Volkszugehörigkeiten


Was treibt Menschen dazu, ihr Land zu verlassen?

Wenn ich so ins Refugeecamp gucke: Ein Grund, zu gehen, ist die Furcht ums eigene Leben, weil im eigenen Land Bürgerkrieg herrscht und man nicht zwischen die Fronten geraten möchte. Hungersnöte, die es den Menschen dort verwehren, ihre Familie ernähren zu können (wird auch leider oft befeuert von den unsäglichen Spekulanten an der Getreidebörse).

Das sind mehr als ausreichende Gründe, um sein Heimatland zu verlassen. Und ich bin mir sicher, die wenigsten machen sich den Entschluß leicht. So eine Entscheidung trifft man nicht aus dem hohlen Bauch heraus, man überlegt sich schon sehr gut, wann man geht, und warum.

Außer natürlich, man heißt Gerard Depardieu, ist offenbar nicht mehr ganz dicht und meint, man zahlt zuviele Steuern UND steht mit der Demokratie offenbar auf dem Kriegsfuß.

Ganz ehrlich, der hat doch nicht mehr alle Tassen im Schrank.

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Veröffentlicht am 5. Januar 2013, in alltägliche Katastrophen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 21 Kommentare.

  1. turtle of doom

    Die französische Filmförderung sollte mal ein Wörtchen reden mit ihm. Beziehungsweise mit den Leuten, die ihn als Schauspieler verpflichten.

  2. Was die ganzen Geldsäcke, die angeblich ja so stolz auf ihr Land sind, von Solidarität halten sehen wir an allen Ecken und Kanten besonders aber ganz sicher nicht nur in Griechenland und nun auch in Frankreich. Aber natürlich auch schon früher bei uns bei „Patrioten“ wie Becker …

  3. kleiner_Geist

    Ich kann ihn verstehen.
    Ich bin stolz deutscher zu sein, aber davon kann ich mir nichts kaufen. Es gibt auch bestimmte politische Entscheidungen, die mich sofort zum Auswandern bewegen würden.
    Dazu würden z.B. gehören: Eine Einführung der Todesstrafe. Oder eben auch eine Einführung einer Sondersteuer für Softwareentwickler.
    Wenn man in seinem Beruf erfolgreich ist und gut wirtschaftet, dann darf man dafür nicht bestraft werden. Schon unser progressives Steuersystem halte ich nicht für sonderlich fair. Ja, ich bin Kapitalist. Das passt aber gut zu meiner misanthropen Lebenseinstellung. Sollten wir sozial benachteiligten und arbeitslosen helfen? Natürlich! Dafür sind wir eine Gemeinschaft aber es muss denen die für ihren Lebensunterhalt arbeiten immer besser gehen, als denen die nicht.

  4. Hmmmm auf der einen Seite… wenn man in seinem Land 75% Steuern zahlen soll und man als reicher Mann in anderen Ländern mit Kusshand genommen wird… anderseits wenn man so viel Schotter macht, dass 75% Steuern immer noch mehr als genug übrig lassen… nun, wie heißt es so schön? Unter Druck zeigt sich, aus was der Mensch gemacht ist… *Schulterzuck*

    • Es geht ja nicht nur um seine Landesflucht. Guck dir mal an, was der so über die lupenreinen Demokratien dort erzählt, man fragt sich echt, in welcher Welt der lebt.

      • Wahrscheinlich hat er einmal zu oft von seinem „Zaubertrank“ genascht, obwohl Miraculix es ihm verboten hat.

      • Vermutlich hat er die Sache mit der „Ein Mann, eine Stimme“ der Demokratie etwas zu wörtlich genommen: In Russland gibt es EINEN Mann und er hat DIE Stimme. *grins*

        • turtle of doom

          Ah, erinnert mich an…

          „In a democracy, it is the vote that counts. In a feudalist system, it’s the count that votes.“

  5. Wenn’s ums Geld geht – da bin ich zerrissen. Einerseits kann ich es nachempfinden, bei einem so hohen Steuersatz angepisst zu sein – Auch wenn ich sicher nicht das Einkommen eines Depardieu habe, aber auch nicht am Hungertuch nage, ärgere ich mich jedes Monat wieder über den dicken Aufdruck „Gesamtanteil der Abzüge 48%“ auf der Gehaltsabrechnung. Daher kann ich das irgendwie schon nachvollziehen, einen Umzug ins Auge zu fassen.

    Was ich nicht nachvollziehen kann ist sein Gefasel über die Großartigkeit des demokratischen Systems Russlands und ob der Herrlichkeit von Putin und Co.
    „Interessant“ finde ich auch die Reaktion einiger Russen:
    „… Ein russischer Facebook-Nutzer schrieb über Depardieu: „Er bewundert unsere Demokratie – er hat nicht mehr alle Tassen im Schrank.“ …“

    • Reichensteuer von 75% ist ja auch nur so ein Schlagwort. Mit Sicherheit gibts Abzüge, die man vorher machen kann und von dem netto, was DANN überbleibt werden 75% gezahlt.

      Auch wenn ich so einen Steuersatz für völlig bescheuert halte und vor allem für Populismus: Was sich Depardieu da leistet…. ne, sorry.

      • Eben, die *legalen* Möglichkeiten, das zu versteuernde Einkommen runterzurechnen, sind hierzulande und vermutlich auch in Frankreich um so umfangreicher, je höher das Einkommen ist. Und wenn der Einkommensteurbescheid kommt, gibt’s ja meistens auch was zurück, und zwar in der Regel umso mehr, je mehr man zu versteuern hatte.

        FÜr die Masse derer, die im Wesenltichen das Steueraufkommen tragen, sind die Möglichkeiten deutlich eingeschränkter, aber die wären von einer möglichen „Reichensteuer“ (bescheuertes Wort) ja auch nicht betroffen..

    • Unabhängig vom Thema D. und P. kann Deine Argumentation mit 48% Abzügen auch nicht 100% Wahrheit für sich beanspruchen.

      Bei den Abzügen ist nämlich fast die Hälfte davon Dein Beitrag zur sozialen Absicherung, als da wären Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.

      Ganz sicher sind alle diese Versicherungssysteme in Deutschland verbesserungswürdig, aber trotzdem ist es immer noch eine der besten sozialen Sicherungen weltweit.
      Deswegen ärgert es mich immer etwas, wenn man so tut als würde sich der Staat alle diese Abzüge in die Tasche stecken.

      • Ich habe ganz bewusst *Abzüge* und nicht *Steuern* geschrieben. Ja, ich weiß, wie die sich zusammensetzen und ja, ich weiß auch, was ich dafür bekomme und was nicht.
        Nein, ich hinterziehe daher aus Frust keine Steuern oder wandere aus.

        Ich wollte damit ausdrücken, dass es schon mal frustrierend sein kann, betrachtet man den bloßen *Prozentanteil* dessen, was nach Abzug aller Steuern und (Pflicht-) Versicherungen übrigbleibt. Und ich daher bei der Drohung mit 75% Steuersatz (was bei denen, die dem Höchststeuersatz unterliegen, immer noch eine Menge Geld übrig lässt) durchaus die psychologische „dann hau ich ab“-Komponente verstehen kann. Nicht mehr und nicht weniger.

  6. Sich über Herrn Depardieu aufzuregen, ist verständlich, insbesondere wenn man sich seine Äußerungen zum politischen System in Russland anschaut. Wenn man aber, wie Karl schon anführt, schaut haben wir auch solche „Patrioten“ im Lande im Gedächtnis; als da wären Becker oder Schuhmacher. Seltsamerweise kamen da nur recht leise ein paar Proteste auf und obwohl sie ihren Hauptwohnsitz in Monaco (oder einer sonstigen Steueroase) hatten, wurden sie als Deutsche angesehen. Niemand hat damals verlangt, dass irgendwelche Firmen nicht mehr mit ihnen arbeiten sollten.

    Ich plädiere daher dafür, die Kirche im Dorfe und Herrn D. sich selbst lächerlich machen zu lassen. Ist für mich ein PAL!

    😀

    PS: Wer nicht weiß, was ein PAL (andere Schreibweise: P.A.L.) ist, der sei auf die Abhandlung „Per Anhalter durch die Galaxis“ verwiesen 😉

  7. Das schärfste am Herrn Schumacher war ja dass er mal eine Aussage machte dass er seine Marmelade in Deutschland einkaufe weil sie ihm in der Schweiz zu teuer ist 🙂

    • turtle of doom

      O.o

    • Tja – einmal Arschloch, immer Arschloch…

      • .. nur: DER tauscht sicherlich nicht mit Dir 😉
        und fährt halt „die paar Kilometerchen“ für den Kauf eines preisgünstigen Fruchtaufstriches
        (oder meint er doch die Masse aus Zitrusfrüchten? – selbstverständlich gepflückt in unserer gelobten Republik von Jungfrauen und von „Tantchens“ eingekocht, original abgefüllt und verschlossen .. 😉 )

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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