Aufklärungswillen


Die Hotline der katholischen Kirche, über die man Missbrauchsfälle anzeigen konnte, ist inzwischen eingestellt aufgrund sinkender Nachfrage. Insgesamt wurde sie über 8500 mal kontaktiert, aber in letzter Zeit rufen so wenig Leute an, dass sich die Aufrechterhaltung nicht lohnt.

Bischof Ackermann glaubt offenbar, dass damit alle Fälle ans Tageslicht geraten sind.

Hätte er wohl gerne. Viel wahrscheinlicher ist es doch, dass Betroffene sich dem „Aufklärungswillen“ der katholischen Kirche nicht stellen wollen. Wenn man befürchten muss, das persönliche Daten an den Täter herausgegeben werden, der dann plötzlich vor der Haustür steht, um sich zu „entschuldigen“, senkt dass den Mut zur Offenbarung ungemein.

Wenn man liest, wie dieser Verbrecherverein über Jahrzehnte systematisch die Vorgänge vertuscht hat, bis hin zur Aktenvernichtung, kann man die 8500 Menschen zu ihrem Mut nur beglückwünschen. Wenn man dann noch liest, dass die Kirche allenfalls bereit ist 5.000 Euro Entschädigung zuzüglich Therapiekosten zu übernehmen, möchte man doch angesichts dieser Selbsterkenntnis in Tränen ausbrechen.

Warum werden eigentlich nur verjährte Fälle aufgearbeitet? Bischof Ackermann glaubt doch nicht ernsthaft, dass die Missbräuche vor 20 Jahren schlagartig aufgehört haben? Aber derzeit wird der Fokus nur auf die Fälle aus den 50ern, 60ern, 70ern gerichtet, vielleicht vereinzelt noch aus den 80ern. Es ist, als ob mit dem 1.1.1990 alle Priester auf einmal von Gott erleuchtet wurden und mit den Missbräuchen und Misshandlungen schlagartig aufgehört haben.

Und DAS ist in etwa so glaubwürdig wie die Rumweinerei des Bischofs, dass er doch nicht verstehen kann, wieso denn auf einmal alle gegen die Kirche sind, die klären doch auf und das böse KFN wollte sich doch nur zuviel rausnehmen…

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Veröffentlicht am 17. Januar 2013, in alltägliche Katastrophen, ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. Es würden sich viel mehr Leute melden, wenn die Kirche auch mal gegen die schwarzen Schafe in ihren Reihen vorgehen würde, und diese sich vor einem Strafgericht verantworten müssten. Stattdessen wird der Fall nur zu den Akten genommen, halbherzig ermittelt und die Untersuchungsergebnisse in einem kleinen Buch notiert, welches anschließend in einem Tresor unter Verschluss liegt.

  2. Solche Hotlines werden doch eh nur von Spinnern „genutzt“. Missbrauchsfälle zeigt man ganz woanders an.

    • Bei dieser Hotline gings um die verjährten Fälle. Weil, seit 1990 gibts ja keine Missbrauchsfälle mehr bei der katholischen Kirche. Die sind ja mit einem Schlag zur Räson gekommen.

      Oi? Fliegende Schweine? Vor meinem Fenster?

      • Eine Anzeige bei der richtigen Stelle kann auch noch Wirkung haben, obwohl die Sachen verjährt sind – wenn dies denn überhaupt der Fall ist.
        Was mich bei dem Thema am meisten annervt, ist das Bestreben der Kirche(n), solche Dinge intern- bzw. ohne Beteiligung staatlicher Stellen zu regeln. Die Hotline, sofern es die wirklich gegeben hat, ist auch wieder so ein Versuch.

        • Hast ja recht. Ich krieg auch jedesmal die Krätze, wenn ich wieder was lese.

          Und um Aufklärung gehts ja nicht. Da will keiner aufklären, sonst würden die ganzen „Forschungsergebnisse“ nicht im Nirwana bzw. einem Tresor verschwinden zu dem nur zwei Leute Zugang haben. Datenschutz. Pft.

          Verjährungsfrist beträgt 20 Jahre ab Beginn des 18. Lebensjahres. Rechne dir aus, warum der Stichtag 1.1.1990 war – die Skandale begannen, vor 2 Jahren richtig hochzukochen.

  1. Pingback: Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

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