Kinder vor Gericht


Auch den Fall mitbekommen, wo in den USA gerade ein Kind verurteilt wurde?

Der Fall ist aber noch um einiges schlimmer als hier in den Medien dargestellt wurde. Sprechen die alle keine Englisch? Die Übersetzungen sind teils grauenhaft.

Zunächst, der Junge wurde *nicht* wegen Mordes verurteilt, sondern wegen „Second-degree-Murder„. Das entspricht in etwa dem Totschlag hier und hat *deutlich* geringere Auswirkungen als eine Verurteilung wegen Mordes.

Es stand hier auch in einigen Zeitungen zu lesen, dass der Staatsanwalt dem Jungen nicht geglaubt habe, dass er misshandelt und missbraucht wurde. Und die Richterin (sic, das war kein Richter) ihm hier nicht gefolgt sei.

Und um den Impact dieses Falles zu verstehen, muss man wissen, dass das schlicht falsch ist.

Die Richterin UND der Staatsanwalt haben dem Kind den Missbrauch und die Misshandlung seit frühester Kindheit geglaubt. Kein Prozessbeteiligter hat ernsthaft diese Tatsachen angezweifelt. Dennoch wurde der Knirps verurteilt. Warum?

Um ihm zu „helfen“.

Fakt ist: Der Kleine kann aufgrund des Alters weder in die Jugendstrafanstalten, geschweige denn in die Erwachsenenstrafanstalten verbracht werden. Das ist inzwischen allen Beteiligten klar. Aber auch klar ist, dass der Junge schwer gestört ist  Der braucht Hilfe.

Und hier ist eine Lücke im US-Rechtssystem, dass Hilfen für derartige Opfer einfach nicht vorsieht. Wenn jemand so schwer misshandelt wurde, dass er nur noch ein Ziel sieht, nämlich seinen Peiniger zu töten, dass er keinerlei Ausweg sieht, dann gibt es im US-Rechtssystem für diese Menschen keine Hilfen und keine mildernden Umstände. Es wird von den Menschen erwartet, einen Ausweg zu finden, der NICHT im Töten besteht.

Wobei erwachsenen Tätern hier durchaus das Moment der Notwehr zugesprochen wird. Aber dem Kind eben nicht. Denn weil er so klein war, musste er warten, bis der Vater eingeschlafen war. Und dann hat er ihn aus kurzer Distanz mit der Pistole erschossen – in der Erwartung, dass seine Qualen dann vorbei seien. Das hat er in den Verhören auch genau so geäußert.

Und weil es in den USA für diese Kinder (auch wenn sie keinen getötet haben) keine Anlaufstellen gibt, sucht man jetzt, nach der Verurteilung, den passenden Ort, um den Jungen einerseits weiter zur Schule gehen zu lassen aber andererseits eben auch behandeln zu können. Der dürfte eine massive PTBS haben, die schwerste Störung, die jemand haben kann, dir indiziert, dass dir etwas furchtbares angetan wurde, dass dein weiters Leben nachhaltig beeinflußt.

Das heißt, der braucht Hilfe, keine Strafen. Aber Hilfen sieht das US-Rechtssystem hier nicht vor, nur Strafen.

Und nur so – und NUR so – ist die Aussage des Staatsanwaltes zu verstehen, der dem Jungen vorher sehr deutlich gesagt hat:

Prosecutor Michael Soccio spoke to the boy after the hearing finished and said he wanted the child to know that his office wasn’t “against him as a person. We want him to get help.”

Das ist reine Hilflosigkeit. Und diese Feinheiten gehen bei unseren Übersetzungsprofis in den Medien gepflegt verloren. Wenn man sich die Nachrichten so ansieht, könnte man glauben, der Kleine geht wegen Mordes in den Erwachsenenknast, aber genau das versuchen gerade alle Beteiligten zu verhindern.

Was in den USA nicht wirklich einfach ist.

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Veröffentlicht am 15. Januar 2013, in alltägliche Katastrophen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Ich verstehe nicht, warum dem Jungen, wenn er schon keine staatliche Hilfe bekommt, nicht anderweitig geholfen wird? Es muss sich doch irgendjemand finden lassen, der bereit ist, für den Jungen zu spenden, damit er professionelle Hilfe in einem angenehmen Umfeld bekommt und NICHT in den Knast (egal in welchen) muss.

    Mir tut der Kleine leid. Wie verzweifelt muss man sein, um so etwas als Kind zu tun…

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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