art zu formulieren klingen und in der endgültigen ARbeit landen, nochmal prüfen – was heute dank verschiedener Digital Libraries, Programmen wie Zotero und natürlich dem WWW allgemein leichter geht als früher.

    Daher sehe ich es auch so – wenn die Arbeit von Frau Schavan *damals* den wissenschaftlichen Ansprüchen genügte, dann sollte sie es auch heute noch. Das sie das heute inhaltlich vermutlich nicht mehr kann, das sei dahingestellt und ist eine andere Frage.

    Meine Diplomarbeit ist sicher formal immer noch korrekt – fachlich kann man sie in die Tonne treten, da das, worüber ich schrieb (ein Programm, das testete, ob die damals nur in Laborumgebung verwendeten Prototypen der DSL-Router richtig routen. Ein Masseneinsatz von DSL war damals (1994) noch nicht geplant…) heute ins Technikmuseum gehört. Nichts desto trotz darf und werde ich mich auf mein Diplom berufen, herzallerliebste Törtel 😉

  4. Ich stimme allen, die das ungekennzeichnete Verwenden vorhandener Formulierungen als Unrecht bezeichnen und eine – wie auch immer geartete – Strafe fordern, zu, aber im vorliegenden Fall ist noch kein Urteil gefällt worden, somit darf doch selbst eine Politikerin die Unschuldsvermutung in Anspruch nehmen, oder?
    Es ist wohl die Folge der schnellen Verbreitung im www als auch die Möglichkeit, spontan die (momentane) Meinung abzusetzen (oder sollte ich besser schreiben: unüberlegt den Emotionen ihren Lauf zu lassen), gleichgültig, was man auch damit anrichtet.
    Aber vielleicht ist es auch gewollt (von wem auch immer), darzustellen, dass das www nur ein Spielzeug (im Sinne von Kasperltheater) ist 😉 (schlag nach bei Daniel F. Galouye )

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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