One Man One Vote


Einer der eisernsten Grundsätze unserer Demokratie: Jeder hat eine Stimme. Genau eine. Nicht mehr und nicht weniger.

Es hat in der Vergangenheit immer wieder Vorstöße gegeben, um genau diesen Grundsatz auszuhebeln. Meist kam er von Parteien, die mit dem Wahlhintern über der Klippe hingen und drohten, hinunterzurutschen.

So auch dieses mal.

Dirk Niebel fordert Wahlrecht auch für Kinder, das treuhänderisch durch die Eltern ausgeübt werden soll. Weil es ja absurd sei, das in Deutschland 13 Millionen Menschen von politischen Entscheidungen ausgeschlossen seien.

Dieser Satz ist völlig entlarvend. Denn was würde sich denn ändern?

Die Eltern würden doch nicht ihre Kinder fragen „welche Partei möchtest du denn wählen?“ und dann das Kreuzchen an der Stelle machen. Möglicherweise gibt es einige dieser Eltern, aber die meisten würden doch so ihre eigene Stimme verstärken. Den Kindern wäre kein Gehör geschenkt.

Um das Problem in seinem ganzen Ausmaß deutlich zu machen, reicht ein Blick über den großen Teich. Dort gibt es die (freundlich ausgedrückt) erzkonservative „QuiverFull-Bewegung“. QuiverFull darf man hier wörtlich nehmen, das Ziel dieser Familien ist, soviel Kinder wie möglich in die Welt zu setzen. Die Bewegung ist sehr klein, hat aber sehr viele Kinder. Sie stehen ganz sicher nicht für die Mehrheit der Amerikaner, aber sie hätten ein unverhältnismäßig großes Gewicht, wenn sie für ihre Kinder mitvoten dürften.

So verschiebt man Wahlergebnisse, Herr Niebel. Man schenkt Kindern so kein Gehör. Kinder sind Kinder und sollen das auch sein. Mit einer politischen Willensbildung sind ja viele Erwachsene überfordert, wie soll man da bei Kindern ansetzen? Das einzige, was da absurd ist, ist ihre Forderung.

Kinder sind keine FDP-Wahlhelfer. Sie sind Geschöpfe, die uns anvertraut wurden, damit wir sie lieben, schützen, sie lehren und sie zu Erwachsenen werden lassen, auf die man stolz sein kann. Und genau HIER fehlen so viele Menschen.

Herr Niebel, wie haben sie bei dem Gesetz zur Beschneidung von Jungen gestimmt? DAS wäre doch mal die Gelegenheit gewesen, zu zeigen, dass ihnen die Rechte von Kindern ein echtes Anliegen gewesen wäre. Wo bleiben ihre Forderungen nach der vollständigen Implementierung der UN-Kinderrechtscharta in unser Gesetz? Oh, stimmt. Kann man nicht mehr, da das Beschneidungsgesetz elementar dagegensteht.

Wir haben eine Menge zu leisten beim Kinderschutz und bei jedem von uns, der Kinder nicht als eigenständige Persönlichkeiten ernst nimmt.

Aber Wahlrecht für Kinder nutzt da genau nichts. Sondern nur der FDP, damit sie so vielleicht genügend Stimmen für die 5%-Hürde bekommt.

Ein durchsichtiges Manöver eines abgehalfterten Möchtegernparteivorstandes. Mehr ist das nicht.

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Veröffentlicht am 5. Januar 2013, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. Lochkartenstanzer

    Und was ist Kindern die durch die öffentliche Hand verwaltet werden (Waisen- und Kinderheime, etc?) Stimmen die dann en block für die FDP in Person des Anstaltsleiters, so ähnlich wie ganze Kasernen für Putin stimmen?

    • Ja – _das_ würde mich auch mal interessieren…

    • Stimmt, interessante Frage.
      Auch – wie sieht es mit Alleinerziehenden oder Geschiedenen aus – gerade bei letzteren kann es interessant sein – wer darf die Kindesstimme verwerten? Bei gemeinsamen Sorgerecht jeder die Hälfte (wie bei der Steuer?) – oder muss man sich auf einen einigen?

  2. Das wirft einige Fragen auf:
    1. Wie oft ist Niebel eigentlich mit dem Kopf vor die 5%-Hürde gerannt?
    2. Wieviel Alkohol ist nötig, um überhaupt auf solche Ideen zu kommen?
    3. Wurde Niebel als Kind 3x in die Luft geworfen, aber nur 2x aufgefangen?
    4. Wie verzweifelt ist die FDP?

    Spinnen wir diesen Gedanken mal weiter, Kinder erhalten das Wahlrecht. Wahlrecht bedeutet, wählen zu dürfen, aber auch, sich wählen zu lassen. Ich stelle mir gerade vor, wie es im Bundestag aussähe, wenn eine Kinderpartei auf einmal das Sagen hätte, 13 Mio Kinder sind 16,25% der Bevölkerung, und wenn die gesamte Familie mitzieht, dürften locker 30-40% für eine Kinderpartei drin sein. Ein ernstzunehmender Gegner für die etablierten Parteien, da dürfte es nicht lange dauern, bis der erste aufschreit und die Abschaffung des Kinderwahlrechts fordert.

    • Lochkartenstanzer

      > da dürfte es nicht lange dauern, bis der erste aufschreit und die Abschaffung des Kinderwahlrechts fordert.

      Machen die ja schon seit langem mit dem Frauenwahlrecht oder dem Wahlrecht für die „mittellosen“.

    • Um nur die Fragen zu beantworten:

      1. Mindestens einmal zu oft
      2. Als FDPler – nicht viel. Als Angehöriger anderer etablierter Parteien – ein paar Flaschen Merlot, aber bitte nicht unter 5 Euro.
      3. Nein. Das Verhältnis ist 4 zu 2.
      4. Sehr.

  3. Klingt wie die Überbleibsel vom Alkoholrausch von Sylvester… manchmal frage ich mich, was gewisse Politiker nehmen… O.o

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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