Zurückhaltende Berichterstattung


Nach Amokläufen soll im allgemeinen zurückhaltend berichtet werden, zum Einen, um die überlebenden Opfer zu schützen, denn die haben wirklich genug auf dem Teller, die brauchen nicht wirklich noch skrupellose Journaille am Tisch sitzend, um auch die letzte tränenselige Story rauszumelken. Und zum Anderen, um Nachahmungstätern das Geschäft zu vermiesen.

Tja, das sind die Richtlinien, die dieser zahnlose Tiger, auch Presserat genannt, mal rausgegeben hat.

Und so sieht die Realität aus.

ICH kenne nur Leute, die von diesem Dreck abgestoßen sind. Und für mich ist mit ein Grund, warum Print stirbt (und Online-Paywalls nicht funktionieren) schlichtweg der, dass so ein mieses Geschreibsel von „ausgebildeten Qualitätsjournalisten“ die Leute einfach anwidert.

Die Gründe für gerade diesen Amoklauf sind, soweit mir bekannt ist, immer noch nicht vollständig klar. Aber eins IST offenbar klar: Der Täter hatte kein Asperger-Syndrom. Und selbst wenn – der ballert doch nicht Menschen um, weil er Asperger hat. Die Gründe liegen *immer* ganz woanders.

Das ist ungefähr die gleiche Argumentation wie die US-Waffenlobby sie jetzt raushaut: „Mehr Waffen rein in die Leute, denn: Nicht Waffen töten, sondern die Menschen, die Waffen halten“. Way to go, Cpt. Obvious. Und warum verbietet man nicht alle Waffen, sondern will noch mehr Waffen in die Leute pumpen? Weil „nur ein guter Mann mit einer Waffe einen bösen Mann mit einer Waffe töten kann“ – soviel zum Thema Gedanken können keine Waffen sein. Das ist so dermaßen bescheuert, dass man sich fragt, wie der noch unfallfrei die Schuhe zugebunden bekommt.

Aber auch wenn die Medien, und hier besonders die minderbemittelten Mietschreiberlinge des Boulevards, immer wieder leichte Erklärungen für komplizierte Sachverhalte suchen: So einfach ist es nicht. Und an Prävention geht nun mal kein Weg dran vorbei, wenn man Amokläufe verhindern will. Wir können unsere Kinder nicht bei der Geburt in Stahlkugeln einschließen und dann hoffen, dass nach 18 Jahren aufrechte, angstfreie Menschen aus den Kugeln hopsen.

Leben ist Risiko, Leben beinhaltet das Risiko, dass man sterben kann, das Risiko, dass man getötet oder ermordet wird. Und doch geht das Leben weiter für die Überlebenden. Doch man kann es ihnen leicht oder schwer machen.

Unsere Presse entscheidet sich regelmäßig in völliger Hysterie für das Letztere.

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Veröffentlicht am 14. Januar 2013, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 9 Kommentare.

  1. ach ja, Tantchen, selbst wenn Waffen einer Prohibition unterliegen würden
    – gäbe es genügend handwerklich begabte Menschen, die sich so etwas (nach Bauanleitung aus dem Internet) selbst bauen würden (Munitionsrezept ebenfalls im WWW) oder
    – gibt es immer noch die bösen, bösen deutschen Händler, die ausreichend Waffen liefern, die im „gelobten Land“ hergestellt (und mit der „Insektenvorstufe“ zertifiziert) wurden ..
    😦

    • ähm, hajo, wir HABEN eins der rigidesten Waffengesetze und hier bastelt sich auch keiner Panzerfäuste zusammen….?

      • Öhm ich kenne Fälle von Nazis in Sachsen und Sachsen-Anhalt wo sich mit Panzerfäusten ausgerüstet haben (sogar Bayern: http://www.br.de/themen/aktuell/inhalt/razzia-waffenhaendler-ostbayern-neonazis100.html). Das geht bis zum Schießstand der unter einem Abrissreifen Plattenbau angelegt wurde – den Artickel kann ich nicht mehr finden- iirc hatte fefe den mal.

        Marschflugkörper sind nicht das Problem dafür brauchst du nur eine mittelmäßige Werkstatt siehe „Pulse Jet“ Die Elektronik zur Steuerung bekommst du Komplett im Conrad.

        Zum Glück machen sich die meisten den Stress nicht. Vom erweiterten Selbstmord lenkt das nur ab. Das verrückteste was ich sah war ein Flammenwerfer aus dem Hochdruckreiniger …

        Terroristen kaufen lieber. Tatsächlich ist es ökonomischer Waffen, Sprengstoff etc. zu kaufen.

        Aber generell hast du Recht und unser Waffenrecht macht es für den Hobby-kriminellen um einiges schwerer und Klärt das Feld für die Aufklärung des Illegalen Waffenhandels.

      • Tantchen, selbst die 68er haben die Obrigkeitshörigkeit „der Deutschen“ nicht wirklich einschränken können
        .. somit aus die „Gesetzestreue“
        i.d.R. bin ich aber nicht unglücklich darüber 😉

  2. ein anderer Stefan

    Natürlich können auch schärfste Gesetze und drakonische Strafen Straftaten und Gewalt nicht verhindern. Das hat noch nie funktioniert. Aber wenn ich Mordwerkzeuge an jeder Ecke beliebig kaufen kann und eine Gesellschaft habe, die Gewalt glorifiziert, dann darf ich mich nicht wundern, wenn die Mordwerkzeuge auch aus nichtigem Anlaß benutzt werden. Und wenn ich mir echt Mühe geben muss, das Mordwerkzeug zu kriegen, dann passieren solche Taten seltener. Ich denke, in den USA ist eine Mischung aus gesamtgesellschaftlichen Fehlern (in der Erziehung) und der sonderbaren Idee, dass Waffen einen Menschen frei machen (von was auch immer) daran Schuld, dass solche Taten dort häufig passieren. Und weil die Presse darüber auch immer brav berichtet und die Deutschen Amerika ja so toll finden, wird es hier halt nachgemacht…

    • Es wird ja nicht nur dort „Gewalt glorifiziert“, sondern eben auch der Anspruch/das Anrecht diese auszuüben.
      „Jeder will mir was böses, und vor allem die Regierung“
      „Ich bin der Allerwichtigste und der Rest ist nur Beiwerk.“

    • Und selbst wenn der Erwerb von Schusswaffen erschwert wird, gibt es andere Möglichkeiten, jemanden zu töten:
      http://www.google.com/search?q=amoklauf+china&hl=de#hl=de&tbo=d&sclient=psy-ab&q=amoklauf+messer&oq=amoklauf+messer&gs_l=serp.3..0l2j0i30j0i8i30.136477.137198.0.137309.6.6.0.0.0.0.158.799.1j5.6.0…0.0…1c.1.LvE7KxpkbYQ&pbx=1&bav=on.2,or.r_gc.r_pw.r_qf.&bvm=bv.41018144,d.Yms&fp=bec3c08832139cfa&biw=1920&bih=887

      Wer andere töten will will, findet immer eine Möglichkeit dazu (Axt, Messer, Bombe, Auto, selbstgebauter Flammenwerfer, Gift usw…)

      • ein anderer Stefan

        Ja, das ist richtig. Aber wenn ein Werkzeug zum Töten, das ohne viel Nachdenken und fast ohne Eigengefährdung eingesetzt werden kann, frei erhältlich ist, ist m.E. die Gefahr deutlich erhöht.

  3. Wie praktisch, dass die NRA auch in diesem Fall einen passenden Sündenbock hat:
    http://www.sueddeutsche.de/digital/nach-amoklauf-von-newtown-nra-reicht-schuld-an-computerspiele-industrie-weiter-1.1573127

    Sicher, Call of Duty und ähnliche Shooter sind verantwortlich für 20 tote Kinder, nicht der doch sehr leichte Zugriff auf Waffen, bei denen selbst Rambo neidisch würde, und ein eher problematisches soziales Umfeld. Warum zum Geier braucht man zum Eigenschutz ein Bushmaster AR 15? Und warum wird sowas ohne psychologische Background-Checks an jeden verkauft, der unfallfrei seinen Namen unter ein Formular kritzeln kann? Statt jetzt die Schuld bei anderen zu suchen, sollte die NRA lieber erstmal die Füße still halten.

    DIe NRA hat selbst ein Spiel herausgebracht, welches „den sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit Waffen anhand von Fun-Wettbewerben und realistischen Simulationen“ lehren soll:
    http://www.sueddeutsche.de/digital/virtueller-schiessstand-im-store-von-apple-us-waffenlobby-lockt-kinder-mit-baller-app-1.1573332

    Entschuldige mich, ich geh gerad mal eine Runde kotzen…

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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