Brutalst mögliche Aufklärer II


Das wird allmählich zum Possenspiel. Alleine in diesem Spiegel-Artikel sind ein paar Äußerungen drin, wo ich mich eines Lachanfalls nicht erwehren konnte. Allerdings war der gemischt mit einiger Bitterkeit.

Fangen wir mit Frau Leutheusser-Schnarrenberger an:

„Die dramatischen Erschütterungen des Jahres 2010 dürfen nicht in einer halbherzigen Aufarbeitung versickern.“

Frau Leutheusser-Schnarrenberger, sie haben da was falsch verstanden. Eine halbherzige Aufklärung wäre für den Laden ein echter Fortschritt. Das würde bedeuten, dass zumindest Teile des Klerus endlich einsehen, wieviel Leid sie mitverursachen, indem sie systematisch die Fälle verschleiern und vertuschen.

Die Kirche hatte die Zusammenarbeit mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) beendet und dies mit einem zerrütteten Vertrauensverhältnis begründet. Vertrauen sei „für ein so umfangreiches und sensibles Projekt unverzichtbar“, sagte der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann. Die Deutsche Bischofskonferenz sei aber weiter von der Notwendigkeit der Aufarbeitung überzeugt und werde in den kommenden Wochen Gespräche mit potentiellen neuen Partnern führen.

Ich übersetz das mal:

„Verdammt, wer konnte denn ahnen, dass ausgerechnet der Pfeiffer jetzt mal seinen Job machen würde und neutral ermitteln? Der macht doch sonst auch immer nur bestellte Gutachten. Der Job bei der Polizei war doch damals so sauber gelöst. Naja, gucken wir mal, ob wir da jemanden finden, der uns nicht in die Pfanne haut. Gott, ist das ganze ein PR-Desaster.“

Übrigens hat nicht die Kirche die Zusammenarbeit mit dem KFN beendet sondern andersrum wird ein Schuh draus: Pfeiffer hat die Reißleine gezogen, weil der nur blockiert wurde und die Kirche meinte dann „ok, suchmer halt wen anderes.“

Kleiner Joke am Rande:

Leutheusser-Schnarrenberger verteidigte das Institut. Das KFN sei „eine der ersten Adressen, um eine unabhängige wissenschaftliche Aufarbeitung auf Grundlage der Personalakten seit 1945 vorzunehmen“.

*prust* Also, ich find, die Leutheusser-Schnarrenberger hat wirklich einen ausnehmend feinsinnigen und fiesen Humor. 🙂

Für eins könnt ich den Pfeiffer knutschen:

Pfeiffer will nun eine eigene Untersuchung zu kirchlichem Missbrauch erstellen. Er rief alle kirchlichen Missbrauchsopfer auf, für eine anonyme Befragung mit dem Forschungsinstitut Kontakt aufzunehmen. Nachdem das KFN bereits für eine andere Studie 500 Opfer von Missbrauch durch unterschiedliche Täter untersucht habe, sollten diese Ergebnisse nun mit denen von 500 Opfern kirchlichen Missbrauchs verglichen werden.

YAY. Immer feste druff, für DIE Aktion verzeih ich dem sogar die Polizeibefragung und seine Äußerungen zu den Amokläufen. 🙂

Achso, ein bisschen Hintergrundinfo: 2011 hat eine neutrale Anwältin im Bistum München mal ein wenig in den Akten gewühlt und etwa 9x soviel Missbrauchsfälle gefunden als das Bistum bis dahin zugegeben hat. Zollitzsch war aufgrunddessen etwas im Zugzwang und hat das KFN beauftragt, da mal ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Nur – die Bistümer haben von Anfang an gemauert. „Datenschutz“. Es sind wohl auch ziemlich aufgebrachte Geistliche im KFN aufgeschlagen und haben den Pfeiffer aufgefordert, doch bitte das alles sein zu lassen, das würde nur alte Wunden aufreißen.

Von wegen Opferschutz. Und überhaupt, man könne sich doch nicht drauf verlassen, dass die Namen der armen Opfer nicht doch geleakt würden und stellen Sie sich doch nur mal den Stress vor, dem diese armen Seelen dann ausgeliefert wären. Die Presse würde die ja sofort ausschlachten und ein vöööööööllich falsches Bild zeichnen.

DAS ist die Kirche, die die Fälle von Missbrauch aufklären möchte. Dabei müssen die hier noch nicht mal exorbitante Schadensersatzklagen fürchten. Dank der Tatsache, dass am Runden Tätertisch Sexueller Missbrauch die Täterorganisationen über die Hilfen für die Betroffenen entschieden haben, wurden die Hilfen gedeckelt und selbst die gedeckelten Hilfen sind noch nicht mal auf den Weg gebracht, weil die Länder jetzt mauern.

Es gibt weder ein funktionierendes Meldesystem, noch eine funktionierende statistische Erfassung oder eine Ausweitung des Opferentschädigungsgesetztes. Eigentlich ist nach 3 Jahren Runder Tisch das Ergebnis: Null. Viel Diskutiererei, viel sollte auf den Weg gebracht werden, aber seine vorrangige Funktion, nämlich Dampf aus dem Kessel zu nehmen, bis das ganze wieder unter den Teppich gekehrt werden kann, hat er hervorragend erfüllt.

Insofern kann ich die Kirche ja fast verstehen, dass die jetzt pissig sind – das war alles grad so schön aus den Meldungen raus und nun macht der doofe Pfeiffer mit seinem KFN alles wieder kaputt.

Arme Kirche.

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Veröffentlicht am 9. Januar 2013, in Lieblingskriminologe. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 18 Kommentare.

  1. Und erstaunlicherweise findet das sogar Interesse in den Medien. Damit konnte doch gar niemand rechnen.

  2. Ich hoffe nur, dass endlich n paar Leute n paar aufs Maul bekommen, die für die Untersuchung, bzw. ihre Verhinderung verantwortlich sind, waren, sein werden, gewesen sein geworden haben (oder so) wären da ne gute Wahl.

  3. Kann man eigentlich Sammelklage gegen die Kirche einreichen und ihnen Behinderung der Justiz vorwerfen? Nichts anderes ist das doch. Die haben Akten, also Beweismittel für Missbrauchfälle, wollen die aber nicht rausrücken um das Verbrechen zu verschleiern (aka nicht zugeben und ihren eigenen Arsch PR-mäßig retten…).. ich meine, wenn eine große Firma Steuerbetrug oder so was vorgeworfen wird, können auch Akten beschlagnahmt werden, ungeachtet des „Datenschutzes“ oder? Warum dann nicht auch diese ominösen Kirchen-Akten? Ich finde, die Staatsanwaltschaft sollte da mal etwas fester auf die Finger von Leuten klopfen… und wenn das nicht möglich ist, sollten wir uns ganz schnell fragen warum das nicht möglich ist.

    (Tim Minchins „Pope Song“ gerade bei mir in der Dauerschleife… schon schade, dass der Song immer noch so aktuell ist)

    • Weil die nur Fälle untersuchen, die bereits verjährt sind, Hase.

      Die Akten werden ja nicht zur Behinderung von Strafrechtsfällen vernichtet, sondern zur PR-Aktion.

      • *sigh* Okay… *murr* Trotzdem… irgendwie schmeckt mir das gar nicht, dass das einfach so verjähren und unter den Teppisch gekehrt werden kann… ich meine, das ist doch kein Kavaliersdelikt oder etwas, worüber man lachend am Feuer sitzt und „Man, waren wir verrückte Leute als wir Jung waren!“ rufen kann…

        Ich hoffe, dass der nächste, der sich da an den Tisch sitzt ein gerissenes Schlitzohr ist und es irgendwie schafft trotzdem Licht ins Dunkle zu bringen… vielleicht macht ja jetzt die Öffentlichkeit mal genügend Druck auf die Kirche bis die merken, dass man da nicht einfach so Gras drüber wachsen lassen kann…

        • Herzlichen Glückwunsch, du hast soeben den Punkt erreicht, der hier permanent für guten Blutdruck bei mir sorgt.

          Wenn man sich mit dem Thema beschäftigt kann man echt nur noch sauer werden.

          Und die Öffentlichkeit? Druck auf die Heilige Mutter Kirche?

          Bring mich nicht zum lachen. Die sind besser im Aussitzen als Angela Merkel und Helmut Kohl zusammengenommen.

          • aussichteinsicht

            Was denkst du, Tantchen, wo Merkel und Kohl das gelernt haben? Nur von den Besten, den Kirchenoberen.
            Ich darf mich nicht näher mit dem Ganzen beschäftigen, sonst spuck ich nur noch Gift und Galle… 😦

          • Wie siehts eigentlich mit den Verjährungsfristen bei der straf/Verfolgungs-vereitelung aus? Könnte man die Akten nicht deswegen bekommen?

            • Derzeit 20 Jahre.

              Das heißt, alles vor 1992 ist verjährt.

              Der Skandal ist 2010 so richtig hochgekocht. Und nicht umsonst ist mit dem Jahr 1990 wie abgeschnitten alles natürlich nicht mehr so gewesen. Da hatte die Kirche ja schon gelernt, ab 1990 ist kein Kind mehr missbraucht worden. *cut*

              Und wer DAS glaubt, glaubt auch noch an den Weihnachtsmann.

  4. ach Tantchen, dass Du auch gleich auf die Ärmsten (im Geiste) losgehst. Ich weiss, dass ich damit heftigsten Widerspruch auslösen kann, aber wer sich mit diesem Doppelnamen „schmückt“, kann nicht „normal“ sein.

    Ja, Ihr Emanzipationsjünger (m/w), es gibt auch – aus eigener Beobachtung (und zwar vollkommen unvoreingenommen, da bin ich, trotz vorgeschrittenen Alters, Kind) einen eindeutigen Zusammenhang (mit Worten von Josephine: ääährlich)
    .. und ich steh‘ dafür (ohne stolz zu sein)

  5. ein anderer Stefan

    Bis die katholische Kirche sich für irgendwas entschuldigt und Fehler zugibt, vergehen mehrere hundert Jahre – wenn überhaupt. Da sie jetzt gemerkt haben, dass sie aus der Nummer nicht mehr ohne heftigen Gesichtsverlust rauskommen, machen se nen Deckel drauf, den sie ca. 2400 wieder lüften – in der Hoffnung, dass es dann keine Sau mehr interessiert.

  6. Tantchen, ich benötige Deinen fundierten Rat, denn mein Mageninhalt versucht gerade , den falschen Weg zu nehmen
    was soll ich tun (ausser, mir „die Kugel“ (nein, nicht die in güldenem Glanzpapier eingeschlagenen) zu geben)?
    ich habe nämlich gerade die besagte Dame in der Tagesschau gesehen
    #uäääääääähhhh (Brocken folgen)#

    • Die Leutheusser-Schnarrenberger kann ja auch eigentlich nicht viel machen. Die stecktn in den Zwängen genauso drin wie jeder andere. Sie *versucht* es wenigstens noch.

      Das Beschneidungsgesetz ist in ihrem Ministerium gemacht, aber nicht auf ihrem Mist gewachsen. Sie ist nur die, die politisch den Kopf hinhalten muss.

      Aber ein bisschen einprügeln darf man 😉

  7. Also ich mag ja jetzt sehr sarkastisch klingen, aber irgendwie scheint es so als würden die Missbrauchsopfer jetzt den Preis für die Trennung von Kirche und Staat bezahlen. Immerhin wurde damals ja sinngemäß vereinbart „Ihr müsst unsere Gesetze nicht mehr einhalten aber im im Gegenzug sind wir auch nicht an eure Gesetzgebung gebunden.“ Und die Kirche(n) fordern uns jetzt sehr direkt dazu auf diese Schuld zu begleichen bzw. uns an diesen Vertrag zu halten.
    Zu alldem Übel gibt es einfach noch genügend Mitbürger die hinter ihrer Kirche stehen, sich auf keinen Fall öffentlich dagegen aussprechen wollen. Sicher auch noch genügend, die mehr oder weniger bewusst, der Überzeugung sind an Missbrauch ist das Opfer immer auch mitschuld bzw. bei Missbrauch in Kinderheimen, dass „solche“ Kinder ja quasi selber schuld sind an ihrer Unterbringung, wärens halt „brav“ gewesen hättens ja nicht ins Kinderheim müssen.

  8. Es ist schon schwer zu begreifen: Da bietet sich die Möglichkeit, von einem ultrakonservativen Kriminologen ein garantiert nicht neutrales Gutachten zu bekommen und alles, was der Kirche dazu einfällt, ist ein Mediendesaster.
    Es stellt sich die Frage, auf wen die Bischhofskonferenz als nächstes ihr heiliges Auge wirft. Viel weiter rechts geht ja eigentlich kaum noch. Man muß Pfeifer an dieser Stelle allerdings zugute halten, daß sein Einsatz offenbar den Punkt getroffen hat. Auch sein Festhalten an den Ermittlungen – lassen wir das Gefasel von »Forschungsauftrag« einmal beiseite – spricht in diesem Fall für ihn.
    Für die katholische Kirche geht es im Grunde um viel mehr, als diese (zugestandermaßen widerliche) Spitze des Eisbergs. Der gesamte Verein gehört von Grundauf renoviert. Man kann im 21. Jahrhundert Menschen nicht behandeln wie zu Zeiten Karls des Großen. Zöllibat heute? Das ist ein sicherer Weg, um an Seele und Körper kranke Menschen zu produzieren. Was dabei herauskommt, sollte diese Studie ja gerade aufdecken. Es geht dabei eben nicht um ein paar wenige Kriminelle, sondern um ein krankes System. Darin sehe ich den Grund, warum es zu diesem apprupten Ende der Zusammenarbeit kam. Der Bischhofskonferenz scheint aufgefallen zu sein, daß das Ergebnis dieser »Forschungsarbeit« eben nicht eine unbedeutende Minderheit betrifft, sondern die katholische Kirche in ihrer Gesamtheit.
    Alternativ könnte natürlich auch eine Rolle gespielt haben, daß dieKurie nicht über genügend Bargeld verfügt, um das Gutachten zu bezahlen. EC – und Scheckkarten werden ja nicht mehr akzeptiert.. siehe Geldwäsche 🙂

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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