Klaus Kinski


Ich hab etwas länger warten müssen, bis ich einen Artikel gefunden habe, der zeigt, worum es mir gerade bei Klaus Kinski geht. Spiegel hat ihn mir dann geliefert.

Er hat seine Tochter missbraucht. Ich habs doch immer gewußt. Warum ich nichts gesagt habe? Ja, ich war doch damals so klein und überhaupt, als ich es hätte sagen können, war er schon tot. Das ist doch Sache der Kinder, da was zu sagen, nicht meine. Ich misch mich nur ungerne in die Familienangelegenheiten anderer Leute ein und überhaupt, es hätte ja sein können, das ich mich irre. Und wie hätte ich denn dann dagestanden?

Ein missbrauchtes Kind muss sich, aller Diskussionen um sexuellen Missbrauch zum Trotz, immer noch bis zu sieben mal einem Erwachsenen gegenüber outen, bevor ihm einmal geglaubt wird, bevor jemand dem Martyrium ein Ende bereitet.

Wird ein Fall dann bekannt, heißt es überall: „Ich habs doch gewußt. Mit dem stimmte was nicht. Das Kind war auch immer so still.“

Aber getan hat niemand was. Weder dem Kind geglaubt, wenn es Mut gefaßt hatte, etwas zu sagen, noch etwas getan, um das zu beenden.
Und dieser Artikel ist noch in mehr als einer Hinsicht merkwürdig.Arno Frank faselt etwas davon, dass „Komödien mit Kinski jetzt vernichtet wären“, weil die Missbrauchsvorwürfe bekannt geworden sind. Aber Gottseidank hat er ja nur „Meisterwerke megalomanischer Wucht“ gedreht, so dass diese jetzt nur eine Facette mehr bekommen.Merkt dieser Mann eigentlich noch irgendetwas?Es geht nicht um den Künstler Klaus Kinski. Auch wenn man den durchaus zwiespältig sehen kann. Es geht hier um den Vater, der an seiner Tochter ein Verbrechen begangen hat und das in Relation zu seinen Filmen zu setzen, ist noch nicht mal was fürs Feuilleton.Künstlersprech ist hier völlig fehl am Platze. Und dieses abgehobene Gewäsch auch.Klaus Kinski hat seine Tochter missbraucht. Pola Kinski ist glaubwürdig und man merkt ihr an, dass sie schwer zu kämpfen hat. Und sie bringt die gesamte Diskussion mit einem Satz auf den Punkt und zuende:

„Ich konnte es nicht mehr hören: ‚Dein Vater! Toll! Genie! Ich habe ihn immer gern gemocht!'“

Recht hat sie. Und mit dem Satz hat sie Arno Frank dessen überführt, wessen er sich eigentlich schuldig gemacht hat:Der Bigotterie.

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Veröffentlicht am 11. Januar 2013, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 14 Kommentare.

  1. Klaus Kinski war immer jemand, der mir Angst machte – egal ob in seinen Rollen oder in Interviews. Daher konnte ich ihm auch nie was abgewinnen. Wie es scheint zu Recht. 😦

  2. Lochkartenstanzer

    Als Kind war ich fasziniert, wie böse der in Edgar-Wallace-Filmen sein konnte. Später habe ich dann gemerkt, daß der das ja gar nicht spielt, sondern wirklich so ist. Schade für das Mädel, das es so eine Vater hatte.

  3. Kinski war und bleibt ein genialer Schauspieler, leider aber auch ein besessener, vermutlich auch wahsinniger, wie die Doku, die Werner Herzog mal gedreht hat, der ihn ja nun wirklich in (fast) allen Facetten kennengelertn hat, sehr gut herausgearbeitet hat.

    Und Klaus Kinski hat seine Tochter missbraucht, war also ein Verbrecher.

    Beides hat zunächst mal überhaupt nichts miteinander zu tun, weil der durchschnittliche Missbraucher nämlich gar nicht unbedingt ansonsten ein menschliches Monster sein muss (aber sehr wohl sein kann), wie es Kinski nebenbei auch noch war und eben nicht nur (aber auch) im Hinblick auf den Missbrauch an seiner Tochter.

    Das eine mit dem anderen zu verquicken ist kompletter Schwachsinn. Seine schauspielerische Leistung, so umstritten und zwiespältig sie sein mag, bleibt von dem, was nun an’s Tageslicht gekommen so unberührt, wie sie es geblieben wäre, wenn niemand etwas vom Missbrauch erfahren hätte. Dass er menschlich ein Schw..n war, war denen, die es wissen wollten auch vor dieser Enthüllung bekannt.

    • Ganz ehrlich? So recht du objektiv haben magst – Filme mit jemanden, vor dem mich ekelt oder, wie im Fall von Kinski, der mir durch seine Ausstrahlung Angst macht, kann und mag ich mir nicht ansehen.
      Und da frage ich mich wieder, wie groß das die Schauspielerische Leistung tatsächlich war – er schlüpfte nicht in eine andere Rolle, er lebte nur sich in anderem Gewand.

      • Hm, das sehe ich nicht ganz so. Ich möchte hier nicht unbedingt Kinski als genialsten aller Schauspieler dargestellt haben, es gab und gibt sicher bessere (aber nicht viele). Die Wallace Filme, wegen derer er hauptsächlich bekannt ist, verzerren das Bild aber ein wenig und haben vermutlich auch dazu geführt, das ihm danach hauptsächlich Rollen angeboten wurden, in denen er psychisch äußerst fragwürdige und kaputte Charaktere verkörperte, wobei er sicher selbst auch ein solcher war. Trotzdem waren diese Charaktere doch sehr unterschiedlich, und wenn er dabei nur sich selbst gespielt hätte, wäre das ein Indiz dafür, dass er als Person auch extrem unterschiedliche Facetten hatte. Ich glaube allerdings eher, dass er einfach auch ein guter Schauspieler war. Herzog hat immer wieder mit ihm gedreht, obwohl er, auch physisch unter ihm gelitten hat, weil er sich für bestimmte Rollen einfach niemand geeigneteren vorstellen konnte. Ich kann mir z.B. für die Rolle des Aquirre eigentlich auch niemand vorstellen, der sie mit dieser Intensität hätte spielen können.

        Nochmal: Dass er menschlich ein ausgesprochenes Ar….ch war, war schon vorher bekannt, ebenso, dass seine Ausbrüche oft genug am Rande der Kriminalität oder darüber hinaus waren. Niemand muss ihm das verzeihen, im Gegenteil, es ist ihm viel zu oft verziehen worden. Aber all das war schon lange bekannt und daran ändert auch das Buch seiner Tochter nichts, nur ist eben jetzt eine neue schreckliche Dimension hinzu gekommen. Alle aber, die jetzt schreien, dass sie es doch schon immer geahnt hätten und ihn jetzt auch als Schauspieler verdammen, müssen sich fragen lassen, warum sie denn nicht früher den Mund aufgemacht haben.

        Ich habe das Buch nicht gelesen, weiß also nicht, ob sie nicht schon früher versucht hat, auf diese Taten aufmerksam zu machen und ob es nicht vielleicht Signale gab, an denen ein aufmerksamer Beobachter den Ernst der Lage hätte erkennen können. Darüber zu spekulieren steht mir nicht an. Aber wenn es denn so war, müssen sich die, die es hätten ahnen könne, fragen lassen, warum sie geschwiegen haben. Jetzt ist es zu spät und Spekulationen ändern nichts mehr,

        Als Schauspieler ist er für mich kein anderer geworden, als Mensch hat er eine weitere schreckliche Dimension zu seinen anderen monströsen Facetten hinzugewonnen. Ich glaube aber nicht, dass ich dadurch seine Filme mit anderen Augen sehen sollte oder überhaupt darauf verzichten sollte sie mir anzusehen, das würde nichts an seinem unmenschlichen Verhalten ändern und hilft auch nicht seiner Tochter .

  4. Ich habe nie einen Film mit ihm gesehen. Mag sein, dass er ein herausragender Schauspieler war. Was mich aber immer sehr irritiert hat: Die Leute mögen ihn gar nicht, weil er gut geschauspielert hat, sondern weil er auch hinter der Kamera so durchgeknallt war.
    Dazu hat mir ein Kumpel mal Videos gezeigt: Kinski, der alle als Arschlöcher beschimpft, weil er an irgendeinem Set nicht den Fraß bekommen hat, den er sich wünschte, Kinski als Selbstdarsteller, der irgendwas von Jesus faselt etc. pp. Das war toll, das war cool.

    Aber warum ist ein antisoziales Arschloch, der sich einen Dreck um andere Menschen schert, cool? Warum ist Kinski cool? Warum ist Dieter Bohlen cool? Warum ist nicht stattdessen Gandhi cool?

    Ich finde, man kann sich immer noch Filme mit ihm ansehen, wenn er denn tatsächlich ein guter Schauspieler war. Aber diese Vergötterung seiner Person, die irgendwie so gar nichts mit dem Schauspieler Kinski zu tun hat, sollte man jetzt spätestens einstellen. Wenn sie denn je gerechtfertigt war.

  5. So unpassend es auch rüberkommen mag, möchte ich dennoch darauf verweisen, dass in die Deutschland die Unschuldsvermutung gilt. Auch für einen Klaus Kinski.
    Ob seine Tochter glaubwürdig rüberkommt oder nicht ist für die mögliche Tat in keiner Weise relevant, auch wenn es einem ins Bild passt. Auch mir.
    Dennoch müssen die allgemeingültigen Regeln auch hier Anwendung finden.
    Was ich eigentlich meine ist, dass es nicht korrekt ist einfach aufgrund einer, zugegeben glaubwürdigen Quelle, eine Vorverurteilung vorzunehmen. Man könnte sich ja auch vorstellen, dass sie es möglicherweise einfach satt hat im Schatten ihres Vaters zu stehen.
    Nur mal als Denkanstoß, Beweise für oder gegen die Anschuldigung dürften inzwischen schwer zu finden sein.

    • Bis zu einem gewissen Punkt hast du recht – und zwar der der sagt: Klaus Kinski ist tot.

      Das heißt, dass die Unschuldsvermutung in dem Fall eher unproduktiv ist, denn Klaus Kinski kann nicht mehr bestraft werden.

      Ihm kann auch die Meinung der Leute ziemlich egal sein. Darum gehts in meinem Artikel aber auch eher nicht. Sondern um den Blödsinn, den Arno Frank da absondert.

      Karl hats gut auf den Punkt gebracht:
      Was immer er als Schauspieler geleistet hat, hat er als Schauspieler geleistet. Die Filme sind nach wie vor gut, sie werden nicht schlechter, weil sich jetzt herausgestellt hat, dass er ein Verbrecher war.

      Die Unschuldsvermutung hat ihren Sinn bei lebenden Menschen – weil hier verhindert werden soll dass Willkürurteile gesprochen werden.

      • „Das heißt, dass die Unschuldsvermutung in dem Fall eher unproduktiv ist“ – nicht komplett, es gibt auch noch das postmortale Persönlichkeitsrecht.

        • Wirft nicht Unschuldsvermutung und Persönlichkeitsrecht durcheinander.

          Und Unschuldsvermutung… wie hoch ist die anzusetzen, wenn er selbst bereits in seinen Biographien zugegeben hätte, die Tochter missbraucht zu haben?

          • Na ja, eigentlich wollte ich nur ausdrücken, dass es sehr leicht ist jemanden zu verurteilen, der sich nicht mehr äußern kann. Da spielen die fehlende Sympathie und das zur Last gelegte Verbrechen eine stark meinungsbildende Rolle.
            Was wäre, wenn K. K. in Wahrheit unschuldig wäre? – Aus diesem Blickwinkel betrachtet hätte Arno Frank dann keinen Blödsinn verzapft.
            Verstehe mich nicht falsch – wenn Kinski das getan hat wessen er beschuldigt wird gehört er auch nachträglich geächtet, nicht geachtet!
            Aber pauschal anzunehmen, dass er das mit Sicherheit getan hat, ist in meinen Augen denn doch zu einfach gemacht und zeigt nur, dass keine objektive Betrachtungsweise zugelassen ist.
            Wenn Schriftverkehr oder Audio- oder Videoaufnahmen gefunden würden die diesen Verdacht bestätigten, ok. Aber nicht einfach, weil einem die Beschuldigende sympathischer ist als der Beschuldigte.
            Auch wenn er ein A***loch war.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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