Neusprech


Viel wird ja in der letzten Zeit über die Neuregelungen im Buch „Die kleine Hexe“ und „Pippi Langstrumpf“ erzählt. Wo der „Negerkönig“ zum „Südseekönig“ wird und andere sprachliche Neuregelungen erfolgen. Finde ich das gut?

Ne, natürlich nicht.

Einen schönen Aufhänger für den Artikel hat mir an der Stelle SpOn geliefert. Es gibt zwei Autoren dort, die diametral entgegengesetzter Meinung sind und das wird auch in den Artikeln dort sehr deutlich. Eins vorweg: Der Gegner der Änderung hat die besseren Argumente.

Diese Bücher sind nicht gestern geschrieben worden. Sie sind, im Falle Pippi Langstrumpfs, über 70 Jahre alt. Astrid Lindgren erfand die Figur 1941 am Krankenbett ihrer kleinen Tochter. Und auch die kleine Hexe ist keine moderne Figur, sie stammt aus dem Jahre 1957.

Und vor diesem Kontext muss man diese Figuren einfach sehen. Ist der Begriff „Neger“ rassistisch? Jo. Da besteht auch nicht wirklich ein Zweifel dran. Aber muss man ihn, in vorauseilendem Gehorsam, aus allem Schriften löschen?

Hierzu fällt mir eine Diskussion mit Wolfram ein, die ich vor ein paar Jahren hatte. Ausgerechnet *g*

Ich hatte, sinngemäß, gesagt, dass man der Bibel nicht wirklich trauen kann. Die damaligen Mönche, die die Bücher kopiert hatten, waren nicht immer hochgebildet. Sie waren gebildet, denn sie konnten lesen und schreiben, diese Kulturtechniken waren im Mittelalter nicht sehr weit verbreitet. Aber es fehlte ihnen an Übersicht. Der Meinung bin ich übrigens immer noch. 😛

Und wenn sie vor einem Teil der Geschichte stand, die sie kopierten, die sie nicht verstanden haben, haben sie es so übersetzt bzw. kopiert, wie es für sie Sinn machte. Ich halte die Bibel zumindest in Teilen nicht für so authentisch, wie viele sie gerne hätten.

Demgegenüber hielt Wolfram sinngemäß entgegen, dass die Bibel das bestdokumentierteste Buch ist, dass es gibt. Und dass die Kopisten früherer Jahre sich nicht getraut hätten, etwas zu ändern, denn sie hätten ja kopiert und nicht abgeschrieben. Und eine Änderung der Texte wäre auch unmöglich gewesen, man hätte ja noch die Vergleichsexemplare gehabt. Und wozu hätte der Kopist das ändern sollen? Es war doch die heilige Schrift.

Kurz gesagt, es gibt viele Beispiele, wie Bücher sich im Laufe der Zeit ändern. Weil diejenigen, die für die Vervielfältigung zuständig waren, eben Menschen waren. Die ihre eigenen Fehler hatten und Ansichten.

Aber das ein Buch bewußt geändert wird, weil die Sprache nicht mehr den höflichen Gepflogenheiten entspricht, ist imho ein Novum. Und ein böses Beispiel für Neusprech.

Nochmal: Der Begriff „Neger“ IST rassistisch. Und wir haben in Deutschland nach wie vor ein Rassistenproblem.

Und durch die Neuformulierungen wurde schlichtweg die Möglichkeit verschenkt, auf diesen latenten Rassismus hinzuweisen. Wo ist das Problem, das Buch im Urzustand zu lassen und dann im Anhang einen Text einzufügen, der das Problem erläutert? Oder in einem Vorwort?

Die Kinder fänden Pippi Langstrumpf immer noch toll. Oder die kleine Hexe. Und sie hätten gleichzeitig gelernt, dass es Begriffe gibt, die andere verletzen, weil sie böse sind. Weil sie dazu gedacht sind, abzuwerten. Neger ist so ein Begriff, der klassifiziert und deklassiert.

Aber durch die Auslöschung dieses Begriffes ändert man nicht die Hirne derjenigen, die jetzt „stark pigmentiert“ sagen und das urkomisch finden.

Chance gehabt. Chance vertan. Auf die schlimmstmögliche Art.

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Veröffentlicht am 19. Januar 2013, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 18 Kommentare.

  1. Aus historischen Gründen bin ich zwar gegen eine Umschreibung, aber man muss hier auch ein wenig differenzieren.

    „Und sie hätten gleichzeitig gelernt, dass es Begriffe gibt, die andere verletzen“

    Die Kinder lernen aber auch, das Wort Neger in ihren Sprachschatz aufzunehmen. Was bleibt vermutlich eher im Gedächtnis – die halbe Seite Einleitung, die kaum jemand liest, oder die 100 Seiten Handlung, in denen die Bezeichnung Neger als Alltagssprache vermittelt wird? Kinder identifizieren sich gerne mit ihren Helden, und dabei wird eben auch die Sprache des Helden übernommen.

    Ich weiß leider nicht mehr den Namen der Filmveranstaltung, aber als vor ein paar Monaten Kinder bei ebenjener gefragt wurden, was sie von Filmen erwarten, war eine Antwort „nur ein Problem pro Film“. Umgelegt auf Bücher könnte ein omnipräsentes Sprachproblem die Bücher ein wenig überladen, als dass sie als „Kinderbücher“ interessant wären.

  2. Links: Im Struwwelpeter, Heinrich Hoffmann, 1845 findet sich die bekannte Episode von den ’schwarzen Buben‘. Weil sie den ‚kohlpechrabenschwarzen‘ Mohrenknaben wegen seiner Hautfarbe verspotteten, wurden sie vom ‚großen Nikolas‘ in ein Tintenfass getunkt, sodass sie ’noch viel schwärzer‘ waren ‚als das Mohrenkind‘. Die Moral von der Geschicht‘ ist eindeutig und gereicht Hoffmann zur Ehre: Man soll jemand wegen seiner Hautfarbe nicht verspotten, oder gering achten. Rechts: Bildausschnitt aus Fips, der Affe, Wilhelm Busch, 1879. Die Darstellung Schwarzer, vor allem in Bilderbüchern begann sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu wandeln. Hatte man bisher eher realistische Abbildungen angestrebt, nahmen Schwarze jetzt oft karikaturhafte Züge an. Diese Tendenz findet sich vor allem in humoristischen Zeitschriften und ist zunächst noch nicht abschätzung gemeint. Denn die spöttisch überzeichnete Darstellung machte auch vor einheimischen Typen nicht halt, die oft weit bösartiger karikiert wurden als Schwarze. Trotzdem bildete sich eine eine Art Ikonographie heraus, die später in kindergerechten Publikationen, hauptsächlich in manchen Bilderbüchern und in comicartigen Bildgeschichten übernommen wurde. Schwarze wurden darin mit überbetonten Kulleraugen, wulstigen Lippen und Kraushaar gezeichnet.

  3. Ich weis nicht… ehrlich gesagt wusste ich als Kind als ich Pippi Langstrumpf gelesen (oder vorgelesen bekam) nicht einmal, was für eine Bedeutung „Neger“ hat… ein Wort ist nur so lange ein „böses Wort“ wie wir ihn diese Bedeutung geben. Ich hatte Null Ahnung dass mit dem Wort irgendwas verbunden ist (bis auf „Negerküsse“ XD) und hatte es auch so weit ich weis nie verwendet (warum auch? Das Wort hatte keine große Bedeutung also auch keine Verwendung) bis die Thematik in der Schule aufkam. Dann erst wurde das Wort für mich zu einem Schimpfwort oder generell etwas negatives.

    Was ich damit sagen will ist, dass wenn wir ein Wort tabooisieren oder es versuchen so zu löschen belegen wir es vielleicht nur noch viel mehr mit negativen Image.
    (Schönes Beispiel ist auch das Wort „Ginger“… ich habe lange Zeit geglaubt, dass man damit nur rothaarige Menschen bezeichnet, so wie es „Brünette“ für braunhaarige gibt… bis ich darauf hingewiesen wurde, dass es einer der Trigger-Wörter für viele Rothaarige ist, die wegen ihrer Haarfarbe gemoppt wurden. In Deutschland ist das kaum ein Thema… in anderen Ländern (gerade der Raum Groß Britannien) dagegen sehr.)

    Was ich damit sagen will: Die Bedeutung von Worten und ihr Gewicht hängt vom Kontext ab und wie wir damit umgehen. Nur das Wort zu löschen löscht das Problem mit dem Rassismus nicht aus. Vielleicht ist dein Vorschlag mit der kurzen Erklärung vielleicht gar nicht mal so schlecht. Aber vielleicht belegt es das Wort dann gerade erst mit seiner negativen Bedeutung? Es ist halt ne knifflige Sache…

    (übrigens: zu den Mönchen die die Bibel abgeschrieben haben: Gibt ne kleine Story aus der Anatomie. Im Schädel gibt es einen Knochen, das „Keilbein“ oder Os sphenoidale…. normalerweise werden Knochen nach etwas benannt, wie es ungefähr aussieht. Allerdings hat das Keilbein null Ähnlichkeit mit einem Keil (es sieht aus wie etwas längliches mit zwei Flügeln). Es wird also erzählt, dass es sich um einen Schreibfehler eines Mönches aus dem Mittelalter handelt, der das Wort „Os sphekoidale“ (Wespenbein) falsch abgeschrieben hatte. 😄 Er konnte das Wort natürlich nicht einfach so ändern, also hat er es so gelassen. Und da jeder vom anderen abschrieb ist es bis heute so geblieben und keiner kann es ändern, weil es ja „historisch“ ist. Kannst dir dann vielleicht denken, wie gut es dann mit den „perfekten Abschriften“ der Bibel steht. *grins* Fehler müssen nur lange genug bestehen bleiben, bis sie wieder richtig werden.)

  4. Zumal mal irgendwer den für mich sehr überzeugenden Grund anführte, dass pippi langstrumpf bewusst als rassistische undeben nicht perfekte (anti)heldin konzipiert wurde, auch als anspielung auf europäer. wenn man dies ändert nimmt man der geschichte tiefe.

  5. ein anderer Stefan

    Naja, dass Pippi Langstrumpf bewusst rassistisch konzipiert wurde, scheint mir da doch weit hergeholt. Das ist wohl eher dem Alter der Geschichte bzw. der Autorin zu verdanken: Schulbildung im Ersten Weltkrieg, berufliche Laufbahn in den 1920er/30er Jahren begonnen – da war der Rassismus noch normal, und das noch für viele Jahre und Jahrzehnte. Das soll jetzt Rassismus nicht entschuldigen. aber wenn jemand mit dem Wort Neger als umgangssprachlich normal aufwächst, verwendet er es auch in seinen Texten.
    Oder nutzt es in seinen Bildergeschichten wie bei „Tim im Kongo“.
    Sollen jetzt auch die Texte von Luther „korrigiert“ werden, der ganz üble antisemitische, sexistische und auch sonst sehr derb feindliche Dinge von sich gegeben hat?
    Ich bin mir sicher, dass literarische Sprachwächter viele Dinge finden, die nach heutiger Lesart unmöglich sind. Diese alle zu tilgen, löst aber das Problem nicht, es verdeckt es nur. Ich habe manchmal den Eindruck, dass Rassismus und andere ausgrenzende, feindselige und brutale Gedanken und Verhaltensweisen durch die Denk- und Sprechverbote erst recht in den Untergrund getrieben werden. Weil ja nicht sein kann, was nicht sein darf, blühen diese Denkmuster im Verborgenen und werden erst erkannt, wenn sie sich in Gewalt äußern, egal ob verbale oder physische Gewalt. PC verhindert meiner Meinung nach einen konstruktiven Umgang mit den entsprechenden Phänomenen. Es ist ein sehr urtümlicher menschlicher Reflex, sich von anderen abzugrenzen, vermutlich noch aus den Zeiten verblieben, als jeder „andere“ ein potentieller Rivale um Nahrung, Wohnung und Fortpflanzung war. Wenn diese Reflexe tabuisiert werden, verschwinden sie aber nicht. Ein sinnvoller Umgang damit ist offebar noch nicht gefunden.

  6. Lochkartenstanzer

    Ich bin strikt dagegen, Bücher „politisch“ korrekt zu korrigieren. Auch wenn es vielleicht anschließend weniger „anstößig“ ist, nimmt es dem Publikum doch die Möglichkeit, Die Geshichten korrekt in Ihre Zeit einzuordnen und zu bewerten. Hadmut Danisch hat da schon vor fast einem Jahr einen interessanten Blogeintrag dazu verfaßt:

    http://www.danisch.de/blog/2012/02/25/digitale-gefahr-sozio-zensur/

    lks

    PS. Ich habe Pippi Langstrumpf als Kind geliebt und es war das erste dicke, große Buch, daß ich mir von meinem Taschengeld gekauft habe. Der Begriff Neger war für mich damals als kind völlig wertneutral. Erst späer merkte ich, daß manche das anders meinten.

  7. Ich erinnere mich dunkel an ein Interview (wahrscheinlich zu ihrem 90. Geburtstag) mit Astrid Lindgren. Dabei meinte sie, dass sie damals das Exotische um Pippis Vater hervorheben wollte, und den Begriff „Negerkönig“ heute nicht mehr verwendet hätte. (Was auch dem bewusst als rassistisch und unperfekt konzipierten Charakter widerspricht)
    Insofern finde ich das Umschreiben zu „Südseekönig“ nicht wirklich die Aufregung wert.

    Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, Kinderbücher moderat dem Wandel der Sprache anzupassen und nicht mehr gebräuchliche Formulierungen durch zeitgemäßere zu ersetzen („verprügeln“ statt „zusammenwichsen“) – so wie wir eben auch direkt mit Kindern sprechen. Aber eben auch nur in Maßen, und ohne den Sinn zu verändern.

    Die Bibel? Die ist so oft abgeschrieben und übersetzt worden – es wäre ein großes Wunder, wenn sich dabei nicht Fehler (nicht zuletzt auch durch mit der Zeit gewandelte Worte und Bedeutungen) hineingeschlichen hätten.
    Und dabei sind dann die bewussten Änderungen und Streichungen durch die Kirche noch nicht mit einbezogen….

    • Lochkartenstanzer

      Apropos Bibel:

      Die meisten Texte des NT und auch des AT sind lange Zeit nach den Begebenheiten entstanden, die sie schildern. Von daher würde es mcih überhaupt wundern, wenn selbst die „Originale“ fehlerfrei gewesen wären.

      Und von wegen man würde es doch merken, wenn man veränderte versionen herausgegeben hätte: Die meisten Menschen haben damals doch kaum eine Bibel zu Gesicht bekommen und selbst die, die eine mal zu sehen bekamen hatten das Problem, daß sie kaum darin lesen konnten oder durften. Wie hätte es da jemals auffallen sollen, daß die „Neuauflage“ politisch korrekt angepaßt war?

  8. Hört mir mit der Bibel auf – was meint ihr eigentlich wieso Moses Hörner hatte? Daran haben sich Generationen von Theologen einen Wolf geschrubbt, weil zuzugeben „Murmelmurmelkleinrübersetzungsfehlerhebräischistaberauchdiepestvomkompliziertmurmel“ wäre letztlich arg peinlich gewesen. Irgendwann mussten sie es einräumen. Ändert nichts daran das z.B. die berühmte Mosesdarstellung von Michelangelo ein prächtiges Paar Hörner hat.
    Umschreiben wegen der Kinder hat aber lange Tradition, berühmtestes Beispiel sind da die Brüder Grimm, die einiges sehr entschärften, ehe sie es in ihre „Hausmärchen“ aufnahmen.

  9. Tantchen, ist das nicht eher ein bisschen „psycho“?
    Auch wenn Du mir jetzt zürnst: ein Wort ist doch nicht per se negariv anzusehen (= rassistisch), es wird doch dazu erst durch Interpretation
    .. in den Köpfen derer, die sich an dem Wort stossen.
    Es ist zwar richtig, Worte, die in der neuen Zeit nicht mehr gebräuchlich sind, zu erläutern, aber doch nicht ersetzen! Das führt lediglich zu wesentlichen Sinnveränderungen.
    meint
    Hajo

    • Ich bin Frankfurter (aus dem geringfügig grösseren Frankfurt) und somit aufgewachsen mit einem Buch, welches Struwwelpeter heisst (ich denke, viele meiner Generation kennen dieses Werk).
      Dort heisst es in einer Geschichte:
      „Es ging spazieren vor dem Tor
      ein kohlpechrabenschwerzer Mohr ..“
      Willst Du auch das political correct umdichten?
      ‚tschuldigung, aber wer so denkt, um dessen Dichtheit muss man wohl bangen.

      Du merkst, dieses Thema wühlt mich emotional etwas auf, ich bin darüber leicht verärgert, denn: haben wir wirklich keine anderen Probleme? Dann gälte ja: felix germania (oder we auch immer der Lateiner sagen würde).

      • erstmal hat „Mohr“ eine andere (indirekte) Bedeutung als „Neger“

        und dann ist „Die Geschichte von den schwarzen Buben“ auch explizit eine, die sich gegen Diskriminierung allein der Hautfarbe wegen richtet.

        „Da kam der große Nikolas
        Mit seinem großen Tintenfaß.
        Der sprach: „Ihr Kinder, hört mir zu
        Und laßt den Mohren hübsch in Ruh’!
        Was kann denn dieser Mohr dafür,
        Daß er so weiß nicht ist, wie ihr?“
        Die Buben aber folgten nicht
        Und lachten ihm ins Angesicht
        Und lachten ärger als zuvor
        Über den armen schwarzen Mohr.“

        Die drei lachen aber weiter und werden dafür in ein großes Tintenfass gesteckt.

        Im Ergebnis:
        Du siehst sie hier, wie schwarz sie sind,
        Viel schwärzer als das Mohrenkind!
        […]
        Und hätten sie nicht so gelacht,
        Hätt’ Niklas sie nicht schwarz gemacht.

        Man kann der Geschichte nun vorwerfen, dass sie nur das Lachen, nicht die Geisteshaltung dahinter „bestraft“, aber viel mehr ist da nicht zu holen. Für eine Geschichte aus dem neunzehnten Jahrhundert recht bemerkenswert! Dass der Struwwelpeter allgemein recht „robuste“ Erziehungsgrundsätze hat ist hierbei ein anderes Thema.

        • Engywuck: Einspruch, Euer Ehren: „erstmal hat “Mohr” eine andere (indirekte) Bedeutung als “Neger”“
          .. ist Unsinn: warum, meinst Du, heissen die Schaumküsse nicht mehr Mohrenköpfe („Negerküsse“ hast Du ja bereits – indirekt – erklärt) ?
          .. und von den Folgen für die „Frevler“ habe ich nicht geschrieben (die tun auch nichts zur Sache), hier hat Hoffmann wohl weitaus weiter gedacht als seine Zeitgenossen.

          • Das mit dem „Mohren“ ist m.W. etwas unklar. Abgeleitet von „Maure“ bedeutet es sicherlich etwas anderes als „Neger“, wobei man allerdings vermuten darf, dass die große Mehrheit das vor ein paar Jahrzehnten eh noch nicht auseinanderhalten konnte. Das spanische „Moro“ wird ähnlich unscharf gebraucht, obwohl die „Mauren“ in deren Geschichte noch deutlich mehr Bedeutung haben als bei uns.

            Pippi Langstrumpf & Co. sollte man meiner Meinung nach in Ruhe lassen und Kindern lieber beizeiten erklären, dass bestimmte Ausdrücke nicht unproblematisch sind. Schließlich lässt sich auch nicht vermeiden, dass Kinder irgendwann noch viel gebräuchlichere „böse“ Wörter kennenlernen und gleichzeitig lernen, wo deren Verwendung nicht angebracht ist.

            • Interessanterweise gibt es im Englischen ein (heutzutage ungebräuchliches) Wort „blackamoor“, entstanden im 16. Jahrhundert, mit Bedeutung „Person mit sehr dunkler Haut“. Gebildet aus „black“ und „moor“ – auf deutsch wäre das Äquivalent etwa „Schwarz-Mohr“.
              Danach scheint „Mohr“ zumindest damals (noch?) eine im Hinsicht auf Hautfarbe nicht eindeutige Bezeichnung gewesen zu sein.
              siehe auch http://etymonline.com/index.php?term=Blackamoor&allowed_in_frame=0

              Interessant, auf was man alles stößt, wenn man bei seinem neuen Kindle die Wörterbuchfunktion ausprobiert, um „black spot“ zu finden 🙂

              Zum Thema Pippi Langstrumpf können wir uns auf „in Ruhe lassen“ einigen. Ich bin allerdings für vorheriges Vergraben mit Holzpflock durch die Seiten 😉 Gründe siehe unten.

  10. bei Pippi Langstrumpf ist die Verwendung von „Neger“ noch das geringste Problem.
    Viel gravierender ist die unreflektierte Verwendung von Gewalt (egal wer es ist, solange er etwas will was Pippi nicht passt wird er „dank“ ihrer großen Kraft „unschädlich gemacht“ – egal ob Polizist oder Einbrecher) und im Buch „Pippi in Taka-Tuka-Land“ die mehrfache implizite Annahme, „Neger“ seien dumm – erst die weissen Kinder kommen auf die idee, vor der Bucht ein Netz gegen Haie zu spannen etc. Die Eingeborenen sind alles „Wilde“.
    Insofern ist Pippi Langstrumpf heute(!) meines Erachtens als „komplett untauglich für Kinder“ einzustufen.

    Ein Novum ist die nachträgliche Veränderung eines Buches auch nicht – Gullivers Reisen sind als Kinderbuch sowas von unlesbar, wenn man das Original (und die fiesen Anspielungen darin er)kennt . Und schon die Brüder Grimm haben zwecks leichterer Vermarktung ihre „Kinder- und Hausmärchen“ für die zweite Auflage umgeschrieben. Auf Englisch heisst sowas dann „bowdlerization“ nach Thomas Bowdler, der 1818 eine Shakespeareausgabe herausgab, ohne „those words and expressions… which cannot with propriety be read aloud in a family.“

    Letztlich ist das Streichen von „Neger“ aus Pippi Langstrumpf auch nichts anderes.

    Gegen das Ersetzen von „wichsen“ in „Die kleine Hexe“ habe ich dagegen weniger, hier wird nur ein Wort das einen Bedeutungswandel erfahren hat durch eines ersetzt, was dasselbe ausdrücken soll wie damals gewollt – bei Pippi handelt es sich um ein Ersetzen des (ungewollten) Geistes hinter dem Wort. Bei Büchern für Größere würde ich immer eine Fußnote mit Hinweis auf den geänderten Sprachgebrauch vorziehen. Die Uni Freiburg arbeitet für sowas an einem „Klassikerwortschatz“, der über geänderte Wortbedeutungen aufklärt – „blöde Augen“ für „Kurzsichtig“ ist heute wohl eher ungeläufig 🙂

    • ein anderer Stefan

      Es sollte meines Erachtens aber den Eltern überlassen werden, was sie ihren Kindern vorsetzen. Was hier gerade mit den Kinderbüchern geschieht, ist ein Beispiel für die Vollkasko-Mentalität, die versucht, von vornherein alles potentiell schädliche und gefährliche fernzuhalten (und eine Bevormundung). Das Problem dabei ist dann allerdings, dass die Kinder auch nicht lernen, Rassismus als solchen zu erkennen und keine adäquaten Strategien entwickeln können, um damit umzugehen. Natürlich setzt das eine kritische Haltung der Eltern voraus, die nicht immer gegeben ist. Aber wenn die Eltern sich ohnehin nicht kritisch mit dem auseinandersetzen, was ihre Kinder konsumieren, ist Rassismus in einem alten Kinderbuch wahrscheinlich das geringste Problem…

      • Kinder werden Rassismus nichtmal dann erkennen, wenn er ihnen im Äquivalent von 80 Punkt Comic Sans, blinkend, neonkotzgrün, vorgesetzt wird. Jedenfalls nicht das „Empfohlene Lesealter“ von Pippi Langstrumpf von 6 Jahren. Kinder in dem Alter wollen sich auch nicht kritisch auseinandersetzen, da kommt eher „Onkel, lies weiter“ – und das schon bei harmlosen Sachen, wenn man nur mal wagt zwischenzufragen, warum dieses oder jenes erwähnte im Buch als unschön deklariert wird. Analogien erkennen sie ebenfalls nichtmal, wenn sie explizit draufgestoßen werden – und das bei Büchern, deren Grundaussage so ist, wie man als Eltern (bzw. in diesem Fall Onkel) es sich wünscht.
        Klar kann man nun einwenden „dann muss man als Eltern das Buch halt vorher lesen“. Klasse Idee, die aber spätestens dann scheitert, wenn das Buch im Kindergarten vorgelesen wird oder dem Kind zu Geburtstag/Weihnachten/… geschenkt wird und der Schenker gleich draus vorliest. Solange „Pippi Langstrumpf == Kinderbuch“ (ggf. beliebiges anderes Buch einsetzen) in den Köpfen verankert ist wird keiner sich wehren, wenn er hört, dass das im Kindergarten vorgelesen wird.

        Kinder sind von sich aus erstmal grausam und extrem ich-bezogen — und lernen schneller als einem manchmal lieb ist. Auch nicht explizit angesprochenes. Übrigens auch ein Grund, warum ich „Kinderbibeln“ nicht gut finde 🙂

        (ja, ich habe drei Neffen – die in einem Elternhaus aufwachsen (bzw. bei den Großeltern), in dem viel auf Erklärungen auch in Büchern geachtet wird. Trotzdem bzw. genau deshalb meine Meinung :-))

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