Unfassbar


Wie oft ist das Märchen von dem Milliardenmarkt mit der Darstellung sexuellen Kindesmissbrauchs schon widerlegt worden? Wie oft soll man noch wiederholen, dass Erwachsenenpornographie kein Problem darstellt, weils ERWACHSENE betrifft und eben nicht Kinder? Wie oft muss man die alte Leier noch wiederholen, bis auch der letzte begreift, was für einen unfassbaren Blödsinn er da erzählt?

Aktuell erzählen diesen Blödsinn die Springer-Presse in Form von welt.de und den Schauspielerinnen Senta Berger und Nadja Uhl. Und bei wirklich jedem Satz möchte ich allen Beteiligten sagen: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.“ Springer-Presse, Springer-Presse, da war doch was…achja – die waren ja so Dicke mit Innocence in Danger. Nur falls sich jemand fragt, wieso der Tenor des Interviews so gezielt in Richtung „Massenmarkt im Netz“ geht.

An dem Tag, wo IID nicht mehr existiert, werde ich hier ne Flasche Sekt aufmachen, das ist mal sicher. Aber zurück zum Thema.

Man kann sich gerne darüber unterhalten, ob Pornographie moralisch ist oder nicht. Aber man darf kein Gesetz machen, dass Pornographie verbietet – denn Moralvorstellungen haben in Gesetzen nichts zu suchen. Und in diesem Interview wird permanent „Kinderpornographie“ und Erwachsenenpornographie durcheinandergeworfen, da wird nicht getrennt – das eine ist sexueller Missbrauch, das andere nicht.

Natürlich gibt es sie, die Zuhälter, die Frauen zur Prostitution zwingen, mit roher Gewalt. Natürlich gibt es die Verbrecher, die aus dem Leid anderer Kapital schlagen. Aber es ist doch eine ganz andere Hausnummer, wenn das bei Kindern gemacht wird.Nicht umsonst stehen auf Sexualstraftaten gegen Kinder schwerere Strafen. Und ja, da wird klar gewichtet und das muss es auch. Man kann nicht in einem Satz Erwachsenen- und Kinderpornographie durcheinanderwerfen und dann noch glaubwürdig sein.

Reden wir also mal über Moral. Frau Uhl sagt:

Wir haben keinen lockeren, glaubwürdigen gemeinsamen Konsens mehr für eine normale ethische grundsätzliche Moral.

Ich glaube, den haben wir sehr wohl. Das, was landläufig als „Kinderpornographie“ betitelt wird, wird landauf landab gesellschaftlich verachtet. Männer Menschen (auch Frauen missbrauchen), die Kinder missbrauchen, sind gesellschaftlich am unteren Ende der Nahrungskette.

Gucken wir mal weiter. Nackte Brüste in der Öffentlichkeit- amoralisch? Wird sicher die Hawaiianer sehr treffen. Oder andere Kulturen, die kein Problem mit barbusigen Frauen haben. Komplette Nacktheit in der Öffentlichkeit – haben die Aborigines kein Problem mit. Wir schon.

Lügen – verpönt? Amoralisch? Warum tun es dann so viele und sind trotzdem noch gesellschaftlich anerkannt. Schwule und Lesben – amoralischer Lebenswandel? Find ich nicht. Eine Menge anderer aber schon.

Die Liste ist endlos. Und sie ist auch durchaus enger zu fassen. Dinge, die ICH nicht als amoralisch ansehe, können woanders durchaus als amoralisch aufgefasst werden.

Moral ist nicht „normal“ oder „grundsätzlich“. Sie ist teilweise noch nicht mal ethisch, siehe die Moral über Schwule und Lesben.

Einen Konsens kann man hier nicht finden, es geht nur die Toleranzschiene. „Ich mag deiner Moral nicht folgen, das stößt mich ab, aber solange du sie mir nicht ins Gesicht schiebst, mach was du denkst. Ich red dir da nicht rein.“ – das ist der einzige, für mich vorstellbare gesellschaftliche Konsens, den man an dieser Stelle finden kann.

Was stellen sich Frau Berger und Frau Uhl denn da eigentlich vor? Verbot von Pornographie, weil es nicht ihrer Moralvorstellung entspricht? Weil Erwachsenenpornographie die Hemmschwelle für den Konsum von „Kinderpornographie“ senkt?

Wie bescheuert und verblendet kann man eigentlich sein?

Nochmal, für alle zum Mitmeißeln: Wenigstens bis Frau von der Leyen die Idee aufgebracht hat, hat es diesen „Milliardenmarkt im Netz“ nicht gegeben. Weil die Leute vom sexuellen Missbrauch von Kindern eben abgestoßen sind. Es trifft eine kleine Klientel, die ihren Dreck aber in geschlossenen Nutzerforen, mit der Schneckenpost oder per SMS oder MMS transportieren. Hat der Fall Tauss das denn verdammt noch eins nicht gezeigt?

Der Teil des Netzes, der www. ist, ist inzwischen viel zu engmaschig überwacht, als dass eine Seite, die das Zeug auch noch verkauft, lange online bleiben könnte. Denn Löschen statt sperren funktioniert. Auch die Hintermänner werden immer häufiger gefasst, wenn es denn mal gelingt, so einen Kreis auszumachen.

Und genau so muss es sein. Das Zeug muss raus aus dem Netz, gelöscht werden, die Betreiber zur Verantwortung gezogen haben.

Was wir aber NICHT mehr brauchen, ist das illusionäre Gesabbel zweier Schauspielerinnen, die die Drehbuchrealität nicht mehr von der tatsächlichen Realität trennen können.

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Veröffentlicht am 15. Januar 2013, in Allgemeines. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. „Männer, die Kinder missbrauchen, sind gesellschaftlich am unteren Ende der Nahrungskette.“

    Auch wenn der Missbrauch durch Frauen selten ist (oder totgeschwiegen wird) solltest du Männer durch Menschen ersetzen. Das hört sich vielleicht pedantisch an aber diese Pauschalität macht es vielen Männern schwer. Ich hab bekannte die Erzieher bzw. Pflegekraft etc. gelernt haben denen diese geistige Verbindung „Mann + Kind = Missbrauch bzw. Gewalt“ das finden von Arbeit echt hart macht. Ähnlich siehts auch bei Sorgerechts-verfahren aus, durch solche Vorurteile hat man als Vater schlechtere Karten.

    Abgesehen davon geh ich wieder mit dir konform Tantchen.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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