Millionengräber


Es gibt Dinge, die sind so unglaublich dämlich, dass man mehrmals schlucken muss, bevor man sie glaubt.

Das betrifft vor allem die aktuellen Großprojekte, die offenbar auf dem Dienstweg geplant wurden.

Wo man gerade hinguckt trifft Großmannssucht auf maximale Inkompetenz:

Brandschutz am Berliner Flughafen, Wasserstandsanzeiger beim Unterwasserbahnhof S21 inklusive eckigem Brandschutz in rundem Bahnhof und aktuell:

Elbphilharmonie.

Leute, das ist nicht euer ernst oder? Ihr kalkuliert Mehrkosten im dreistelligen Millionenbereich und VERGESST dann die Mehrwertsteuer? Wem wollt ihr das denn erklären?

Ich persönlich glaube euch kein Wort. Haushalt ist Haushalt. Und wenn aus 77 Millionen knapp 600 werden, ist man im Erklärungsnotstand.

Also stellt man die Mehrkosten als Nettobetrag rein und macht dann für die Mehrwertsteuer eine überplamäßige Ausgabe, so hält man die Ansätze klein und man kann den Senat leichter überzeugen.

Nur – bei DEN Beträgen nutzt auch die Salamitaktik nichts mehr, um sie noch klein zu halten. Der Protzbau ist eine Katastrophe und gehört eingestampft, eh noch mehr Gelder verbrannt werden.

Das Schlimmste dabei?

Für die 600 Millionen Euro hätte man HartzIV-Empfänger eine ganze Weile lang durchfüttern können.

 

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Veröffentlicht am 30. Dezember 2012, in alltägliche Katastrophen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 9 Kommentare.

  1. Bei öffentlichen Ausschreibungen scheint das an der Tagesordnung zu sein, dass Bauprojekt ABC am Ende SEHR VIEL teurer wird als veranschlagt. Das zeigt ganz deutlich zwei Probleme:
    1. Der Bauunternehmer kann oder will seine Kosten nicht richtig kalkulieren, nur um den Auftrag abzugreifen
    2. Der Bauunternehmer denkt sich „Was solls, sind ja Steuergelder, ich probier mal, vieviel da noch rauszuholen ist“

    Solche Unternehmen sollten einfach mal 10 Jahre von allen öffentlichen Ausschreibungen ausgeschlossen werden, das sollte den Verantwortlichen reichlich Zeit für einen BWL-Auffrischungskurs geben.

  2. Zu den Ursachen der Kostensteigerungen hatte der Spiegel vor einiger Zeit einen interessanten Artikel (den ich jetzt leider nicht wiederfinde und und daher nur nach Gedächtnis wiedergeben kann).

    Die Ursachen sind u.a.:
    – eine ungenaue Ausschreibung der zu erbringenden Leistungen
    – nachträgliche Änderungswünsche der Auftraggeber
    – die Aufsichtsräte, die mit Politikern besetzt sind statt mit Fachleuten, die mit ihrem Wissen auch wirklich eine Kontrolle ausüben könnten.

  3. Lochkartenstanzer

    Moin,

    Ich sage ja schon lange, daß man die Unternehmer dazu zwingen müßte, Ihre Leistung zu den kalkulierten Kosten zu liefern. Dann würden sehr schnell diejenigen, die die niedrigen Preise abgeben, um den Auftrag zu bekommen und dann hinterher Nachschläge damit aufhören. Und man müßte sie dann für mindestens 10 Jahre von öffentlichen Aufträgen ausschließen, wenn sie das Budget sprengen.

    Ich mache schon lange keine EDV-Angebote für öffentliche Verwaltungen mehr. Nicht weil ich die nicht haben will, sondern weil man die mit vernünftiger Kalkulation gar nicht erst bekommt.

  4. Das Problem ist, dass die Vergaben nach VOB erfolgen, dies erspart dem Auftraggeber, sich mit so profanem wie eine detailierte Ausschreibung abzugeben – „man“ hat ja bekanntermassen Besseres zu tun, in der geheiligten Politik.
    Bei der zweiten Möglichkeit, der Vergabe im Festpreis, muss man sich schon Gedanken machen, z.B. was man eigentlich will, und allein das überfordert diese Sesselfurzer in den Parlamenten und Ämtern vollständig (zumal sie ja wohl – gemäss vielfacher Aussage eines einzelnen Herren – vollständig unterbezahlt sind!)

  5. Ach ja,
    Bauunternehmen sollten schon richtig kalkulieren. Der Staat allerdings auch. Und nicht blind nur das billigste Angebot nehmen. Sondern das Solideste.

    Und wenn sich Bauunternehmen – oder Unternehmen ganz allgemein – an die Kostenvoranschläge halten sollen, fände ich es gut, wenn sich Politiker an ihr Wahlprogramm halten müßten. Unter Strafe natürlich, wenn sie davon abweichen.

    Und Hartz4-Empfänger gibt es nicht. Genauso wenig gibt es Hartz 4. Schließlich will ich von dem Mann nix, schon gar nicht, wenn er um Millionen betrügt und dafür nicht mal ins Gefängnis muß. Es sind ALG-2-Empfänger, die du meinst. Und solche Leute will die Bundesregierung nicht, schließlich versauen sie die Statistiken.

    Es wäre sehr viel günstiger für die Regierung, wenn es ein Grundeinkommen um die 1000 EUR ohne Wenn und Aber gäbe. Und sie den ganzen Behördenapparat abbauen würde, der wesentlich mehr verschlingt. Selbst dann, wenn immer wieder Sanktionen gegen diese Geldempfänger verhängt werden.

  6. Das Problem ist das diejenigen die die Ausschreibung machen keinen Plan von der Materie haben und diejenigen die sich drauf bewerben häufig genug mit Nachforderungen oder unklaren Beschreibungen zu kämpfen haben die die Kosten nachträglich in die Höhe treiben. Obendrein kommen noch so unkalkulierbare Sachen hinzu wie Probleme am Baugrund den die Baufirma auch nur vom Hörensagen her kennt.

    Im Grunde müsste bevor der erste Spatenstich gemacht wird eine spezialisierte Firma zusammen mit den politisch Verantwortlichen zusammen alles von vorne bis hinten durchplanen, entsprechende Untersuchungen des Baugeländes machen und die Kosten durchrechnen.

    Dann erst darf es für das Bauprojekt Ausschreibungen geben und wer von den geplanten Kosten zu sehr nach oben oder unten abweicht muss erklären woher die Differenz kommt.

    Kommen nachträgliche Kosten zu stande muss die erste Firma erklären ob diese rechtens sind und warum sie in der Vorplanung nicht auftauchten.

    Es muss darauf geachtet werden das diese Firmen nicht zusammengehören.

  7. ein anderer Stefan

    Leider muss die öffentliche Hand den günstigsten Bewerber nehmen – das die nicht immer die besten sind, weiß der gesunden Menschenverstand. Und dass die lokalen Firmen sich absprechen, dass alle mal drankommen und reihum das jeweils günstigste Angebot abgeben, ist auch ein offenes Geheimnis. Und jeden noch so kleinen Nachtrag lassen sich die AN dann vergolden – zu Nachträgen kommt es eigentlich immer, sei es wegen Änderungen, sei es, weil wirklich unvorhersehbares das Bauvorhaben stört oder auch weil die KOstenvorgaben seitens der Verwaltung so knapp gehalten sind, dass die Ausschreibung sowieso Müll ist. Vernünftige Ausschreibungen sind aber so langwierig und würden von vornherein höhere Kosten produzieren, dass diejenigen, die das Projekt unbedingt wollen, die Kosten vorher kleinrechnen und dann, während das Projekt schon läuft, kommen die Mehrkosten. Dann gilt immer „Wer A sagt, muss auch B sagen“. Und eine externe Planungsfirma beauftragen, die das ganze Prozedere überwacht, würde ja noch mehr Kosten im Vorfeld der Maßnahme produzieren. Da wird der Sparwahn regelmäßig verdammt teuer…

    • Nein, das mit dem günstigsten ist lang vom Tisch. Es muss der *wirtschaftlichste* genommen werden. Bzw. sollte.

      Und Firmen, die sich untereinander absprechen, riskieren in der Tat, für mehrere Jahre von allen öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen zu werden. Das kann man riskieren, muss man aber nicht. Und wird auch meiner Erfahrung nach eher nicht gemacht.

      Das Problem des kleinrechnens, das ist allerdings vorhanden – und nicht gerade ein geringes. 😦

      Übrigens sind meist externe Planungsfirmen bei den Großprojekten am Werk, imho auch bei der Elbphilharmonie. Müsste ich jetzt aber nochmal nachlesen.

    • Lochkartenstanzer

      Moin,

      wie Tantchen schon sagte. der „wirtschaftlichste“ nicht der günstigste ist zu nehmen. das Problem ist nur, daß man dann begründen muß, warum der teurere der wirtschaftlichere ist. Und weil das dem Sachbearbeiter Arbeit spart nimmt man einfach den billigsten.

      lks

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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