Lance Armstrong


Da hat der Gute nun bei Oprah Winfrey ein Interview gegeben, in dem er offenbar erstmalig ein Doping-Geständnis abgelegt hat. Yay, Einsicht bei Lance Armstrong?

Mitnichten.

Lance Armstrong drohen gerade zivilrechtliche Schadensersatzforderung in einer Höhe, die ihn nachhaltig ruinieren werden. Die Chancen, dass er verurteilt wird, stehen gut und wenn die mit ihm fertig sind, kann der auf der Straße schlafen gehen.

Der steht also zwar nicht mehr mit einem Bein im Knast, wohl aber mit beiden Beinen in einer Schuldenfalle, gegen die die Finanzkrise der US-Regierung wie ein Kindergeburtstag wirkt.

So, was macht man in so einem Fall?

Genau, man zeigt sich als reuiger Sünder, hofft auf eine Tüte Mitleid und dass man dann ein paar Milliönchen behalten darf.

Lance Armstrong ist KEIN Opfer. Er ist Täter. Er hat im Zuge seiner Karriere Mitfahrer zu Doping gezwungen, er hat sie bedroht, eingeschüchtert und alles getan, damit sein Netzwerk weiter funktionierte. Lance Armstrong gibt dem Wort „Kaltschnäuzigkeit“ eine völlig neue Bedeutung. Wie sehr er einsichtig ist, zeigt zum Beispiel dieses Bild recht gut, dass er auf Twitter verbreitet hat, mit der Nachricht, die sinngemäß aussagt: „Ich geh mal mit meinen Erfolgen chillen“ – das Bild wurde NACH der Aberkennung seiner Toursiege gemacht.

Seine Teamkollegen konnten gegen Armstrong nichts machen, hätten sie sich gegen das Dopingsystem Armstrong gestellt, hätte der die fertiggemacht. Und im Leistungssport ist es leider so, dass du nur einige, wenige Jahre hast, um deine Schäfchen ins Trockene zu bringen, danach musst du genug Geld und Bekanntheit haben, damit du den Rest deines Lebens davon leben kannst.

Floyd Landis und Tyler Hamilton zum Beispiel hatten Verträge mit dem Radrennstall von Armstrong – und die sind da nicht rausgekommen. Hätten sie es versucht, hätten sie kein Bein mehr an die Erde bekommen, Armstrong hat ihnen gedroht und das mehrfach, dass er sie dann fertigmacht.

Das System war nach dem Vorbild der Omerta der Mafia ausgebildet: Bist du für mich, wirst du befördert und das maximalst, bist du gegen mich mach ich dich fertig

Armstrong ging sogar soweit, dass er die Ehefrau eines Radfahrers eines anderen Rennstalls bedroht hat. „Don’t go. Run.“ hat er ihr während eines gemeinsamen Abendessens per SMS geschickt. Ich hab gestern irgendwo eine Auflistung der Fälle gefunden, wo mal aufgemetert wird, wen er alles im Rahmen seiner Karriere so bedroht hat.

Unvergessen ist seine Geste bei der Tour de France, wo er dem Rennfahrer Simeoni mit einer „Reißverschluß-Geste“ den Mund verboten und ihnn, den Ausreißer, zurück ins Peloton gezwungen hat.

Der tränenreiche Auftritt in der Livestrong-Stiftung, wo die Mitarbeiter selbst weinten aufgrund des Doping-Geständnisses, der emotionale Auftritt bei Oprah Winfrey – das ist kalkuliert, mehr nicht. Bei Armstrong gehts ans Eingemachte, wenn wirklich alles gerichtlich gewertet würde, was er so gemacht hat, geht der Kerl in den verdienten Knast und mit dem schönen, reichen Leben ist es auch vorbei.

DARUM ist Lance Armstrong jetzt reuiger Sünder. DARUM war er bei Oprah Winfrey, der Queen of Talkmasters. Die Show, die er sich dazu ausgesucht hat, spricht in dem Fall Bände.

Lance Armstrong hat Opfer hinterlassen. Er ist keins. Und es wird verdammt noch eins höchste Zeit, dass der so eins übergebraten bekommt, dass er sich davon nicht mehr erholt.

Denn derzeit liegen seine Opfer am Boden, er, der Täter hingegen, erfreut sich seines Lebens. Das ist nicht länger hinnehmbar.

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Veröffentlicht am 15. Januar 2013, in Amerika. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Und ich bin mir sicher, das ist nur die Spitze vom Eisberg …

    • Jepp. Nach wie vor ungeklärt ist die 100.000-Dollar-Spende von Armstrong an die amerikanische Radsportvereinigung. Die konnten die auch nicht so wirklich erklären, McQuaid steht da aktuell in der Schußlinie.

      Das System Armstrong war ein kriminelles Spinnennetz.

  2. Es war schon sportlich sehr suspekt, was er die Jahre über an Leistung gebracht hat. Seine Begründungen für positive Tests wie „Krebsmedikamente“ machten es noch nie glaubwürdiger.

    Nur – glaubt einer von euch, dass die anderen „sauber“ sind? Vielleicht nicht so skrupellos, aber hinsichtlich Doping ist da einer wie der andere von denen, die in der Weltspitze mitfahren. Meiner Meinung nach sind die negativ Getesteten einfach cleverer oder hatten mehr Glück.

    So lange man immer schnellere Zeiten erwartet, Sponsoren für Rekorde zahlen und nur die absolute Spitze zählt, wird das auch nicht aufhören, im Gegenteil. Das ist ein Hase- und Igel-Rennen.

    Doping freigeben? Ein guter Freund wäre dafür – nach dem Motto „jeder hat das Recht, sich selbst zu schädigen“. Mein Problem ist dann aber:
    – Wer zahlt die Folgekosten – nicht jeder Doper ist sehr gut verdienender Spitzensportler, manche wollen dank Doping erst dorthing. Und die gesundheitlichen Folgen zahlt dann die Gemeinschaft über die Krankenversicherung.
    – Es mag ja sein, dass man Erwachsenen erlauben könnte, die Eier und das Hirn schrumpfen zu lassen. Nur ist dann die Motivation von Jugendlichen (und deren Trainern), „ein bißchen früher anzufangen, merkt doch keiner“ noch größer – ähnlich wie bei Zigaretten und Alkohol: „So schlimm kann es nicht sein, sonst wäre es ja nicht erlaubt“. Und dass keiner von uns will, dass Kinder gedopt werden – das stelle ich jetzt mal außer Frage.

  3. ein anderer Stefan

    Bisher haben wir immer der Illusion geglaubt, dass Spitzensport wirklich Sport ist. Wenn es dabei irgendwann nur noch darum geht, wer am effektivsten dopt, kann man es auch lassen, denn das ist kein Sport mehr, sondern nur noch ein Wettlauf der Biochemie.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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